Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1937. február (84. évfolyam, 26-48. szám)

1937-02-02 / 26. szám

PREIS 24 HELLER Abonnement: «Ir Budapest: mit täglich zweimalige» Zustellung und für das Inland Morgen« i und Abendblatt. Vierteljährlich lü P, monatlich 6.46 P. Für das morgenblatt allein vierteljährlich II P, monatlich ♦ P. FUr das Abendblatt allein vierteljährlich 8 P, monatlich 3 P. Für die separate Zusendung des Abend. Wattes nach der Provinz ist viertel­jährlich 1 Pengő zu entrichten. Fü i Wien auch durch «orawa A Co. t, Wollzeile 11. Für das Ausland mit direk- tcrKreuzbandsendung vierteljährlich: Für Österreich vierteljährlich ö. Sch. 30.—, für alle übrigen Staaten SO Pengő. Abonne­ments werden auch bei sämtlichen aus­ländischen Postämtern entgegengenommea Nicht verlangte Manuskripte werden weder aufbewahrt noch zuruckgestcllt, Briefe ohne Rückporto nicht beantworte*. PESTER LLOYD MORGENBLATT B lnseratenaufnalime i I* Budapest is der Administration dis Pester Lloyd tmd in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, 1. Blockrer, J.BIau, Boros, Braun, Josef Erdős, llyjjn & Vag/, farsányi, Haasenstein 4 Vogler, Cornel eopoid, Julius Leopold, Hagy. hirdető- roda, Mossa Rudolf A.-S., Julius Tenzer. htlneelnummer für Budapest und für die Provinz: Morgenblatt anWochentagen 16 Heller, an Sonntagen 32 Heuer, Abendblatt 10 Heller. Für Österreich: Morgenblatt an Wochen­tagen 30 Gr., an Sonntagen 40 ÜL und AbendblaSí 80 Gr. Redaktion u. Administration: V.,mAkU TALÉKU-BCCAII felephone > Redaktion: 1-848-20. Nach Mitternacht 1-848-26. Administration: 1-849-00 84. Jahrgang. Budapest« Dienstag, 2. Februar 1937« Nr. 26 Ungarischer Nachklang zu Hitlers großer Reichstagsrede. Budapest, 1. Februar. (_) Die ganze Weltpresse hat sich bereits mit der Reichstagsrede Hitlers befaßt. Auch wir wollen ■vom ungarischen Gesichtspunkte aus diejenigen Punkte einer näheren Prüfung unterziehen, in denen Hitler sich über die möglichen Bedingungen einer wirklichen Befriedung Europas geäußert hat. Am Schlüsse seiner Rede faßte Hitler in. acht Punlkten die Bedingungen zusammen, die als die gegenwärtigen fundamentalen Grundsätze der deut­schen Außenpolitik betrachtet werden können. Punkt 2 hat folgenden Wortlaut: „Es ist not­wendig, daß die Lebenserfordernisse der einzelnen Völker offen gesehen und. freimütig zugegeben wer­den. Nur der gegenseitige Respekt vor diesen Lebensbedingungen kann den Weg finden ^lassen zur Befriedung der 'Lebensbedingnisse aller.“ Ln Ungarn -möchte man gern ■ hoffen, .daß einzelne Staaten das in diesen Sätzen Ausgesagte mit Ver­ständnis auf nehmen werden, schon weil die öffent­liche Meinung der Welt diesen Punkt sich nahezu einmütig zu eigen gemacht hat. Hoffen wollen wir, daß sic darauf bestehen, daß hei der Begründung des wirklichen Friedens nicht das Zugrunderichten einzelner Staaten, sondern nur die fruchtbare Zu­sammenarbeit das Ziel sein kann. Die bescheidenen Vorbedingungen, der ungarischen Außenpolitik in dieser Hinsicht sind allgemein bekannt. Der dritte Punkt Hitlers erklärt, der Völker­bund werde, wenn er seiner Mission gerecht werden soll, sich zu einer revolutionären Vernunft, nicht zur reaktionären Trägheit umgestalten müssen. Ungarn hat seit jeher sich zu,dem Standpunkte bekannt, daß die auf die Prävention bewaffneter Konflikte bezüg­lichen Artikel des Völkerbundpakles, namentlich aber Artikel 19, ins Gleichgewicht gebracht werden müssen mit dem Sanktionsparagraphen. Im Punkt 4 erklärt Hitler, die