Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1932. szeptember (79. évfolyam, 196-220. szám)

1932-09-01 / 196. szám

Einzelnummer an Wochentagen IC, an Sonntagen 32 Heller. Abonnement: Für Budapest: mit täglich zweimaliger Zustellung und iflr das Inland Morgen- und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich 6.40 P. Für das Morgenblatt allein vierteljährlich II P, monatlich 4 P. Für das Abendblatt allein vierteljährlich 8 P, monatlich 3 P. Für die separate Zusendung des Abend­blattes nach der Provinz ist viertel­jährlich 1 Peng* zu entrichten. FOr Wien auch durch Herrn. Qoldscbmldt. Für das Ausland mit direkter Kreuzband­sendung vierteljährlich: Für Oesterreioli und Polen so Pengő, für alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch bei sämtlichen ausländischen Post­ämtern entgegengenomraen. Manuskripte werden nicht zurückgestellt. Telephon der Redaktion: 848-20. FESTER LLOYD MORGENBLATT B inseratenauf nahme: hi Budapest, in der Administration des Pester Lloyd und in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, I. Blockncr. J.BIau, Boros, Braun, losef Erdős, Győri & Nagy, Haasensteln & Vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein, Cornel Leopold, Julius Leopold, Megy. hirdető-iroda, Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: M. Dukes Nacht. A.-Q, Wien, Wollzeile 16. Einzelnummer für Budapest und für die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt 10 Heiler. — Für Oesterreich: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr. Redaktion u. Adm. :V., Mária Valéria-ucca IS, Telephon der Administration: 849-00 79« Jahrgangs Budapest, Donnerstag, 1. September 1932. Nr. 196 Ägypten — Ungarn. Vom Grafen ALBERT APPONY1. Budapest, 31. August. Der Besuch des hervorragenden ägyptischen Staatsmannes, des Ministerpräsidenten Sedky Pa­scha, ist keineswegs als ein interessantes fait divers aufzufassen, das seinen journalistischen Platz im Feuilleton oder unter den Tagesneuigkeiten hat, son­dern als ein bedeutsames und erfreuliches politi­sches Ereignis, das im Leben beider Völker Spuren zurücklassen soll. Die Leser des Pester Lloyd erinnern sich viel­leicht der Berichte über meine vor zweieinhalb Jah­ren unternommene? Reise nach Ägypten, die ich in diesen Blättern veröffentlichte. Ich erhielt dort tiefe und nachhaltige Impressionen, die ich zu den besten intellektuellen Bereicherungen zähle, deren ich im Laufe meines langen Lebens teilhaftig wurde. [Wirkten die großen Erinnerungen der Pharaonen­zeit, in monumentalen Resten verkörpert und haupt­sächlich in der koptischen Bevölkerung lebendig erhalten, mächtig auf mein ganzes Denken ein; hatte ich innerlich das Bedürfnis, von diesen Erinnerun­gen, über die kurze griechisch-römische und glän­zende römisch-christliche Zeitspanne, zum mächtigen muselmanischen Geistesleben eine Brücke zu schlagen, das jetzt seine Anschmiegung an west­europäische politische Organisationsgrundsätze nicht ohne Schwierigkeiten vollzieht, so wußte ich ande­rerseits nicht, ob dieses, an geistigen Anregungen überreiche Gedankengebiet in mir intensiveres In­teresse erregte, als die aktuellen politischen Pro­bleme, mit denen das ägyptische Volk heute zu ringen hat, um seine unabhängige nationale Existenz, die­ses unüberwindliche Seelenbedürfnis jedes kräftig lebenden Volkes, mit Gegebenheiten der politischen Geographie in Einklang zu bringen, die einmal nicht zu ändern sind und die zu ignorieren die Macht des ägyptischen Volkes übersteigt. Uns Ungarn ist ja dieser Widerstreit zwischen geopolitischer Ge­gebenheit und dem Drang zu unbeschränkter Selbstbestimmung nicht imbekannt. Wir wissen, wie viel Weisheit, wie viel Selbstbeherrschung not­wendig sind, zwischen