Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1933. október (80. évfolyam, 223-248. szám)

1933-10-01 / 223. szám

Einzelnummer an Wochentagen IC, an Sonntagen 32 Heiler. Abonnement: FOr Budapest: mit täglich zweimaliger Zustellung und für das Inland Morgen* und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich 6.40 P. Für das Börsenblatt allein vierteljährlich II P, monatlich 4 P. Für das Abendblatt allein vierteljährlich 8 P, monatlich 3 9 Für die separate Zusendung des Abend­blattes nach der Provinz ist viertel­jährlich 1 Pengő zu entrichten. Für Wien auch durch Herrn. Goldsohmid Für das Ausland mit direkter Kreuzband­sendung vierteljährlich: Für Oesterrelob und Polen 20 Pengő, fiir alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch bei sämtllohen ausländischen Post­ämtern entgegengenommen. Manuskripte werden nicht zurückgestellt Telephon der Redaktion: 348-20. FESTER LLOYD MORGEN BLATT Z.d?cJO luseratenaufnahme: in Budapest, in der Administration des Pester Lloyd und in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, J.BIookner, J. Blau, Boros, Braun, Josef Erdos, Győri 4 Hagy, Harsányi, Haasensteln 4 Vogler, Cornel Leopold, Julius Leopold, Magy. hirdető- iroda, Bosse Rudolf A.-Q., Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: M. Dukes Nacht. A.-ÍJ., Wien, Wollzeile 16. Einzelnammer tür Budapest und tür die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heiter, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt 10 Heller. — Für Oesterrelob: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 20 Gr, Redaktion u.Adm.: V, MirlaValöria-uooalSS, Telephon dar Administration: 840-09. 80» Jahrgang-. Budapest, Sonntag, 1. Oktober 1933« Nr« 223 Ein Jahr Gömbös-Regime. Budapest, 30. September, Heut vor einem Jahre hat Julius Gömbös sein Kabinett gebildet, und die Ausführungen, mit denen er im Parlament und bald darauf auch in einer Rundfunkrede seinen Regierungsantritt anmeldete, haben ihm die Sympathien der öffentlichen Meinung im Sturm erobert. Als er kam, hatte das Land das Gefühl, einer starken Führerhand zu bedürfen, und es erkannte sofort, im neuen Regierungschef ein echtes Führertemper ament gewonnen zu haben, dessen energischer Willenskraft es die Führung sei­ner Geschicke ruhig anvertrauen darf. Aber in dem Maße, wie Julius Gömbös sich in sein verantwor­tungsschweres Amt hineinlebte, entfaltete sich nicht allein die Führergabe, sondern auch eine Zielstre­bigkeit und ein Klarblick, staatsmännische Eigen­schaften, die in der gegebenen Lage von unermeß­lichem Werte für Gegenwart und Zukunft von Volk und Staat waren. Mit einem weit ausholenden Pro­gramm, das den ferneren Zielsetzungen der natio­nalen Politik gewidmet war, und einem Sofortpro­gramm, das die unaufschiebbaren Aufgaben der Regierungstätigkoit umfaßte, trat der neue Minister­präsident vor das Land. In beiden offenbarte sich schon auf den ersten Wurf die staatsmännische Zwillingstugend der mit klarem Blick vereinigten Zielsicherheit. Das eine Jahr, das seither' verstrich, ist zwar ein zu kurzer Zeitraum, um die Aufmachung einer Bilanz über das, was aus diesen beiden Pro­grammen verwirklicht werden konnte, zu gestatten; aber schön dieses eine Jahr läßt ein Urteil darüber zu, daß diese Regierungspolitik von der Linie ihrer Zielsetzung, ungeachtet aller Schwierig­keiten, nie auch nur im geringsten abgewichen ist und den Ministerpräsidenten sein klarer Bück vor jedem Fehlgriff in der Auswahl seiner Mittel-be­hütet hat. ' ' : Das Ziel der Politik des Regimes Gömbös ist die Überwindung der allgemeinen Krise, die von allen Ländern Europas vielleicht am schwersten auf Ungarn lastet, und als das tauglichste Mittel zur Er­reichung dieses Zieles hat Ministerpräsident Gömbös die tunlichste Ausschaltung aller inneren Gegen­sätze und den Zusammenschluß aller aufbauenden