Pester Lloyd - esti kiadás, 1934. október (81. évfolyam, 222-246. szám)

1934-10-01 / 222. szám

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Nicht verlangte Manuskripte werden weder aufbewahrt noch zurückgestellt, Briefe ohne Rückporto nicht beantwortet FESTER LLOYD ABENDBLATT R in ser a ten aut nähme: In Budapest, in der Administration des Pester Lloyd nnd in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, J.BIooknar, J.BIau, Borss, Braun, Josef Erdős, Győri & Nagy, Harsänyt, Haasenstein k Vogler, Corns: Leopold, Julius Leopold, Hagy. hlrdotő- Iroda, Mosae Rudolf A.-Ű., Julius Tensor, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd tür Oesterreich: H. Duke« Naohf. A.-G., Wien, Wollzeile 16. Klnzelnnmmer tür Budapest und tür die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt to Heller. — Für Oesterreloh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 20 Gr. Redaktion u.Adm.: V., Mária Valéria-uooa 12 Telephons t Redaktion: 848-20. Naoh Mitternacht i 848—26. Administration: 840-00. 81» Jahrgang. Budapest, Montag, 1. Oktober 1934. Nr. 222 Auslandschaii. — 1. Oktober. — Der jugoslawische Königsbesuch in Sophia. Daß jugoslawische Königspaar hat gestern mit­tag die bulgarische Hauptstadt verlassen. König Alex­ander, die Königin und Außenminister Jeftics trafen um fünf Uhr naohmittags wieder in Belgrad ein. Um nach den Äußerlichkeiten des Besuchs zu urteilen, war er, wie auch nicht anders zu erwarten war, ein großer Erfolg. In den Trinksprüchen, die die beiden Könige beim Festbankett in Sopia gewechselt haben, wurden die herzlichen freundschaftlichen Beziehun­gen beider Völker besonders betont. Ein offizielles Konununiqué, das naoh Abschluß des Besuchs aus­gegeben wurde, stellt weiteren Ausbau der wirt­schaftlichen und Verkehrsbeziehungen zwischen bei­den Ländern in Aussicht. Doch wenn man von ge­wissen verkehrstechnischen Einzelheiten absieht, bie­tet die amtliche Mitteilung nur wenig Greifbares über die Ergebnisse der Verhandlungen, die anläß­lich des Königsbesuchs zwischen dem bulgarischen Ministerpräsidenten Georgiern, dem Außenminister Batolow und dem jugoslawischen Außenminister Jeftics stattgefunden haben. Der Rahmen dieser Ge­spräche ging anscheinend über die Gegenstände nicht hinaus, die anläßlich des Belgrader Besuchs des bul­garischen Königspaares — um dessen Erwiderung seitens des Königs und der Königin von Jugoslawien es sich jetzt handelt — von den' verantwortlichen bulgarischen und jugoslawischen Staatsmännern be­rührt worden sind. Zusammenfassend kann man feststellen, daß mit dem Königsbesuch in Sophia die vor längerer Zeit inaugurierte Politik der stufen­weisen wirtschaftlichen und politischen Annäherung zwischen Bulgarien und Jugoslawien um einen Schritt weitergeführt wurde, ohne daß im gegen­seitigen Verhältnis beider Völker ein wesentlich neues Element zu verzeichnen wäre. Uber den Abschluß des Königsbesuchs liegt uns folgende vom 30. September datierte Meldung aus Sophia vor: Unter demselben Zeremoniell wie die Ankunft er­folgte auch die Abreise des jugoslawischen Königspaares aus Sophia, und zwar heute vormittags einige Minuten nach 12 Uhr. In den Straßen hatten sich wieder riesige Mensohenmassen angesammelt- die dem jugoslawischen und bulgarischen Königspaar stürmische Ovationen be­reiteten. Auf der Fahrt zuim Bahnhof machten die königlichen Automobile vor der Kirche Alexander Newski Halt. Die beiden Königspaare begaben sich in die Kirche, wo gerade der Sonntagsgottesdienst ahgehalten wurde, und verbrachten einige Minuten in stillem Gebet. Diese anßerprogrammliche Geste des jugoslawischen