Beziehungen der Völker untereinander können nur dann eine glück­liche Regeimig und Lösung finden, wenn sie auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und absoluter Gleichberechtgrung getroffen werden. Ungarns Standpunkt in dieser Hinsicht ist in voter Überein­stimmung mit dem der deutschen Außenpolitik und war jüngst im Schlußkommunique der Wiener Kon­ferenz in der Erklärung zu prägnantem Ausdruck gelangt, daß Ungarn seine Forderung nach Gleich­berechtigung unter allen Umständen aufrechterhalten werde. Wir können also die Identität gewisser grund­legender Prinzipien der deutschen und der ungari­schen Außenpolitik feststellen, die sich auf die wirkliche Befriedung Europas richten. Damit ist die (Basis einer freundschaftlichen Zusammenarbeit ge­geben. _________ D as Sensationsgewerbe. (in. in.) Die Presse hat die Aufgabe, über Ange­legenheiten von öffentlichem Interesse zu berichten. Darüber ist man sich einig. Zweifelhaft ist nur der Be­griff des öffentlichen Interesses. Man beginnt jeden­falls an ihm zu zweifeln, wenn man die heutige Presse liest, bei uns wie im Auslande. Denn dann trifft man auf Mitteilungen, die nicht nur im Wider­spruche mit dem eigenen Interesse, sondern sehr oft auch im Gegensatz mit dem guten Geschmack stehen. Die Berichte über Mrs. Simpson lösten ein Drama des englischen Königreichs aus. An seiner Entstehung hat die Presse gewiß keine Schuld, und sein Ausgang wäre wohl nicht anders gewesen, wenn die Presse zweier Welten sich des Themas nicht bemächtigt hätte. Wahrscheinlich — oder sicher — wäre jedoch sein Verlauf anders gewesen, und man hätte dem politischen Ereignis bei gewohnt, ohne ungewollte Blicke in das Privatleben von Men­schen zu werfen, die einen nur als Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens interessierten. Das Interesse der Presse — im Dilemma zwi­schen Kollegialität und Selbstschutz möchte man zunächst das bessere Wort „Boulevard-Presse“ ver­meiden— ist aufbrausend, intensiv, oft genug hem­mungslos, aber sehr schnell vergänglich. Der Name Simpson wird einen Monat nach der Abdankung schon sehr viel kleiner gedruckt und kommt auch verhältnismäßig selten vor. Die Personen verlieren ihre Berühmtheit, aber die Methode bleibt. Jetzt lesen wir in den englischen Penny-Zeitungen von Mrs. Allen. Mrs. Allen wird photographiert, interviewt, beschrieben, die Akzessorien der Berühmtheit, also ihr Haus, ihre Liebjmg .nunde, ihr Ehemann und ihre sonstigen Verwandten stehen auch schon blin­zelnd und ohne jedes Schuldgefühl ertappt im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, die Drucker­schwärze fließt über ihr Leben und bleibt dran haften. Warum? Nun, die Antwort ist nicht ganz .ein­fach, denn die Presse (die gewisse Presse wiederum) ist fein und zartfühlend in ihrer Unverschämtheit und diskret in ihrer Schwatzsucht. Sie deutet nur an, sie hat nur einmal dem Leser einen Wink gegeben. Jetzt genügt es ihr, dem stummen Partner ihres ge­schriebenen Klatsches nur zuzublinzeln 1— er weiß ja ohnehin Bescheid, er wird sie schon verstellen. ! Die großen Pennyblätter sind ganz intim mit den Millionen ihrer Leser, sie haben ihre gemeinsamen ; Geheimnisse, es genügt, wenn sie nur flüstern. Das ist ein prachtvoller Trick. Denn der Leser ] fühlt sich geehrt, das geheime Wissen der Redak­tionen zu teilen, und seine Moral ist gebrochen, da der Klatschpartner ja in dem Augenblick, in dem er . sozusagen ins Auge des Lesers tuschelt, leibhaftig ! nicht anwesend ist. Man kann ihn nicht zurecht- I weisen, man kann also nichts dafür, daß man die I Neugier über den Geschmack siegen läßt und weiter­Feuilleton* Zwei Pariser Gespräche. Von LADISLAUS CS.