Energien, über die unser Volk verfügt, betrachtet. Der Maßstab, an dem das Ergebnis dieser Regierimgspolitik gemessen werden kann, ist in erster Reihe die Tatsache, daß hinsichtlich der Ziel­setzung im ganzen Lande volle Übereinstimmung besteht. Heute ist es bereits ein von keiner Seite an- ■ gefochtenes Gemeingut unseres öffentlichen Lebens, daß diie Krisenbekämpfung eine Aufgabe ist, an deren Lösung alle Gesellschaftsklassen und auch sämtliche Parteien unter Hintansetzung aller tren­nenden Momente Schulter an Schulter zusammen­zuwirken haben. Und es ist eine erfreuliche und be­ruhigende Errungenschaft, daß im Dienste dieses Ziels die nationale Einheitsfront Zustandekommen konnte. Zwar haben die oppositionellen Parteien und Gruppen sich nicht aufgelöst, und auch ihre alten Fahnen haben sie nicht eingerollt; aber in Wirklichkeit ist irgendwie selbsttätig, ohne formale Bindungen, gleichsam aus eigenem Antriebe heraus, wenn auch nicht ein erklärter Burgfrieden, so doch eine vaterländische Gemeinbürgschiaft entstanden. Das Verdienst hieran gebührt nn erster Reihe dem Ministerpräsidenten Gömbös, aber in nicht geringe­rem Maße auch den im oppositionellen Lager Stehenden. Der Regierungschef hatte es verstanden, seine Politik derart einzurichten, daß er um des höheren Zieles willen die Angriffsflächen, die sie nach links hin bieten konnte, nach Möglichkeit aus­geschaltet hat, um in allen wesentlichen Punkten den Gedanken der nationalen Solidarität zur Geltung bringen zu können; die oppositionellen Parteien und Gruppen des Parlaments aber haben in löblicher Selbstverleugnung auf den Kampf tun des Kampfes willen, auf eine Kritik, die eigentlich auf bloße Nörgelei hinauslaufen würde, Verzicht geleistet, um auch ihrerseits das Sanuneln aller nützlichen Ener­gien im Dienste der nationalen Zukunft zu fördern. Die segensreiche Fracht dieses einjährigen Regierungswaltens offenbart sich nun darin, daß Ungarn heute vielleicht als da? einzige Land in Europa dasteht, in dem die Regierung vom allge­meinen Vertrauen der öffentlichen. Meinung .getragen ist, ihre Ziele und Mittel von der überwältigenden Parlamentsmehrheit gebilligt und unterstützt wer­den und auch die Gegner fürsorglich alles meiden, was zu einer Zersplitterung der für das Aufbauwerk nötigen Energie führen könnte. In der heutigen Welt, die allenthalben die Merk­male einer fieberhaften Unrast aufweist, ist auch der ungarische Horizont nicht wolkenfrei. Die Weltwirt­schaftskrise wirkt sich bei uns noch immer verhäng­nisvoll aus, die Absatzmöglichkeiten für unsere land­wirtschaftlichen Überschüsse sind nach wie vor und ungeachtet der emsigen Bemühungen der Regierung eng begrenzt, und die Währungssorgen lasten mit ungeminderter Kraft auf unserem ganzen Wirt­schaftsleben. Aber wir haben uns immerhin im ver* flossenen Gömbös-Jahr über Wasser gehalten, durch’ eine strenge Budgetpolitdk hat das Defizit im Staats­haushalte wesentlich herabgemindert werden können, und die unbeirrbare Konsequenz, mit der die Re< gierung auf dieses Ziel lossteuert, hat auch im Aus- lande aufrichtige Anerkennung geerntet. Unser ehr­licher Erfüllungswille wird nirgend bezweifelt, und wir dürfen uns rühmen, des moralischen Vertrauens der Welt in dieser an Sorgen und Schwierigkeiten so reichen Lage teilhaftig zu sein. Nicht gering sind auch die außenpolitischen Sorgen, denen sich die Regierung gegenübergestellt sieht. Die europäischen Verhältnisse, insbesondere die in Mittel- und Siidosteuröpa, sind allgemein als untragbar eFkannt, und an allen Ecken und Enden regt sich der Wille nach einer Neuregelung, die heilbringende Ordnung in das bestehende Chaos bringen könnte. Die Zeit, in der wir leben, ist eine Zeit der Geburtswehen eines neuen Europa, in der frühere Bindungen sich lockern, der Drang nach Neugestaltung sich zunehmend offenbart, und daraus