diesen beiden Elementen des Volksgeschicks die Harmonie zu erhalten, wie schwer es ist, zu bestimmen, wie weit das eine dem anderen Konzessionen machen kann, darf und sogar muß, und wie schwer es auch ist, bezüglich dieser Grenzbestimmung Übereinstimmung im Lager des eigenen Volkes herbeizuführen. Kommen noch die Probleme der inneren Entwicklung in ihrem Feuilleton. Ein Mann, der sich selbst verjüngt. Von LUDWIG BAUER (Paris). Entweder besitzt Paris nun einen Zauberer, oder der große Schwindler Cagliostro hat einen voll- bürtigen Erben gefunden. Eines Morgens wurden die ■Pariser durch einen langen Aufsatz einer großen Zeitung überrascht, in der ihnen nichts Geringeres vorgestellt wurde, als ein Mann, der sich selbst nach Belieben verjüngte und entschlossen erklärt, dieses Verfahren in alle Ewigkeit fortzusetzen, also seine eigene Unsterblichkeit inmitten einer munter weiter vergehenden Menschheit zu begründen. Dieser Herr heißt Georgia Knapp, ist durchaus nicht der Erst­beste, sondern hat schon einmal durch die Ausstel­lung eines eigenartigen „elektrischen Hauses“ von sich sprechen gemacht, und ist jedenfalls ein Polyhistor von ungewöhnlichem Ausmaß. Herr Knapp hat nicht bloß eine Oper komponiert, was auch anderen Zeit­genossen schon zugestoßen ist, sondern er erfindet ebenso regelmäßig, wie andere atmen; nebst einem verbesserten Mikroskop hat er Apparate aller Art konstruiert, er ist Mathematiker, Architekt, Biologe, Gesangslehrer, Zeichner und er selbst gibt die Anzahl seiner Berufe dem wohl allzu gläubigen Ausfrager mit achtzig an. Worauf man natüiiich geneigt sein wird, ihn für einen Schwindler zu erklären, der viel­leicht auch sich selbst betrügt. Aber darauf lächelt Georgia Knapp überlegen und bringt zwei Zeugen herbei; diese scheinen ihm unwiderleglich. Seine linke Hand und seine Photographien. Auf den Photographien sieht man Herrn Knapp in verschiedenen Lebensaltern; auf der einen in reiferen Jahren, ermüdet, runzlich, absteigende Kurve; auf der anderen erfrischt, glattes Antlitz, glänzendere Augen, ersichtlich um zehn bis fünf­akutesten Stadium dazu, wo sie Existenzbedingun­gen des Volkes darstellen und jenes andere Problem durchkreuzen, so ergibt sich für ein solcherart situiertes Volk eine Summe von Komplikationen, deren Herr zu werden kein Volk im Entwicklungs­stadium des heutigen ägyptischen Volkes fähig ist, wo — ohne die Mitwirkung dieses Volkes auszu­schließen — ein starker führender Geist und eine starke Hand notwendig sind, tun Entgleisungen nach links oder nach rechts zu vermeiden. Diese mächtigen Komplikationen sind in den letzten Jahrzehnten zugleich mit der bedeutenden fortschrittlichen inneren Evolution über das ägyptische Volk hereingebrochen, ja sie sind eben durch jenen inneren Fortschritt und das damit zu­sammenhängende Erwachen des nationalen Selbst­bewußtseins zu einer Intensität gelangt, die zeit­weise zu Eruptionen führte. Sie sind bestimmt durch die Gegebenheit einer unabänderlichen Notwendig­keit des britischen Weltreiches, die kürzeste Verbin­dung mit einem seiner mächtigsten Gebiete, mit Indien, unter allen Umständen zu sichern. Dieser Weg führt aber an Ägypten in solcher Nähe vorbei, daß Ägypten, sich ganz selbst überlassen, ihn jeder­zeit sperren könnte. Daher das Streben Englands, sich gegen diese Eventualität Machtgarantien zu schaffen, denn bloße Vertragsgarantien scheinen ihm nicht Sicherheit genug zu bieten. Mit diesem nicht zu beseitigenden Problem ringt das heutige Ägypten zu gleicher Zeit mit dem Problem einer inneren Umgestaltung, eines inneren Ausbaues, dessen prinzipiell kurzgefaßter Inhalt als Herstellung des Einklanges zwischen dem Islam und den Anfoi'derungcn eines modernen