Pester Lloyd - esti kiadás, 1935. október (82. évfolyam, 223-248. szám)

1935-10-01 / 223. szám

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Blau, Boros, Braun, Josef Erdős, Győri & Nagy, Harsínyi, Haasenstein 4 Vogler. Cornel Leopold, Julius Leopold, Magy. hirdető- iroda, Mosse Rudolf A-G., Julius Tenzer. Einzelnummer für Budapest und für dieProvinz: Morgenbiatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 33 Heller, Abendblatt 10 Heller. Für Oesterreioh: Morgenblatt an Wochen­tagen 80 Or., an Sonntagen 40 Or. und Abendblatt 20 Or. Redaktion u. Administration: V« MAMA VALÉIUA-UCCA I*, Telephone: Redaktion: 848—20. Naoh Nitternaohb 848—26. Administration 840—09 82, Jahrgang, Budapest, Dienstag, 1, Oktober 1935. Nr. 223 Vor dan Beginn der Feindseligkeiten ln Ostafrika. Italienische Truppen sollen in der Nähe von Französisch- Somali über die abessinische Grenze vorgerückt sein. — Wachsendes Kriegsfieber in Abessinien. — Englische Ver­teidigungsmassnahmen in Ägypten. — Auf Malta eine Säuberung der Insel von italienfreundlichen Elementen in die Wege geleitet. Budapest, 1. Oktober. Ungeachtet aller Dementis treffen aus Ostafrika andauernd Nachrichten über fortgesetzte Kriegs- vorbereihingen dier beiden Streitparteien ein. Nach der Meldung eines englischen Blattes sollen die Ita­liener ihren Vormarsch in abessinisch.es Gebiet in der Nähe von Französisch-Somali bereits begonnen haben. Das italienische Eindringen scheint jedoch noch sehr erschwert zu sein durch den Zustand der .Verbindungswege, weil die Regenzidt zwar vorüber ist, aber die Straßen innerhalb Abessiniens noch un­wegsam sind. Wichtig ist der Umstand, daß die englische und die ägyptische Regierung im Niltal zu­sammen starke Verteidigungsmaßnahmen treffen. So verfügen die Engländer angeblich bereits auf ägyptischem Boden über tausend Kriegsflugzeuge, und jeden Tag kommen neue englische Dampfer mit Kriegsmaterial und Truppen an. Auch wird aus Malta ein Zwischenfall'gemeldet, der leicht zu einer Verschärfung der Gegensätze zwischen England und Italien führen könnte. Es haben nämlich die Zivil­behörden der Insel — offenbar auf englisches Ge­heiß — mehrere führende Mitglieder der italieni­schen Kolonie wegen angeblicher Spionage zur De­portation verurteilt. Alldas bestätigt bloß die allgemeine Auffassung, Haß der unverhüllte Beginn der Feindseligkeiten nur mehr eine Frage von ganz kurzer Zeit, vielleicht bloß von wenigen Tagen sei. Die heutigen Meldungen lauten wie folgt: Italienisches Vorrücken über die abessinische Grenze. Evening Standard meldet heute: Es wird berich­tet, daß italienische Truppen 32 Kilometer über die provisorische abessinische Grenze in der Nähe von Französisch-Somaliland vorgerückt seien. Die italie- nischon Truppen hätten das Dreieck zwischen dem Gebirge und Französisch-Somaliland besetzt. Auf Grund der Berichte über den italienischen Vormarsch habe der Befehlshaber der französischen Truppen in Dschibuti sofort Sachverständige ausge­sandt, um die Grenze auf einer Strecke von UO Kilo­meter mit Pfählen zu markieren. Diese Sachverstän­digen seien von einer Abteilung Senegal-Truppen be­gleitet gewesen. Als weitere Vorsichtsmaßnahmen seien fünfzig französische Flugzeuge zu einem 24<sKin.digen Erkundigungsflug aufgestiegen. Man ver­mute, daß das Ziel des italienischen Vorgehens die Stadt Duanle sei, die etwa 16 Kilometer von der Grenze von Französisch-Somaliland entfernt ist. In dem Bericht wird hinzugefügt, daß die Grenze an der Stelle des angeblichen italienischen Vormarsches nicht genau festgestellt sei. Wachsendes Kriegsfieber in Abessinien. Addis Abeba, 1. Oktober. (Inf.) Nach den unerwarteten Regengüssen der [letzten Tage hat sich am Montag das Wetter wieder aufgeheitert. Es scheint nunmehr wirklich das Ende ider Regenzeit gekommen zu sein. In den Straßen der Hauptstadt sind noch große Pfützen, und die ins Innere führenden Karawanenstraßen sind noch sehr Unwegsam. Die aus Debra