Pester Lloyd - esti kiadás, 1932. december (79. évfolyam, 271-295. szám)

1932-12-01 / 271. szám

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Blau, Boros, Braun, Josef Erdős, Győri & Nagy, Harsányl, Haasenstein & Vogler, Cornel Leopold, Julius Leopold, Magy. hirdető- iroda, Messe Rudolf A.-Q., Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd tür Oesterreich: M. Dukes Naohf. A.-G., Wien, Wollzeile 16. Elnzelnnmmer für Budapest und für die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 33 Heller, Abendblatt 10 Heller. — Für Oesterreloh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr. Redaktionu.Adm.: V., BláriaValéria-ucoalíi. Telephon der Administration: 849-09. 79. Jahrgang. Budapest, Donnerstag, 1. Dezember 1932. Nr. 271 Die Holozsfárer Ereignisse im Parlament Energische und würdevolle Kundgebungen in beiden Häusern des Reichstages. Die rumänische Antwort auf die ungarische Demarche. Budapest, 1. Dezember. Die Kolozsvárer Ereignisse sind heute in beiden Häusern des Reichstages zur Sprache gebracht wor­den. Im Abgeordnetenhause war es Graf Albert Ap- ponyi, der im Aufträge einer vor Sitzungsbeginn stattgehabten Obmännerkonferenz das Wort zu die­sem Gegenstände ergriff. Im Oberhaus gab Albert V. Berzeviczy den Gefühlen der Nation über die be­dauerlichen Ereiptzse in Kolozsvár Ausdruck. In beiden Häusern äußerte sich im Namen der Regie­rung der Außenminister Andreas v. Puky, dessen energische Erklärungen mit einmütiger Zustimmung aufgenommen wurden. Wir lassen nachstehend den Bericht über diesen Teil der Sitzungen folgen. Im Abgeordnetenhaus Vor der Tagesordnung ergriff das Wort Graf Albert Apponyi tu folgenden Ausführungen: — Auf Wunsch mehrerer Abgeordnetenkollegen der verschiedensten Parteirichtungen habe ich mich entschlossen, vor der Tagesordnung die bekannten Kolozsvárer Ereignisse zur Sprache zu bringen. Ich möchte zunächst den Tatbestand kurz skizzieren, der ja bereits aus den Blättern bekannt ist. In dem Tatbestand ist zunächst der Überfall auf einige rumä­nische Staatsangehörige ungarischer Muttersprache enthalten, was nicht zum erstenmal in Kolozsvár ge­schehen ist, ferner die materielle Beschädigung des Gebäudes der ungarischen Paßexpositur und die Hissung der rumänischen Fahne. (Stürmische Zwi­schenrufe-' Unerhört! Schmachvoll!) Diese Ereignisse machen es erforderlich, im Geiste des sine ira et studio und vom Gesichtspunkt des principiis obsta hiezu Stellung zu nehmen. Ich ehre und achte die rumänische Fahne, wo sie am Platze ist, aber ihre gewaltsame Hissung am Gebäude der ungarischen Paßexpositur in Kolozsvár bedeutet eine Gering­schätzung der ungarischen Souveränität. (Stürmische Zustimmung im ganzen Hause.) Es kann ja überall Vorkommen, daß der Mob gegen einzelne Individuen Ausschreitungen begeht, wenn aber eine derartig große Erregung herrscht, wie dies in diesen Tagen in Kolozsvár der Fall ist, so wäre es eine elementare Pflicht der dortigen Behörden gewesen, Vorbeugungs­maßnahmen zu treffen. (Erneuerte Zustimmung im ganzen Hause.) Die Behörden haben ja die Mittel in der Hand, derartige Exzesse zu verhüten. Man hat die Sache so dargestellt, als ob diese Ausschreitungen durch die ungarische Revisionsbewegung ausgelöst worden wären. Die ungarische Revisionsbewegung geht bekanntlich im korrektesten Rahmen vor sich. (Zustimmung auf allen Seiten des Hauses.) Diese Bewegung hat überdies eine kodifizierte Rechts­grundlage im Artikel 19 des Völkerbundpaktes und die hervorragendsten Juristen der Welt haben an­erkannt, daß wenn in irgend einem Lande unerträg­liche Zustände beobachtet werden, die die Aufrecht­erhaltung gewisser Bestimmungen der Friedensver- träge auf die Dauer unmöglich machen, eine Revi­sionsbewegung eingeleitet werden kann. Im Rahmen der ungarischen Revisionsbewegung ist nicht eine Spur davon enthalten, die auf eine gewaltsame Auf- wühlung abzielen würde. Aber heute macht ja die Revisionsbewegung nicht nur in Ungarn, sondern auf der ganzen gebildeten Welt gewaltige Fort­schritte auf Grund der Erkenntnis, daß die briedens- verträge in vielen Punkten auf die Dauer unerträglich sind. (Stürmische Zustimmung auf allen Seiten des Hauses.) Derartige Stimmen hört man in England, ja sogar in Frankreich und sie sind in Italien bereits zur vorherrschenden Auffassung geworden. Der Revisionsbegriff bildet