Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1933. június (80. évfolyam, 123-145. szám)

1933-06-01 / 123. szám

Einzelnummer an Wochentagen 10„ an Sonntagen 32 Heller. Abonnement: Für Budapest: mit täglich zweimaliger Znstellung und für das Inland Morgen- und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich 6.40 P. FQr das Morgenblatt allein vierteljährlich It P, monatlich 4 P. Für das Abendblatt allein vierteljährlich 8 P, monatlich 3 P. Für die separate Zusendung des Abend­blattes nach der Provinz ist viertel­jährlich 1 Pengd zu entrichten. Für Wien auch durch Hern*. Goldsobmid Für das Ausland mit direkter Kreuzband­sendung vierteljährlich: FQr Oesterreloh und Polen 20 PengÖ, für alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch hei sämtliohen ausländischen Post­ämtern entgegengenommen. Manuskripte werden nicht zurückgestellt, Telephon der Redaktion : 848-20. PESTER LLOYD MORGENBLATT B Inseratenautnabme: ln Budapaat, in der Adminiatration des Pester Lloyd und in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, J.BIooknar, J.BIau. Boros, Braun, ioaaf Erdős, Győri J> Vagy Harsányt, Haasanstsln A Vogler, Cornel Leopold, Julius Leopold, «agy. hirdető- iroda, Mossa Rudolf A.-Q., Julias Tenser, u™ Generalvertretung des Pester Lloyd tür Oesterreich: «. Dukes Naohf. A.-G., Wien. Wollzeile 16. Einzelnummer für Budapest und tür die Provinz: Morgenbiatt an Wochentagen Wellen an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt 10 Heiler. — Für Oesterraloh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr-, an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt ao Gr. Redaktionu-Adm.: V, HériaVal4ria-«ooibi. Talapkon dar AdmhiMration: 840-09. 80, Jahrgang­Budapest, Donnerstag, 1- Juni 1933. Nr. 123 Die Überschüsse des Landes* Von LUDWIG LEOPOLD. Budapest, 31. Mai­Die Budapester Tagung des internationalen Cobden-Bundes hat ihre Beratungen abgeschlossen. Feierlich und hell ertönten wieder einmal die klassi­schen Imperative des englischen Freiliandels. ln der.; Zuhörerschaft herrschte Andacht und Ein ver stand-» nis. Mit jener altenglischen Eleganz, die selbst,; in der Schwärmerei Maß zu halten versteht, setzte. ,Sir •George Paish seine vollendete Redekunst daran, das; längst überzeugte Ungarn für die Vorteile des'Frei-* ihandels zu gewinnen. Morgen aber nehmen im ungarischen Parlament; die Budgetberatungen des Ackerbaus ihren Anfang. Sie werden von den demütigen Sorgen des imfreien Handels belagert. Auf schmalen Flößen, des Nach­bars, in knapp durchschlüpfenden Kähnen unter niedrigen Kanalbrücken mnß unser Land die»er­zeugten Überschüsse ausführen. Entrückt bleibt inn­igerem Horizont der freie Zug der britischen Wfelt- flotte und der hohe Flug des Idealisten von Dunford- Farm. Wie der Rekrut seinen Koffer packt, wie-der Hundeschlitten des Südpols mit Proviant beladen wird, so müssen Gesetzgeber und Sachwalter ' die i'Ausfuhrstoffe für den uns übrig gelassenen free-tkadc 7,usammens teilen. Ist da aus der Tagung des,Frei­handels anders für die morgen einsetzende Agrar­debatte übriggeblieben, als die biographische Gering- 'fügigkeit, daß der Vater Richard Cabdens ein insol­venter Gutspächter gewesen ist? i Mit der Feststellung der gunstlosen Ausfuhrlage (hat sich jedoch das Parlament seiner Ackerpflichten (keineswegs entledigt. Nicht nur Noblesse, auch Pes­simismus verpflichtet. Denn schlechte Laune allein iläßt sich nicht in Handelsverträge umformen, und die Verstimmung des AgrarMocks ist an und für sich hoch keine Instruktion für Nicki und Ferenczi, Ist der andere Partner kleinlich, dann müssen wir zu­mindest genau sein. Dazu aber ist unumgjängliche (Voraussetzung: