Pester Lloyd - esti kiadás, 1930. szeptember (77. évfolyam, 197-221. szám)

1930-09-01 / 197. szám

PESTER LLOYD ° % • Montag, 1. September 1930 genügend standhaften Charakter besitze. Der neue Reichstag müsse einen neuen Charakter haben, dem die Intelligenz ihren Stempel aufdrückt. Von den jüngsten Wahlreden verdient beson­ders die Rede des Außenministers Dr. Curtius in Freiburg einige Aufmerksamkeit. Die Stimmung, be­ziehungsweise Mißstimmung des Außenministers kommt klar in folgendem Passus seiner Rede zum Ausdruck: „Wahlzeit ist Qualzeit für die Außen­minister. Wahlbedürfnisse, um nicht zu sagen Wahl- Unsitten, der Parteien und der Parteiredner ver­zögern die außenpolitische Verständigung und ver­zerren das Bild Deutschlands vor dem Auslande. Wenn der Spuk verflogen ist, wird es hoffentlich gelingen, das Gleichgewicht wieder herzustellen." Und in einer anderen Beziehung führte er aus: Unsere Gesamthaltung kann diese sein: Unsere na­tionalen Interessen mit leidenschaftlicher Liebe, aber mit klarer Besonnenheit überall zur Geltung zu bringen und dadurch dem Frieden und der Völker­verständigung redlich zu dienen. Das Höchste, was einem Volk zuteil werden kann, ist, mit der Ver­folgung der eigenen Ziele zugleich das Wohl der Völkergemeinschaft zu fördern. Ich beschränke mich auf diese kurzen Ausführungen und wünsche, daß allseits außenpolitische Disziplin gehalten wird. Es ist nicht schwer, zu erraten, daß diese An­deutungen auf die forsche „frontkämpferische“ Außenpolitik eines Kollegen Dr. Curtius’ gemünzt sind, der seine Wahlpropaganda gern mit außen­politischen Ausfällen spickt. Ob solch frischem und fröhlichem Kampfgeist gegenüber die feinen Manie­ren von Dr. Curtius genügen werden, ob hier nicht die volkstümlich-derbe Art eines Stresemann von­nöten wäre, mag dahingestellt bleiben. Sicher ist, daß die Wahlleidenschaften im Reiche hohe Wellen schlagen und niemand weiß, wen die Stimmung der Volksmassen • fortfegen, wen sie auf den Schild er­heben wird. Die französischen Herbstmanöver. In den französischen Alpen, ganz nahe zu der italienischen Grenze, beginnen heute die großen französischen Herbstmanöver. Sie sind aufs gründ­lichste vorbereitet worden und werden in einem un­gewohnt großzügigen Rahmen stattfinden. Kriegs­minister Maginot und der Chef des französischen Generalstabs General Weygand haben bereits Tage .vorher die ganze französisch-italienische Grenze ent­lang Inspektionsreisen unternommen, wobei das Gelände aufs genaueste untersucht und namentlich die Befestigungen einer eingehenden Prüfung unter­zogen worden sind. Als eigentlicher Mittelpunkt der Manöver soll der hart an der italienischen Grenze, an der Strecke Grenoble-—Turin gelegene Monte Cenis in Frage kommen. Als strategisches Ziel wird die Zurückdrängung des nach der Richtung des Städtchens Modane verdringenden Feindes erwogen. Der größere Teil der Defgpgfytruppen wird ver­mutlich im ausgebreiteten Val d’Arc Aufstellung nehmen und die gegen sie von östlicher Richtung vorgenommenen Angriffe von hieraus zu vermitteln trachten. Der zweite Teil der Manöver beginnt am 4. September und wird in Lothringen stattfinden. An und für sich wäre ja diesen militärischen Übungen, die bereits vor längerer Zeit beschlossen und an die Grenzen derjenigen Staaten verlegt wor­den sind, die mit Frankreich auf der längsten Front korrespondieren, keine allzu große und bedrohliche Bedeutung beizumsssen. Im gegenwärtigen Augen­blick müssen sie allerdings aus doppeltem Grunde bedenklich stimmen. Die heiklen Grenzflächen ver­laufen eben sowohl vom militärischen, wie auch vom E iolitischen Gesichtspunkte aus Italien und Deutsch- and gegenüber, und was insbesondere den ersteren Staat betrifft, so bilden dessen Beziehungen zu Frankreich das eigentliche Kernproblem der gesam­ten derzeitigen Politik des europäischen Kontinents. Wenn in Italien erst dieser Tage unter großen Feier­lichkeiten eine Kreuzerweihe stattgefunden hat, und wenn nun gleichsam als Antwort unmittelbar darauf die französischen Manöver an der