Markos, Macalla und anderen [Plätzen nach Addis Abeba unterwegs befindlichen Italienischen Konsuln mit ihren Stäben kommen nur langsam vorwärts. Ehe sie nicht Addis Abeba er­reicht haben und nach Dschibuti weitergereist sind, «rechnet man nicht mit dem Ausbruch der Feind­seligkeiten. Inzwischen ist das Kriegsfieber in Abessinien stark im Wachsen. Der Kaiser empfängt täglich Ab- •wdnungen aller Bevölkerungsschichten, die sich ihm zur Verfügung stellen. Unter anderem hat er auch am Montag eine Abordnung der in Abessinien leben­den Jémeniten, die auf mehrere tausend Köpfe ge­schätzt werden, empfangen. Der Führer der Abord­nung erklärte, daß die mohammedanischen Jemeniten sich als Abessinier fühlten und bereit seien, für Abessinien zu kämpfen. Ein weiteres Telegramm aus Addis Abeba mel­det, der Kriegsminister Mulugheta habe den Kaiser gebeten, die obligatorische Ausweisung sämtlicher Fremden anzuordnen. Der Kaiser habe jedoch seine Zustimmung abgelehnt. — Die Fremden, sagte er, haben in der Haupt­stadt nichts zu befürchten. Englische Verteidigungsmaßnahmen. Der Korrespondent des Petit Párisién in Kairo gibt seinem Blatt ein an.-cnaulichcs Bild von den Vorgängen in Ägypten am Vorabend der Eröffnung der Feindseligkeiten in Ostafrika. In der Bevölkerung herrsche starke Beunruhi­gung, und es seien Gerüchte über dpn Rücktritt der ägyptischen Regierung in Umlauf. Eine Bestätigung dieser Gerüchte liege jedoch nicht vor. Die Verteidi­gungsmaßnahmen würden von den ägyptischen und englischen Behörden mit größtem Eifer durchgeführt. Die Engländer verfügten — wie verlautet — gegen­wärtig im nahen Orient über 1000 Militärflugzeuge. Jeden Tag kämen neue englische Dampfer mit Kriegsmaterial und Truppen an. In der vergangenen Woche seien allein 150 Flugzeuge in Kairo einge­troffen. Im Hafen von Alexandria bildete die große Zahl der enlgischen Kriegsschiffe ein kriegerisches Bild. Ein großer Teil der Kriegsschiffe liege ständig unter Dampf. In der über 60.000 Seelen zählenden italieni­schen Kolonie in Ägypten herrsche gleichfalls starke Beunruhigung. Viele ständen im Begriffe, ihre Ver­mögen nach der Schweiz zu bringen, um im Kriegs­fälle einer Beschlagnahme ihrer Vermögen zu ent­gehen. Le Temps meldet aus Gibraltar, die militäri­schen Vorbereitungen würden dort Tag und Nacht betrieben. Auf dem Berge seien 50 Flugabwehrbat­terien aufgestellt worden. Zur Beschleunigung der Beförderung der Waffen und Munition — darunter solchen schweren Kalibers — habe die Militärbehörde vierzig Lastkraftwagen von Privatfirmen gemietet, der Nordkai des Kriegshafens sei mit mehreren Bat­terien bestückt worden. Jedesmal, wenn ein italieni­sches Schiff — gleichviel ob Personendampfer oder Frachtdampfer — vorbeifahre, laufe ein britischer Minensucher aus und stelle Nachforschungen nach etwa ausgelegten Minen an. Deportierung von Italienern aus Malta. Fünf führende Mitglieder der italienischen Ko­lonie werden auf Anordnung der Zivilhehörden in dieser Woche deportiert werden. Es handelt sich um den ehemaligen italienischen Konsul Commen- datore Mazzoni und seine beiden Söhne, und den Direktor der Zweigstelle der Bank von Rom. Maz­zoni befindet sich zurzeit in Rom und wird nicht mehr nach der Insel Malta zurückkehren. Die übri­gen Italiener befinden sich im Gewahrsam der Polizei. Die Deportation erfolgt im öffentlichen Inter­esse auf Grund einer Verfügung vom Jahre 1933 und gilt als Beginn einer Säuiberungsaktion der Insel von proitalienischen Elementen, die angeblich auch für Italien Spionage betrieben haben. Die Stimmung in Italien. Paris Soir läßt sich aus Rom melden, die italie­nische Regierung hohe im Wege ihrer leibhaften diplomatischen Tätigkeit sich die Rohstoffversorgung für den vermutlich kurzen Feldzug in Ostafrika in vollem Maße zu sichern gewußt. Mit einzelnen Staa­ten sei vereinbart worden, daß Italien den Kaufpreis der Rohstoffe bis 25 Prozent bar bezahlt, weitere 25 Prozent werden ihm kreditiert und 50 