Pester Lloyd - esti kiadás, 1932. szeptember (79. évfolyam, 196-220. szám)

1932-09-01 / 196. szám

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Blau, Boros, Braun, Josef Erdős, Győri & Nagy, Haasensteln & Vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein, Cornel Leopold, Julius Leopold, Magy. hirdető-iroda, Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: M. Dukes Nachf. A.-Q* Wien, Wollzeile 16. Einzelnummer tür Budapest und füf die Provinz: Morgenblatt an Wochentage* MG Heller, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt lo Heller. —Für Oesterreich Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr. Redaktion u. Adm. :V.f «ária Valéria-uoca 1& Telephon der Administration: 849-09 , I I I-— ............... - r.l TIMI 1 I Ml. 7 9. Jahrgang. Budapest, Donnerstag-, 1. September 1932. Nr. 196 Auslandschau. — 1. September. — Der Umbau der Reichswehr — eine berechtigte Forderung Deutschlands. Die innerpolitischen Ereignisse im Deutschen Reiche sind in den letzten vierundzwanzig Stunden durch die Note vollkommen in den Hintergrund ge­drängt worden, die über die Forderungen der Reichs­regierung nach Umbau der Reichswehr dem Ber­liner französischen Botschafter übermittelt wurde. Durch diesen Akt ist die seit einigen Monaten pau- sirende Abrüstungsfrage erfreulicherweise wieder in Fluß geraten. Auch die Art und Weise, wie dies ge­schehen ist, nämlich die Methode der direkten Ver­handlungen zwischen Deutschland und Frankreich, kann als glücklich angesehen werden. Die Prozedur der großen, universellen Konferenzen hat schon so oft versagt und verspricht auch im Falle der außer­ordentlich komplizierten Abrüstungsmaterie so wenig Erfolg, daß auch für eine später auszuarbeitende allgemeine Abrüstungsformel die beste Vorbereitung die direkte Verständigung zwischen den Haupt­antagonisten, Deutschland und Frankreich, wäre. Die Note, über deren Inhalt die deutschen Blätter einstweilen strengstes Stillschweigen be­iwahren, kann nach der Havas-Agentur folgender­maßen zusammengefaßt werden: Deutschland (wünscht auf Grund des Vertrages von Versailles |und des Völkerbundpakts die Gleichberechtigung in |der Rüstungsfrage. Sollte ihm dies verweigert wer­den, so wäre es gezwungen, im Interesse seiner Sicherheit die Reichswehr entsprechend umzuge- Istalten. Praktisch würde dies nach der Havas- ÍAgentur bedeuten, daß vor allem die Dienstzeit der Angehörigen der Reichswehr wesentlich verkürzt oder éine Miliz aufgestellt werden würde, deren Dienstzeit sehr kurz wäre. Diese Forderung, die in Frankreich ruhig, aber widerstrebend aufgenommen wurde, kann nicht an­ders als vollkommen gerecht bezeichnet werden. Daß die Umbauwünsche Schleichers keineswegs eine internationale Provokation oder einen Auf­rüstungsplan darstellen, dafür ist der Kommentar des sozialdemokratischen Vorwärts maßgebend: „Wenn wir recht unterrichtet sind“ — schreibt das Berliner sozialistische Zentralorgan —, „sind die Pläne des Reichswehrministers viel konkreter, be­grenzter und auch realpolitischer, als dieses national­sozialistische Schlagwort von der Wehrhoheit.