italienischen Grenze folgen, so tragen solche Symptome wenig zur Beruhigung der europäischen Öffentlichkeit in einer Zeitspanne bei, in der die Flottenverhandlungen wieder auf eine recht lange Sicht ins Stocken geraten sind. Aber auch in den französisch-deutschen Be­ziehungen ist seit der Rede des Ministers Treviranus und den Vorgängen im deutschen Generalstab ein verstimmender Rückschlag eingetreten, zu dessen rascher Beseitigung die Abhaltung von Manövern an der deutschen Grenze just nicht die beste Methode darstellt. Man fragt unwillkürlich, ob eine Abhaltung der Manöver nach schweizerischem oder belgischem Grenzland hin nicht unter den gegebenen Umständen die glänzendste Demonstation für Frankreichs auf­richtigen Friedenswillen gewesen wäre? Man fragt ferner, ob solche mit großem Aplomb eingeleiteten Manöver jetzt, wenige Tage vor dem großen Genfer Friedensvorstoß der französischen Außenpolitik, nicht überhaupt ein störendes und die Umwelt zur Vorsicht mahnendes Moment in sich bergen, indem sie den durch den Gegensatz Briand—Maginot bedingten Januskopf der französischen Politik wieder einmal recht auffällig beleuchten? Man argumentiert freilich damit, daß bis zur Abrüstung es noch eine gute Weile »at, und daß es, bis kein allgemein bindendes Abkom­men über die europäische Staatenföderation erzielt wird, nach wie vor auf der Hut zu sein gilt. Aber die große Frage bleibt doch: Von welcher Seite wird mit der Beseitigung des Mißtrauens der verheißende An­fang .gemacht yy erdenk Vom Tage. Ministerpräsident Graf Bethlen und Graf Apponyi in Genf. Wie wir erfahren, wird sich Graf Albert Apponyi, der Führer der ungarischen Delegation, gegen Wochenende zur Teilnahme an der Tagung des Völkerbundes nach Genf begeben. In gutinformierten politischen Kreisen ver­lautet, daß auch Ministerpräsident Graf Stefan Bethlen nach Genf feisen wird, um beim Völkerbund die Stellung­nahme der ungarischen Regierung in Angelegenheit des Briand-Memorandums zu skizzieren. Graf Bethlen dürfte am 15. d. M. die Reise nach Genf antreten. Kongreß der europäischen Minderheiten. Aus Genf wird gemeldet: Mittwoch wird in Genf unter dem Vorsitze des ehemaligen slowenischen Abge­ordneten im italienischen Parlament Dr. Wilfan (Triest) der Kongreß der europäischen Minderheiten zu seiner sechsten Tagung zusammentreten. Wie alljährlich, wer­den die Vertreter dér nationalen Minderheiten zahlreicher europäischen Staaten an den Arbeiten, die vier Tage dauern werden, teilnehmen. Die Tagesordnung umfaßt zum erstenmal eine Diskussion über die grundsätzlichen allgemeinen Schlußfolgerungen, die sich aus den Berich­ten über die Lage der einzelnen nationalen Minderheiten ergeben. Von besonderem Interesse wird ferner die Stel­lungnahme der Minderheiten zu dem Projekt Briands über die Schaffung eines europäischen Staatenbundes sein. Der Kongreß hat bekanntlich bereits bei seinen letztjähri­gen Beratungen mit allem Nachdruck den Standpunkt vertreten, daß ohne einem besseren Schutz der Rechte der religiösen, sprachlichen und nationalen Minderheiten von der Organisation eines europäischen Staatenbundes keine Rede sein könne. Der Kongreß, dessen Vorbereitung wiederum in den Händen von Generalsekretär Dr. Amende lag, wird ferner auch die interessante Frage . der Be­ziehungen der einzelnen europäischen Völker zu den in anderen Staaten lebeden Angehörigen der gleichen Natio­nalität, sowie allgemeine Fragen der Nationalitätenkunde und Organisationsprobleme behandeln. Die Umsfurzbewegsingen in Südamerika. Das neue Regime in Peru. (Telegramm des Pester Lloyd.) Lima, 31. August. Die Regierung hat gewisse Artikel der Verfassung außer Kraft gesetzt, um dadurch die Strafverfolgung der­jenigen Beamten zu ermöglichen, die sich während der Amtszeit des Präsidenten Leguia bereichert oder der Be­stechung schuldig gemacht haben. Eine Verwaltungs­reform ist im Gange. Alle vom Präsidenten Leguia er­nannten Beamten sollen ihrer Ämter enthoben werden. Ein amerikanischer Ingenieur, der Lima im Flugzeug ver­lassen wollte, wurde unter