Staats­lebens bezeichnet werden kann. Ich hatte vor zwei Jahren Gelegenheit, diese Probleme in Ägypten sowohl mit den damals führen­den einheimischen Staatsmännern als auch mit den diploniatischen Vertretern aller interessierten und nichtinteressierten Länder zu erörtern, vor allem mit König Fuad selbst, der mir zweimal die Ehre er­wies, mich in lange währenden Audienzen zu emp­fangen, und in dem ich eine Herrscherpersönlich­keit großen Formats kennenlernte. Von reicher allgemeiner Bildung, vielseitigem Wissen und von einer ungewöhnlichen Arbeitskraft unterstützt, ist dieser König in der Tat auch ein Führer seines Volkes, dessen Wohl sein Lebensziel ist. Die Staats­männer, die ihn damals umgaben, gehörten der sogenannten Wafdpartei an, und über ihr schwebte noch — personifiziert durch seine hochbegabte Witwe — der Schatten ihres großen Begründers Zaghlul Pascha. Ich fand unter ihnen Männer von zehn Jahre jünger. Das Erstaunliche dabei ist nur, daß das Bild des jüngeren Herrn Knapp den älteren und das Bild des älteren Herrn Knapp den jüngeren Knapp uns vorführt. Dazwischen liegen zwölf Jahre. Knapp zählt heute Siebzig, und er versichert, nach den Aussagen der ihn untersuchenden Arzte, durch­aus Organe und Lehensfunktionen eines Di-eißigjähri- gen zu besitzen. Das ist ungewöhnlich, wäre aber immer noch kein Wunder. Das Wunder besteht viel­mehr, die Angaben Knapps vorerst noch ausgeschal­tet, in seiner linken Hand. Diese Hand ist ruhig weiter geealtert, verheimlicht die 70 Jahre ihres rüstigen Besitzers nicht. Knapp hat sie als Beweis für seine Methode in diesem Zustand gelassen, während er sich selbst verjüngte. Durch Abbinden wurde, so sagte er, verhindert, daß auch diese Hand sich ebenso verjüngte wie ihr glücklicher Besitzer; greisenhaft und verrunzelt, legt sie ein seltsames Zeugnis ab für sein wahres, von ihm überwundenes Alter. Neben seinen Phiolen, geheimnisvollen Appa­raten, Präparaten und Lymphen steht dieser neue Faust mit rosig überhauchtem, lächelndem Antlitz. Erzählt von seinen Arbeiten, ohne aber des Rätsels Lösung zu verraten. Die Menschheit scheint ihm dessen nicht würdig; sie muß sich, so erklärt er, bis zu seinem Tode gedulden. Aber er hat doch eben versichert, daß er ohne unglücklichen besonderen Zufall überhaupt nicht sterben werde. Also würde es geschehen, daß wir alle der Zeitlichkeit unseren Tribut zollen und allein Georgia Knapp als ewiger Amerikaner uns alle und noch unsere Kindeskinder überleben würde. Nehmen wir für einen Augenblick an, all dies sei wirklich, und stellen wir uns diese Zu­kunft vor, mvd sofort werden wir erkennen, daß zu den von Knapp bemeisterten vielen Wissenschaften offenbar weder Menschenkenntnis noch Logik ge­hören. Kann er glauben, daß die Menschen in Todes­angst vergehen, am Krankenlager ihrer Liebsten stehen werden, Alter und • Krankheit erleiden, und bedeutenden Geistesgaben, und erfreute mich in seltenem Maß ihres Vertrauens; einigen von ihnen bewahre ich wahrhaft freundschaftliches Gedenken. Es ist nicht meine Aufgabe, an ihren Methoden Kritik zu üben, eine Sache,' die ich — innere An­gelegenheiten eines fremden Landes betreffend — immer meide. Es war mir aber, trotz der konstitu­tionell korrekten Zurückhaltung, die von beiden Seiten geübt wurde, klar, daß keine genügende Har­monie zwischen König und Regierung bestand, und ich war daher nicht im geringsten überrascht, als der Bruch erfolgte und Sedky Pascha die Regierung übernahm. Über diese Regierung und über die Persönlich­keit des neuen führenden Staatsmannes hat unser ausgezeichneter Vertreter in Alexandrien Dr. Pol- nauer den Lesern des Pester Lloyd nähere Mittei­lungen gemacht. Ich war sehr erfreut, jetzt die Be­kanntschaft Sedky