“ Dieses sozialistische Zeugnis beweist am besten, daß General Schleicher in der Durchführung ratio­neller und gerechter Reformen auf die Unter­stützung der gesamten öffentlichen Meinung Deutsch­lands rechnen kann. Freilich werden die Verhand­lungen mit Frankreich ziemlich schwierig sein, da für Herriot zahlreiche Widerstände der nationalisti­schen und militaristischen Rechten und namentlich des Großen Generalstabs zu überwinden sein werden. Der französische Premier hat nach seiner En- trevue mit Chamberlain, die an Deck der Jacht „Pierre Dupoys“ in Cherbourg stattfand, Journa­listen gegenüber erklärt, daß über die deutschen Forderungen ein diplomatischer Meinungsaustausch eingeleitet werden soll. Das übrige werde man ja sehen. Die französische Regierung und die öffent­liche Meinung werden kaltes Blut bewahren und hätten keinen Grund, ihre bisherige Haltung zu ändern. Schließlich erklärte noch Herriot, daß er die noch restlichen drei Tage seines Urlaubs in Ruhe verbringen wolle. In der französischen Presse verursachte das deutsche Memorandum keinerlei Überraschungen, nachdem man den deutschen Standpunkt bereits aus dem Artikel des Generals Schleicher kannte. Die Blätter fassen das Memorandum als einen Ab­lenkungsversuch von den inneren Verhältnissen Deutschlands auf, der jedoch keinerlei Änderung an der bestehenden Lage herbeiführen kann. Die Ber­liner Morgenblätter bringen ausführlich die Pariser Meldungen und Pressekonmientare, nehmen jedoch selbst nur mit wenigen Worten zu der Angelegenheit Stellung und beschränken sich hauptsächlich auf eine Zurückweisung der Angriffe der französischen Blätter auf den Reichswehrminister. Jedenfalls steht das Memorandum der deutschen Regierung heute im Vordergrund des politischen Interesses. Die siidamerikanisclic Revolutionswelle. Seitdem vor fünf Jahren Chile mit einer Revolu­tion einsetzte, machte das Beispiel bekanntlich Sohule und in der näheren oder ferneren Nachbar­schaft kam es serienweise zu Unruhen, Putschen und Revolutionen, von einem Ausmaße, wie sie so­gar in dieser heißblütigen Gegend selten sind. Revo­lution war geradezu Mode geworden. Was nun den diesmaligen Aufstand in Brasilien betrifft, so hat er aus dem Bundesstaat Sao Paulo seinen Ausgang genommen, der sich in stetem Gegen­satz zu Rio de Janeiro befindet. Einmal ist es ge­kränkter Ehrgeiz, weil der Bundespräsident nicht einmal aus Sao Paulo stamme, ein andermal han­delt es sich um die vermeintliche Vernachlässigung wirtschaftlicher Sonderansprüche. Diesmal handelt es sich hauptsächlich ran eine prinzipielle Unzufrie­denheit wegen der langen Dauer und der wirtschaft­lichen Mißerfolge der Diktatur. Die Aufstandsbe­wegung hat auch auf den entlegenen Südstaat Rio Grande de Sul übergegriffen. Im Staate Sao Paulo soll einer der „ewigen Präsidentschaftskandidaten“, Assis Brasil, die Hand im Spiele haben. Die Ziffern über die Teilnehmer an den Gefechten und über die Verluste sind immer maßlos übertrieben. Immerhin zeigt es sich, daß Brasilien innerpolitisch nicht zur Ruhe gelangen kann. Weitaus weniger interessant sind die Unruhen im Staate Ecuador (57 Kantone, 455.000 Quadrat­kilometer, etwa zwei Millionen Einwohner). In die­sem Freistaate sind Unruhen an der Tagesordnung. Seit 1911 herrscht sogar eine Hochflut. Die Parteien, seien es Liberale, Radikale, Klerikale, gemäßigt Liberale oder liberale Konservative, gehen in bunter Folge nebeneinander oder gegeneinander. Diesmal er­hitzte der Präsidentschaftswechsel die Gemüter. Das Mandat Dr. Ayoras lief am 31. August ab und die Gegner von Bonifaz verspürten wenig Lust, ihn zur Rcgierungsgewalt zuzulassen. Die Kämpfe gestalteten sich mit wechselndem Glück, da die Aufständischen, die aus der Hauptstadt Quito bereits vertrieben waren, wieder zurückkehren konnten, sich des