Pester Lloyd - esti kiadás, 1933. december (80. évfolyam, 273-295. szám)

1933-12-01 / 273. szám

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Blaut Boros, Braun, Josef Erdős, Győri & Nagy, Harsány!, Haasenstein & Vogler, Coma Leopold, Julius Leopold, Hagy. hirdető* Iroda, Moese Rudolf A.-G., Julius Tänzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: M. Dukes Naohf. A.-G-- Wien, Wollzeile 16. Einzelnummer für Budapest und fül die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 33 Hellet Abendblatt 10 Heller. — Für Oesterreloh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. Und Abendblatt 30 Gk Redaktionu.Adm.: V., MárlaValéria-uoaal'd, Teleohon der Administration: 849-09. ..jjj—a 8 0* Jahrgang. Budapest, Freitag, 1. Dezember 1933. Nr. 273 Auslandschau — 1. Dezember. — Englische Parlamentarier feiern den Grafen Bethlen. Eine zahlreiche Gruppe ungarnfreundiieher Unterhausmitglieder gab gestern abend zu Ehren des Grafen Stefan Bethlen ein Diner in einem Son­dersaale des Parlamentsrestaurants. Über den Ver­lauf des Festessens berichtet ein Londoner Tele­gramm des U. T.-K.-B.: Sir Robert Gower, der dem Festmahl präsidierte, brachte den Trinkspruch auf den König von England urad auf den Reichsverweser Horthy aus. Nach ihm sprach der Abgeordnete Hannon, Leader der .schwerindustriellen Gruppe des Unterhauses. Er hieß den Grafen Stefan Bethlen in herzlichen Worten willkommen. Vor dreizehn Jahren — sagte er — brach fiber Ungarn das Trianonmartyrium herein, und in dieser Zeit hat Graf Bethlen zehn Jahre lang die Re­gierung Ungarns geführt, und zwar mit so hervorragen­dem staatsmännischen Talent, daß sogar die Lenker der Ungarn gegenüber eher feindselig gesinnten Länder sich nur mit Ehrerbietung darüber äußern können. Die unga­rische Saehe zählt viele Freunde im englischen Unter­haus, und in den Kriegsjahren hat niemand in England auch nur das geringste feindliche Gefühl gegen Ungarn gehegt, das englische Volk hat es sogar als ein Unglück empfunden, in einen Krieg gegen Ungarn verwickelt worden zu sein. Nun ergriff Graf Stefan Bethlen das Wort, um sich für die Gastfreundschaft zu bedanken. — Ich schätze es als hohe Ehrung ein — sagle er —, diesen Abend in den an Traditionen reichen Hallen des englischen Parlaments in Gesellschaft von Parlamentariern verbringen zu dürfen, die ihren Sympathien für Ungarn innigen Ausdruck gegeben haben, und offen verkünden, daß irgend etwas in Mitteleuropa nicht ih Ordnung ist. Wir Ungarn wünschen ohne Unterschied der Parteien und der Klassen eine friedliche und gerechte Revision. Im Aus­lande werden unsere Revisionsbestrebungen vielfach miß­deutet. Manche meinen, daß wir die alten Zeiten, die an­gebliche feudale Willkürherrschaft wiederaufrichten wol­len, daß wir das Selbstbestimmungsrecht der Völker ver­neinen, andere Völker unterjochen möchten, daß wir Feinde des Fortschritts und der Demokratie wären. An allen diesen Beschuldigungen ist kein wahres Wort. Unsere Bestrebungen stehen in keinerlei Gegensatz zu den hehren Grundsätzen, die Wilson als erster im internationalen Le­ben verkündet hat. Ungarn ist ein echt demokratischer Staat, denn es hält fest an seiner 800jährigen Verfassung, die dem Volke stets die Möglichkeiten sicherte, selber über sein Schicksal zu entscheiden. Ungarn beharrt auf seiner parlamentarischen Regierumgsform, und obzwar es seine freundschaftlichen Beziehungen zu Italien und anderen faszistischen Staaten pflegt, denkt es nicht daran, irgend­welche Form des faszistisohen Regimes auch in Ungarn einzu'bürgern. — Die ungarische Nation — fuhr Graf Bethlen fort — hat