Paschas machen zu können und den Eindruck eines Staatsmannes von weitem Über­blick zu empfangen, der alle Probleme seines Landes in ihren Zusammenhängen erfaßt, unter Formen, die nichts Herausforderndes zeigen, einen eisernen Wil­len besitzt: einer, der, was er will, auch durchsetzt bei seinem Volke; — vor allein sich selbst. Er ist gewiß um nichts weniger vom Unabhängigkeits­gefühl dieses Volkes erfüllt als irgendeiner seiner Gegner, besitzt aber vielleicht in höherem Grade die Eignung, es mit jenen weltpolitischen Gegeben­heiten in Einklang zu bringen, gegen die ankämpfen zu wollen vergeblich ist. In einem gewissen Sinne machen sich diese Ge­gebenheiten auch im Werke des inneren Aufbaues geltend: europäische Mitarbeit ist heute kaum ent­behrlich, nicht in der obersten Leitung, wohl aber in der Durchführung. Ägypten besitzt zur Fühi'ung geeignete Staatsmänner in allen Zweigen der Ver­waltung, aber kein hinreichend zahlreiches Personal für ein entsprechendes Beamtentum. Eliminiert man da plötzlich das fremde Element, so ist ein Rückfall ins Chaotische schlimmster Art zu befürchten. Da aber andererseits die aus den westeuropäischen Staa­ten stammenden fremden Beamten stets versucht sein werden, mehr die Interessen ihres Vaterlandes als die Ägyptens zu fördern, so ergäbe sich von selbst die Idee, den unentbehrlichen fremden Einschlag einem Lande zu entnehmen, das gar keine Interes­sen hat, die mit den Interessen Ägyptens in Kolli­sion geraten könnten, dessen Söhne also dem Adop- tivlande ohne jeden Widerspruch mit ihrem Patrio­tismus mit voller Hingebung dienen können. Ist da nicht ein Feld, wo engere Beziehungen zwischen dabei wissen, es gibt in der Rue Martin in Paris einen hundertjährigen Jüngling, der sie retten und den Tod verscheuchen kann, aber es beliebt diesem Herrn eben nicht, es macht ihm Spaß, der einzig Unsterb­liche zu sein, während anderswo Geschlecht auf Geschlecht folgt? Würden sic ihn nicht zwingen können, ihn in seiner künstlichen Unsterblichkeit bedrohen? Knapp macht sich in wenig kollegialer Weise über Steinach und Woronoff und alle anderen Arbeiter am Verjüngungsproblem lustig; er allein hat entdeckt, worauf es ankommt, er schafft Ersatz- zcllen, die die Aufgaben ihrer erschöpften Kollegen mit frischem Eifer übernehmen, gelehrt spricht er von einem Katalyseur und Osmose, den Laien- reportcr einschüchternd, der nur immer verdutzter auf diesen Faust, der vielleicht Mephisto ist, und seinen modernisierten „Urväter Hausrat“ starrt, der ihn umgibt. Dieser verdächtige und erstaunliche Ge­lehrte scheint nichts anstreben zu wollen: keine Dankbarkeit seiner Mitwelt, keine Flüche der Ärzte, Versicherungsgesellschaften, Totengräber, verhinder­ter Erben, keinen Neid seiner Kollegen, nicht einmal Geld; denn er versichej-t, keinen anderen Sterblichen seine Behandlung angedeihen zu lassen, obwohl sich um ihn, er verheimlicht es nicht, die zahlungsfähig­sten Amerikaner nur so drängen. Oder sollte hier nicht der Wunsch des Gedankens Vater sein? Denn eines will auch dieser geheimnisvolle Mensch, will es offenbar sogar sehr: Reklame. Deshalb ver­schmäht er zwar, die Menschheit zu verewigen, aber nicht die Sensation eines Zeitungsartikels. Fordert die Welt heraus. Will beneidet und umworben sein. Zwecklos? Mag sein, das wäre dann eine seltsame Abirrung. Vielleicht aber doch zweckvoll. Vielleicht wird Herr Knapp sich später erweichen lassen, be­vor man ihm als Überwinder des Todes und damit dem größten Feinde der Menschheit flucht. Kein Zweifel, dies und nichts anderes wäre er, würde man geneigt sein, an die Wirklichkeit seiner Leistung zu glauben. Nicht bloß, weil er der Mörder

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