bereits einen wichtigen Be­standteil der öffentlichen Meinung der Welt im In­teresse dér Sicherung des Weltfriedens. (Stürmische Zustimmung.) Es handelt sich hier also um eine Be­wegung, die sich hütet, das Selbstgefühl anderer Na­tionen zu verletzen und es ist daher unmöglich, daß dies zunr Anlaß derartiger Ausschreitungen, wie sie gestern in Kolozsvár stattgefunden haben, genommen werde. Ich richte also an die Regierung die Frage, wie sie diese Sachlage auffaßt und ob sie in ihrem Wirkungskreise alles aufbieten will, damit die Verletzung der Souveränität der ungarischen Na­tion entsprechende Genugtuung finde. (Stürmische Zustimmung und Applaus im ganzen Hause.) Nach der Rede des Grafen Albert Apponyi sprach Außenminister Dr. Puky: — Ich habe die Empfindung, daß sowohl ich als auch die ungarische Regierung eine Unterlassung be­gehen würden, wenn wir nicht die erste Gelegen­heit dazu benützen, um in dieser Frage das Wort zu ergreifen, nachdem das illustre Mitglied des Abge­ordnetenhauses Graf Albert Apponyi zu dieser Sache hier gesprochen hat. Die gestrigen Ereignisse in Kolozsvár haben die ungarische Regierung um so peinlicher berührt, weil sie in einem Gegensatz zu den Versprechungen lu.J zu den Verpflichtungen stehen, die vor kaum drei Wochen anläßlich der in Bukarest stattgefundenen ungarnfeindlichen Aus­schreitungen die rumänische Regierung nach einer Intervention unseres dortigen Gesandten gemacht hat. Ich halte es nicht für überflüssig, die diesbe­züglichen Abschnitte der Antwort der rumänischen Regierung dem Hause bekanntzugeben. Als unser Gesandter auf. meine Weisung am 14. November mündlich gegen die Ausschreitungen in Bukarest Verwahrung einlegte, hat der Vertreter des krank daniederliegenden Außenministers Herrn Titulescu, der Staatssekretär im rumänischen Außen­ministerium Radulescu erklärt, daß die Polizei wohl zu spät eingetroffen sei, um einzelne Ausschreitun­gen zu verhindern, dies jedoch nicht absichtlich ge­schah. Die rumänische Regierung — so führte er aus — verurteile diese Unruhen und Aktionen, sie stehe ihnen vollkommen fern, um so mehr, als eine ihrer höchsten Bestrebungen darin besteht, mit Ungarn auf wirtschaftlichem Gebiete eine intensive Kooperation einzuleiten. Der Herr Staatssekretär hat unserem Gesandten gegenüber ferner bemerkt, daß wegen der Revision der Friedensverträge in Rumä­nien in den verflossenen zehn Jahren keine ungarn- feindlichen Kundgebungen stattfanden und versi­cherte unseren Gesandten, daß die Behörden zu den energischesten Gegenaktionen Weisungen erhielten, für deren Durchführung die rumänische Regierung sorgen werde. Und nun kaum drei Wochen später haben in Kolozsvár die Atrozitäten begonnen, die wir aus den Berichten der Tagesblätter genau ken­nen und über die ich nur die folgende kurze Mel­dung erhalten habe. Ich halte es für notwendig, auch diese Meldung dem Hause vorzulegen: Der Lei­ter der ungarischen Paßstelle in Kolozsvár hat tele­phonisch gemeldet, daß Demonstranten die Fenster des Gebäudes, in dem die Paßstelle untergebracht ist, zertrümmerten, die Vorhänge anzündeten, in das Gebäude eingedrungen sind und die rumänische Flagge gehißt haben. (Lärm und Zwischenrufe: Un­erhört! Eine Schande! Feige Gesellen!) Hohes Haus! Ich will nicht behaupten, daß hier eine gewisse planmäßige Leitung aus dem Hinter­gründe vorliegt. (Zwischenrufe links: Universul!) Ich will nicht darauf hinweisen, und mich darüber ver­breiten und ich will nicht wiederholen, was ich in meiner Antwort auf eine Interpellation über die ungarnfeindliche Haltung eines Teils der jugo­slawischen Presse gestern hier ausgeführt habe. Es ist indessen eine auffallende Erscheinung, daß diese Ereignisse sich sozusagen seit einigen Wochen fort­während wiederholen und immer weiter ausdeh­nen. Es versteht sich von selbst, daß ich in der ge­gebenen Lage alle notwendigen Verfügungen sofort getroffen habe. Ich habe unserem Gesandten in Bukarest die Weisung erteilt, gegen die gestrigen ungarnfeindlichen De­monstrationen bei der rumänischen Regierung in schärfstem Tone zu protestieren, ich habe ihm fer­ner die Weisung erteilt, von der rumänischen Regie­rung zu fordern, daß sie nun tatsächlich die Wieder­holung weiterer ungarnfeindlicher Demonstrationen verhindere und eine den Gepflogenheiten des inter­nationalen Lebens entsprechende Genugtuung