Pester Lloyd - esti kiadás, 1931. január (78. évfolyam, 1-25. szám)

1931-01-02 / 1. szám

Einzelnummer an Wochentagen lfi, an Sonntagen 32Heiler, Abonnement: Für Budapest: mit täglich zweimaliger Zustellung und für das Inland Morgen* und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich 8.40 P. Für das Morgenblatt allein vierteljährlich 11 P, monatlich 4 P. Auoh auf das Abend­blatt allein kann unter den gleloben Bezugs­bedingungen abonniert werden. Für die sep* rate Zusendung des Abendblattes nach der Provinz sind vierteljährlich 1 Pengő zu entrichten. Für Wien auch durch Herrn. Goldschmidt. Für das Ausland mit direkter Kreuzband­sendung vierteljährlich: Für Oesterreich und Polen go Pengő, für alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch bei sämtlichen ausländischen Post­ämtern entgegengenoramen. Manuskripte werden nicht zurOckgestellL Telephon der Redaktion: 848-80. PESTER LLOYD ABENDBLATT IndewtenwifiiahiBei (n Budapest, in der Administration de* Pester Lloyd und in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, J. Bloekoor. J. Blau, Born, „Globus“, Gyärl 4 lagy, H aaseneteln 4 Vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein, Cornel Leopold, Julius Leopold, Bagy. hirdető-iroda, Rudolf Moese A.-B., Josef Schwarz, Julius Tenzer. Generalvcrtrclung des Pester Lloyd für Oesterreich: «.Duke» Naonr. A.-fi., Wien, Wollzefle 16. Einzelnummer für Budapest und für die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt 16 Heller. — Fär Oesterreich: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr. Redaktion u.Adm.: V., Bari» Valeria-uoca 13. Telepbon der Administration: 849-00 78* Jahrgang. Budapest, Freitag, 2. Januar 1931. Nr* 1 Politische Neujahrskundgebungen, Budapest, 2. Januar. Die diesjährigen Neujahrskundgebungen dürfen sich rühmen, nicht auf die üblichen Höflichkeits­phrasen beschränkt gewesen zu sein, wie sie sonst mit glatt geschliffenen Formeln über noch so ernste Zcitfragen hinwegzugleiten pflegen. In den diesmal bei den Neujahrsempfängen gewechselten Reden und auch in den an den Jahreswechsel geknüpften Aus­führungen der führenden europäischen Blätter offen­bart sich die düstere Sorge ob der allgemeinen Wirt­schaftsnot und der Aussichtslosigkeit der Anstren­gungen, die da und dort aufgeboten werden, um einem weiteren Verfall vorzubeugen. Der wirtschaftlichen Menschheitskrise hat auch der päpstliche Nunzius Angelo Rottn in seinem Neujahrsgruß an den Reichsverweser Ungarns ge­dacht. Zutreffend war seine Feststellung, daß kein einziges Volk, mag es sonst noch so mächtig sein, die Ursachen der Krise allein aus eigener Kraft aus der Welt zu schaffen vermag, weil die Aufgabe, die es hier zu lösen gilt, bloß durch internationales Zu- sammengreifen der ganzen Menschheit bewältigt wer­den kann. Der Doyen des hiesigen diplomatischen Korps ließ aber auch nicht unerwähnt, daß die Hochschätzung und zunehmende Anerkennung, die der ungarischen Nation zuteil werden, sich als Kraft- quelle darbieten, aus der die ungarische Regierung die Energien schöpfen mag, die es bewirken können, daß wenigstens die empfindlichsten Schäden, die un­serem Land aus der Wirtschaftsnot erwachsen, nach Tunlichkeit gemildert werden. , Der Reichsverweser Ungarns erklärte in seiner Erwiderung auf den Gruß des Nunzius, daß Ungarn mit allen Nationen freundschaftliche Beziehungen er­strebe. und daß wir hierzulande die Zuversicht hegen müssen, die Stunde habe bereits geschlagen, die den verarmten und erschöpften Nationen eine Milderung der tückischen Verhältnisse bescheren werde. Der Reichsverweser sagte ferner, unser Volk sei bestrebt, mit Hilfe des Auslandes eine Lage herbeizuführen, in der Ungarn seine ganzen Kräfte zur Lösung seiner