Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1931. június (78. évfolyam, 122-145. szám)

1931-06-02 / 122. szám

78, Jahrgang. Budapest, Dienstag, 2. Juni 1931» Nr. 122 Rumänien wählt. Budapest, Í. Juni. Im benachbarten Königreich Rumänien finden morgen die allgemeinen Parlamentswahlen statt. Über ihren Ausgang kann kaum ein Zweifel be­stehen. Noch nie ist in diesem Lande eine Regie­rung bei den allgemeinen Wahlen gestürzt, und von dieser empirischen Regel wird auch das Kabinett Jorga kaum eine Ausnahme sein, obzwar dieser Ministerpräsident, als er vom König mit der Kabi­nettsbildung betraut wurde, in der gesetzgebenden Körperschaft überhaupt keinen Anhang hatte. Bei der merkwürdigen Struktur des rumänischen Wahl­rechts braucht eben keinem Regierungschef um die parlamentarische Mehrheit bange zu sein. Schafft er es, daß bei den Wahlen vierzig Prozent der ab­gegebenen Stimmen regierungsfreundlich ausfallen, so sind ihm nach bestehendem Wahlrecht siebzig Prozent aller Parlamentssitze, also eine 'starke Mehrheit im Parlament, zuzuweisen. Üm sich nun diese vierzig Prozent der Stimmen zu sichern, hat Jorga einen Pakt mit den Altliberalen geschlossen. Und das eben ist der Punkt, an dem die Entwick­lung der Dinge in Rumänien zu den merkwürdig­sten Betrachtungen einlädt. Denn dem König Carol wird nachgesagt, daß er ein persönliches Regiment anstrebt, weil er einzig sich selber die Tatkraft zuschreibt, mit der boden­losen Korruption aufzuräumen, die sich in allen Zweigen der Verwaltung seines Landes eingenistet hat, und die dadurch hervorgerufene Zerrüttung der Volkswirtschaft und der Staatsfinanzen schonungs­los zu bekämpfen. Bloß wirft sich die Frage auf, warum der König sich ausgerechnet einen Politiker als Werkzeug seiner Pläne erkoren hat, der die Sache nicht anders anzustellen wußte, als sich just mit den Altliberalen zusammenzutun, die sich in der ganzen Zeit der Thronkrise als schärfste Widersacher des Herrschers erwiesen haben? Als Carol, damals noch Thronprätendent, vom fernen Auslande her der Frage nachgrübelte, wie er seinen durch den eigenen Väter erzwungenen. Thronverzicht rückgängig ma­chen und an Stelle seines minderjährigen Sohnes auf den Thron gelangen könnte, waren es die heutigen Altliberalen, die sich seinem Vorhaben in schonungs­losester Weise widersetzen und einen wüsten Ver­hetzungsfeldzug gegen ihn entfesselten. Ohne das werktätige Wohlwollen der damals im Machtbesitz befindlichen Nationalen Bauernpartei wäre die Rück­kehr Carols ganz und gar unmöglich gewesen, und der Führer dieser Partei, Julius Maniu, hat also mit Recht erwarten dürfen, daß König Carol ihm und sei­nen Getreuen Dank dafür wissen werde. Auch ein an­derer noch hatte Anwartschaft auf den königlichen Dank: das war Georg Bratianu, der innerhalb der Liberalen Partei sich für die Sache des Königs ‘ein­setzte, und um der Sache des Königs zu dienen; selbst vor einer Parteispaltung nicht zurückscheute. Erbe eines großen, mit den Schicksalen der Liberalen Partei eng verwobenen Namens, umgeben von dem Prestige, das aus dem Vermächtnis Jonel und Vintilla Bratianus auf ihn ausstrahlte, stellte sich dieser junge Mann dem König als Paladin seiner Sache selbstlos und hingebungsvoll zur Verfügung, und sicherlich hatte auch er seinen Anteil daran, daß der Thron­wechsel ohne die befürchteten Erschütterungen vor sich gehen konnte. Nun hat auch Georg Bratianu, ebenso wie Julius Maniu, einen drastischen An­schauungsunterricht über die Danklosigkeit gekrönter Häupter hinnehmen müssen. Als König Carol nach Männern