Pester Lloyd - esti kiadás, 1931. július (78. évfolyam, 146-172. szám)

1931-07-01 / 146. szám

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Blau, Boros, Braun, Győri & Nagy, Haasensteln & Vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein, Cornel Leopold, Julius Leopold, Magy. hirdető-iroda, Rudolf ffiosse A.-ü., Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: M. Dukec Naohf. A.-G, Wien, Wollzeile 16. Einzelnummer für Budapest und iüf die Provinz: Morgenhlatt an Wochentage* 16 Heller, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt 16 Heller. — FUr Oesterreich: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., a* Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr. Redaktion u. Adm.: V., Mária Valérla-uooa 12, Telephon der Administration : 849-09 78« Jahrgang« Budapest, Mittwoch, 1« Juli 1931« Nr« 146 Budapest, 1. Juli. Zwischen Washington und Paris wurde bisher in der Frage des Hooverschen Vorschlags keine Annäherung erzielt Frankreich hat das letzte Wort noch nicht gesprochen, und auch Washington ist zu weiteren Verhandlungen bereit. Indessen scheint ein großer Teil der Weltpresse bereits den Fehl­schlag der französisch-amerikanischen Verhandlun­gen vorwegzunehmen und die Umrisse eines neuen Hoover-Planes zu erblicken, der es Amerika, Eng­land, Italien und Deutschland ermöglichen sollte, unabhängig von der Zustimmung Frankreichs ihre Schulden- und Reparationsangelegenheiten zu re­geln. Ob dieser Plan tatsächlich schon in den be­treffenden Staatskanzleien existiert, oder ob seine vorzeitige Veröffentlichung bloß ein Druckmittel gegen Frankreich darstellen soll, um es auf die Ge­fahr der moralischen Isolierung aufmerksam zu ma­chen, von der es bedroht wird, kann einstweilen nicht sicher festgestellt werden. Man hat im ganzen den Eindruck, daß einer glücklichen Entwirrung große Hindernisse im Wege liegen, die die Lage als im höchsten Maße gespannt und heikel erscheinen lassen. Die telegraphischen Meldungen über die gegen­wärtige Phase der Verhandlungen lassen wir folgen: (Telegramm des Pester Lloyd.) Washington, 1. Juli. In politischen Kreisen verhehlt man nicht mehr die Tatsache, daß die Pariser Verhandlungen auf einem toten Punkt angekommen sind. Dennoch gibt man die Hoffnung nicht auf, daß es gelingen wird, mit der französischen Regierung eine Einigung zu finden. In einem amtlichen Kómmuniqué erklärt die amerikanische Regierung, daß sie bereit sei, den \Wunsch Frankreichs zu erfüllen, daß Deutschland den ungeschützten Teil der diesjährigen Annuität unbedingt bezahle, denselben Betrag aber in Form einer Anleihe durch die BIZ wieder zurückbekomme, zu erfüllen. Die amerikanische Regierung knüpft ihre Einwilligung an die Bedingung, daß Deutsch­land den ganzen Betrag wiedererhalte und die dies­mal gestundeten Annuitäten erst in 25 Jahren zu­rückzahle, um Deutschland so weit als möglich zu entlasten. Das amtliche Kómmuniqué beton- noch, dieses Zugeständnis sei das Maximum dessen, was Amerika gewähren könne, ohne das Ziel der Hoover­schen Vorschläge zu gefährden. Obwohl man in politischen Kreisen die Hoff- nung noch nicht aufgegeben habe, daß die Pariser Verhandlungen zu einem guten Ende geführt wer­den können, werden dennoch die Maßnahmen in Erwägung gezogen, die ergriffen werden müßten, wenn die Pariser Verhandlungen scheitern sollten. In diesem Fall soll der Plan des Präsidenten Hoover vollkommen fallen gelassen und die Washingtoner Regierung sich an jeden einzelnen Staat mit der Aufforderung richten, ihre, aus dem Krieg stam­menden finanziellen Forderungen zu stunden, wo­gegen