friedlichen Aufgaben und zur Verbesserung seiner nationalen Daseinsbedingungen einsetzen kann. Die weisen und gemäßigten Worte unseres Staatsoberhauptes werden gewiß auch im Auslande nach Gebühr eingeschätzt werden. Ungarn will nichts anderes, als sich wieder einen Platz an der Sonne zu erarbeiten, und das gute Recht dazu kann ihm gewiß von keiner Seite abgesprochen werden. Aber es denkt dabei nicht an irgendwelche Abenteuer; die schwere Aufgabe will es einzig durch aufgebotene friedliche Mittel zu lösen trachten. Daß dies nicht mehr so aussichtslos erscheint wie noch vor wenigen Jahren, geht aus einem hoch- bedeutsamen Bericht des Rothermere-Publizisten Ward Price über eine Unterredung mit Mussolini hervor. Der italienische Regierungschef hat sich auch bei dieser Gelegenheit wieder mit der bei ihm gewohnten Wucht und Eindeutigkeit für die Revi­sion der Friedensverträge eingesetzt. Unsere Leser finden diese Kundgebung des Duce an anderer Stelle des vorliegenden Blattes wiedergegeben, und eben­dort ist auch die weittragende politische Bedeutung dieser Manifestation hervorgehoben. Hier sei ledig­lich auf das wichtige Moment hingewiesen, daß der Duce auch bei dieser Gelegenheit wieder sich gegen das Ansinnen verwahrt hat, als ob Italien einen Re- visionsblock schaffen wollte. Daß solche Absicht auch der ungarischen Politik völlig abgeht, hat be­kanntlich auch Ministerpräsident Graf Bethlen in jüngster Zeit zu wiederholtenmalen mit allem Nach­druck unterstrichen. Aber Mussolini hat nicht ver­absäumt, darauf hinzuweisen, daß die Bemühungen Frankreichs und der Kleinen Entente, die gegenwär­tigen territorialen Zustände zu stabilisieren, natur­gemäß eine Interessengemeinschaft der dadurch be­rührten Länder herbeiführen müsse. Ein Zeichen dieser Interessengemeinschaft darf auch in der Ansprache erblickt werden, die der deutsche Reichswehrminister Dr. Gröner anläßlich des Jahreswechsels in Vertretung des beurlaubten Reichskanzlers an den Reichspräsidenten Hinden- hurg gerichtet hat. In dieser Ansprache ist zwar auf den Fortschritt gewiesen, der durch die Räumung des Rheinlandes und den Abzug der französischen Bahnschutztruppe aus dem Saargebiet erreicht wor­den ist, doch hat Minister Gröner auf anderer Seite auch nicht verschwiegen, daß Deutschlands Volk ?,die feierlich eingegangene Verpflichtung auf Ab­rüstung“ von den anderen Mächten nunmehr mit Recht erwarte. Reichspräsident Hindenburg reagierte darauf mit den Worten, daß die wirkliche Befrie­dung der Welt nur durch Gleichstellung Deutsch­lands mit anderen Mächten auf dem Abrüstungs­gebiet zu erreichen sei. Das gleiche muß auch von ungarischer Seite ausgesagt werden. Auch Ungarn hat bei jeder möglichen Gelegenheit die Abschaffung der ungerechten und unhaltbaren Ungleichheit ge­fordert, die sich darin ausspricht, daß die Sieger­staaten noch immer weiterrüsten, obzwar ihre ge­wesenen Kriegsgegner bereits völlig entwaffnet sind. Die bezüglichen Erklärungen des deutschen Reichs­wehrministers und des Reichspräsidenten Hinden­burg lassen erkennen, daß die deutsche Politik in dieser Hinsicht die Initiative ergreifen und die Ge­legenheit der allgemeinen Abrüstungskonferenz, für deren Zusammentritt der Zeitpunkt bereits festgelegt ist, wahrnehmen wird, um sich mit ganzem Gewicht für die Erfüllung des den besiegten und entwaffne- ten Völkern gegebenen Versprechens einzusetzen. In der Neujahrsansprache unseres Reichsverwesers sind die gleichgerichteten Bestrebungen Ungarns ange­deutet in dem Satz, der davon spricht, daß auch wir eine zur Besserung unserer nationalen Daseinsbedin- gungen geeignete Lage anstreben, in der wir dann unsere ganzen Kräfte zur Lösung unserer friedlichen Aufgaben entfalten können. Heute sind