kein Verlangen nach fremden Gebieten, sie fordert bloß, daß die vom Mutterlande abgetrennten Volksgenos­sen zurückkehren können, und die übrigen Nationen auf Grund einer lückenlosen Autonomie selber über ihre staat­liche Zugehörigkeit sollen entscheiden dürfen. Nicht für den Krieg kämpfen wir, sondern im Gegenteil für den wirklichen Frieden und für die Völkerversöhnung. Nicht den Umsturz der bestehenden Ordnung streben wir an, sondern das bestehende Chaos wollen wir abstellen; nicht das internationale Recht wollen wir erschüttern, sondern an Stelle der Diktatur wollen wir die Herrschaft des Rechts wieder aufrichten. Unser Ideal ist die wahre inter­nationale Demokratie, denn als eine Heuchelei betrachten wir diejenige Demokratie, die im Innern des Landes zur Erbauung des Volkes die demokratischen Grundsätze ver­kündet, diese jedoch im internationalen Leben nicht an­wendet. Das verleiht uns den Mut, uns an die englische Nation, als die konventionelle Vorkämpferin der Gerech­tigkeit und Verteidigerin der Unterdrückten, um Gehör zu wenden. Ich erhebe mein Glas auf die Größe der englischen Nation und auf Ihr Gedeihen, die Sie auch für das Ge­deihen und das Wohlergehen Mitteleuropas und Ungarns kämpfen. Eis folgte ein Trinikspruoh des Unterhausmitgliedes Mabans, der erklärte, er habe sich der Gruppe Sir Rolbert Gowers angeschlossen, weil er während seines Aufent­haltes in Ungarn eine auffällige Ähnlichkeit zwischen idem ungarischen und dem englischen Volk gefunden, und Sich auclh davon überzeugt hat, daß die Abrüstungsfrage ohne Revision der Friedensvcrträge nicht gelöst werden kann. Auf allgemeinen Wunsch erhob sieh dann zum Wort iner Unterhausmitglied Llewellyn Jones, der jüngste Ehrendoktor der Pécser Universität. In seinem Trink­spruch erklärte er, siali der Sache Ungarns angenommen zu haiben, weil er durchdrungen ist von ihrer Gerechtig­keit, aber auch weil er ebenfalls Sohn einer nationalen Minderheit, des walisischen Volkes, ist. Europas Friede kann nicht gerettet werden, wenn Trianon nicht spä­testens innerhalb von zwei bis drei Jahren revidiert wird. England ist mitverantwortlich für die mitteleuropäischen Zn Stände, weil es die Friedensverträge unterschrieben hat, und so ist es nunmehr seine Pflicht, die Gutmaehung der Fehler zu fördern. Sir Robert Gower sagte in seiner Antwort auf diesen Trinksipruch, daß er jeden Dank alblehnen müsse, weil alles Verdienst seinen Abgeordnetenkollegen zukomme. Die Sache Ungarns «ei derart volkstümlich, daß das Zu­standebringen der Gruppe durchaus nicht schwer war; von keinem Parlamentskollegen, den er zum Anschluß einlud, sei ihm ein ablehnender Bescheid zuteil geworden. Häufig spreche er von Ungarn,- nicht bloß im Parlament, sondern auch in seinem Wahlbezirk, auf dem Lande, und überall habe er sympathisches Verständnis für die un­garische Sache gefunden. Wenn bisher behauptet wurde, die Ungarn seien von Machtaspirationen geheizt, so konnte jetzt die Welt von zuständiger Seite erfahren, wie maßvoll und vernünftig die Forderungen Ungarns sind. Als letzter Redner des Abends sprach Oberst Moore. Er sagte, er habe längere Zeit in Ungarn gewellt und sich von der Unhaltlharkeit Trianons überzeugt. Auch in den Nachfolgestaaten habe er sich umgesehen, dort aber bloß die Beobachtung machen können, daß die Rumänen auf ihrem niedrigen geistigen und moralischen Niveau ver­blieben seien. Man könne sich kaum vorstellen, was ein Volk von so hoher Kultur, wie das ungarische, in den Nachfolgestaaten zu leiden habe. Damit war die Reihe der Tischreden erschöpft, aller die Gesellschaft blieb noch lange in trauter