der Beschuldigung verhaftet, öffentliche Gelder schlecht verwaltet zu haben. Ein bereits seit zehn Jahren bestehendes, aber bisher nicht befolgtes Gesetz, das den Ausschank alkoholischer Getränke am Samstag und Sonntag verbietet, ist von der neuen Regie­rung in Kraft gesetzt worden. (Telegramm des Pester Lloyd.) X New York, 1. September. Nach Blättermeldungen ist einer der Gründe, die die Regierung Cerro dazu veranlaßt haben, den ehemaligen peruanischen Staatspräsidenten Leguia in die Verbannung zu schicken, darin zu suchen, daß der frühere Präsident eine große Geldsumme (man spricht von 38 Millionen Dollarl, ins Ausland schaffen und bei Londoner Banken deponie­ren ließ. Die Regierung-will nun versuchen, diese Summe wieder zu erlangen. Der Regierungschef Cerro ist ferner bemüht, bei den Banken in Lima einen Kredit von 15 Millionen Goldpesos aufzunehmen, um die rückständi­gen Löhne und Gehälter für Soldaten und Beamte aus- zahlen zu können. (Telegramm des Pester Lloyd.) Lima, 1. September. Die Regierung veröffentlicht einen Aufruf, in dem die Bevölkerung aufgefordert wird, sich feindlicher Kund­gebungen gegen die fremden Mächte zu enthalten, da diese unvereinbar mit der traditionellen peruanischen Gastfreundschaft seien und zu einer militärischen Ein­mischung der Mächte führen könnten. (Telegramm des Pester Lloyd.) New York, 1. September. Die neue peruanische Regierung hat, wie aus Lima gemeldet wird, den bisherigen Gesandten in Paris ab­berufen und ihn zur sofortigen Rückkehr nach Peru be­ordert. Ferner hat die Regierung die Demission des Ge­sandten in Madrid, Eduard Leguia, des Gesandten in London, des Geschäftsträgers in Wien, ferner des Geschäftsträgers in Brüssel angenommen. Dagegen wurde die Demission des Gesandten am Heiligen Stuhl Romero abgelehnt. Auch der Botschafter in Washington wird auf seinem Posten verbleiben. Ein Erlaß bestätigt die Mit­glieder der peruanischen Völkerbunddelegation in ihren Ämtern. Die revolutionäre Agitation in Argentinien. {Telegramm des Pester Lloyd.) Buenos Aires, 1. September. Da aus verschiedenen Provinzen Argentiniens be- unruhignde Nachrichten eingelaufen sind, hat die Regie­rung beschlossen, die bereits getroffenen Sicherheitsmaß­nahmen noch zu verstärken. Sämtliche Reserveoffiziere sind zu ihren Truppenteilen einberufen worden. Die Kreuzer „Garibaldi“ und „Belgrano“ haben Befehl erhal­ten, sich sofort nach Rio Santiago, einem etwa 60 Kilo­meter von der Hauptstadt entfernt gelegenen Küstenplatz, zu begeben. New York, 1. September. Gestern fanden in Buenos Aires Ausschreitungen statt. Der Ackerbauminister eröffnete eine Ausstellung, war aber gezwungen, sich zu entfernen, da es zu feind­lichen Demonstrationen kam. Es wurden viele Flugzettel verteilt, die gegen den Präsidenten Irigoyen gerichtet wa­ren. Aus verschiedenen argentinischen Provinzen kom­men beunruhigende Nachrichten, Der Völkerbund. Die Juristenwelt und das Briand-Memorandum. Paris, 30. August. (U. T.-K.-B.) Die Union Juridique Internationale„ die zahlreiche namhafte internationale Juristen, Staats­männer und Diplomaten zu ihren Mitgliedern zählt, hatte in ihrer Sitzung vom 26. Juni auf den Antrag de* südamerikanischen Völkerrechtlers Alexander' Alvarez beschlossen, einen Verfassungsvorschlag zur praktischen. Verwirklichung des europäischen Bundes auszuarbeiten» Die Union entsendete zu diesem Zweck eine Kommission, deren Mitglieder u. a. die berühmten Juristen Alvarez„ Hanotaux, de Lapradelle, Lcirnaude, Le Für, Millerand„ ferner die Diplomaten Politis und Spalajkovics waren Der Plan, der in politischen und juristischen Kreisen großes Aufsehen erregt hat, nimmt die Antworten der einzelnen Regierungen auf das Briand-Memorandum zur Grundlage und geht von der Feststellung aus, daß der künftige europäische Bund weder eine staatspolitische Föderation noch eine einfache zeitweise Versammlung der Vertreter der einzelnen Staaten sei, sondern ein le­bendiger und tätiger Organismus, der innerhalb des Rah­mens des Völkerbundes auf Grund des Artikels 21 der