Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1936. március (83. évfolyam, 51-75. szám)

1936-03-01 / 51. szám

SOHHl ÜOSNUMMER 32 HELLER Abonnement t FBr Budapest: mit täglich zweimaliger Zustellung und fDr das Inland Morgen­und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich 6.40 P. Für das Morgenblatt allein vierteljährlich fl P, monatlich 4 P. Für das Abendblatt allein vierteljährlich 8 P, monatlich 3 P. Für die separate Zusendung des Abend­blattes nach der Provinz ist viertel« jählich 1 Pengő zu entrichten. Für Wien auch durch Korawa L Co., f* Wollzeile 11. Für das Ausland mit direk­ter Kreuzbandsendung vierteljährlich: FUr Österreich vierteljährlich ö. Sch. 30.—,für alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonne­ments werden auch bei sämtlichen aus- llndlschen Postämtern entgegengenommeji Nicht verlangte Manuskripte werden weder aufbewahrt noch zurückgestellt, Briefe ohne Rückporto nicht beantwortet PESTER LLOYD MORGENBLATT B Inseraten auf nahm«: fn Budapest, in der Administration des Pester Lloyd und in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, J. Blookner, J. Blau, Boros, Braun, Jo3ef Erdős, Győri & Nagy, Harsány;, Haasenstein & Vogler, Cornel Leopold, Julius Leopold, Mag/, hirdető- iroda, Mosse Rudolf A.-G., Julius Tänzer. Einseinammer für Budapest und für dieProvinz: Morgenblatt an Wochentagen 1« Heller, an Sonntagen 32 Heuer, Abendblatt 10 Heller. Für Oesterreioh: Morgenblatt an Wochen­tagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 20 Gr. Redaktion u. Administration t MÁBIA VAXÉKIA-UCCA 1& Telephons: Redaktion: 848-30. Nach Mftternaohb 848—36. Administration 849—00 83, Jahrgang. Budapest, Sonntag, 1. März 1936. Nr. 51 Einkreisung oder Wiederaufbau? Budapest, 29. Februar. (=) Die großen Probleme, die heute die inter­nationale Öffentlichkeit beschäftigen, sind ihrer Lö­sung zwar nicht nähergelangt, aber in letzter Zeit sind wenigstens von verschiedenen Seiten Versuche zur Klärung gewisser Tendenzen und Begriffe un­ternommen worden. In diese Kategorie gehört auch die letzte große Unterhausrede des englischen Außenministers Eden, die wohl keine Sensationen gebracht, aber die Triebfedern der englischen Po­litik in einer Weise beleuchtet hat, die auch für die kontinentale Entwicklung beachtenswerte Gesichts­punkte ergab. Vor allem präzisierte Eden mit voll­kommener Klarheit die Richtlinien der neuen eng­lischen Sicherheits- und Völkerbundpolitik. Noch immer konsequent am Prinzip der Völkerbundpoli­tik festhaltend, hat das Britische Reich, das am längsten unter den nicht abgerüsteten Großmächten bei der Idee der Abrüstung verharrte, eindeutig die Linie des „bewaffneten Friedens“ eingeschlagen. Nach Edens Formulierung bedürfen die Ideen des Völkerbundes, um wirksam zu sein, eines stark be­waffneten Großbritanniens; hieraus folgt natürlich, daß auch die übrigen Mächte ihre Rüstungen auf möglichst hohem Niveau halten werden. Nach dem Edenschen Prinzip kann die Welt, erst über die Aufrüstung zur Stabilisierung des Friedens und da­durch schließlich zur Abrüstung gelangen. Wir ken­nen die korrekte Logik der Edenschen Gedanken­gänge zu genau, um nicht als selbstverständlich hinzunehmen, daß er dieses, Prinzip auf alle Mit­gliedstaaten des Völkerbundes in gleicher Weise an­gewendet wissen will. Die radikale Wandlung, die die englische Po­litik in letzter Zeit in der Richtung der Aufrüstung vollzogen hat, und die auch in der Rede Edens vom 24. Februar so prägnanten Ausdruck fand, bedeutet indessen keine Änderung gewisser grundlegender Prinzipien der Außenpolitik Englands. Die Metho­den haben sich geändert, an die Stelle der