Unterhaltung 'beisammen. Die französische Presse über direkte Besprechungen. Solange die Regierung Ghautemps nicht durch das französische Parlament in ihrem Amte bestätigt ist, kann der erste Schritt zu einer unmit­telbaren Aussprache zwischen Deutschland und Frankreich, der durch den Besuch des französischen Botschafters in Berlin, Frangois Poncet, beim Reichskanzler eingeleitet wurde, keine Fortsetzung finden. Inzwischen wird in Frankreich in einer eifri­gen Pressediskussion die psychologische Vorbereitung für die kommenden außenpolitischen Entscheidun­gen getroffen. Da eine genaue Informierung der Öffentlichkeit über den Inhalt des Berliner Ge­sprächs nicht erfolgt ist, müssen sich die Zeitungen auf die verschiedenen Nachrichten verlassen, die aus privater Quelle gekommen sind. Nach ihnen soll Hitler die sofortige Rückgabe des Saargebiets ohne vorhergehende Volksabstimmung verlangt haben und mit dieser Frage scheint man sich in Paris be­sonders intensiv zu beschäftigen. Im Oeuvre teilt Genevieve Taboues mit, daß die französische Regierung f°<d entschlossen sei, jede Verhandlung mit Deutschland über die poli­tische Seite der Saarfrage abzulehnen und sich nur bereit erklären würde, über gewisse wirtschaftliche Fragen zu sprechen. Derartige Besprechungen wür­den aber erst nach der Vorstellung der neuen fran­zösischen Regierung von der Kammer und dann auch nur auf diplomatischem Wege erfolgen. Die deutsch- französische Aussprache würde sich zunächst auf gewisse Aufklärungen beschränken, die die franzö­sische Regierung von Deutschland verlangt, u. a. über die von der Reichsregierung gewünschten Effek- tivbestände des Heeres, die Rüstungen und schließ­lich die Kontrolle. Dabei müsse man als sicher voraussetzen, daß die französische Regierung nicht zugeben werde, daß man die französischen Waffenlauer kontrolliere. Die Berichterstatterin will ferner aus bester Quelle erfahren haben, daß die französische Regierung zu­mindest vorläufig gegen jede Aufrüstung Deutsch­lands Stellung nehmen werde, und zwar trotz der Warnung, die sie von englischer Seite erhalten habe. In der Saarfrage stehe die Regierung auf dem Standpunkt, daß Verhandlungen über die vorzeitige Rückkehr des Saargebietes an Deutschland eine Ver­letzung des Versailler Vertrages bedeuten würde. Die Liberté geht sogar noch weiter und betont, daß man es als selbstverständlich annehmen dürfe, daß der Völkerbund vor und nach der Abstimmung neutrale Truppen in das Saargebiet entsenden werde, um jede Störung der öffentlichen Ordnung zu ver­hindern. In der République wendet sich Pierre Dominique gegen den Vatikan, der in seiner Deutschfreundlich­keit so weit gehe, die Vorstellungen des Quai d’Orsay unbeantwortet zu lassen, wonach das Saargebiet von den Erzbistümern Trier und Speyer losgelöst werden solle, um es dem Einfluß der deutschen Propaganda zu entziehen. Die Volcmté benützt wieder einmal die Gelegen-* heit, um mit anerkennenswerter Offenheit gegen dia Haltung der übrigen Presse Stellung zu nehmen. Heute dürfe es niemand mehr wagen, zu behaupten, daß der Versailler Vertrag den Grundpfeiler des augenblicklichen Europa darstelle. Frankreich baba mit der vorzeitigen Rheinlandräumung diesem Ver­trag den ersten Schlag versetzt. Wenn man ferner betone, daß die vorzeitige Rückkehr des Saargebiet* eine Festigung des nationalsozialistischen Regime* nach sich ziehen würde, so könne man diese Be­hauptung zwar nicht ohne weiteres abstreiten, es sei aber kaum anzunehmen, daß eine Regierung, die bei den letzten Wahlen über 95 Prozent aller Wähler für; sich hatte, es nötig habe, ihr Ansehen