diese Lebens­energien Ungarns gedrückt und gehemmt durch den Umstand, daß auch wir — ähnlich wie Deutsch­land — in völlig wehrlosem Zustande einer bis an die Zähne bewaffneten Umgebung gegenüberstehen. Das drückende Gefühl dieser Ungleichheit muß aus der Welt schwinden, wenn in Europa eine Atmo­sphäre entstehen soll, die den vereinten Kampf aller Völker dieses Erdteiles gegen die würgende Welt­wirtschaftskrise ermöglicht. Hier lassen wir die Berichte über die Neujahrs­kundgebungen folgen: Neujahrsempfang des diplomatischen Korps beim Reichsverweser. Reichsverweser Nikolaus v. Horthy hat die Mit­glieder des diplomatischen Korps am Neujahrstage um 12 Uhr mittags empfangen, um ihre Glück­wünsche zum Jahreswechsel entgegenzunehmen. Der Empfang fand unter den üblichen Äußer­lichkeiten statt. Im Hofe der Königsburg war eine Ehrenkompagnie aufgestellt, die Mitglieder des diplomatischen Korps zogen inmitten eines Spaliers der in ihrer malerischen Galauniform aufgestellten Leibgarde die Treppe hinan und versammelten sich im kleinen Salon des reichsverweserlichen Apparte­ments, wo sie die Ankunft des Staatsoberhauptes erwarteten. Der Reichsverweser, der in Begleitung des Außenministers Grafen Julius Károlyi, des Chefs der Kabinettskanzlei Alexander v. Vértessy, des Chefs der Militärkanzlei Generals Somkuthy und des diensttuenden Flügeladjutanten erschien, wurde vom Doyen des diplomatischen Korps, dem päpstlichen Nunzius Angelo Rótta, in französischer Sprache mit folgender Rede begrüßt: Ew. Durchlaucht! Mir ist die angenehme Pflicht zuteil geworden, die aufrichtigsten Glückwünsche des diplomatischen Korps anläßlich des Jahreswechsels vor Ew. Durch­laucht zu verdolmetschen. Das Jahr 1930 läßt ein betrübendes Erbe zurück. Alle Nationen, wenn auch in ungleichem Maße, haben die Wirkung einer Wirtschaftskrise zu verspüren. Der Rückschlag dieser Krise offenbart sich am stärk­sten in den Ländern, die der Weltkrieg am schwer­sten mitgenommen hat. Als schwere Last bedrücken das ungarische Volk die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Augenblicks. Von Ew. Durchlaucht und Ihrer Re gierung erheischt die Lage eine dauernde wachsame Aufmerksamkeit. Wir sind Zeugen dessen, daß die ungarische Regierung es nicht verabsäumt, mit aller Kraft die Milderung der Krise durch Ersinnung und Anwendung geeigneter Heilmittel anzustreben. Ich bin überzeugt, daß ich den Gedanken und dem heißen Sehnen Ew. Durchlaucht Ausdruck gebe in dem Wunsche, daß die von Ihrer Regierung ins Werk gesetzte energische Arbeit, die von allen Klassen der Gesellschaft in vereintem Streben unter­stützt wird, von dem denkbar größten Erfolge ge­krönt werden möge. Eine lückenlose Ausschaltung der Krise kann gewiß nicht erfolgen; dies zu be­haupten wäre absurd, denn der gute Wille eines ein­zigen Landes reicht durchaus nicht aus, vielmehr erheischt dieses Werk internationale Maßnahmen. Besonders aber läßt sich erreichen, daß diejenigen Wirkungen der Krise, von denen Ungarn am pein­lichsten berührt wird, gemildert werden. Möge die ungarische Regierung in dieser schwe­ren Aufgabe, die vom Standpunkte des Friedens und der gesellschaftlichen Ordnung nicht gleich­gültig ist, gestärkt werden durch die Hochschätzung und allgemeine Anerkennung, die der ungarischen Nation gezolt werden. Ein Beweis hiefür ist die Wiedergewinnung der finanziellen Souveränität, die ein Ergebnis des verflossenen Jahres ist. Gottes Segen auf die hochsinnigen Bestrebun­gen Ew. Durchlaucht und die dauernde und ziel- bewußte Arbeit Ihrer Regierung, und Er gewähre Glück und Wohlergehen Ihrem teuren Vaterland, , das auf eine so ruhmreiche Vergangenheit zurück- blickt. Das sind die Glückwünsche, denen wir im Namen unserer Herrscher und