Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1931. május (78. évfolyam, 98-121. szám)

1931-05-01 / 98. szám

Einzelnummer an Wochentagen MC, an Sonntagen 32 Heller. Abonnement: Für Budapest: mit täglich zweimaliger Zustellung und für das Inland Moigen- und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich MO R Für das Borgenblatt allein vierteljährlich IIP, monatlich 4 P. Auch auf das Abend­blatt allein kann unter den glelohen Bezugs­bedingungen abonniertwerden. Fürdiesepa- rate Zusendung des Abendblattes nach der Provinz sind vierteljährlich 1 Pengő zu entrichten. Für Wien auch durch Herrn. Goldschmidt. Für das Ausland mit direkter Kreuzband­sendung vierteljährlich: Für Oesterreich und Polen SO Pengő, für alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch bei sämtlichen ausländischen Post­ämtern entgegengenommen. Manuskripte werden nicht zurückgestelH, Telesben der Redaktion: 848-20. PESTER LLOYD MORGENBLATT B laseratenanfbahme: ta Budapest, in der Administration des Pester Lloyd und in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, i. Blockner, J. Blau, Bores, Braun, Győri A Nagy, Haasenstein & Vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein, Cornel Leopold, Julius Leopold, nagy. hirdető-iroda, Rudolf Moose A.-G., Julius Tänzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: M. Dukes Naohf. A.-B., Wien, Wollzeile 1& Einzelnummer für Budapest und für die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 56 Heller, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt 16 Heller. — Für Oeaterreioh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr. Redaktion a. Ad».: V., Mária Valérla-ucca 12. Telephon der Administration: 840-09 78* Jahrgang. Budapest, Freitag, 1* Mai 1931* Nr. 98 Die jugoslawischen Provokationen. Budapest, 30. April. Belgrad hat wieder einmal einen „Sensations­prozeß". Man weiß, daß vor wenigen Tagen eine Anklage gegen angebliche Bombenwerfer und Atten­täter in der Hauptstadt Jugoslawiens erhoben und verhandelt wurde, man weiß aber auch, daß die amtlichen Kreise Jugoslawiens bei dieser Gelegen­heit dem alten Spruch offenbar Geltung verschaffen wollten: Verdächtige nur, denn immer bleibt etwas hängen. Es unterliegt keinem Zweifel: die jugosla­wischen amtlichen Kreise scheinen ein besonderes Gewicht darauf zu legen, die Beschuldigung zu ver­breiten, ungarische Untertanen, ja sogar ungarische Amtsorgane hätten den Attentätern bei der Durch­führung ihrer Pläne Vorschub geleistet. Die ungarische Regierung protestierte bekannt­lich bereits vor einigen Wochen, als diese Beschuldi­gungen zum ersten Male erhoben wurden, auf diplo­matischem Wege in Belgrad und ersuchte die jugo­slawische Regierung, konkrete Daten zur Verfügung zu stellen, falls tatsächlich verantwortliche oder un­verantwortliche Elemente in Ungar« Aktionen unter­stützen sollten, die sieh mit einem gutnachbarlichen Verhältnis nicht vereinbaren lassen. Dem Belgrader Vertreter der ungarischen Regierung stellte das jugo­slawische Außenministerium auch in Aussicht, kon­krete Daten vorzulegen, doch ist dies bis zum heuti­gen Tag noch immer nicht geschehen. Mittlerweile haben mehrere Individuen, von denen die angeb­lichen Daten herrühren sollen, in Agramer Polizei­gefängnissen und auch an anderen nicht minder fragwürdigen Orten „Selbstmord begangen“, so daß befürchtet werden kann, man werde der ungarischen Regierung von jugoslawischer Seite kaum jemals Daten übermitteln, die eine ernste Grundlage für neuere Erhebungen bieten könnten. Und doch wäre dies die einzige Art, um der ganzen Verleumdungs­kampagne ein Ende zu setzen. Schon vor Wochen wurde eine amtliche unga­rische Mitteilung veröffentlicht, die Punkt für Punkt alle