sorgfältiges Nachwägen den Einzel­forderungen mit gebührender Zurückstellung vor­lauter Sonderinteressen, dann aber gleichmäßige Umladung der verbliebenen Stoffe in den verengten ÍAusfuhrraum. Das im Jahre 1932 nach Österreich iausgeführte Mastvieh versorgte uns ein halbes Tau- (sendsfel der vaterländischen Ackerfläche mit Dünger, und doch würde diese Ausfuhr mit einem Spektakel gefordert, als bezöge sie sich auf 99 Prozent nicht nur der Bodenstatik, sondern auch der landwirt­schaftlichen Gesamtinteressen. Einsichtigere Führung r— ...... -...- ' = w ird eine allgemeinere Vertretung der Viehzucht im Außenhandel wünschen ohne dabei die Interessen des Viehmästers zu vernachlässigen. Sie wird auch der gesamten Viehzucht kein unbedingtes Vorrecht .'zusprechen. Sie wird untersuchen müssen, ob die Düngerversorgung des Landes sich nur mittels handelspolitischer Maßnahmen sichern läßt? Ob nicht im Inland und selbst innerhalb der Betriebe sparsamere Maßnahmen, als er efime verlustreiche Viehausfuhr zu sein vermag, für die Düngerstatik herangezogen werden könnten? Vor allem wird man lernen müssen, zwischen Agrarhüfe und Agrarausfuhr zu unterscheiden. Der Exportweg ist für den Samaritaner nicht versperrt, aber auch nicht für ihn Vorbehalten. Es stehen für eine wirtschaftlich vernünftige, ethisch gerechtfer­tigte, politisch unvermeidliche Agrarhilfe verschiedene Not- und Abwehrmittel zur Verfügung, die gelegent­lich auch handelspolitisch gestützt werden dürfen. Aber Dürre und Frost, Überschwemmung und Vieh­seuche, Überschuldung und Zinsenrückstände können nur äußerst selten durch Ausfuhrmaßnahmen gemil­dert werden. Einem Südtheißbetrieb, der trotz über­mäßiger Frachtentfernung Hochmast betreibt, Weizenbauein, die backunfähigen Weizen erzeugen, Weinbergen mit minderen Weinsorten, ja selbst mit qualitativ einwandfreiem, jedoch unlohnendem An­bau kann nicht damit geholfen werden, daß man die Verwertung dieser Produkte im Zollausland fördert. Untüchtiges, Ungeeignetes, Unerwünschtes kauft der zögernde Abnehmer nur gegen entsprechenden Preisnachlaß. Versteift sich der Eigendünkel trotz trostloser Erfahrungen auf Teilnahme an der Aus­fuhr, statt Hilfe im Inland zu suchen, dann müssen die Kosten einer solchen Exportförderung von Aus­fuhrtüchtigen getragen werden, denen das Mindere den Exportweg verstellt hat. Vergütungen, Fracht­begünstigungen, Opfer für Kontingente, die solchen Wärengattungen und Qualitäten zugewiesen werden, für die der fremde Handelspartner keine Verwen­dung, kein Geld, öder keine Tauschobjekte hat, muß restlos das Ausfuhrland tragen. Der kühle Preis­vergleich der Fremden kümmert sich um die Hilfs- fcedürftigkeit des Anbieters gerade so wenig, wie der Eisberg sich um die nahende „Titanic“ gekümmert hat. * Je verödeter die zwischenstaatlichen Tausch­wege, je vereinzelter die bewilligten Ausnahmen von der Absperrung, um so genauer werden jene Stoffe gewogen, die das Einfuhrland nicht entbehren kann, weil es diese nicht ökonomisch, oder überhaupt nicht zu erzeugen vermag. Die noch gangbaren Handels­straßen sind jene, die komplementäre Erzeugnisse rach Mangelgebieten ausführen. Der Donauweg bis Regensburg zum Beispiel mag auch unter den ge­gebenen Verhältnissen lohnende Weizenausfuhr ver­mitteln, weil die Regensburger Mündung der Donau­ausfuhr mit dem dunkelst staffierten Mittelpunkt des reichsdeutschen Weizenmangels zusammenfällt. Der Kaufmann ist berufen, Mengen- und Waren- veischiedenheiten auszugleichen. Er vermittelt zwi­schen örtlich Entlegenen. Er baut die oft kühne; Brücke zwischen vorhandenem Angebot und künfti­gem Bedarf. Ob er mm kalkulativ oder spekulativ! Entschlüsse faßt, es