und des bulgarischen Königspaares rief bei der Menge große, Be­geisterung hervor, der sie in lauten Zurufen Ausdruck gaib. Am Bahnhof erfolgte ein herzlicher Absohied, und König Alexander erklärte dom Bürgermeister von Sophia, Iwanow, daß er über die Aufnahme, die ihm die Sophioter Bevölkerung bereitet habe, außerordentlich erfreut sei. Unter den Klängen der jugoslawischen Hymne setzte sich dann der Hofzug in Bewegung. Kurze Zeit nach Abgang des Zuges wurde dann das offizielle Konununiqué über die politischen Verhandlungen ver­öffentlicht,die in Anwesenheit des Königs in Sophia ge­führt wurden. In dem Kommuniqué wird festgestellt, daß die Ver­handlungen zwischen dem Ministerpräsidenten Georgiew und den beiden Außenministren im Geiste des Vertrauens und der Freundschaft geführt wurden und darin alle die beiden Länder interessierenden Fragen, sowie die Frage der gegenseitigen Zusammenarbeit erörtert wurden. Et wurde mit Genugtuung festgestellt, daß die unlängst ab­geschlossenen Handels- und Veterinärkonventionen be­reits gute Ergebnisse gezeitigt haben. Um die wirtschaft­lichen Beziehungen noch enger zu gestalten, wurde be­schlossen, neue Grenzübergangsstellen zu schaffen, und zwar eine im Norden und zwei im Süden auf der Linie Zaribrod—Dragoman. Auch werden die Paßformalitäten vereinfacht werden, um. so den Verkehr zwischen Bul­garien und Jugoslawien lebhafter zu gestalten. Schließ­lich wurde beschlossen, auch die Eisenbahnverbindungen auszubauen, indem zwei neue Eisenbahnlinien gebaut werden, und zwar auf dem rechten Doniauufer zwischen dem jugoslawischen Negotin und dem bulgarischen Wiädin, nnd dem südserbischen Kumanovo und der südbulgari- schen Stadt Gjuschewo. Auf diese Weise wird Südserbien eine direkte Verbindung mit Sophia erhalten. Die Minister kamen ferner überein, die kulturellen Bande ' zwischen beiden Völkern, die seit einem Jahre unablässig weitere Beweise der aufrichtigen Gefühle der Brüderlichkeit und Freundschaft liefere weiter; tu stärken. Wir zweifeln nicht daran, daß die im ofiziellen Komnmniqué angedeuteten Maßnahmen zur Ver­tiefung der gegenseitigen wirtschaftlichen und kul­turellen Beziehungen beider Völker für beide von Nutzen sein werden. Wenn von jugoslawischer Seite im Zeichen der freundschaftlichen Annäherung auch für die berechtigten kulturellen Interessen der in Jugoslawien leibenden bulgarischen Minderheit mehr Verständnis als bisher gezeigt wird, so wird man wirklich von einer wesentlichen Entspannung in der Balkanpolitik reden können. Auch der scharfe Kurs, den die Regierung Georgiew gegen das revolutionäre mazedonische Komitee eingeschlagen hat, ist ein wesentlicher Faktor der Entspannung im gegenseiti­gen Verhältnis beider Völker. So hoch wir aber die Bedeutung dieser Entspannung einschätzen, dürfen wir nicht verkennen, daß bis jetzt wenigstens keine wesentlich neue Tatsache die Natur der jugoslawisch- bulgarischen Beziehungen umzugestalten vermochte. Das offiziöse Organ der französischen Außenpolitik Le Temps glaubt in der anläßlich des Sophioter Königsbesuchs dokumentierten Annäherungspolitik von einer Entwicklung schreiben zu können, in deren Linie der Beitritt Bulgariens zum Balkanpakte liegt. Bis jetzt wurde von bulgarischer Seite offiziell nichts be- kanngegeben.was auf eine derartige Absicht des Regimes schließen ließe, um so weniger, als ja ein eventuel­ler Beitritt Bulgariens zum Balkanpakt die Einstellung der bulgarischen Regierung auch zu solchen Fragen mit berühren würde, die außerhalb des Bereichs der bulgarisch-jugoslawischen Beziehungen liegen: hie- her gehört beispielsweise die Frage