jugoslawischen Behauptungen aufzählte und deren Unstichhaltigkeit in so schlagender Weise be­wies, daß sich allmählich die jugoslawische Presse beruhigte und die ganze Angelegenheit abgetan zu sein schien. Nun wird jedoch plötzlich in Belgrad ein amtliches Kommuniqué über den neuesten Straf­prozeß verlautbart und dieses Kommunique erhebt gegen die ungarischen Behörden die kühne Anklage, sie wären mit irredentistischen Gruppen in Jugo­slawien in Verbindung gestanden und hätten diese sogar im geheimen unterstützt. Diesen unberechtig­ten Angriffen und haltlosen Beschuldigungen gegen­über bekundete die ungarische Presse große Ruhe und eine sicherlich anerkennenswerte Kaltblütigkeit. Diese besonnene Haltung ließ sich darauf zurück­zuführen, daß Ungarn schon aus wirtschaftlichen Gründen bestrebt war, gutnachbarliche Beziehungen zu Jugoslawien aufrechtzuerhalten. Liefert doch die vor kurzem in Belgrad erfolgte Gründung der Unga­risch-Jugoslawischen Handelskammer und bieten die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden die besten Beweise für die Loyalität Ungarns. Und dennoch tauchen neuerdings Anklagen, An­würfe, Anschuldigungen und kurz und deut­lich gesagt, Verdächtigungen und Verleum­dungen auf. Man muß hierzulande wahr­haftig auf den Gedanken kommen, daß hinter all diesen Aktionen die Absicht der jugoslawischen Regierungskreise zu suchen ist, für ihre innerpoliti­schen Schwierigkeiten nicht die .schuldtragenden Faktoren, sondern bald Sophia, bald Rom, bald Wien und nicht zuletzt Budapest verantwortlich machen zu wollen- Freilich wird man im Ausland bei nur einiger Kenntnis der politischen Vergangen­heit und der politischen Mittel Serbiens nimmer­mehr glauben, daß die bald in Nisch, bald in Maze­donien, bald in Agram, bald in Zaribrod explodie­renden Bomben und losgeliendcn Revolver aus den Nachbarstaaten nach Jugoslawien geschmuggelt wurden. Das Ausland — und dies lassen die eng­lischen, deutschen, italienischen und amerikanischen Blätter Tag für Tag erkennen — ist im klaren dar­über, daß diese Bomben und Revolver sozusagen Heimarbeit sind. Die serbischen Behörden dürfen also nicht glauben, die gemäßigte Haltung der unga­rischen öffentlichen Meinung wäre durch Insinuatio­nen zu beeinflussen. Man ist hierzulande ruhig und gelassen, weil man sich um die Ünterstellungen des südlichen Nachbarn wenig kümmert, die ja ohnehin auf diejenigen zurückfallen, die sie ausstreuen. Aber man will auch, wie schon bemerkt, die Beziehun­gen zwischen beiden Staaten nicht vergiften und nicht vergiften lassen. Das darf aber keinen Saluus conductus dar­stellen dafür, daß nun auch serbische Behörden Ungarn verleumden können, *— denn sollte sich diese Praxis fortsetzen, sollte nüchterne Überlegung in Belgrad nicht die Oberhand gewinnen, so müßte sich auch die friedfertige Haltung der ungarischen öffentlichen Meinung ändern. Es ist Sache der un­garischen Regierung, nach Beendigung des neuen „Sensalionsprozesses“ die nunmehr auch in amt­lichen Urkunden auftauchenden Anklagepunkte (so­fern die jugoslawischen offiziellen Kreise diese nicht selbst fallen lassen) mit der jugoslawischen Regierung zu klären. Vorerst wollen wir aber das Ende der anscheinend nicht in allen Einzelheiten mit genügender Sorgfalt vorbereiteten Belgrader Ko­mödie — zu der die durch die Belgrader Zensur mit eiserner Faust eingeschüchterte Presse die Begleit­musik liefern muß — weiter in Ruhe abwarten und nur an die Worte der Heiligen Schrift erinnern: Ihr sollt nicht mit Unverstand eifern­Maiengruß und Machtideologie. Vom Geheimen Rat BÉLA FÖLDES, Minister a. D. Der von der Natur und der Poesie verherrlichte Mai ist den dem starren Winter entronnenen Menschen ein Gruß aus heiteren Welten. Aber