Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1918. május (65. évfolyam, 103-128. szám)

1918-05-01 / 103. szám

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Sie ist an ihr nicht zum Fortinbrns geworden. Zwar hatte es eine Weile den An­schein, als ab der Riß, den man seit Kriegs­ausbruch mirreic durch die Sozialdemokratie gehen sah, sich zu schließen begönne, als ob endlich gesundes Gewebe über die Ränder der lange offenstehenden Wunde sprösse, die endlich heilen sollte. Sie sollte es noch nicht! Sie hatte zu lange lassen gestanden, sie war infiziert. Die Sozial­demokratie war schon viel tveiter in sich zerfallen, als daß die menschliche Gesellschaft, die zum ersten Male von Lieser weltgeschichtlichen Kraft ihr Heil erwartete, an ihr hätte genesen können. Das Jahr 1917 wird in der Welt­geschichte der Ideen das Jahr der Enttäuschungen heisM. In der Reihe d«w Ideen, an die sich die Menschheit in ihrer höchsten Bedrängnis umsonst zu klammern gesucht hat, steht seither die Sozialdemokratie obenan. Jetzr hätte sic den großen Beweis für ihre S<!l^ung antrcten sollen. Der Augenblick war gekommen, der so vielleicht nie wieder- rchri. in dem der sozialdemokratische Gedanke seinen An- j sprach auf welterlösendc Sendung durch die welterlösende! Ta: krönen konntet Er war in sinenr weltacschichtlichen Angent lick zu dieser Tai aufgeruten. Die märschliche Ge- sellschafr^ in einer Touerkrise, die ihre materielle» und rnoraliscbc'n Slüter zu verschlingen drohte, würde eine. Kraft, die ihren Aufrmsr hätte meistern können, als ihre Rcistcrin anerkannt haben. Ein vsycholcgischer Moment von särularer Bedeutung ist damals nicht unerkannt, doch ungenützt vorbeigsgangen. Nur die -Mittelmächte ge- star.''ne.': ihren Sozichisten di' Ausreise rrach Stockholm: ür Zra.ckreich und Engla:jd war bloß die sozraüftische Mi-aderhei: dereit, au dem internationalen Fricdenswerk des Proleiariats teilzunehmen, die Mgierungen ver­weigerten ihnen seboch die Päsie, âd die Mehrheits- s '"^iatisteir in diesen Ländern, auch sonst Satellitelr der Miilichen Ltriegèpolitik, stimmten solcher Vergewaltigung jubelnd zu. Auch der Vetäurps^er der Sozialdemokratie muß, s wton :r nur ehrliâi ist. tief bedauern, daß sie in entschei- Í Lender Snmde io Uerhänanisvoll versagt hat. Dieses Ver­1 Feuilleton. Étke »ene Älkekrs. Vsn Stefa« Groftm«nn (B-rüch. Tas LadèUlcndfte Werk, das ich in den letzten Wochen sah, war eine neue „AlrestiL" von einem bisher unbekann­ten Dichter: Robert Prechtt. Es wurde am Königlichen Echauspielhause zu Dresden gegeben und mit der beseelten Stille angehört, die einenr gehaltvollen Wert gebührt und die hundertinal nrehr wcrr ist. als das Beifallgetobe un­ernster Zuschauer. Nur stcllc'Nocise war die Dresdener Stille unizudeuten in ein Gefühl der leisen Ermüdung, weil dem Drama von Robert Prechil vielleicht doch die letzte Straffheit noch fehlt. Das Theater ist von unbarm­herziger Akustik! Nur das absolur Notwendige hat im Drama Existenzberechtigung, feder Ausflug ins Lyrische, feder Reflexionspfad ist, wenn er nicht-durch einen drama- tis'ben Nerv an das Grundgerüst gebunden ist, untersagt.