Umschau hielt, auf die er sich in Durch­führung seiner hochfliegenden Konsolidierungspläne stützen könnte, fanden Julius Maniu und Georg Bra­tianu keine Gnade vor seinen Augen, und seine Wahl fiel auf Jorga, der die Aufgabe auf sich nahm, Arm in Arm mit den Altliberalen, d. i. mit dem Teil der Liberalen Partei, dér unter Führung Ducas gestern noch der unversöhnlichste Gegner des Herrschers war, in den Wahlkampf zu ziehen. Man erzählt sich aber in Rumänien, daß Jorga gar nicht der eigent­liche Träger der Politik des Königs, sondern bloß ein Aushängeschild ist, und daß innerhalb der ge­genwärtigen Regierung der Finanzminister Argc- toianu, als interimistischer Minister des Innern zu­gleich Leiter des Wahlkampfes, die erste Geige spielt. Danach hätte man es also mit einem Kabinett Arge- toianu. genannt Jorga, zu tun, das — eine rumänische 1 Variante zu G. B. Shaws „Apfelkarren“ — unter der kaum verhüllten Ägide des Königs gegen alle bis­herigen und in der Zukunft möglichen Ministerpräsi­dent^ zu Felde zieht. Demgemäß verläuft auch die ganze Wahlbewe­gung: König Carol erscheint persönlich und ganz unmittelbar in den Mittelpunkt der Parteienkämpfe gerückt. Seltsamerweise freilich derart, daß seine bisherigen verbissensten Gegner jetzt für ihn 1 kämpfen, seine bisherigen loyalsten Stützen aber notgedrungen sich gegen ihn wenden müssen. Als Erscheinung paradox genug, ist solche Konstellation kaum ohne Gefahren für König und Land. Der In­haber der Krone soll über den Parteien stehen, denn einzig in seiner Überparteilichkeit liegt die poli­tische und moralische Macht des dynastischen Ge­dankens und der monarchischen Staatsform. Mengt sich das gekrönte Haupt in das Getümmel der Par­teileidenschaften, so läuft es Gefahr, dadurch die Beständigkeit seines Throns aufs Spiel zu setzen. Immerhin, die Wahlen werden der Regie­rung des Königs zweifellos eine starke parla­mentarische Mehrheit bringen. Bloß wirft sich die Frage auf, wie lange dieses Kabinett sich auch wirklich als eine Regierung des Königs erweisen wird? Jorga ist zweifellos eine respektable Persönlichkeit, aber das hohe Maß von staatsmännischer Geschicklichkeit und Energie, das die gegenwärtigen Verhältnisse in Rumänien vom führenden Staatsmann erfordern, werden ihm selbst seine besten Freunde nicht nachrühmen. Und Arge-i toianu, der eigentliche Träger der Königspolitik? Er ist nicht ohne Begabung und ist auch gründlich ver­traut mit den politischen und wirtschaftlichen Ver­hältnissen des Landes; zudem hat er auch eine recht bewegte politische Vergangenheit hinter sich, da er auf seiner bisherigen Lebensbahn sich nahezu in allen politischen Parteilagern umgetan hat. Ob er jedoch der providentielle Staatsmann ist, dessen Schultern König Carol alle Sorgen seiner .kühnen Verjüngungspolitik ruhig aufbürden darf, wird sich erst zu zeigen haben. In Ungarn wünscht man dem rumänischen Nachbarlande alle Möglichkeiten einer inneren Festi­gung und einer wirtschaftlichen Sammlung, die die­sem an Naturschätzen so reichen Lande ein Ent­rinnen aus seiner gegenwärtig äußerst kritischen Lage verheißen würde. Zumal die Person des jun- ge/n Königs, die Art, wie er sich von seiner aben­teuerlichen Vergangenheit losgerungen hat. der Klar­blick, womit.er erkannte, daß einzig die Radikalkur einer moralischen Verjüngung und Läuterung sein Land vor dem äußersten Verderben zu retten ver­möchte, all dies wird hierzulande in objektivster Weise anerkannt und gewürdigt. Und daß Ungarn mit diesem Nachbarlande in ein besseres Verhältnis zu treten wünscht, hat der