ergibt sich für ein so kleines und schwaches Land, wie Ungarn, die schicksalhafte Sorge, wie dieser Neugestaltungsdrang sich zu betätigen hätte, um mit den aktuellen Gegenwartsinteressen des Landes und mit den unverrückbaren Endzielen aller ungarischen Politik nicht in Kollisioh zu geraten. Das Regime Gömbös ist also vor Aufgaben ge­stellt, die die höchsten. Anforderungen an seine Geistesgegenwart, seine Willenskraft und die Zähig­keit seiner zielbewußten Ausdauer stellen. Minister­präsident Gömbös darf sich das Verdienst zuschreif ben, durch die offene und mannhafte Sprache, mit der er sich an die Nation, zu wenden pflegt, das Ver­ständnis auch der breitesten Volksschichten für diese lebenswichtigen Aufgaben geweckt zu haben. Er wird es gewiß nicht unterlassen, den lebendigen und unmittelbaren Kontakt mit der Volksseele auch weiterhin aufrechtzuerhalten, denn er hat das rich­tige Gefühl, daß seiner staatsmännischen Konzeption ein Erfolg nur in dem Maße winken wird, in dem es ihm gelingt, auf diesem festen Boden sich mit festem Fuß zu behaupten. Das erste Jahr seines Regierungs­waltens ist ein glücklicher Auftakt für die Zukunft und eine Verheißung, an die sich die besten Hoff­nungen des Vaterlandes knüpfen dürfen. Feuilleton* Melusine und der Schwan. Das Ende eines Märchens. Von RAOUL AUERNHEIMER. Als die schöne Melusine nach mehr als zwanzig­jähriger Ehe das Schloß ihres Gatten, des Grafen Raimund, Knall und Fall verließ und auf ihre Be­sitzung „Fontes Melusinae1 zurückkehrte, herrschte ziemliche Aufregung im Geisterreich. Zumal die älteren Feen und ausgedienten Nymphen konnten sich nicht beruhigen; „was war da vorgegangen?“ fragten sie einander am Kaffeelisch, wo sie, seit vielen Jahren schon, die Liebesangelegenheiten ab­wesender Freundinnen sachkundig erörterten. Die Meinungen über das, was vorgegangen sein könnte, gingen wesentlich auseinander, nur in einem Punkte stimmten sie überein. An den Fischschwanz, den Rai­mund plötzlich eines Samstagnachmittags an Melu­sine entdeckt haben wollte und dessentwegen er sie unter Donner und Blitz zum Teufel jagte, glaubten die versammelten elbischen Wesen ausnahmslos nicht. Das erzählte der Mann und die Frauen lächel­ten darüber. „Glaubt mir!“ sagte eine ältere Oberfee und rückte den Klemmer auf der spitzen Nase zu­recht; „Meäusine ist genau so normal gebaut wie ich!“ Das gaben die anderen gern zu, der Fischschwanz war jedenfalls nur metaphorisch zu verstehen. Aber was drückte er in märchenhafter Verwandlung nach den Gesetzen der Psychoanalyse und der Jungschen Mythenbildung aus?“ „Der Grund der Scheidung?“ „Die Gründe?“ glucksten und löffelten die Kaffee­schwestern. , • Die Oberfee stärkte sich vor allem durch einen tüchtigen Schluck. Dann äußerte sie etwas orakel­haft. die Gründe einer Scheidung lägen immer in der Art, wie eine Ehe zustande gekommen wäre. Was die unsrige betrifft, fuhr sie lebhaft fort, so wurde sie von Melusine geradezu erzwungen. Erzwungen, jawohl, ich nehme nichts zurück. Vergegenwärtigen wir uns doch die Tatsachen, meine Damen, vor allem die Tat­sache, daß vor fünfundzwanzig Jahren noch kein Mensch in der Gesellschaft etwas von Melusine wußte. Sie war keine Geborene, und vielleicht ist sie sogar eine Jüdin. Aus ihrer Mädchenzeit ist nichts be­kannt, außer daß sie, in einer ziemlich einsamen Gegend, am „Durstbrunnen“ saß und vorübergehende Herren ansprach. So begann ja auch die Bekannt­schaft mit dem Grafen Raimund, wie von ihm selber bezeugt wird. Er trabte an ihrem Standplatz vorüber, ein unbesorgter junger Mann, sie aber rief ihn an — sie ihn!, wohlgemerkt — mit den höchst herausfor­dernden Worten: „Mein Freund, Ihr seid ziemlich unbescheiden für einen Ritter, daß Ihr an einer Frau so ohne Gruß vorüberreitet!