noch zu ver­größern. Auf der anderen Seite würde aber ein Miß­erfolg bei der Abstimmung im Jahre 1935 sehr viel schwerer ins Gewicht fallen. Der Abgeordnete Fri­bourg habe im auswärtigen Ausschuß der Kammer festgestellt, daß das Saargebiet zu den fünf besten Kunden Frankreichs gehöre. Gerade um die französi­schen Wirtschaftsinteressen zu sichern, seien vor­zeitige Verhandlungen mit Deutschland angebracht, Uber den Willen des saarländischen Volkes dürfe man sich nicht täuschen. Außerdem dürfe man nicht ver­gessen, daß es für Frankreich ein viel höheres Ziel gebe, nämlich den Frieden. Die saarländische Streit­frage werde aber die Unstimmigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland nur unnütz verlängern. Ehe man über das Saargebiet spreche, sei es wün­schenswert. daß Frankreich und Deutschland einej» Nichtangriffspakt Unterzeichneten. Bund um die Erhöhung der eng- lischen Luftflotte. Die Erklärungen des englischen Luftfahrt­ministers Lord Londonderry im Oberhause und des stellvertretenden Ministerpräsidenten Baldwin in* Unterhause führten zu lebhaften Auseinander­setzungen in der englischen öffentlichen Meinung, Die Tatsache, daß die beiden Äußerungen im In­halt, wie im Ton keineswegs miteinander iiberein- stimmten, gibt zu einem Rätselraten in der Presse Anlaß, das einstweilen nur soviel erkennen läßt, daß die öffentliche Meinung über die wahren Ab­sichten der Regierung ziemlich unorientiert ist. Man kann nicht einmal klar sehen, ob es sich um einer* ernsten sachlichen Gegensatz zwischen den beiden Ministem, oder lediglich um taktisch verschie­denartig abgefaßte Erklärungen handelt. Möglicher­weise dienen die Mitteilungen Lord Londonderrys über die Erhöhung der englischen Luftrüstungen demselben taktischen Zweck, wie die beschwich­tigenden Worte Baldwins, der von keinerlei Ent­schlüssen vor dem endgültigen Abschluß der Ab- rüslungsverhandlungen wissen will. Das Motiv Lord Londonderrys: „England kann auch anders!“, das durch eine heftige Propaganda großer konservativer, Blätter unterstützt wird, soll möglicherweise nur der Unterstützung der Losung Baldwins dienen; „England will zunächst alle Möglichkeiten zur Ver­hinderung eines Wettrüstens ausschöpfen!“ Die im Anschluß an die Reden Lord London­derrys und Baldwinns aufgeworfene Frage der so­fortigen Erhöhung der englischen aktiven Luft­macht von 42 auf 52 Geschwader wird von der eng­lischen Presse im allgemeinen verneint. Von den; zuständigen Stellen ist im Hinblick darauf, daß die englische Öffentlichkeit gewisse Unstimmigkeiten in den Erklärungen der beiden Minister über die Luftpolitik erblickt hat, erklärt worden, England werde im kommenden Staatshaushalt Vorkehrun­gen zur Einleitung des Ausbaues der englischen Luftmacht treffen, wenn bis zur Einbringung des Haushalts noch keine internationale Einigung über, die Zahl und die Art der Flugzeuge zustande ge­kommen sei. Die englische Regierung — so sagt il/or- liiiuj Post — dürfe jetzt nichts zulassen, was im Aus­lande Mißtrauen erregen und den diplomatischen Verhandlungen über die Rückkehr Deutschlands zu den Abriistungsverhandlungen Abbruch tun könne. Die englische Regierung habe lediglich die Absicht gehabt, die Zahl der Erhöhung klar anzudeuten und wünsche nicht über die Erklärung hinsichtlich ihrer zukünftigen Politik hinauszugehen. Der Daily Telegraph sagt, eine große Ver­mehrung der Luftmacht könne nicht kurzfristig vorgenommen werden. Die Behauptung, die Luft­macht solle sofort verdoppelt werden, sei albern. Es komme zunächst einmal eine Vermehrung der Hilfs-

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