sympathische Empfang, der dem Prinzen Nikolaus von Rumänien kürzlich hier geboten wurde, in ganz eindeutiger Weise be­wiesen. Mit einem zufriedenen und konsolidierten Rumänien, dessen Herrscher sich freizuhalten weiß von allen Voreingenommenheiten gegen unser Land, wird sich, sobald eine dazu geeignete europäische Konstellation eintritt, über die Differenzpunkte, die zwischen den beiden Staaten bestehen, ein kluges Wort sprechen lassen. Ein unzufriedenes, in poli­tischer und wirtschaftlicher Zerrüttung begriffenes, von schweren Finanzsorgen beständig heimgesuchtes Rumänien aber wäre für Ungarn eine nicht nur un­willkommene, sondern unter Umständen auch eine gefährliche Nachbarschaft, denn es würde sich zu einem Unruheherde gestalten, dessen Auswirkungen nur zu leicht auch zu uns übergreifen könnten. Grund genug für die öffentliche Meinung Ungarns, um dem Nachbarkönigreich zu wünschen, daß der Sanierungsehrgeiz seines Herrschers sich ohne kri­senhafte Verwicklungen durchsetzen möge. LTndustrie de la Beauté“ veröffentlicht hat, meint witzig: Um eine Kanone zu machen, nimmt man bekanntlich ein großes Loch und gießt Bronze rings­herum. Um ein Schönheitsinstitut zu gründen, nimmt man einen wirkungsvollen Namen und gießt Reklame ringsherum. Alles andere findet sich mit Leichtigkeit. Alles andere: Zunächst die Direktrice, die eine glänzende Psychologin sein muß. Dann die „Beauters“. Die „Beauters“: ein Wort, das aus Amerika nach Frankreich importiert wurde. Es läßt sich eigentlich nicht recht übersetzen. Der Beauter ist der große Zauberer, dem es obliegt, den Klientinnen für das U ihrer Defekte ein X an Vollkommenheit vorzumachen. Die Beauters selbst bezeichnen nicht faul ihren faulen Zauber als „ästhetische.Chirurgie“. Kein Wunder, daß die gesuchtesten Pariser Beauters Arzte sind. Kein Wunder auch, daß die erbittertsten Gegner der Beauters ebenfalls die Ärzte sind. Besonders die Pariser Neurologen behaupten, daß bei den Patientinnen der Beauters nicht nur der Nervus rerum in stärkste Mitleidenschaft gezogen wird. Übrigens sind die von den Beauters ausge­führten Operationen auch nach Ansicht mancher Chirurgen ohne Ästhetik letzten Endes nur Finanz­operationen. Nebfen dem Beauter arbeitet im Institut noch eine ganze Stufenleiter von Assistentinnen, Hilfs­kräften, Masseuren, Oleotherapeuten, Orthopäden, Laboranten, Kosmetikern, Spezialisten für Be­strahlen, Schminken, Emaillieren, Retuschieren, Färben usw. Alles, was im Bereiche dieser „ästhe­tischen Chirurgie“ irgendwie seinen Schnitt ' macht, trägt einen streng wissenschaftlichen Titel; selbst der Haarspezialist - heißt nicht Coiffeur, sondern „scientific capillarist“. Ein „scientific capillarist“ versteht sich nicht nur auf das Rupfen,, er ist auch viel eher als ein simpler Coiffeur in der Lage, Feuilleton. Hier werden Illusionen verkauft. Von MORIZ SCHEYER. Immer handelt es sich im Leben mehr um das, was die anderen glauben, als um das, was man selbst weiß. Kommt es im Grunde darauf an, wie alt eine Frau wirklich ist? Schon diese Frage nach dem Alter ist heutzutage etwas gänzlich Veraltetes. Man darf nicht mehr fragen: Wie alt ist diese Frau? Man darf nicht einmal fragen: Welches Alter gibt sie zu? Wenn schon, dann darf man höchstens fragen: Welches Alter würde man dieser Frau geben? Aber selbst das ist bedeutungslos. Alter ist von einer modernen Frau von heute nicht mehr eine Summe von Jahren, sondern nur eine Differenz zwischen Ge­nerationen; nicht mehr ein Unterschied zwischen den verschiedenen Altern, nur mehr ein Altersunterschied, den