“ Hier habt ihr den Ton, in dem die noch ganz junge Melusine mit Männern verkehrt, und mit dem Ton habt ihr auch den Grund aller späteren und wohl auch schon früheren Zer­würfnisse. Mein Freund! sagt sie zu einem wildfrem­den jungen Mann, der ihr noch nicht einmal vorge­stellt ist; und da der gute Raimund, um nicht unge­zogen zu sein, sein Pferd zügelt und ihr höflich seine Ritterdienste anbietet, gibt sie deutlich zu verstehen, daß es ihr gar nicht um diese zu tun sei, sondern um ganz was anderes. „Nicht also, mein Raimund!“ lispelte sie, — ich bitte, zu beachten, daß sie „mein“ Raimund sagt, also bereits im zweiten Satz, den er von ihr zu hören bekommt, das besitzanzeigende Für­wort gebraucht —; worauf sie denn auch allsogleich im dritten ihm alle irdischen Seligkeiten verheißt — zurückhaltend ist sie nicht, das muß man sagen! — und sich ihm, der sie für ein Straßengespenst hält, mit unverblümten Worten als Frau anträgt: „Vor allem,“ sagt sie, die Worte sind überliefert: „dürft Ihr mich für kein verstelltes Engelsbild, sondern vielmehr für .eine gute Christin ansehen. Nachdem Ihr mich demnach — beachten Sie, meine Damen, dieses „demnach“! — auf christliche Weise zu Eurer ehelichen Gemahlin erhoben haben werdet, sollt Ihr an jedem Sonnabend ganz und gar nicht mit mir re­den, mich auch nicht sehen, sondern mich gänzlich in Ruhe lassen.“ „Ich frage, hat das einen Namen? Redet so ein anständiges junges Mädchen vor dér Hochzeit zu einem jungen Mann im Wald? Nein, meine Damen, so spricht nur eine vielerfahrene Ko­kette, wenn nicht ganz mannstolle Person, die schon längere Zeit beim Durstbrannen sitzt und schon ein. paarmal „demnach“, „mein Raimund“ oder auch mein Geoffroy oder Lanzelot gesagt hat. Sie ist nicht mehr unberührt, und darum macht sie sich inter­essant und spielt sich als ein elbisches Wesen auf mit Fischschwanz und so. Das machen Jüdinnen. Übri­gens auch die Geschichte mit der Hirschhaut scheint mir nicht eben für eine ehrliche christliche Abstam­mung zu sprechen .. Wie denn das mit der Hirschhaut gewesen wäre? fragte, an dieser Stelle unterbrechend, neugierig eine junge Kaffeeschwester, die in der Skandalchronik des Geisterreiches noch nicht so bewandert war. Sehr einfach, fuhr die Oberfee schwatzhaft fort: Der arme Raimund hatte doch eben erst durch einen unglück­lichen Jagdunfall seinen eigenen Vetter getötet, der sein Lehensherr war. Er sah sich in die unange­nehme Lage versetzt, sich in Poitiers von dem Sohne des Getöteten neu belehnen zu lassen. Da riet ihm die schlaue Melusine, nun schon seine Verlobte, nicht mehr Land zu begehren, als sich mit einer Hirschhaut bedecken lasse. Und dann führen die Neuvermählten den bekannten Schwindel aus, schnei­den die Hirschhaut zu fadendünnen Riemen und fan­gen damit ein ganz hübsches Rittergut ein. Ja, wenn man eine derart raffinierte Person heiratet, darf man sich freilich nachher nicht wundem, daß sie einen hinters Licht führt. Mit der Hirschhaut beginnt es und mit dem Hirschgeweih endet’s „Sie glauben? Sie halten es für möglich?“ wollte che jüngere Unter­fee begierig wissen. „Aber das liegt auf der flachen Hand, meine Beste!“ rief die Oberfee unter dem sach­kundigen Nicken der anderen. Wenn eine Frau jahr­aus, jahrein regelmäßig an gewissen .Tagen ver­schwindet! Und in ihrem Badezimmer Orgien feiert! Dabei hat sie ja auch schließlich, von der Familie aufgeklärt über das Gerede und Geranne der ganzen Stadt, der gute Raimund erwischt. Er bohrte mit dem Schwert ein Loch in die versperrte Tür und sah, was es Neues gab. In flagranti nennen es unsere Rechts­gelehrten. — Immer dieselbe Geschichte! Immer die Familie! versuchte die Unterfee, die auch schon ihre Erfahrungen haben mochte, hier in den Bericht ein­zuwerfen, aber die Vorsitzende ließ sie nicht zu Wort kommen. Das war eine weißgescheitelte, gebückte alte Dame, die, unscheinbar .wie die Güte selbst, den-

Next

/
Thumbnails
Contents