Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1933. május (80. évfolyam, 98-122. szám)

1933-05-02 / 98. szám

Einzelnummer an Wochentagen 16, an Sonntagen 328 Heller. Abonnement: Für Budapest: mit täglich zweimaliger Zustellung und für das Inland Morgen­und Abendblatt: Vierteljährlich 18 F, monatlich 6.40 P. Für das Börsenblatt allein vierteljährlich II P, monatlich 4 P. Für das Abendblatt allein vierteljährlich 8 P, monatlich 3 P. Für die separate Zusendung des Abend­blattes nach der Provinz ist viertel­jährlich 1 Pengő zu entrichten. Für Wien auch durch Herrn. Ooldschmld Für das Ausland mit direkter Kreuzband- Sendung vierteljährlich: Für Oeaterretoh und Polen 20 Pengő, für aHe librisen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch bei afimtliohen ausländischen Post­ämtern entgegengenommen. Manuskripte werden nicht zurückgestellt Telephon der Redaktion : 848-20. FESTER LLOYD MOÄGENBLATT B inseratenauthahme: ln Budapest, in der Administration des Pester Lloyd und in den Annoneen- Bureaus: Balogh Sándor, J.BIocknar, J.BIau. Boros, Braun, losaf Erdds, Oyőri & Hagy Harsányt, Haassnsteln & Vocler, Cornel Leopold, Julius Leopold, Nagy. hirdető- iroda, Bosse Rudolf A.-G., Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: B. Dukes Nachf. A.-O. Wien, Wollzeile 16. ’ Einzelnummer für Budapest tmd für ?LefS0£nz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 3* Heller, Abendblatt io Heller. — Für Oesterreloh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt go Gr. RedaWenii. Adat: V, MiríeViléría-uooalü. Telephon der Administration: 849-09. 80* Jahrgang. Budapest, Dienstag, 2. Mai 1933* Nr. 98 Dollar und Krisenverlaui. Von ERWIN GOMPERZ. Budapest, 1, Mai.: Das Abgehen des Dollars vom Goldstandard wurde allgemein als schwerer Schlag für den ohne­hin geschwächten Körper der Weltwirtschaft gewer­tet. Die Mehrzahl der Zeitungsartikel, die sioh mit diesem wichtigen Ereignis befassen, sieht in ihm eine handelspolitische Kampfmaßnahme, die den Erfolg der Weltwirtschatftsikanferenz gefährdet und sogar jede internationale Zusammenarbeit auf lange Zeit vereiteln kann. Man befürchtet ein völliges Wäihru ngschaos. Ich möchte diesen weitverbreiteten Ansichten gegenüber den Glauben ausspredhen, daß sidh in der Loslösung des Dollars vom Golde nicht die be­fürchtete Wirtschaftsdämmerung, sondern im Gegen­teil die langersehnte Krisenwende ankündigt. Der Schritt der amerikanischen Regierung ist nicht dime Gefahren, mußte aber getan werden. Wenn wir die Wirtschaftslage der Vereinigten Staa­ten betrachten, gelangen wir zur Einsicht, daß keine alternativ mögliche Maßnahme bessere Resultate versprochen hätte und mit geringeren Risken ver­bunden gewesen wäre. Die Vereinigten Staaten be­finden sidh zusammen mit allen Goldwährungslän- ilern in einer außerordentlich scharfen Deflations­krise. Die Preise der meisten Waren gehen seit Jah­ren zurück, und dieser unausgesetzte allgemeine Vcrbiltigiu l gsprozeß verursacht ausgedehnte Be­triebsverluste. Infolge des schlechten Geschäftsgan­ges schränken die Banken die Kreditgewährung ein; die Unternehmertätigkeit wird entmutigt, die Kredit­zirkulation fortwährend kleiner. Die Schrumpfung des Kreditvolumens drückt erneut auf das Preis­niveau, so daß sich der wohlbekannte Kreisprozeß schließt: Preisrückgänge lösen Kreditkontraktion und die Kreditkontraktion löst wieder Preisrück­gänge aus. Hat dieser Vorgang einmal so große Dimensio­nen angenommen, daß ihm mit den Mitteln der Zinspolitik nicht mehr beizukommen ist, so kann er sioh bis zum vollkommenen Ruin der Wirtschaft fortsetzen. Selbst grundsätzlich liberal eingestellte