Prozent werde Italien im Wege von Austauschwaren begleichen. Die Türkei, deren Haltung bisher eher als feind­selig befrachtet wurde, habe ihre Absichten abgeän­dert, seitdem der italienische Botschafter Galli vor dem Ghazi beruhigende Erklärungen über die Be­festigung der Dodekanes-Städte abgegeben hat. Seihst wirtschaftlichen Sanktionen würde sich die Türkei nicht ohne Vorbehalte anschließen. Da die Türkei Ratsmitglied sei, bestehe in Rom die Überzeugung, daß gegen Italien keinerlei Strafsanktionen zur An­wendung gelangen können und die Mächte im Sinne des Völkerhundpaktes von ihrer Handlungsfreiheit vollen Gebrauch machen werden, — England aber, auf sich allein gestellt, werde ohne Betrauung von seiten des Völkerbundes nicht gegen Italien auftreten. In Rom beginne die Stimmung ungeduldig zu werden. Die Faszisten hätten das Gefühl, daß eine weitere Hinauszögerung' sie vor ihren Landsleuten erniedrige, und darum fordern sie sofortiges Han­deln. In den Zeitungen werden folgende Schlagzeilen veröffentlicht: „Wie lange müssen wir noch war-« ten? Nach wieviel Tagen wird endlich die Stunde schlagen?“ Die gestrige Unterredung Hoare—Grandi. London, 1. Oktober. (Inf.) Zur gestrigen Unterredung zwischen dem Außenminister Sir Samuel Hoare und dem italienischen Botschafter Grandi meldet Daily Telegraph, daß der Bot­schafter keinerlei neue Vorschläge 'gemacht habe. Grandi habe lediglich betont, daß die in dem römischen Kom­munique über den Ministerrat vom Samstag auf England bezüglichen. Sätze die Antwort auf die vom Außenminister Hoare an Mussolini gerichtete Botschaft darstellten. Im übrigen scheine die Unterredung gänzlich negativ ver­laufen zu sein. Der englische Ministerrat. London, 1. Oktober. (U. T.-IK.-B.) Der heutige Ministerrat wird sich mit außenpolitischen Fragen befassen. Wahrscheinlich wird er einen Bericht Edens entgegennehmen, der sodann nach Genf zurückikehren wird. Fortgang der englisch-französischen Besprechungen. Wie wir schon gestern meldeten, ist mit der Ver­öffentlichung der englischen Note die Diskussion 1 zwischen der englischen und französischen Regie­rung über die künftige Zusammenarbeit beider Län­der im Rahmen des europäischen Sicherheitssystems nicht zum Abschluß gekommen. Die allgemein ge­haltene Form der englischen Note hat bei einem gro­ßen Teile der öffentlichen Meinung Frankreichs Ent­täuschung hervorgerufen, und die Kreise, die kon­krete Abmachungen erwarteten, drängen jetzt darauf, das Unterbliebene nachzuholen. Pertinax hat im Echo de Paris Besprechungen zwischen den General­stäben gefordert, aber bisher deutet nichts darauf hin, daß man seinem Wunsche Rechnung tragen wird. Nichtsdestoweniger werden die Verhandlungen fortgesetzt, und zwar handelt és sich dabei tatsäch­lich um militärische Dinge. Allerdings verhandeln nicht Offiziere, sondern Diplomaten und der Ver- handlungsgegenstand betrifft auch keine technische, sondern rein politische Probleme. Beide Regierungen haben aneinander Fragen gerichtet und jetzt wartet man die gegenseitigen Antworten ab. Über die fran­zösische Anfrage in London ist nur so viel bekannt, daß Laval in gewissen Punkten Präzisierungen des englischen Standpunktes zum Sanktions- und Si­cherheitsproblem verlangt hat. Dagegen ist man viel genauer über die englische Anfrage in Paris unter­richtet. Es handelt sich hier nicht um weite Zu­kunftsperspektiven, sondern um ein konkretes De­tailproblem im Zusammenhang mit dem abessini- schen Konflikt. Die englische Regierung rechnet offenbar nach wie vor mit der Möglichkeit wirt­schaftlicher Sanktionsmaßnahmen gegen Italien, zu deren Durchführung auch die Hilfe der Flotte not­wendig sein düi-fte. Dabei macht man sich in Lon­don über die Gefährlichkeit einer solchen Maßnahme offenbar keine Illusionen. Man weiß sehr wohl, daß englische Kriegsschiffe, die in der Nähe Italiens die Funktion hätten, die Proviant- oder Munitionsversor-

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