überwiegen dabei variable Fak­toren, die wir außer acht lassen möchten. , Wir wollen hier nur die konstante Ausfuhreig­nung unserer Ackererzeugnisse untersuchen. \ Wie stellen sich die klimatischen Imperative zn den Anforderungen unserer Märkte? Was schreibt die; Bodenstatik unseren Handelsverträgen vor? Welche Qualitäten ungarischer Ackerprodukte verlangen ein-) deutig den Ausfuhrweg? Wir haben die von unserem berühmten Geologen) Peter Treitz entworfenen Bodenkarten gewählt, uml die geopolitische Vorbestimm theit unserer Handels- wege zu veranschaulichen. Es sollen die optimalen, selbstverständlichsten Tauschbeziehungen unserer! Bodenprodukte gefunden werden, die früher als! Handelsverträge da waren und diese überdauern1 werden. Eine Schilderung der beiden Randzonen dürfte; genügen, um vorlauten Sonderinteressen gegenüber1 auf Allgemeingültiges hinzuweisen. In Ostungarn liegt die Region der trockenen! Ebenen mit HalbsteppenkÜma und Schwarzerde-; fooden. Jährliche Wärmesumme 3800 Grad Celsius, Im Sommer haben 60 bis 95 Tage eine höhere durchschnittliche Tagestemperatur als 20 Grad Celsius. Niederschlag 450 bis 500 Millimeter. Dieser jährliche Niederschlag fällt in 82 bis 100 Tagen nieder. In den Monaten Juli, August, September 22 Regentage ... Wie anders geartet erscheinen die klimatischen Voraussetzungen für Pflanzen- und Viehüberschüsse im westungalrischen Alpenvorland niit BuchenwaiMklima und poctsalirrten Böden! Jährliche Wärmesumme 3400 Grad Celsius. Im Sommer haben nur 20 bis 40 Tage eine höhere durchschnittliehe Temperatur als 20 Grad Celsius. Niederschläge 700 bis 900 Millimeter, die im Ge- birgsgebiet auch 1000 Meter erreichen. Dieser jähr­liche Niederschlag fällt in 120 bis 150 Tagen. In den Monaten Juli, August, September kommen 36 Regen­tage vor. Es wäre widersinnig, der Zone von drei Wochen Sommerhitze die gleiche Ausfuhrrolle zuzusprechen, Feuilleton* Ungarischer Büchertag 1933. Von FRANZ KÖRMENDI. Über Bücher nachsinnend, sind folgende zwei (kleine Geschichten in mir auf getaucht: I. Das erste Buch. Es lindet sich immer jemand, oder eine kleine (Anzahl von Menschen, die irgendein Buch verbieten; und es hat immer Menschen gegeben, meistens sogar (sehr viele, die sich für die verbotenen Bücher in ge­steigertem Maße interessieren. Ich selbst habe wegen (eines verbotenen Buches noch vor meinem fünften Lebensjahr lesen gelernt. Damals hatte meine Amme (mit dem schönklinngenden Namen Csillagos Nagy Katalin es unbarmherzig eine plumpe Lüge genannt, (wenn einem dummen Braunbären so vielerlei Dinge zustoßen sollten, wie sie unser ausgezeichneter Mär­chendichter erzählt, und aus diesem Grunde — ihrer wahrheitsuchenden Seele nachgebentd — las sie mir in den ruhigen Märchenstunden nach dem Mittag­essen statt der Abenteuer des Meisters Petz „Suleika, [die morgenländische Sklavin“ vor, eine unglaublich Tange und verwickelte, aber offenbar wahre Historie, (die jeden Samstag nachmittag, in Form von Fünf- ! Kreuzer-Heften, ein einarmiger Mann mit einer Per- (sianerkappe in den Spalt der Küchentürc steckte. [Csillagos Nagy Katalin enthüllte mir die Geschichte ÍSúleikas regelmäßig, in sieben Tagesportionen dosiert, itief gerührt und längere moralisierende Kommentare hinzufügend. Meine Mutter aber kam — wenn auch nach verhältnismäßig langer Zeit erst, dank unserer (Findigkeit, die die roten, blauen und grünen Heft­chen in der Sekunde der Gefahr geschickt zwischen (die Seiten der umfangreichen Mej^ter^Betz^-Geschich­ten verschwinden ließ — endlich doch unseren lite­rarischen Exzessen auf die Spur, und meine Amme Katalin mußte schließlich unter der Drohung einer stürmisch in Aussicht gestellten sofortigen Entlassung zu Meister Petz zurückkehren. Da aber nach Suleika und Ibrahim, dem hochedlen Sultan (oder war es der blutdürstige Sultan?), nach dem Harem, den Odalisken und Eunuchen ... („Kati néni, was ist das denn, eine Odaliske?