- itzt «. Aikesrrs ist fene funge. blühende Griechin, die sich dem Tode freiwillig als Opfer darbringt, inn damit das Leben ihres Gatten, Aometos, zu erretten. Es gibt Modernirätsfauatiker, die es eigentlich nicht gestatten wollen, daß ein Dichter zu deir Themen des griechischen Mythos greife. Obwohli eigentlich die Zeit, wo die Gestalten im Dranra: „Tfa, tsa", Ju, ju", „Nee, nee" sagen mußte.:, schon vorbei ist. Ich bin nun selbst ein Feind der „Bearbeitungen". Aber man muß zu unter­scheiden wissen. Wenn Herr Ernst.Hardt hergeht und aus vem soundsovielten Kapitel eines der Bücher Mosis ein Drama macht, in dem die Bibel, die nicht vertieft werden sann, verbreitert wird, ein Drama, in dem nur eine arm- z lige Empfindelei am Werke ist und in dem man ver­ik eblich nach dem Herzschlag des eigenen Erlebens sucht, ,,o sage ich: Nein! Äie aber soll ich mich verweigern . können, wenn ein Dichter die ewigen Fabeln des griechi­schen Mythos mit seinem innersten Erleben nachzugestalten weiß? er eine Ehe innerlich erlebt hat. weiß, daß es kein tieferes Bündnis zwischen Mann und Weib gibt ohne Alkestis-Opfer. Ehe, das bedeutet: Auflösung der Grenzen zlvischen seslischev! Meil: und Dein; Ehe, das bedeutet: hundertmal seiner selbst vergesseri und des anderen bewußt werden; Ehe. das bedeutet: tausendmal ein Aufgeben seiner selbst und sirr freudiges oder ergebenes Opfern für den anderen. Deshalb gehört die Alkestis-Fabel zu den urewigen Themen und deshalb schafft jedes Zeitalter sich eine neue Alkestis, von Hesiod und Euripides bis zu Hai^ Sachs, Gluck, Wieland, Hofinannsthal, Rainer Maria. Rilktz und bis ze 'es,',» neuesten: Robert Prechtl. * Ma» hat so viele T.agödlen der Unreife i» den letzten Monaten mir ansehcn müssen, daß es erguickr, endlich ein­mal dem Werk eines Mannes hinzuhören. Nie kann dar Alkeftis-Problern von einem unreifen Geist behandelt werden, lliur einer, der das Leben schon fest in die Arme genommen hat, ist reif fi'ir das Alkestis°Drama. Das Werk von Robert Prechtl hat die antike Fabel frei nach Selbst­erlebtem ausgestaltet. Man weiß, daß die „Alkestis" des Euripides eher Konwdce als Tragödie isr. Herakles kèhrt bei dem gastfreien Abmeios ein, zech: nach Herzenslust, während die Leiche der Ailesris im Hause aufgebahrt ist, und sühnt seine Ungeniertheit damit, daß er in die Unter­welt hinuntersteigt und die schon Verschiedene dem Hades wieder entreißt. In dem angenehmen Schlußakt führt er dem Witwer die erst verschleierte, dann enthüllte Alkestis wieder zu. Eigentlich ist die „Alkestis" des Euripides mehr eine Verherrlichung des besten Husarenstückleins des He­rakles. Bei Prechtl ist Herakles eins unweseurliche Figur ge­worden; er dringt wohl mit Admetos in die Unterwelt ein, aber Alkestis verschmäht das zweite Leben. Nicht griechisch, sondern indisch ist die letzte Geste der Alkestis. Alkestis ist lebenèsart: _ ...........Soll ich ossnen Auges Das Spiel der großen Täuschimg wiederschouen? Und wieder leben soll ich, um zu sterben? Was war ich denn? Ein kleiner Tropfen Tau, Wie jeder Morgen Millionen ausslreut, - Und die ein kurzer Strahl der Sonne tötet. Sie waren da, — und sind schon nicht mchr da."„< ,­Je dringender Admetos wird, desto mehr^^cntrückt ihm Alkestis: „........Ich werde wandern Durch N^eoelfernen hin bis an den Sircnw, Wo das Vergessen an den Klippen brandet! In seiner Purpurglut zu ruhen, tiefstes Glück Für den, der müde ist! Nichts mehr ersehnen. Nichts wollen, nichts mehr wünschen, nnhts, nichts, nichts mehr — Als nur zu ruhn, und toissen, daß man ruht." Man sieht, .diese Alkestis könnte Maya heißen. Dit Figur konnte eè entstehen in einem Jahrhundert naH Artur Schopenhauer. Während Admetos zur Erde zurück» kehrt, entschwindet Alkestis im wesenlosen Raum, im Licht, im Nichts, im weltermmspannendcn Schloeigew lZs zeugt für die Kraft PrechtIL, daß er sein Bestes dort gibt, wo er ftei vom Mythos ist. Man wird nach dieses knappen Darstellung, die an vielen Schönheiten vorübevf gehen muß, erkennen, daß hier nicht einer