eines Zugangs Bulgariens zum Ägäischen Meer. Dementsprechend enthält auch da« offizielle Kommuniqué nicht den leisesten Hinweis, der sich in dem Sinne auslegen ließe, ob Bulgarien seine Außenpolitik auf eine grund­sätzlich neue Grundlage zu stellen beabsichtigte. Präsident Roosevelt und seine Kritiker­Präsident Roosevelt ist von seinem Sommerurlaub frisch und gestählt heimgekehrt. Wie der Korrespon­dent der Times bemerkte, verbreitete sich im Weißen Haus sofort jene Atmosphäre heiterer Zuversicht, die sich immer an die Person des Präsidenten zu hef­ten pflegt. Die Wiederaufnahme der Staatsgeschäfte durch den Präsidenten Roosevelt ist diesmal ein wichtiges Datum der amerikanischen Politik. Seine Politik des industriellen Wiederaufbaus hat eine schwere Krise durchgemacht. Zwei große Streiks zeigten in kurzem Nacheinander die Zuspitzung der sozialen Gegensätze, und der Präsident sah sich ver­anlaßt, sofort nach seiner Rückkehr die führende Garnitur an der Spitze der NRA (Nationale Wieder­aufbau-Administration) umzutauschen. Es ist be­greiflich, daß unter solchen Umständen die ganze Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten mit fieberhaf­tem Interesse der ersten wöchentlichen „Radioplau­derei“ („fireside talk“) des Präsidenten nach dessen Sommerurlaub entgegengeblickt hat. Gestern wurde diese Rede gehalten, und zwar handelte es sich, wie zu erwarten war, um eine große prinzipielle Ausein­andersetzung des Präsidenten mit den Gegnern sei­ner Politik. Der Präsident betonte vor allem, daß es nicht in seiner Absicht liegt, das System des Staatskapitalis­mus einzuführen. Im Gegenteil, seine Maßnahmen hätten auf die Rekonstruktion der Privatwirtschaft abgezielt. Im ersten Jahre sei es gelungen, vier Mil­lionen Arbeitslose wieder dem Produktionsprozeß zu­zuführen und auch den Unternehmern eine wach­sende Profitrate zu sichern. Freilich habe man es nicht erwarten können, daß in einem einzigen Jahre alle Übel sich würden abstellen lassen. Im weiteren kündigte der Präsident an, daß er Gesetzvorlagen vorbereite, deren Zweck es ist, demjenigen Teil der provisorischen NRA-Gesetzgebung, der sich bewährt hat, einen Dauercharakter zu verleihen. Außerdem kündigte der Präsident seinen neuen Plan an, Arbeit­geber und Arbeitnehmer zu einem „industriellen Burgfrieden“ aufzurufen. Es sollen kollektive Tarif-, Verträge abgeschlossen werden, deren Abänderung nur unter Inanspruchnahme dec staatlichen Schlich­tungsorgane erfolgen kann. Der Präsident setzte sodann seinen eigenen Freiheitsbegriff auseinander. Er erklärte, daß „Freiheit“ und Massenarbeitslosigkeit miteinander unvereinbar seien. Er mache sich nichts aus einer Freiheit, die nur für eine Handvoll privilegierter Männer gelte und die Massen der Versklavung preisgebe. Man könne nicht von einem Eingriff m die Freiheit des Individuums sprechen, wenn die Regierung in die Arbeitsverhältnisse regelnd em- greife oder Privatuntemehmungen die notwendige Hilfe angededhen sein lasse. Der Schlußteil der Rede des Präsidenten ist ein« deutliche Polemik gegen seinen Vorgänger Hoover, dessen Buch „Challenge to Liberty“ (deutsch etwa: „Gegen die Freiheit“) vor einigen Tagen erschienen ist. Hoover beschuldigt Roosevelt, die amerikanische Freiheit vernichtet zu haben. Selbst das Privatleben des Einzelnen werde geregelt. Die Tyrannei werde dadurch nicht gemildert, wenn man versuche, sie im Rahmen der Verfassung auszuüben. Es sei nicht möglich, Willkürherrschaft mit Freiheit zu verein­baren. Die wahre Aufgabe der Regierung würde darin bestehen, zur Tradition der amerikanischen Freiheit zurückzukehren. Das Buch Hoovers