auch als politisches Symbol, freilich in ganz anderem Sinne, hat er eine hohe Bedeutung gewonnen, nach­dem der 1. Mai als sozialistischer Feiertag präkoni- siert wurde. Die ganze Kulturwelt und jedes für die Schönheit der Natur empfängliche Gemüt begrüßt den ersten Mai und feiert diesen Tag, wenn möglich, in der erwachenden freien Natur. In dieser Menschen­gesamtheit ist natürlich auch der sozialistisch den­kende, fühlende und strebende Mensch inbegriffen. Nicht einer sozialen Klasse zugeeignet, betrachtet die Menscheit diesen Tag: er soll der Tag aller sein. Daß trotzdem die sozialdemokratischen Parteien diesen Tag speziell zum sozialistischen Feiertag, also zum Klassenfeiertag, stempelten, hat hauptsächlich den Zweck, an diesem Tag der bürgerlichen Gesellschaft die Macht des sozialistischen Gedankens ad oculös zu demonstrieren. Wir sind längst über jenes be­schränkte Stadium der sozialen Entwicklung hinweg­geschritten, wo die Überzeugung von der Berech­tigung der Interessen der Arbeiterschaft noch man­gelte. Heute denkt jeder vernünftige Mensch sozial. an und klapperten begeistert mit den Scheren. Das wäre endlich in dieser glatzenreichen Zeit eine reiche Ernte für sie gewesen, ein gesegneter Schnitt. Verzückter noch als alle Haarkräusler und Haarspalter sahen jedoch die Frauen dem Meister nach, wenngleich sie wahrnehmen mußten, daß er sein Haupt seit kurzem nicht mehr so feierlich er­hoben trug und auch seine Locken nicht mehr so majestätisch schüttelte wie ehedem. Er stülpte sogar einen breiten Kalabreser über sein Haupt, als wollte er den reichen Haarschmuck verbergen, der bisher sein Stolz gewesen. Fragte man ihn, was ihn be- | drücke, so erhielt man bloß die Antwort: „Es ist zum Haarausreißen!“ Eine verzweifeltere Antwort aus seinem Munde war kaum denkbar. Deshalb bat ich ihn inständigst, sich doch kein graues Haar wachsen zu lassen und lieber sein Herz auszuschütten. Und er schüttete es mir mit folgender Erzählung aus, die nacherzählt werden darf, weil Tier­geschichten derzeit die große Mode in der zeit­genössischen Literatur sind und besonders der Hund, auf den das Schrifttum mit besonderer Vorliebe ge­kommen ist, auch hier wieder einmal begraben liegt. „Ach, meine Locken!“ stammelte er traurig, und er fuhr sich mit einer verzweifelten Gebärde unter den Hut, „sie sind an allem schuld. Wie immer nach meinen Konzerten, hatte ich jüngst Autogramme und Locken an meine Verehrerinnen verteilt. Aber Un­dank ist der Welt Lohn! Vor drei Wochen erhielt ich nämlich ein Gegengeschenk. Es lag in einer Wiege und war ein junger Hund- Ein Brief begleitete das kleine Tier. Die begeisterte Schreiberin teilte mir mit, in ihrer Familie wären mehrere freudige Ereignisse cingetreten, die treue Oberhündin des Hauses sei niedergekommen und von den sechs Jungen, die sie zur Welt gebracht, hätte man mir eines zugedacht. Dann folgte eine pädagogische Aus­lassung, wie der Hund zu erziehen sei, was er essen, wie lange er schlafen dürfe, wann er gebadet, wann er ausgeführt werden solle, ferner, daß es empfehlens­wert wäre, wenn ich mir je eher Kinder anschaffen wollte, weil junge Hunde gern mit kleinen Kindern spielen, wobei angedeutet wurde, Kinder hätten über­haupt bloß den Zweck, junge Hunde zu amüsieren. Statt dieser langwierigen Belehrung wäre es freilich besser gewesen, wenn die gütige Spenderin dem winzigen Köter einen Warnungszettel beigelegt hätte mit den schlichten vier Worten: „Achtung! Das Ge­schenk beißt!...