“ „Eine Odaliske, Kind? Wenn du heute abend deinen Milchbrei schön aufißt, dann werde ich es dir sagen.“ Da ich aber den Milchbrei nicht aufaß, ist mir die Kati néni noch heute die Erklärung schuldig.) Mit einem Wort, da nach all dem orientalischen Glanz die unwahrscheinlichen Abenteuer eines einfach . bürgerlichen Bären und seiner Jungen mich nicht mehr interessierten, lernte ich im geheimen, mit Hilfe meiner Amme, innerhalb eines halben Jahres lesen — übrigens sind meine Eltern auch darauf genug schnell gekommen — und versuchte mit eigenen Augen Suleikas Lebenslauf in den farbigen Heftchen zu verfolgen. (Es ging nämlich immer noch weiter, acht Seiten in der Woche.) Doch dann stellte es sich schon nach zwei kurzen Wochen heraus — als erste größere Enttäuschung meines Lebens —, daß es nieht der Mühe wert gewesen war, lesen zu lernen: denn Suleikas Geschichte war nur im lebendigen Wort meiner Csillagos Nagy Katalin schön gewesen, und ohne ihre Wiederholungen, ihre moralisierenden Betrachtungen, Betonungen und Tränen, war die ganze Angelegenheit nichts wert, unverständlich und reizlos, und ... „spielen wir dann doch lieber Verstecken... lesen wir meinetwegen Meister Petz.“ Ein schwerwiegenderer Einspruch als das elter­liche Verbot versperrte vor mir rechtzeitig die Suleikas und ihre Schicksalsgenossen: die Lange­weile. Die Lehre davon? ... Vielleicht die, daß es nur eine Art unerlaubter Bücher gibt: schlechte Bücher, und ein schlechtes Buch verbietet sich von selbst — wenn aber der literarische Geschmack und die restlose oder auch nur annähernde Erkenntnis der Wahrheiten des Zeitalters und im allgemeinen des Lebens nicht von selber den Wamungspfahl aufstellen, dann ist es schade und veVgdbliche Mühe, Bücher auf den Scheiterhaufen zu werfen. II. Das Buchstaben-Mütterchen. Eine unvergeßliche Gestalt meiner Studenten­zeit: dies uralte, zusanunengeschrumpfte, kleine Mütterchen. Wie ein vornübergeneigter .^“-Buch­stabe beugt sich ihr Oberkörper, in den Hüften ge­knickt, im rechten Winkel, nach vorn über das Pflaster; in ausgetretenen Zugschuhen schlurfen ihre armen, müden Füße vorwärts, ihr schwarzer Rock kehrt den Boden, auf dem Haupt sitzt ihr ein alters­grauer schwarzer Federhut, auf ihrer Nase eine nach vom gerutschte Nickelbrille; in ihrer Rechten hat sie einen kurzen Krückenstock, der sie im Gleich­gewicht hält, in ihrer Linken ein offenes Buch: sie geht über die Straße, eine unglaubhafte, beinahe un­wahrscheinliche Gestalt, sie geht und liest. Die Leute starren sie an, drehen sich nach ihr um, lächeln über sie, lachen sie gelegentlich auch laut aus, schreien sie an, und greifen auch manchmal er­schrocken nach ihr, wenn sie sich vorwärtsbewegt auf der Straße, zwischen Fußgängern, Wagen und elektrischen Bahnen mit der instinktmäßigen Be­wußtheit und der fatalen, blinden Sicherheit der Schlafwandler, Kinder und Heiligen... Sie aber geht nur weiter, blickt weder rechts noch links, ihr Mund bewegt sich unaufhörlich, ohne Ton, sie sieht nicht und hört nicht: sie geht ihre. Straße und liest. „Verrückte Alte,“ sagte einmal jemand. „Nicht verrückt, eine Hexe ist sie!“ antwortete ein anderer, „wenn sie statt des Hutes ein Tuch auf dem Kopf hätte und ein Reisigbündel auf dem Rücken, würde ich' geglaubt haben, daß sie geradewegs aus den alten Märchen heraus auf die An drássy straße ge­treten sei...“ Einmal kani es mir , in den Sinn, daß

Next

/
Thumbnails
Contents