Arse­nals, der Wasserwerke, der Elektrizitätswerke und einiger Eisenbahnlinien bemächtigten, so daß die Regierung, die sich nun mit allen Mitteln, sogar mit Bombenabwürfe aus Flugzeugen verteidigt, das diplomatische Korps und die Ausländer ersuchte, die Hauptstadt zu verlassen. Nach heftigen Kämpfen, die nach einer Meldung aus Guayaquil über 5000 Tote gefordert haben, mußte endlich die „Armee“ Bonifaz’ vor den Regie­rungstruppen (allerdings handelt es sich auch auf dieser Seite um eine Streitmacht von etwa 8000 Mann) kapitulieren. Nach dem endgültigen Sieg be­schloß die Regierung, in Quito künftig eine starke Garnison zu halten, um einer Wiederholung der Aufstände vorzubeugen. In der kleinen Republik herrscht somit wieder der innere Friede, — aber wie lange er dauern wird, das kann man nicht ermessen. Es handelt sich um Südamerika, wo Bürgerkrieg zum Normalzustand zu werden scheint. Der Brandherd des Fernen Ostens. Die von Japan angekündigte Anerkennung des neuen mandschurischen Staates birgt die Möglich­keit ernster Verwicklungen in sich. Auf die Ankün­digung folgte unmittelbar eine Erklärung des chine­sischen Außenministers Lo-Wen-Kan, nach der China nie auf einen Fußbreit chinesischen Territo­riums verzichten werde. Kompliziert wird diese Lage noch durch die Haltung der Vereinigten Staaten, die jede Änderung am territorialen Status des chinesi­schen Reichs als eine Verletzung des Prinzips der offenen Tür betrachten; Washington hat erklärt, daß es nie eine durch bewaffnete Eroberung ent­standene. Lage sanktionieren werde. Selbstverständ­lich lassen sich die Japaner weder durch die chine­sische, noch durch die amerikanische Haltung be­einflussen. Sie arbeiten fest entschlossen daran, ihre militärische Machtstellung in der Mandschurei zu befestigen und suchen den amerikanischen Einwän­den und zugleich den noch immer unveröffentlich­ten Feststellungen des Ly tton-Ausschusses durch die ziemlich fadenscheinige Argumentierung zu begeg­nen, daß der neue Staat Mandschukuo nach den Re­geln des Selbstbestimmungsrechts der Völker aus dem eigenen Willen der Einwohner der Mandschurei entstanden sei; die Hoheitsrechte seien in der Person des Exkaisers Pu-Yi, also des rechtmäßigen Erben der Mandschu-Dynastie, verkörpert, der den chinesi­schen Thron infolge der Revolution verloren habe. Wenn die Staatsgründung in der Mandschurei wirk­lich eine Folge des Selbstbestimmungsrechtes des mandschurischen Volkes ist, so muß man feststellen, daß die japanischen Streitkräfte diesem Recht mit ganz besonderer Kraftentfaltung und nicht ohne Blutvergießen nachgeholfen haben. Es ist zweifel­haft, ob die japanischen Argumente imstande sein werden, die öffentliche und offizielle Meinung in den Vereinigten Staaten umzustimmen, wie es offen­bar durch die Washingtonreise des Admirals No- mura beabsichtigt wird. Eine neue Zuspitzung erfuhr die Lage durch den unüberlegten und rasch verpulverten Angriff, den irreguläre chinesische Truppen (angeblich im Aufträge Tschang-Hsiie-Liangs) auf die japanischen Militäranlagen bei Mukden ausgeführt haben. Die Brände, die von den chinesischen Franctireurs am Flugplatz und am Radiosender in Mukden ver­ursacht worden waren, konnten rasch gelöscht wer­den — man weiß indessen nicht, ob diese Brände nicht das erste Signal einer größeren Bramdkata- stophe sind, die den Völkerfrieden in bedrohlichem Maße gefährden würde. Einstweilen fallen in Tokio und in Nanking un­versöhnliche