man bald nicht mehr wird unterscheiden kön­nen, wenigstens nicht mit freiem Auge. Denn es gibt kein Altern mehr, es gibt höchstens verschiedene Alter, und auch diese können nivelliert, können auf eine einzige, alleinseligmachende Formel gebracht werden. Die Főnnel lautet: Lebensdauer = Jugenddauer. Nicht das Jungbleiben ist eine Illusion, das Alt­werden ist heute ein überflüssiger Unfug. Und Jung­bleiben wiederum ist gleichbedeutend mit Schön- bleiben. Häßlich ist nur, wer häßlich bleiben will. So behaupten wenigstens kategorisch jene klugen Wohltäter, die Illusionen zu verkaufen haben: die „Instituts de Beauté“, die Pariser Schönheitsinstitute. Ihre Logik ist unfehlbar. Bevor ich aber ein wenig näher auf die Pariser Schönheitsinstitute eingehe, möchte ich noch schnell eine kleine Geschichte erzählen, von der Henry Duvernois schwört, daß sie sich buchstäblich so zu­getragen hat. Ein mondäner Strand. Drei Damen in Bade- tr.ikots. Die Jüngste ist recht ausgelassen. Da erteilt ihr jene, die von den Dreien die Älteste scheint, un­willig einen Verweis: „Großmana, so benimm dich doch! Du wirst es noch dazu bringen, daß man sich über uns aufhält.“ • * Man muß natürlich unterscheiden zwischen Schönheitsinstitut und Schönheitsinstitut. Über die gewöhnlichen Schönheitsinstitute, die sich bald eine leisten kann, sind nicht viel Worte zu verlieren: banale Warenhäuser, Basare der Schön­heit, Werkstätten, wo die Schönheit serienweise her- gestellt wird. Sie halten sich dort gedankenlos an die Schablone, beschränken sich darauf, ein und den­selben „Standardtyp“ von Frau am laufenden Band der Frisuren, Massagen, Schminken, Färbungen usw, schichtweise herzustellen. Das Ganze ist eine rein mechanische Angelegenheit, Fabriksware, die auf die Individualität der einzelnen keine Rücksicht nimmt. Nach Beendigung des Verfahrens schaut eine Klien­tin so aus wie die andere. Höchstens an der Größe oder an der Taille sind sie voneinander zu unter­scheiden. Uninteressant. Dementsprechend billig: Kostenpunkt etwa tausend Francs. Gehen wir weiter. Dafür aber die anderen: jene Laboratorien der Verschönerung, bei denen nicht so leicht festgestellt werden kann, wo die Wissenschaft aufhört und der Charlatanismus anfängt, und umgekehrt, wo der Geist der Medizin sich mit der Medizin des Geistes, der Suggestion, unter dem Deckmantel' der Wissen­schaftlichkeit zum Illusionsgeschäft vereinigt. Was gehört zu einem solchen Institut? Zunächst Reklame und :wfeder Reklame.. Louis . .Leon Martin* der ein reizendes und sehr aufschlußreiches Buch Einielnummer an Wochentagen 1B, an Sonntagen 33B Heller. Abonnement: ; > . • , . . , , ,' Inseratenaufnahme: Für Bespeit: mit täglich zweimalig« ht Budapest, in der Administration des Zustellung und Kr das Inland Morgen- mMBH Mm hsmb wmmm .1 __a_ __ —Pester Lloyd und in den Annoncen­VierteljährlicriBTr^ich MO P WWlfl iPWl JTf IFik W W F Ä1CW IMS rÄ M Bl 8 mJ ■fl» m 1 mm m m IlV m m blatt allein kann unter den gleichen Bezugs- H.A Bfijjan Hi BÉIm MMbJP 111 Wk tfll 111 Wif ül EÜ »agy. hirdető-iroda, Rudolf Moose A -0. bedingungenabonniertwerden Fürdiesepa- jjÜP» ^1*, 8» Ö&p“ KSgBBiA feSI PH Hi ül W fff Mi Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung rate Zusendung des Abendblattes nach PH Ki _ _ ggg |£g §8 ÉÜ ■ ül Mali Ül EÜl des Pester Lloyd für Oesterreich:Duk« der Provinz smdjierteljahriich 1 Pengd g|| I | 1 Ili ■ 1 H P M Jifl 19 ||| S3 SB Naohf. A.-Ű, Wien, Wollzeile 16. Für Wien auch durch Herrn. Goldschmidt mAHh »jjgaL. 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