Wirtsdhaftspolitiker sollten sich den zwingenden Konsequenzen dieses Sachverhalts nicht entziehen und müßten zugdben, daß unter solchen Umständen ein Eingreifen des Staates nicht von der Hand zu weisen ist. Die orthodoxen Grundsätze der Geldpolitik sind kein höchstes religiöses Gut der Menschheit, um dessentwillen man alles aufopfern müßte. Die Gold­reserve ist nur der Schiffsmast, an den sich der Reichsibankpräsident — wie einst Ulysses — binden läßt, um sioh vor den Locktönen der Infla- tionseirenen zu sichern. Wird das Schiff vom Stru­del erfaßt, so heißt es, die Bande durchschneiden. Das Gold hat einen verhängnisvollen Weg einge- schlagen, — der Dollar tut recht daran, wenn er sich von ihm loslöst. Der Deflationsdruck liat sich in den Vereinigten Staaten wesentlich anders geäußert, als seinerzeit in England. England hat wichtige Kostenelemente sei­ner Produktion dem durch die Deflation veränder­ten Preisstand nicht anpassen können. Die Arbeits­löhne und der Staatsschuldendienst ließen sich nicht verringern. Das starre Festhalten an nominell gleich­gebliebenen, aber infolge der Preissenkung in ihrer Kaufkraft stark gestiegenen Forderungen seitens der Arbeiter und Sparer ließ für die Unternehmer keine Verdienstmarge zu. Die Produktion wurde unren­tabel und mußte eingeschränkt werden. Die Folge war zunehmende Arbeitslosigkeit und Verschlech­terung der Handelsbilanz. Den entscheidenden Stoß erhielt diese labile Lage — wie erinnerlich — von der mitteleuropäischen Bankenkrise. England, das sich als Weltbankier zwischen die Borger- und Schuldnerstaaten geschaltet hatte, fand sich nach Zahlungseinstellung der südamerikanischen und mitteleuropäischen Staaten unter einem übermäch­tigen Druck. Das Pfund hat den Goldstandard in­folge äußerer Einwirkungen verlassen müssen. Anders der Dollar. Die Vereinigten Staaten haben eine günstige Handels- und Zahlungsbilanz, sind nicht Schuldner-, sondern Gläubigerland und verfügen über den größten Goldvorrat der Welt. Der Dollar wurde nicht von außen her untergraben, sondern von innen ausgehoh.lt. Für das Verlassen des Goldes gab die binnenamerikanische Lage den Aus­schlag. Das amerikanische Banksystem befindet sich seit geraumer Zeit im Zustande latenter Passivität. Die angekauften oder beliehenen Wertobjekte (Aktien, Immobilien usw.) sind im Deflationssturm auf Bruchteile ihres ursprünglichen Dollarwertes zurückgegangen, während die Geldforderungen der Einleger unverändert hoch blieben. Auf der an­deren Seite leiden auch die Dollarschuldner — in erster Reihe die Farmei- — unter der unerträglich gewordenen Last ihrer Verpflichtungen, die zahlen­mäßig wohl auf umeräniderte/Geldmengem laufen, ober in Wirklichkeit infolge der Geldwertzunahme stark angewachsen sind. In diesem Zustande untragbar gewordener Zahlungsverpflichtungen kann die gene­relle Insolvenz der ganzen Volkswirtschaft nur durch Erhöhung des Preisniveaus vermieden werden. Es ist zu verstehen und gutzuheißen, wenn der Prä­sident der Vereinigten Staaten seine ganze Aufmerk­samkeit der Lösung dieses Problems zuwendet. Entschließt sich die Regierung eines Gold­währungslandes dazu, zwecks künstlicher Erhöhung des allgemeinen Preisstandes die Krediterweiterung planmäßig zu betreiben, so kann sie sich zwei Schwierigkeiten gegenüberfinden: Eine erfolgreiche Hebung der Inlandpreise hemmt vor allem die Exporttätigkeit und fördert den Import. Die sich hieraus ergebende Verschiebung der Handelsbilanz wird ceteris paribus im Wege einer Goldausfuhr ausgeglichen. Verfügt das Land nicht über entsprechende Goldreserven, so muß es entweder auf die Krediterweiterung, oder auf den