dann auch Amerika ihnen eliten Zahlungs­aufschub für die eigenen Schulden gewähren würde. Man hofft auf diese Weise die schweren Folgen zu bannen, die der Zusammenbruch der Verhandlungen auf Deutschlands Kredit und auf die internationale Finanzwclt ausüben würde. Washington, 1. Juli. (Telegramm des Pester Lloyd.) Die Washingtoner offizielle Ansicht über den Stand der Besprechungen in Paris läßt sich nach Mitteilungen von Regierungsseite folgendermaßen zu summen fassen: Hoover besteht darauf, daß die Rückzahlung der während des Feierjahres gestunde­ten Beträge, auf fünfundzwanzig Jahre verteilt werde, Während Frankreich nur eine fünfjährigee 1‘rist ge­währen will, die unter der Bedingung, daß der lYoung-Plan während dieser Zeit unverändert bleibe, bestenfalls um weitere fünf oder zehn Jahre ver­längert werden solle. In Washington wird offen ge­sagt, daß die amerikanische Regierung darin eine Falle sehe, da der Young-Plan im Laufe der Zeit sehr wohl Änderungen unterworfen werden könne. Der französische Vorschlag, wonach Deutschland den ungeschützten Teil der Jahreszahlungen an die BIZ. abführen und dann wiedererhalten soll, scheint Hoover jetzt wenigstens grundsätzlich an­nehmbar zu sein, da er darin nur eine Buchungs- maßnahme erblickt. Nach wie vor lehnt er aber die französische Forderung auf Beteiligung von •Griechenland und Jugoslawien an der Zurück- \verlcihtmg der ungeschützten Zahlungen ab, wobei er darauf verweist, daß diese Staaten dem Hoover- Plan unbedingt zugestimmt haben. Hoover scheint die politischen Hintergründe dieser französischen Forderung klar zu durchschauen, denn er gab be­reits der französischen Regierung durch Mellon zu verstehen, daß Amerika gern bereit sei, den ost­europäischen Staaten im Falle von Geldschwierig­keiten zu helfen, die gestundeten Jahreszahlungen müssen aber im vollen Umfühge Deutschland zugute kommen. In Washington wird betont., daß das Haupthindernis in der französischen Forderung auf Entbindung Frankreichs von der sich aus dem Young-Plan ergebenden Verpflichtung liege, im Falle einer Moratoriumsverkündung durch Deutschland 500 Millionen Mark auf den Garantiefonds der BIZ. einzuzahlen, solange Deutschland die gestundeten Beträge nicht zurückerstattet hat. Amerika lehne über diesen Punkt jede Erörterung strikt ab, da es am Young-Plan unbeteiligt sei, und überlasse an­deren Mächten, die Lösung dieser Streitfrage zu finden. Für die unbeugsame Haltung der Washing­toner Regierung sind in politischen Kreisen um­gehende Gerüchte bezeichnend, wonach Amerika be­reit sei, im Notfälle unter Ausschaltung Frankreichs ein Moratoriumsabkommen mit den übrigen beteilig­ten Mächten zu treffen und Frankreich völlig zu ignorieren. . Washington, 1. Juli. Aus Regierungskreisen wird im Zusammen­hänge mit dem Hoover-Plan mitgeteilt: Nach An­sicht amerikanischer Regierungskreisc ist die Auf­hebung der Zahlungen keineswegs mit einem An­griff gegen die Gültigkeit der internationalen Ver­träge gleichbedeutend. Im übrigen hat Frankreich die Aufforderung Hoovers nicht einmal im Prinzip akzeptiert. Später wünschte Frankreich, der Kredit solle nicht der deutschen Regierung, sondern even­tuell einzelnen deutschen Industriezweigen gewährt werden. Diese Ansicht entspreche nicht dem Hoover - Projekt, da es doch offenkundig sei, daß die deutsche Regierung die ganze Summe benötige, um sein Budget auszubalancieren. Amerika ist bereit, auch anderen Nationen za helfen, in erster Linie müsse es jedoch Deutschland auf die Beine helfen. (Telegramm des Pester Lloyd ) Paris, 1. Juli. Die französisch-amerikanischen