“ Genug daran, nun hatte ich einen Hund. Es war eine nichts weniger als schöne Be­scherung. Als ich den Schleier vom Antlitz des Tier­chens zog, grinste nxir eine kleine, häßliche Fratze entgegen, in der Bosheit mit Dummheit hold gepaart schienen. Kreuzung zwischen Teddybär und Micki- maus. Ich wollte die Hüllen noch mehr entfernen, um das Geschenk in seiner ganzen Anmut genießen zu können, aber schon hatte das Hündchen meine Hand geschnappt. Das war kein Handkuß, sondern ein Biß, und zwar gleichzeitig in alle fünf Finger. Unglaublich, wie groß der Mund dieses kleinen Tieres war und wie viele Zähne dieses angeblich erst vor wenigen Stunden geborene Tier bereits hatte. Was sollte da noch werden? Bald genug erfuhr ich leider manches über die Entwicklungsmöglichkeitcu solcher Vierfüßler ...“ „Du solltest mit mehr Liebe von deinem Ge­schenk sprechen. Hunde sind jetzt überall hoch- geschätzt und deine Verehrerin wird dir wohl ein besonders seltenes und wertvolles Exemplar aus ihrem Familienschatz überlassen haben;“ warf ich ein. „Ob es selten und wertvoll war, weiß ich nicht,“ entgegnete er bitter. „Wohl kaufte ich mir seither einige Bücher, die sich mit dem Familienleben der Hunde beschäftigen, um Klarheit über den Stammbaum der kleinen, immer bissiger werdenden. Bestie zu erlangen, aber ich konnte nur zu negativen Feststellungen gelangen. Der Vierbeiner in der Wiege war weder ein englischer Wachtelhund, noch ein japanischer Pintscher, weder eine Dogge, noch ein Windspiel, weder ein Bologneser, noch ein Neufund­länder, weder ein Spitz, noch ein Dachs, weder ein Pudel, noch ein Mops, weder ein Wolfshund, noch ein Schakal; was er war, welcher Name ihm gebührte, welcher Sippschaft er angehörte, ich konnte es nicht ergründen. Nur eines wußte ich bestimmt: er war ei» Hund, und ein frecher, unverschämter dazu .. Nach einigen Seufzern fuhr der Geiger fort:. „Anfangs lag er still und ruhig in der Wiege und war weder durch Wort noch Tat, weder durch Lisi, noch Gewalt aus seiner Liegelagc herauszulocken. Da Feuilleton* Achtung! Das Geschenk beißt! Wieder einmal eine Tiergeschichte. Von JULIAN WEISZ, Weitverbreitet ist die Meinung, daß die Musik das beste Haarwuchsmittel sei, und ein üppiger Lockenkopf bereits auf musikalische Begabung schließen lasse. Das ist indes eine irrige Ansicht, wie schon die Bibel beweist, die uns von zwei unmusika­lischen Helden erzählt, auf deren Köpfen sich förm­liche Haarhügel ausbreiteten, so daß man wahrlich sagen kann: die Haare standen ihnen zu Berge. Da war Absalom, der Sohn Davids, ein verfrühter An­hänger der Freudseben elternfeindlichen Komplexe, der schließlich an seiner Frisur hängen blieb, wobei er bekanntlich sein Leben einbüßte. Grausames Ver­hängnis und dazu noch bei den Haaren herbei­gezogen! Noch schlimmer ging es dem riesenstarken Simson, in dessen Löwenmähne seine Löwenstärke wohnte, und der deshalb oft und oft der zudring­lichen Delila zurief: Laß’ mich ungeschoren! worauf sie als brave Gattin just das Gegenteil tat, den Haar­wald ausrodete und also Simson ans Messer und an die Schere lieferte. Absalom und Simson waren eben trotz ihrer Haarmassen schlechte Musikanten. Doch wozu in die Ferne schweifen? Die berühmte Anna Csillag, deren Haarzöpfe in Länge und Breite alle Rekorde schlugen, diese unvergeßliche Budapestéről, die sogar Haare auf den Zähnen hatte, war so wenig musikalisch, daß sie nicht einmal die Maultrommel rühren konnte, höchstens die Reklametrommel. Nein, Haarwuchs und Musik haben nichts miteinander zu schaffen, was mein Freund, der bekannte Geiger, immer wieder mit Nachdruck betonte, obwohl die Vorsehung seinen Künstlerkopf ebenso reich be­schenkt hatte, wie seine Künstlerhand. Er konnte täglich mindestens eine Locke für seine Verehrerinnen abschneiden, denn es wuchsen ihm sofort drei nach, und wenn er seinen täglichen Spaziergang über die Andrässystruße machte, staunten ihn alle Friseure

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