wegen der Verletzung der ungarischen Souveränität gebe. (Lebhafte Zustimmung und Applaus auf allen Seiten des Hauses.) Graf Albert Apponyi hat meiner Ansicht nach sehr richtig darauf hingewiesen, daß die gewaltsame Hissung der rumänischen Flagge auf einem Ge­bäude, das eine ungarische staatliche Stelle beher­bergt, die schwere Verletzung unserer Souveränität bedeute. Überdies habe ich die Empfindung, daß eben weil hier eine gewisse planmäßige Leitung vor­liegt, besonders was die ungarnfeindlichen Aus­schreitungen und Verfolgungen anbelangt, es die Pflicht des ungarischen Staates, richtiger der unga­rischen Regierung ist, auf Wegen und durch Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, der öffentlichen Mei­nung der ganzen zivilisierten Welt diese Erschei­nungen vorzulegen, um diese Erscheinungen zur. Verurteilung der ganzen öffentlichen Meinung der zivilisierten Welt zu unterbreiten. Ich kann das hohe Haus versichern, daß die diesbezüglichen Veri fügungen der Regierung nicht unterbleiben werden, (Stürmische Zustimmung im ganzen Hause.) Hohes Haus! Sowohl an Gebiet, wie an Bevöl­kerung und an Machtmitteln mögen wir schwach sein, denn es wurden uns Gebiete entrissen, unsere Bevölkerung hat abgenommen, die Machtmittel wurden uns entzogen. Auch unsere Wirtschaftskraft wurde geschwächt. Es gibt aber eine Eigenschaft, in der wir niemals schwach sind und auch nicht schwach werden dürfen, und das ist unser nationales Bewußtsein. Dieses nationale Bewußtsein, eben weil es stark ist, nötigt uns Kraft und Ruhe auf. Ich werde in diesen kritischen Zeiten, da die überhitz­ten nationalen Leidenschaften in der Atmosphäre vibrieren, sowohl von seiten der Regierung, wie auch in der Leitung des mir anvertrauten Portefeuilles diese von unserer Kraft bedingte Ruhe wahren, und ich versichere dem hohen Hause, daß diese Kraft und diese Ruhe zu dem Ergebnis führen werden, daß den hier ansässigen rumänischen Staatsbürgern nie­mals eine derartige Behandlung zuteil werden wird, daß wir ihnen gegenüber niemals zu Retorsionen gegen die Gewalttätigkeiten greifen werden, die jenseits unserer Grenzen den Staatsbürgern ungari­scher Zunge zuteil geworden sind. (Lebhafte Zustim­mung und Applaus.) Ich glaube, hohes Haus, daß dies die größte moralische Satisfaktion ist, die sich ein verkleinertes Land kraft seines unerschütter­lichen Selbstbewußtseins zu leisten vermag. Das ist es, was ich in Beantwortung der Rede des Grafen Apponyi hier festzustellen wünschte. (Allgemeine Zustimmung. Der Minister wird allseits beglück­wünscht.) Über den weiteren Verlauf der Sitzung berich­ten wir im Morgenblatte. Im Oberhause. Im Oberhause brachte die Kolozsvárer Ereig­nisse Geheimer Rat Dr. Albert v. Berzeviczy zur Sprache. Er sagte folgendes: — Ich glaube, daß eine irrtümliche Ansicht über die Stimmung und Auffassung des Oberhauses entstehen könnte, wenn wir stillschweigend über die Ereignisse hinweggehen würden, die in Rumä­nien auf der Tagesordnung sind (Lebhafte Zustim- mung) und sich gegen das dortige Ungartum rich­ten. Die gestrigen Kolozsvárer Ereignisse sind im Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht worden. Auch die Regierung hat sich über sie geäußert. Da es aber offenkundig ist, daß diese Agitation noch kein Ende genommen hat, daß sie sich im Gegenteil noch steigert, und da icli eben Einblick in Mauer­anschläge gewonnen habe, in denen die Rumänen damit drohen, daß sie, die einmal bereits in Buda­pest waren, wieder nach Budapest kommen würden, um hier Ordnung zu machen (Bewegung) — glaube ich, daß wir nur eine Pflicht erfüllen, wenn wir auch hier, im Oberhause, zu diesen Geschehnissen Stellung nehmen. (Lebhafte Zustimmung.) Ich möchte in der Hauptsache konstatieren, daß die ru­mänischen Gewalttätigkeiten, die den brutalsten Charakter tragen und in so bedauerlicher Weise bezeichnend sind für die dortigen leitenden Kreise, die diese Bewegung entweder nicht unterdrücken können oder nicht unterdrücken w;ollen, in der Hauptsache darauf, zurückzuführen sind, daß man dort erkannt hat, welch, starken Widerhall die Un­gerechtigkeiten der Friedensverträge in der auslän­dischen öffentlichen Meinung hervorgerufen haben, und daß man, darob erschrocken, in Rumänien sich der Hoffnung hingebe, die Bewegung der Weltmei-

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