Verhandlungen über die Hooverschen Vorschläge werden nicht, wie ursprüng­lich vereinbart wurde, vormittags um 10 Uhr, sondern erst nachmittags um 3 Uhr fortgesetzt werden. Um die­sen kurzen Aufschub hat Staatssekretär Mellon selbst ersucht, da er bis gestern abend keine weiteren Wei­sungen aus Washington erhielt. Man glaubt, daß Präsi­dent Hoover den Ausgang der gestrigen Sitzung des französischen Senats und eine Meldung des Botschafters, in Berlin über seine letzte Unterredung mit den Mit­gliedern der Regierung abwar ten wollte. Die Pariser Presse setzt ihre Anschuldigungen und Angriffe gegen Deutschland fort. Petit Párisién drückt seine Überraschung darüber aus, daß Washington den Versuch nicht unternommen habe, Berlin gute Rat­schläge zu erteilen. Wenn das Weiße Haus, das Deutsch­land so schöne Geschenke erteilt hatte, mit Deutschland keine besonderen Verhandlungen einzuleiten für not­wendig halte, so hätten die Gläubiges des Deutschen Reiches Mut genug, das zu tun. Es sei sehr zweifelhaft — schreibt das Blatt —, daß die heule fortzusetzenden französisch-amerikanischen Verhandlungen zu einem Erfolge führen werden, so lange Deutschland nicht ver­stehen werde, daß es sein eigenes Interesse sei, unmittel­bare Verhandlungen mit seinen Gläubigern einzuleiten. Quolidien schreibt, daß ein Mitglied der Regierung (Briand?) bereits die vergangene Woche beantragt hatte, unmittelbare Verhandlungen mit Deutschland einzuleiten, inzwischen aber die Hooverschen Vorschläge im Prinzip unzuuehmen, doch blieb er damals im Minisierrate in der Minderheit. Heute jedoch neigen die Mitglieder der Regierung wieder dieser Lösungsformel zu. Die Blätter veröffentlichen die Entschließung Ita­liens, die Hooverschen Anregungen sofort zu verwirk­lichen, ohne jedoch Kommentare an diesen Schritt zu knüpfen. (Telegramm des Pester Lloyd.) Washington, 1. Juli. Der italienische Botschafter hat heute im Staats­departement die Note der italienischen Regierung über­reicht, worin milgeteilt wird, daß Italien von seinen Schuldnern vom 1. Juli an keine Zahlungen verlangt, die eigenen Schuldenraten aber in der BIZ auf laufende Rechnung hinterlegen will. Im Staatsdepartement er­klärte man dem italienischen Botschafter, Amerika mehm« diesen Schritt Italiens mit Befriedigung zur Kenntnis und hoffe, die übrigen Länder werden diesem schönen Beispiel internationaler Zusammenarbeit bald folgen. London, 1. Juli. Wie der Korrespondent der Times aus Rmn- meldet, will das im gestrigen offiziellen Kómmuniqué mitgeteilte Angebot Italiens, nach der Auslegung maßgebender Kreise, so verstanden werden, daß es bloß für den Fall gelte, wenn der Hoover-Plan in Kraft trete. Sollte dies nicht der Fall sein, so sei der Statusquo automatisch wiederhergestellt, und Italien fordere die Bezahlung der ihm geschuldeten Beträge. Nach einer weiteren Information des Kor­respondenten werde das italienische Angebot, w«p» der Hoover Plan ohne die Beteiligung Frankreichs in Kraft trete, zwischen Italien und seinen beiden Gläubigerstaaten einerseits und zwischen Italien und seinen Schuldnern andererseits Geltung haben, (Tetegramm des Pester Lloyd.) i Paris, 1. Juji. Ein pessimistischer . Grundton herrschte in Paris auch- heute mittag kurz vor der letzten Be* sprechung .der -französischen und amerikanischen Staatsmänner vor. Eine amtliche amerikanische Per* .sönliehkeit,, w’ahrschcinlichkeit. Mellon oder Edge, hat der französischen Presse eine Erklärung zu­kommen lassen, wonach nur ein einziger Punkt der französischen Gegenvorschläge Gegenstand eines Kompromisses sein könne: die Rückzahlung der während des Moratorinmjahres gestundeten Be­träge, deren Frist die Amerikaner auf 25, die Fran* zosen auf fünf Jahre festsetzen wollen. Hier dürfte ein Kompromiß auf zehn Jahre erzielt werden. In allen übrigen Punkten seien die Amerikaner un­nachgiebig.