mid die Antwort Roosevelts haben eme Diskussion in Gang gebracht, die jetzt die ganze öffentliche Meinung Amerikas lebhaft be­schäftigt. Regierungskrise in Spanien. Heute treten in Spanien die Cortes zusammen und der beginnenden Parlamentssession verleiht der Umstand erhöhte Bedeutung, daß die Regierung Samper bereits ihren Rücktritt angekündigt hat. Die Regierung verfügt nämlich nurmehr über einen Bruchteil der Stimmen in den Cortes, so daß ihre Position unhaltbar geworden ist. Die gegenwärtige Regierung beruhte auf einer Koalition zwischen der Mitte und der Rechten. Der bedeutendste Führer der Rechten, Gil Robles, von der katholischen Volksaktion hat bereits erklärt, daß seine Partei der Regierung kein Vertrauen mehr schenken könne. Gil Rohles ver­tritt bekanntlich jene gemäßigte Richtung des sozia­len Konservativismus, der zwar als Endziel gleich­falls die Restauration anstrebt, jedoch in seinen prak­tischen Aktionen nicht auf' eine unmittelbare Ände­rung der Staatefonn drängt. Die Hauptwurzel der Krise liegt in. der erhöhten Aktivität der linksraduka- len Kreise, die vor zwei Wochen in einer großen be­waffneten Verschwörung gipfelte. Damals wurden von der Polizei große Waffenfunde entdeckt und es hätten nach den Plänen der Verschwörer auch zahl­reiche hervorragende politische Führer ermordet wer­den sollen. Es waren angeblich auch Namen von Ab­geordneten der Linken in diese Angelegenheit ver­wickelt, und es verlautete sogar, daß der linksrepubli­kanische, Exministerpräsident Azana sich unter ihnen befunden haben soll. . Infolge dieser innenpolitischen Spannung sah sich die Regierung Samper genötigt, den Alarm­zustand über ganz Spanien zu verhängen. Die Rechts bemängelte nun, daß die. Regierung sich als zu schwach erwiesen und den Alarmzustand zu spät er­klärt habe. Sie hätte den Alarmzuistand — so erklä­ren die Rechtskreise — unmittelbar nach den Waffen - und Munitionsfunden bei den linksradikalen Elemen­ten verhängen sollen, nicht erst acht Tage später. Man erwartet ferner eine heftige Debatte in der Frage der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs über das Landabgabengesetz und über die Wiederherstellung der Autorität der Zentralregierung, die durch die bas- kisohen und katalanischen Bewegungen stark gelitten hat. Sollte die Regierung Samper stürzen, so wird wohl wieder eine Kombination mit Lerroux und der Radikalen versucht werden müssen, da Gil Robles zu sehr rechts steht, um die. Regierung übernehmen zu können. Jedenfalls wird weder gegen den Willen Ler­roux noch gegen den Gil Robles’ eine Regierungiskoa- lition gebildet werden können. Die innenpolitischen Wirren Spaniens werden aber nicht aufhören, falls die Parteien der Cortes sich auf keine starke Persön­lichkeit als Nachfolger Sampers einigen können. Vom Tage. Nach Warschau — Rom. Heute mittag hatten die politischen Berichterstatter der Tagesblätter Gelegenheit, mit dem Ministerpräsidenten ein kurzes Gespräch über aktuelle politische Fragen za führen. Der Regierungschef erklärte u. a., daß der Front­kämpferverband stets eine korrekte Haltung an den Tag gelegt habe, und daß das Verbot des Landestreffens le­diglich aus den Gründen erfolgt sei, die die zuständige Behörde bei Erlassung des Verbots angeführt habe. Es könne daher auch die Berufung des Frontkämpfer­verbandes gegen das Verbot keinen Erfolg haben; das Treffen müsse eben verschoben werden. Das Gespräch wandte sich dann auch der Politik iu und Ministerpräsident Gömbös äußerte sich dabei kurz und bündig mit folgenden (Worten: — Nach Warschau —- Rom.

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