Worte; jede Partei besteht auf ihrem wahren oder vermeintlichen Recht. Die übrige Welt aber schaut den Ereignissen zögernd zu. Vor allem muß dies vom Völkerbund festgestellt werden, der in dieser Angelegenheit -wieder in eine arge Sackgasse geraten ist. Wird der Lytton-Bericht veröffentlicht und muß der Völkerbund zu seinem Inhalt — der für die japanische Politik sehr ungünstig ist — Stel­lung nehmen, so hat man mit dem sofortigen Aus­tritt Japans aus dem Völkerbund, also mit einer akuten Krise in Genf rechnen. Die Vereinigten Staaten, die an den Ereignissen im Fernen Osten unmittelbar interessiert sind, nehmen hauptsächlich aus innerpolitischen Gründen einen abwartendeu Standpunkt ein. China selbst ist freilich außer­stande, die in der Mandschurei geschaffene vollen­dete Tatsache mit gewaltsamen Mitteln zu korrigie­ren. Somit arbeitet die Zeit für Japan — voraus­gesetzt, daß die inneren Schwierigkeiten wirtschaft­licher Natur nicht auch dort die geraden Wege der imperialistischen Eroberungspolitik kreuzen werden. Vom Tage. Politische Konferenzen. Beim Ministerpräsidenten Grafen Károlyi hat heute mittag im Zusammenhang mit der morgigen Sitzung des Abgeordnetenhauses und der für heute abend einberufe- nen Konferenz der Einheitspartei eine Beratung statt­gefunden, in der die politische Situation besprochen wurde. Das interessanteste Moment dieser Konferenz, die bei Schluß des Blattes noch dauert, liegt wohl darin, daß daran auch Graf Stefan Bethlen teilgenommen hat, der erst vor kurzem aus Frankreich zurückgekehrt ist. Außerdem waren erschienen: der geschäfteführende Präsident der Einheitspartei Abgeordneter Dr. Pesthy, Außenminister Dr. Walko und Innenminister Dr. Kérész- tes-Fischer. In politischen Kreisen sieht man der Konferenz der Einheitspartei schon angesichts des Erscheinens des Gra­fen Bethlen mit dem größten Interesse entgegen. Außer der Konferenz der Einheitspartei finden heute abend auch noch andere politische Konferenzen statt. So wird auch die Partei der Unabhängigen Landwirte eine Konferenz abhalten, in der wahrscheinlich beschlossen werden wird, den Abgeordneten Ulain mit der Motivierung der Einbe­rufung des Abgeordnetenhauses zu beauftragen. Außer­dem wird heute auch die Christlichsoziale Wirtschaf tó­partéi zur morgigen Sitzung des Abgeordnetenhauses Stellung nehmen. DEUTSCHLAND. Die Frage der Reichstagsauflösung. (Telegramm des Pester Lloyd.) Berlin, 31. August. Von deutschnationaler Seite wird mitgeteilt, daß deit deutschnationale Vizepräsident des Reichstages, Graef, den Schritt des Reichstagspräsidenten beim Reichspräsidenten v. Hindenburg nicht mitniaohen werde. Vizepräsident Graef werde zwar selbstverständlich sich an dem Antritts­besuch beim Reichspräsidenten beteiligen, -wenn es aber durch die Haltung der anderen Mitglieder des Präsidiums notwendig werden sollte, werde er zum Ausdruck brin­gen, daß die Deutschnationalen nicht der Auffassung des Reichstagspräsidenten Göring seien, daß der jetzige Reichs­tag eine „große arbeitsfähige nationale Mehrheii“ habe, ■und daß die Deutsohnationalen deshalb keinen Schritt mit- machen würden, der vom jetzigen System des Präsidial­kabinetts auf das parlamentarische Parteisystem zurück- fiihren würde. (Telegramm des Pester Lloyd.) Berlin, 1. September. Trotz der ablehnenden Haltung des Reichspräsidenten gegenüber einem Besuch des Reichstagspräsidiums in t t t k

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