Ab­rüstungstendenz trat die offene Praxis der Auf­rüstung, und die Bereitschaft, sich in die kontinen­tale Politik aktiv einzuschalten, ist prononqierter geworden. Unverändert blieb jedoch die traditionelle Einstellung der englischen Politik, die Dinge nicht vom einseitigen Machtstandpunkt, sondern von einem übernationalen Gerechtigkeitsstandpunkt aus zu betrachten. Dieser traditionellen englischen Doktrin verlieh Außenminister Eden in der scharfen Unterscheidung Ausdruck, die er zwischen Sicher­heitspolitik und Einkreisungspolitik traf. Er stellte ausdrücklich fest, daß England seine ganze Macht in den Dienst der Sicherheitspolitik stellt, es aber grundsätzlich und mit aller Entschiedenheit ablehnt, sich an einer Politik der Einkreisung zu beteiligen. Diese Worte zeugen von der Prinzipientreue und vom praktischen Scharfblick, die die englische Politik heute wie in früheren Zeiten auszeichnen. Dabei sind sie so aktuell, daß man auf sie überall in der Welt aufhoreben muß — und ganz besonders sollten sie von denjenigen Faktoren der europä­ischen Politik beherzigt werden, die das Schlagwort der Regionalpakte als Vorwand benützen, um ein­seitige machtpolitische Aspirationen mit der Parole der „kollektiven Sicherheit“ zu bemänteln. Der klare Sinn, den der englische Außenminister dem richtig gefaßten Begriff der Sicherheit gab, schließt jedes einseitige Machtstreben, jede Einkreisung aus dem Bereiche der wirklich „kollektiven“ Sicherheits­politik aus. Es wäre dringend notwendig, diese Wahrheit auf alle Lösungsversuche der mittel­europäischen Probleme anzuwenden. Wir können nämlich gerade in diesem Zusam­menhang gewisse schwerwiegende Bedenken nicht unterdrücken. Auch im Zusammenhang mit den in letzter Zeit ,mit der Parole der Neuorganisierung des Donaubeckens , eingeleiteten Verhandlungen, die na­mentlich um den Namen des tschechischen Minister­präsidenten Hodzsa in der europäischen Presse so viel Staub aufgewirbelt haben, sind von verschiede­nen Seiten Besorgnisse, laut geworden, die leider in der Folgezeit nur in sehr geringem Maße, zerstreut werden konnten:, schwerwiegende Momente, die im Laufe dieser Verhandlungen bekanntgeworden sind, mußten nämlich zwangsläufig den Eindruck er­wecken, daß die ostentativ angekündigten Donaupläne im Grunde eine Einkreisungs,aktion von der durch Eden verpönten Art darstellen. Die Presse der Kleinen Entente gab sich keine Mühe, diesen Eindruck zu zerstreuen. Emzelne, ihrer Or­gane haben nicht ,verheimlicht, daß das Ziel die Ein­beziehung Österreichs in die Kleine Entente sei — sei einmal dieses Ziel erreicht, dann bleibe dem ein­gekreisten Ungarn nichts anderes übrig, als sich dem imperialistischen Diktat Prags zu fügen- Charak­teristisch ist in dieser Hinsicht, daß der von der Prager Regierung unterhaltene Pozsonver Rund­funksender schon am 16. Februar dem Minister­präsidenten Hodzsa die Äußerung in den Mund legte, der Eintritt Österreichs in die Kleine Entente stehe unmittelbar bevor, und er — Hodzsa — werde binnen einem Momat imstande sein, das Er­gebnis der Verhandlungen zwischen Belgrad, Buka­rest und Prag in Paris mitzuteilen. Noch bedenk­licher ist eine im Pariser Figaro veröffentlichte Er­klärung Hodzsas selbst, die darauf hinauslief, daß gewisse Staaten nur dann aufhören würden, eine Gefahr für den europäischen Frieden darznstellen, wenn sie „von allen Seiten“ mit einer undurchdring­lichen Mauer umgeben würden. Dies ist die Sicher­heitskonzeption der Kleinen Entente. Sie spricht für sich selbst, und wer mit dem englischen Außenmini­ster eine Unterscheidung zwischen wahrer Kollek­tivität der Sicherheitspalitik und einseitiger Ein­kreisungsmethode