Staatsoberhäupter, sowie auch in unserem eigenen Namen Ausdruck geben und denen wir unsere allerwärmsten guten Wünsche für Ew. Durchlaucht hinzufügen wollen. Der Reichsverweser beantwortete diese Rede mit folgender Ansprache: Ew. Exzellenz! Indem ich Ihnen für die guten Wünsche dank«, die Sie im Namen der Herrscher und Staatsober­häupter, sowie auch ihrer Budapester Vertreter Aus­druck zu geben die Güte hatten, spreche ich auch meinerseits den Mitgliedern des diplomatischen Korps meine aufrichtigsten und herzlichsten Glückwünsche aus und bitte Sie, meine Dolmetscher bei den hohen Persönlichkeiten zu sein, die Sie in so würdiger Weise vertreten. Im Verlaufe des verflossenen Jahres hat die ungarische Regierung mit konsequenter Aus­dauer die Arbeit weitergefülirt, durch die es sich die zukünftige Zufriedenheit sichern zu können hofft. Insbesondere war sie bestrebt, mit den ausländischen Nationen ein freundschaftliches Verhältnis herzu­stellen und sie war dabei von dem Gedanken geleitet, daß die Stunde gekommen ist, die den verarmten und erschöpften Völkern eine moralische Linderung bringen muß, um ihnen die volle Entfaltung ihrer Begabungen und Fähigkeiten zu gewährleisten. Die guten Wünsche, die das diplomatische Korps im Wege Ew. Exzellenz für den Erfolg dieser Be­strebungen zum Ausdruck brachte, gewähren eine wertvolle Ermunterung und eine günstige Aussicht auf den Erfolg unserer Bemühungen. Sicherlich kann das Werk der Wiederbelebung des Landes noch lange nicht als abgeschlossen be­trachtet werden. In diesem Bewußtsein und mit Tin* terstützung der ausländischen Staaten sind wir be­müht, eine für die Verbesserung unserer nationalen Daseinsbedingungen geeignete Lage zu schaffen, in­nerhalb deren wir dann alle unsere Kräfte zur Lö­sung der uns vorgezeichneten friedlichen Aufgaben entfalten können. Noch einmal sage ich Ew. Exzellenz innigen Dank für die freundlichen Glückwünsche, die Sie zu verdolmetschen die Güte hatten. Weitere Beglückwünschungen beim Reichsverweser. Halbamtlich wird gemeldet: Dem Reichsverweser Ni­kolaus V. Horthy wurden am Neujahrstage von vielen Sei­ten Glückwünsche übermittelt. Im Laufe des Vormittags empfing der Reichsverweser den Präsidenten des Ober­hauses Baron Julius Wlassics, der die Glückwünsche des Oberhauses überbrachte, den Präsidenten des Abgeord- netenhaues Ladislaus Almäsy, der dem Staatsoberhaupt im Namen des Abgeordnetenhauses gratulierte, den Stellver­treter des Ministerpräsidenten, Kultus- und Unterrichts­minister Grafen Kuno Klebelsberg, der die Glückwünsche der Regierung verdolmetschte, ferner den Honvédminister Julius Gömbös und den General Kamillo Kárpáthy, die die guten Wünsche der Honvéd überbrachten, ferner den General a. D. Anton Hellebronth in Vertretung des Hel­denstuhles, die ungarischen Mitglieder des Maria Tbere- sien-Ordens General der Kavallerie a. D. Gotthard Jánky und FML. a. D. Rudolf Metz, eine größere Abordnung der Hauptstadt unter der Führung des Oberbürgermeisters Dr. Franz Ripka und des Bürgermeisters Dr. Eugen Sipöcz, den Bischof Ladislaus Ravasz und den Oberkura­tor der reformierten Kirche Geheimen Rat Karl v. Nc- methy, die die Glückwünsche der reformierten Kirche zum Ausdruck brachten. Zwischen dem Reichsverweser, dem Reichspräsiden­ten Hindenburg, dem König von Spanien, dem König von Norwegen, dem Präsidenten der Republik Österreich, dem König von Italien, dem Präsidenten der Republik Polen, dem König von Bulgarien, den Erzherzogen Friedrich und Josef wurden herzliche Begrüßungstelegramme gewech­selt. Außerdem hat der Reichsverweser aus dem Auslande und aus dem Inlande zahlreiche Begrüßungs- und Huldi- gungstelegramme erhalten.

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