Satzungen stufenweise zu verwirklichen sei. Der europäi­sche Bund würde womöglich sämtliche europäischen Staaten in siph begreifen und allen europäischen Ländern offenstehen, die sich ihm erst später anschließen würden. Dér Bund würde in enger Kooperation mit dem Völker-- bund Zusammenarbeiten, ohne sich in dessen Kompetenz einzumischen, und würde außerdem auch kleinere Staatengruppierungen ermöglichen. Die europäische Union würde sich weder gegen europäische noch gegen außer­europäische Staaten richten, sondern die Kooperation mil ihnen suchen. Der europäische Bund sichert schließlich die Rechtsgleichheit der Staaten und achtet ihre Souve­ränität. Der Plan will das Funktionieren des europäische» Organismus durch vier Organe sichern, diese sollen sein; periodische Konferenzen, Rat, Kommissionen und Sekre tariat. Zu den zeitweiligen Konferenzen würden all« Staaten je drei Delegierte entsenden, die die Verbindun< gen unter den Mitgliedern unter Berücksichtigung de» europäischen Länder herstellen sollen. Der Rat würde au» folgenden ständigen Vertretern der einzelnen Staaten bestehen: England, Frankreich, Italien, Spanien. Untéi den Ratsmitgliedern würden ferner die Vertreter dreiei periodisch zu wählenden Mitglieder figurieren. Der Rai hätte eine ähnliche Kompetenz wie der Völkerbundrat Die ständigen Kommissionen würden die Vorschläge vor­bereiten, über die zu entscheiden die ersten beiden Or­gane der europäischen Staaten berufen sein werden. Da» Sekretariat ist aber das Exekutivorgan der Beschlüsse der Bundes. Le Temps befaßt sich mit dem Plan einer euro­päischen Föderation und betont, daß der Plan als eine ernst a Grundlage für die Genfer Beratungen dienen könnte, da diese die wirtschaftliche und politische Organisatioa Europas zum Zwecke haben. DEUTSCHLAND. Die Nationalsozialisten. (Telegramm des Pester Lloyd.) Berlin, 31. August. Heute nacht drangen sogenannten revolutionäre Nationalsozialisten in die Hauptgeschäftstelle der Berliner Nationalsozialisten ein und verprügelten die dort an­wesenden fünf Nationalsozialisten. Dann zerschlugen sie die ganze Bureaueinrichtung und entfernten sich mit einer Anzahl Schriftstücke. FRANKREICH. Die großen Manöver. (Telegramm des Pester Lloyd.) Paris, 31. August. ­Die Inspektionsreise des Kriegsministers Maginot hat unmittelbar vor den morgen -beginnenden großen Herbst­manövern in den Alpen stattgefunden. Die strategische Aufgabe dieser Manöver ist die Abweisung eines vom Mont Cenis in der Richtung auf Modane erfolgenden feind­lichen Angriffes auf die französischen Truppen, die die Höhenzüge des Arc-Tales besetzt halten. Der Aufmarsch der französischen Truppen war durch die Unterbrechung. einer Eisenbahnlinie, die im Laufe eines Gewitters durch einen Erdrutsch verschüttet wurde, so beträchtlich ge­stört worden, daß der Unterstaatssekretär für öffentliche Arbeiten, Falcoz, an Ort und Stelle beordert swurde, um zu prüfen, auf welche Weise Wiederholungen derartiger Störungen vorgebeugt werden könnte. Die großen Manöver in Lothringen werden am 4. September beginnen. Die daran teilnehmenden Truppen sind bereits in Marsch gesetzt worden und haben unter der Hitze schwer zu leiden. Gestern brachen allein 30 Sol­daten eines Infanterieregiments während des Marsches mit Hitzschlag zusammen. Einer davon ist im Krankenhaus gestorben, drei schweben in Lebensgefahr. GROSSBRITANNIEN. Die indischen Unruhen. (Telegramm des Pester Lloyd.) Bombay, 1. September. Zwei neue Bombenattentate sind gestern von indi­schen Extremisten in der Ortschaft Meymensingh auf zwei Polizeibeamte verübt worden. Auf die Wohnung des Detektivinspektors Bose und eines Unterinspektors wur­den innerhalb einer halben Stunde zwei Bomben gewor­fen. Beide Beamte blieben jedoch unverletzt, dagegen wurden zwei Brüder des Inspektors Bose verletzt. Bisher Lesen Sie täglich die Kleinen Anzeigen im Pester Lloyd (Morgen blatt). Sie (finden da in den verschiedenen Rubriken wichtige Anzeigen, die Sie interessieren werden.

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