jener.innerlich armen Bearbeiter am Werke war, die ihrem Mangel an Erfindung durch Ausplünderung alter Literatur nach« helfen, sondem vielmehr eine reife Persönlichkeit» die aus innerstem Erleben schöpft. .Es ist bemerkenswert, daß dieser Autor erst mit 42 Jahren hervortritt, ohne dii Konvulsionen des Ehrgeizes, ohne die Affektationen dn Gecken, sondern mir einem im Grunde schlichten Werck^ Freilich fehlen dem Drama auch die Tugenden der Ju» gendlichkeit, seine Sprache könnte glanzvoller, seine Bild« origineller sein. Aber kein Zweifel, der ruhigen Kran dieses denkenden Dichters werden wir wieder begegnen..j » Nach der Aufführung der „Alkestis" machte ich mit die Freude, mich ein paar Tage lang an den Quellen dej Motivs herunrzutrcibcn. Ich kam auch zu dem fast ven schollenen, nur in Auszüge» srlMenen Gedicht des Hesioi- in dem.eine ganze 5kette der schönsten Dramen aneinander gereiht ist. Älrestis ist nicht einnial das sckönste Glied i:i dieser Kett:?. Das schönste scheint mir vie-lmehr die Eif Zahlung von Koronis, der liebliän Lnpitheii-Jirng, frau, die einst im See Boiba badete. Dort erblickt Apolloii die Nackte, ist sofort Feuer und Flamme, fällt ihr zj Füßen und gewinn! d:e Badende so rasch, wie nur «ii .Gott gewinnen kann. Wie Apollo von ihr geht, verspricht er ihr, den Sohn, der unzweifelhaft kommen wird,, zr aaen trifft durch sie hindurch den Glauben an die Idee ewst; den Glauben an die ins Leben wirkende Kraft velcher Idee immer. Der Veranmrngsprozeß der zivili- rerten Menschheit lvütet am unaufhaltsamsten im Idealen, sind nie sind mehr ideale Güter zugrunde gegangen, ohne Gegenwert vernichtet, an ein Phantom unwiderbringlich lerschleudert worden, als in den Monaten, da allmählich )ffenbar wurde, daß der Weltkrieg durch die Beloußt- rrachung des Willens der arbeitenden und denkenden Menschheit nicht, sondern nur durch sich selbst beendet wer- len kann. Wer wankte nicht in dem Glauben an eine Idee, lie.nur auf der einen Seite des Schützengrabens die Her­fen bezwingen konnte, auf der anderen aber, der Haupt» ache nach nur den Spott über ihre Ohnmacht sntfesielie? lticht die Leiden der Völker waren .zu leicht — pnsäglich litten diese Völker auch in den gegnerischen Ländern ne Idee der Völkerverbrüderung, auf die das Proletariat n seiner internationalen -Organisation eingeschworen war, nuß zu leicht gewesen sein, dc: der Kriegswille sie in der Wagschale nach krtrzein Schwinger: einporschnellen machen connte. Uebcrhaupt hat der Krieg dem Gedanken der Zvlidarität der Völker leinen Fuß auf den Stacken gesetzt,- eine Demütigung ist heute ti-efer denn je. Die Idee der VrüderlichkeiL harte sich im Fri-eden Organe geschaffen, vie dern Menschheitsidea-l des friedlichen EinAanges zwischei: allen Nationen den Boden urbar machen sollten: )ie Jnierparlameutcrrische Union auf Lern politischen Ksbiete, die internationalen Gelehrrenvereinigurrgen im Bereiche de.s geistigen Fortjcbritrs, die Freimaurerei in re» scziâthischen Beziehungen. Im Kriege, also just wo sie zum Heile der Welt sich zu bervähren Gelegenheit gehabt hätten, sind diese in Jahrzehnten unverdrossener Friebensaröeit gesponnenen .Fäden zerrisien. sind diese >c!n Sl/lidaritätsgedcrnker: gewidineten Einrichiungen über il'acht zusammengebrochcn. Dir -müßten an unserem Da­sein verzweifeln, wenn wir »ich: hoffen dürften, daß dieser Zedanke sich aus der Schmach seiner Kapitulierung noch wheben wird. Doch jetzt sehen wir nur seine Schmach. Die Lnttöuschung, die uns lliedergeschmettert hat, trübt viel­seicht den Blick für Erscheinungen, deren, zarter Ver- jeißung