zu treffen vermag, kann, keinen Augenblick im Zweifel sein, welcher der beiden Konzeptionen er die Prager „Reorganisierungspläne“ ihren politischen Motiven nach zuzurechnen hat. Wer aber in und zwischen den Zeilen dieser wahrhaft eindeutigen verantwortlichen Äußerungen nicht klar zu lesen vermag, der braucht nur die in letzter Zeit wieder typisch gewordenen ungamfeind- lichen Auslassungen der rumänischen Presse zu lesen, die in ihrer balkanischen Brutalität die unver- brämte Mentalität der Kleinen Entente Ungarn gegenüber hemmungslos zum Ausdruck bringen. Seit einem vollen Jahre wird in dieser Presse gegen Un­garn eine Kampagne geführt, die in der Verwilde­rung ihres Tones, in der Gemeinthcit ihrer Argu­mente an die finstersten Zeiten des Weltkrieges ge­mahnt und eine in der heutigen europäischen Presse beispiellos dastehende Hetze gegen ein benachbartes Volk darstellt. Man hört oft die Behauptung, daß die ungarische Revisionspropaganda die Atmosphäre im Donautale „vergifte“. Wer seit einem Jahre die un- qualifizierbaren Angriffe der rumänsichen Presse gegen Ungarn liest und sie mit der außerordentlich ruhigen Haltung Ungarns in der Revisionsfrage ver­gleicht, kann nicht verkennen, daß hier die fried­liche Atmosphäre Europas einseitig vergiftet wird — daß gerade die rumänischen Blätter es sind, die un- provoziert und provozierend die Revisionsfrage auf der Tagesordnung halten. Wir glauben nicht, daß es irgendwo in der Welt Feuilleton. Jesu Versuchung. . Von KONRAD FALKE. Der schweizerische Dichter Konrad Falke hat unter dem Titel „Jesus von Nazareth“ einen Roman geschrieben, der die Seelenkämpfe seines Helden in hinreißender dichterischer Erleuchtung schildert. Aus seinem noch unveröffent­lichten Werke stellt uns der Verfasser das nachstehende Kapitel zur Ver­fügung. In tiefer Versonnenheit wandelte Jesus dahin und merkte kaum, daß die Sonne in den Nachmit­tag hineinsank und durch den Abend hindurch sich in der Nacht verblutete. Wer war er? In der unvermuteten Wirkung, die er auf den Täufer sowohl wie auf die andern Täuflinge aus­übte, waren die Kräfte seines Lebens, bisher wie in einer Knospe versammelt, zur Blüte auf gebrochen. Die Tauben, die ihn bis in die wunderbare Taufe hinein durch die Lüfte begleitet hatten und die dem Volk wie Boten des Himmels erschienen waren, zeigten sich nicht mehr, als wäre ihre Aufgabe er­füllt. Hatte sie darin bestanden, daß sie ihm den Anruf aus der Höhe überbrachten? Und war es nun an ihm, Antwort zu geben? Im ganzen Lande hatte er es herumsprechen hören, Johannes betrachte sich nur als den Vorläu­fer des „Kommenden!“ Wer aber mußte zuerst kom­men, bevor das Reich Gottes sich verwirklichen konnte? Elias, sagte der Prophet Malachias. Und mußte er nicht schon da sein, werin das Reich Got- les nähe war? So war er vielleicht der Elias? Doch ihm schien, es widerspreche der ; uner­schöpflichen Kraft des Höchsten, daß er einen Men­schen, der schon einmal gelebt hatte, abermals auf Erden sollte erscheinen lassen, statt einer neuen Zeit einen neuen Führer zu senden. Und lag nicht ge­rade darin die Schwäche der Menschen, daß sie das Neue immer nur am Maßstab des Bereits-Erlebten zu begreifen versuchten, statt sich dem Unbekann­ten, gerade weil es unbekannt war, um so rückhalts­loser anzuvertrauen? Wenn ihn auch der wilde Täufer, ohne es in Worten auszusprechen, als Elias begrüßt haben sollte, er selber hat sich als etwas ganz anderes empfunden! Als der Himmel sich auftat und er den warmen Sonnenregen auf sein Haupt herniedersprühen fühlte, da hatte ihn die jubelnde Gewißheit durch­flammt, daß ihm sein Leben unmittelbar vom Schöp­fer gegeben sei. „Du bist mein Sohn, der geliebte! Heute habe ich dich gezeugt!