- Unter diesen Umständen erwarten die Mittagsblätter, daß die französisch-amerikanische Aussprache sich tim Nachmittag auf die Übergabe einer Art von Ultimatum der Vereinigten Staaten und möglicherweise auf die Ablehnung des Ultima­tums durch Frankreich beschränken werde, (telegramul des Pester Lloyd.) London, 1. Juli. In englischen politischen Kreisen verfolgt man mit Spannung die Pariser französisch-amerikanischen Ver­handlungen. Die Stimmung wird von der Frage be­herrscht, ob es Frankreich wagen werde, die von Amerika eingeleitete finanzielle Rettungsaktion zu vereiteln. Ein Teil der Presse wendet sich heute schon gegen Paris. So schreibt Daily Herald, es sei eine bittere Ironie darin, daß gerade das Land im Wege der Entspannung stehe, dessen Außenminister „der Sache der internationalen Zusammenarbeit“ so oft Lippendienste leistete. Daily Express stellt in einem höchst unfreundlichen Artikel fest, daß "Frankreich die Verantwortung für eine finanzielle Kaiastorophe nicht auf sich nehmen könne, und die Wünsche Amerikas befriedigen werde. .............................. London, 1. Juli. ( U. T.-K.-B.) Nach dem Washingtoner Korrespon­denten der .Times hat die amerikanische Regierung die Aufgabe, alles Mögliche zu tun, um das Vertrauen der Geschäftswelt und ihr eigenes Prestige wiederlierzuslel- len. Im Falle eines Fehlschlages der Pariser Verhandlun­gen werde der ursprüngliche Hoover-Vorschlag zurück­gezogen, und nachher werde der Präsident den Vorschlag jedem Schuldner Staat gegenüber einzeln wiederholen. Die Grundlage dieses neuen Vorschlages würde ebenfalls die Erlassung der Kriegsschulden unter gleichzeitiger Ein­stellung der deutschen Reparationszahlungen bilden. Dieser Plan sei noch nicht ausgearbeitet und erheische sicherlich eine ernste finanzielle Durchberatung, habe aber den entschiedenen Vorteil, Frankreich die Entschei­dung anheimzustellen, ob es dem Plane ohne Rücksicht auf das Verhalten der übrigen Staaten beizutreten wünsche. Gleichzeitig würde der neue Vorschlag die Wirkung des Pariser Fehlschlags mildern. Dies sei das Grundprinzip des neuen Hooverschen Vorschlages, der aber noch nicht endgültig festgelegt sei und vielleicht noch Modifizierungen erfahren werde. Daily Herald meldet mit auffallendem Nachdruck, Hoover habe bereits England. Italien und die übrigen in­teressierten Staaten aufgefordert, im Falle einer Weige­rung Frankreichs den Plan ohne seine Beteiligung durch­zuführen. Auch die deutsche Regierung sei von diesem Plan verständigt worden. Das Blatt gibt ferner an, Ame­rika sei geneigt, Deutschland den zur Bezahlung der Frankreich geschuldeten ungeschützten Annuitäten not­wendigen Betrag zu leihen. Amerika sei durch das Ver­halten Frankreichs in seinem Standpunkt nur gestärkt worden. Im Leitartikel weist das Blatt auf die bittere Ironie hin, die darin liegt, daß gerade derjenige Staat die europäische Entwir­rung erschwere, dessen Außenminister die Notwendigkeit des Weltfriedens am lautesten verkünde. Hoovers Plan müsse auch ohne die Mitwirkung Frankreichs durch­geführt, Frankreich aber müsse moralisch isoliert wer­den, wie es dies verdiene. Dann werde man auch viel­leicht in Paris einsehen, daß man an der bisherigen Po­litik ändern müsse. Die Schwierigkeiten des Hoover-Planes.

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