wir vor einem Jahre vielleicht zugejubelt hätten. Wohl sehen wir 'N England, in Frankreich, in Italien :ine tiefe Beklommenheit der Masie, einen dumpfen Groll i ;egen das -sich erfiillende Schicksal, auch eine ingrimmige Verachtung der Führer, chervo-rgehend aus der nicht länger < uifzuhaltenden E'ckenntnis, daß diese verhängnisvollen Männer ihre Völker verblendet und in ihr Elend geführt jaben; aber die Kräfte, die den grausamen Verführern sie Peitsche aus den Hmcken schlage:: würd^en, )ie isie über ihre» Opfern' schwingen, sie sind vielleicht schon da, :ulser Auge sieht sie nicht. Der glühende Will- fehlt, das Unrech: von der Herrschaft zu stoßen, dem Recht, koste es, was es wolle«, zum Durchbruch zu verhelfen. Die Sozialdemokratie, di« durch den Fehlschlag ihrer Bemühungen im Laufe des Weltkrieges zum zweiten Male gelähmt worden ist, zeigt Krankheitssymptome, die an ihrem Aufkommen verzwei, feln machen. Sie ist in den EntentelLndern die mehr ode« lveniger dienstlvillige Magd der den Krieg schürenden und zu ihrem vermeintlichen Nutzen verlängernden Mächte geblieben, dener: es gelmrgen ist, die Arbeiterschaft Irm die Einsicht.in ihre wahren Jnreressen AU bringen. Und nun ereigne: es sich vollends, daß die kriegerischen Arbci» rerparteien der Entemeiänder — eher vielleicht als dercir kämpfende Armeen — Stärkung erhalten von Amerika her. Die Londoner Erklärung der amerikanischen Arbeiter« bevollmächtigten, die Beschickung jeder internationalen, Arbeiterkonferenz sc lange verhindern- zu wollen, als! deutsche Truppen auf f.?indl!chcm Boden stünden, scheint i das Begräbnis eines neuen Stockholm einzuläuien, bevor s der Gedarcke aus seinem Grabe noch auferstanden wäre.! Aehnlich wie die Proletarische Internationale hats auch die kirchliche de^ Katholizismus im Kriege versagt, s Auch die aus gepeinigten Seelen zum Himmel steigenden! Gebete haben den Frieden nicht heruntergebracht, auch der s Glaube an eine über all^- Menschenelend und Menschen« glück unverrückbar wallende Allmacht nicht, in desse» Namen das Oberhaupt der katholischen Kirche seinen Fiie-- densruf mit heiligem Vekennerernst und Bekennereifer mehr als einmal au die Völker gerichtet hat. Auf dies ehrwürdigen Worte des Papstes ist vom anderen Ufer keine Antwort gekommen. Die römische. Kirche, die früher oft kriegerische Verwicklungen geschürzt., aber sie, sobald sie konnte, auflösen geholfen hat, sie ists' gegL» die -Furie des Weltkrieges schwach bis zur Ohnmacht. Die Rede Benedikts XV. verhallte in der Wüste. Seines Be'mühungen, für die Friedensbereitfchaft der Mittel­mächte im gegnerischen Lager die Seelen zu gewinnen,, sind erfolglos geblieben. Die Weltherrschaft über di« Gewisse::, deren Bürgschaft die Kirche :n ihrer den ganzen Erdball umspannenden Organisatton zu besitzen wähnte,^ hat sich als Illusion erwiesen. i Und doch: man gibt sich nicht auf; man kann Li«^ Menschheit, deren Gebreche:; zum Himmel schreien, nichts verloren geben, noch immer nicht. Und wenn man an^ einem, dvrser schönen, unendlich tosurigen Frühlings-^ übende in sich hmeinhorcht, regt sich noch immer eins Zuversicht, die einen zum Teslden stark macht, die einem, zuflüste-rt, daß vielleicht aus dem Uehennaß der Ernied«! rigung die Erhöhung wächst, daß das empörend Sinnlos«, dennoch überwunden wird und durch die UeberlvindunA noch einen großen Sim: bekornmt. Die Seele der Zeit vor denr Wellkriege oauschr rnir fernherklingendem, leiseof Tone herauf. Unendliches Welj ist in diesem Tone. Aber« ...........Ich we-cde '.oandern Ä.

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