“ Diese Stimme hatte er gehört, deutlich und klar; und auch jetzt noch war er vom Gefühl so ungeheuer seelischer Möglich­keiten. erfüllt, daß ihm schien, als erweiche sich die sonst so harte Welt ringsum vor seinem Wollen und werde jeder Vei’änderung schon durch den bloßen Gedanken zugänglich. Oder hatte er etwa nicht in der Tiefe seines Herzens von jeher herrschen wol­len? Und was anderes hatte er bereits zu tun ange­fangen, als alles Volk vor ihm niederfiel und ihn grüßte wie man einen König grüßt-? Er staunte selber darüber wie einer, der sich zum erstenmal kennen lernt und in den Abgründen seiner Brust ganz andere Mächte wahrnimmt, als er bisher geglaubt hatte. Noch einmal und immer wieder: Wer war er? Vieles in den Propheten konnte Irrtum enthal­ten; aber kein Irrtum war, daß das Reich Gottes vor seiner Verwirklichung stand. Denn ging ihm nicht der tiefe Antrieb zur Buße, der alles Volk aufzu- wühlen begann, so sicher als Ankündigung voraus, wie die ersten Windstöße dem mit Blitz und Donner über die Erde dahinbrausenden Gewittersturm? Und wie sonst konnte sich das Reich Gottes verwirk­lichen, wenn nicht durch ein Gericht, hei welchem die himmlische Liebe um ihrer selbst willen zur Strenge ward und für immer das Böse vom Guten und die Bösen von den Guten schied? Der Richter dieses Gerichtes aber war der Mes­sias. Nicht jener Messias-König, von dem so viele Verblendete schon geglaubt hatten, er; werde als { Liebling Gottes in dieser Welt alles Unrecht abstel­len: sondern jener wahrhaftige Sohn Gottes, der als Weltenrichter das mit dieser vergänglichen Sinnen­welt befleckte Reich des Vaters als Ganzes in seinem ewigen Glanze wiederherstellte, indem er alle die­jenigen, die mehr der Erde angehörten als dem Reiche der Himmel, für immer in jenes Feuer un­ersättlicher Gier verstieß, in welchem die Dinge sich gegenseitig vernichten, die andern aber in jene Selig­keit einsetzte, nach welcher ihre Seelen von jeher geschmachtet hatten. Wenn ihn nun die Stimme das eine — Sohn GottesI — genannt hatte, war er da­mit nicht gleichzeitig zu dem andern — zum Wel- tenrichter! — berufen, ob er wollte oder nicht? Und nicht nur das Gewölk des Himmels, son­dern alle Bilder dieser Welt wichen vor ihm plötz­lich in einem Riß auseinander, in den mit seiner Person hineinzutreten er sich unwiderstehlich ge­zwungen fühlte. Nachdem Jesus die Nacht unter einem über­hangenden Felsen verbracht hatte, brach er aber­mals auf und wanderte weiter in der Wüste dahin. Er hatte kein anderes Ziel, als die bewohnten Orte zu fliehen und sich selber zu finden — den Glauben an. seine Sendung zu finden! — und den empfunde­nen Zwang in seinen eigenen Willen zu verwandeln. Oder fürchtete er, es möchte bei einem Zusammen­treffen mit Menschen etwas Ähnliches sich wieder­holen wie hei seiner Taufe am Jordan? Und fühlte er sich noch nicht stark genug, dem Ansturm ihrer irdischen Wünsche, einmal entfesselt, auch stand­halten zu können? Nein, er wollte nicht zum Messias-König ausge­rufen werden wie jener Judas der Galiläer, der gleich so vielen ’ vor ihm und nach ihm im Kampfe gegen die Römer das alte Davidreich wieder aufzurichten versucht hatte und der nur deshalb nicht als Messias- König anerkannt worden war, weil ihm sein Vor­haben mißlang! Denn wie hälte auch Gott ihm bei- stehen können, wo die ganze Welt krank geworden war und ein Sieg über die Römer sie so wenig wieder gesund machen konnte, wie bisher der Sieg der Römer sic gesund gemacht hatte? Ob diese jene oder jene diese unterdrückten, was änderte das an

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