Goldstandard verzichten. Aus ähnlichen Er­wägungen heraus mußte in der letzten Zeit z. B. Deutschland gewaltige Arbeitsbeschaffungspläne, die nur an Hand einer bedeutenden Krediterweiterung möglich gewesen wären, aufgeben, da die Reichs­bankleitung die Goldparität der Mark nicht preis­geben wollte. Man kann dieser Schwierigkeit, die sich über die Handelsbilanz hindurch äußert, auf drei Arten begegnen. Erstens, indem man die Einfuhrzölle ent­sprechend erhöht, zweitens indem man im Einver­ständnis mit dem Auslande vorgeht, d. h. die Preise pari passu international hebt, und schließlich, indem man die Gefahr nicht bekämpft, sondern sie bewußt mißachtet, und, die Goldparität aufgebend, den Kurs der Landeswährung sinken läßt. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat den letzterwähnten Weg eingeschlagen. Ich glaube, aus den folgenden Gründen: Eine allgemeine Erhöhung der ohnehin exorbi­tant hohen amerikanischen Zölle würde dauernde schädliche Wirkungen nach sich ziehen. Diese Maß­Feuilleton. Tag für Tag ein neuer Millionär! Von LUDWIG BAUER (Paris). Ein französischer Journalist hat eine ver­führerische Formel gefunden, um alle Nöte des Fiskus zu heilen und, wie er versicherte, auch alle neuen Bedrückungen der Steuerzahler zu verhin­dern. Er schlug eine Lotterie vor, die täglich einen Haupttreffer von einer Million Papierfrancs und da­neben noch eine Reihe kleinerer Treffer auszahlt, am Sonntag dazu noch einige Zusatzmillionäre. Er nahm einen derartigen Erfolg an, daß es bald mög­lich wäre, mehr Lose und demzufolge auch mehr Treffer einzuführen, und gewisse Schätzungen der erwarteten Einnahmen verstiegen sich bis zu sechs und mehr Milliarden jährlich. Es gab darüber in der Öffentlichkeit eine lebhafte Debatte, und wieder ein­mal wurde alles gesagt, was gegen Spiel und Lotto sich sagen läßt. Man erklärte diesen Plan als un­moralisch. Er würde die Menschen von redlicher Ar­beit abhalten, würde sie zu Verschwendung und oft zu Veruntreuungen verleiten. Allerdings gilt dies sicher noch viel mehr für den Totalisateur, der in Frank­reich außerordentlich volkstümlich ist und dem Staat sehr viel Geld einbringt, ohne daß er bisher gefunden hätte, daß es schlecht riecht. Ganz abge­sehen davon, daß überall in Paris und den großen Kurorten ein Kasino zum Bakkarat cinladet, wobei Hunderte von Millionen in die Staatskassen wandern. Außerdem wird alles, was zur Anziehung der Gäste vorgeführt wird, aus der „Cagnotte“, der Spielab- igabe, bestritten. Man vermag also nicht recht einzu- sehen, warum gerade die Lotterie, die zweifellos weniger verführerisch ist, gerade ausgeschlossen «ein sollte. Dennoch scheint der Plan einer staat­lichen nationalen Lotterie großen Stils mindestens .vorerst noch abgelehnt, aber er wird, sowie sich ein neuer Fehlbetrag herausstellt, wohl wieder allen Goldsuchern sich aufdrängen. Das Schlagwort ist jedenfalls glücklich gewählt: „Tag für Tag ein neuer Millionär in Frankreich!“ Besonders in Krisenzeiten, wo jeder Tag Millionäre austilgt. Es entspricht dem Optimismus, der ein Grundzug der menschlichen und besonders der fran­zösischen Natur ist, und in unserer Zeit, in der das Schlagwort das Denken ersetzt, bedeutet ein so ein­prägsamer Satz viel. Gerade weil Geld überall ver­loren wird, weil die neuen Annen immer zahlreicher werden, muß es für die Regierenden notwendig scheinen, auch neue Reiche zu schaffen. Das belieb­teste Gegenargument lautet dahin, daß jeder, der eine Niete kauft, um sein Geld betrogen ist. Doch in einer Epoche, die Kreugeraktien und so viele Wert­papiere, die es nicht waren, erlaubt, scheint ein solches Argument recht wenig zugkräftig. Vor allem ist es durchaus unpsychologisch und verkennt das Wesen des Spiels und besonders der Lotterie. Der Gegenwert liegt da nicht in einem bedruckten Papier, sondern in der Hoffnung und ihren Ge­nüssen. Und man sage nicht, daß die unvermeidliche Enttäuschung folgen müsse. Denn am nächsten Tag gibt es ja wiederum eine Ziehung, und das Glück, das Montags dich verfehlte, wird dich um so ge­wisser am Dienstag aufsuchen. Oder doch jedenfalls morgen. Und es ist sehr die Frage, ob in einer er­regten und sorgenvollen Zeit eine solche Lotterie nicht eine Art von seelischem Sicherheitsventil wäre. Spannungen lösend und Trost spendend. Das Publikum des. „kleinen Lotto“ sind vorerst die Ärmsten, die ihre Groschen hintragen. Sie wissen, in diesen neunzig Nummern liegt die Rettung für sie, sie müßten nur eben die drei richtigen finden, und es ist nicht unwahrscheinlicher, daß dies etwa 37, 84 und 12 als die anderen Zahlen sind. Niemals können die Arbeitslosen, die Enterbten erwarten, aufzusteigen auf der großen Leiter des Lebens, deren Sprossen freilich jetzt so zerbrechlich gewor­den sind. Niemals können sie darauf rechnen, eine große Banknote als ihr Eigentum in der Hand zu halten, sich neue schöne Kleider zu kaufen, die verkümmernden Kinder kräftig zu nähren. Niemals — wenn nicht Fortuna gnädig ist, wenn nicht ihr Lottozettel die richtigen Nummern enthält oder ihr Losachtel etwa gar der große Treff er .wäre. In ein graues verurteiltes Dasein dringt diese Hoff­nung als einziges Licht. Man fragt sich, ob es jemals zu teuer erkauft sein könnte. Für alle Ver­urteilten kaim nur dies die Begnadigung sein, für alle, deren Wünsche unerfüllt bleiben müssen. Aber nun sehe man, wie weit sich der Kreis der Hoffenden erstreckt. Das sind nicht nur kleine An­gestellte, die aus einigen Gläsern nicht getrunkenem Bier und nicht verzehrtem Fleisch sich diese Hoff­nung kaufen, sondern mit ihnen auch noch fast alle, die nicht ganz gesichert sich fühlen, und heute fühlt sich kaum jemand noch sicher. Jene, deren Ver- J mögen zusammenschrumpfte, deren Geschäft sich sonst nicht mehr weiter führen läßt, deren Schulden erdrückend lasten, jene, die von einem ruhigen Alter träumen, von einem wiederhergestellten Ver­mögen, von einer sonst unmöglichen Erholungsreise, sie alle sind die gegebenen Kunden der Lotterie, und wenn von Hunderttausenden Losen auch nur eines die Million bringt, so sieht doch schon jeder sich selbst als Millionär. Es ließe sioh sagen, daß dieses an sich gewiß unmoralische Geschäft im höheren Sinn doch eine Wohltat bedeutet, denn es ermög­licht dem Glück, in jedes Schicksal einzugreifen. Tut cs dies in anderer Form denn nicht immer? Leber und Magen gesund, beim Nächsten krank; du fährst unbeschädigt mit diesem Eisenbahnzug, der nächste entgleist, du machst zufällig die Be­kanntschaft jener Frau, die dein Glück ist (auch dies soll Vorkommen), dein Kamerad verdirbt in täglicher häuslicher Hölle. Alles Glück, und alles moralisch. Aber unmoralisch, wenn ein Papierzettcl dir Geld ins Haus bringt? Hoffnung ist Glück-Ersatz, und in unserer Ersatzzeit, in der allein von allen Gütern das Glück in viel geringeren Mengen erzeugt wird, ist es daher unerläßlich, mehr Hoffnungen auf den Markt zu werfen. Man wird bemerken, daß dies im öffentlichen Leben immerzu geschieht, und dadurch erklärt sich sehr vieles um uns. Doch es wäre wohl notwendig, mehr solche Möglichkeiten der Hoff­nung auch in das Dasein eines jeden Einzelnen zu bringen. Die primitivste ist der Haupttreffer: er hat nach dem amerikanischen Krach den Onkel aus

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