-SZABÓ. * Die Welt wäre gewiß friedlicher, wenn es keine nationalen Missionen gäbe, wie auch vom Gipfel der Ewigkeit betrachtet keine Nation eine unwiderruf­liche Sendung hat. Enthebe sie jedoch ihrer Aufgabe »mö die Nation stirbt. In einem Werke des deutsch- italienischen Schriftstellers Robert Michels steht es geschrieben, daß das moralische Selbstvertrauen und die innere Ruhe der Nationen aus zwei Quellen ge­schöpft wird, aus dem Mythos des „Woher“, aus der Sage von der himmlischen Abstammung, und aus dem Mythos dies „Wohin“, aus dem Hinweis auf die Sendung. Frankreich ist ein Besessener dieses Missionsbewußtseins und das nicht ohne Grund. „Der Stein, den man , in den stillen See geworfen hat,“ sagte Professor Hajnik vor einem halben Jahr­hundert. zu seinen. Hörem, „zieht tiefe Kreise um sich; doch wie sich die Kreise entfernen, so werden sie auch flacher. In solch verflachenden Kreisen ver­breiten sich nun auch die europäischen Ideen. Eines mögen jedoch die Herren niemals vergessen: der Stein wurde stets in Frankreich in den stillen See geworfen.“ Frankreich bemutterte die Kreuzzüge, die Scholastik, die Spitzbogenkunst, das unbe­schränkte Königtum und den Liberalismus; es erin­nert sich, wie eine alte Amme, an die Kindheit alter großen Ideen. Daus sa fournaise, péle-m&le, Tl fand, transforme et renouvelle Cette sciente universelle Qu'il emprunte ä tous les humair.ls; Puis il rejette aux peoples bl Cm es euns sceptres et leiurs diad eines ears préjugés et feurs Systeme«, iogit tordus por sés fortes mains ... Frankreichs Sache war es, mit dem Dreyiüs- Prozeß die dahindösende Jahrhundertswende aufzu­schrecken und zu dieser Zeit hätten sich noch die Hände hunderttausend französischer Männer an die im Namen der Freiheit und der Menschheit erho­bene Fahne geklammert. Und mit dem hinreißen­den Gefühl des Wiederaufatmens zeigte Duhamel 1919 ein? neue Sendung Frankreichs auf, indem er seine Heimat zum ersten Statthalter der „morali­schen Zivilisation“ erklärte. Doch erscholl diese dich­terische Weisung vergebens und noch vergeblicher war die humanistische Botschaft Julien Bendas an die europäische Nation französischer Sprache. Frankreich ist seit Versailles eine außenpolitische Großmacht ohne Sendung. Wir .sprechen darüber mit einein Führer der jungen Bewegung Ordre Nouveau. Diese wurde von zwei Männern gegründet, von unserem Gesprächs­partner und seinem Kameraden Amaud Dandieu, der vor einign Jahren an einer Blutvergiftung zu­grunde ging und die Führung einer kleinen Sekte hinterließ. Frankreichs verlorene Sendung kann al­lein von einer Revolution wiedergefunden werden, nicht aber von einem französischen angetünchten internationalen Bürgerkrieg; die beiden Gründer der liest, was. die Reporter über Mrs. Allen zu berichten haben. Was dort berichtet wird, ist zwar alltäglich und in jeder Beziehung banal, aber die Zeitungen halién die Gleichgültigkeit dieser Zeitgenossin be­reits in die Sphäre magischen Interesses erhoben, ihr unfreiwilliger Klatschpartner assoziiert schon Mrs. Allen mit dem Herzog von Kent. Hat er dazu irgend­eine Veranlassung? Diese Frage zu stellen, bedeutet schon, selbst in die Welt der Geschmacklosigkeiten zu geraten. Und- darum wollen wir nur, da uns we­der Mrs. Allen noch das Privatleben .des Bruders des englischen Königs interessiert, schnell feststellen, daß der Duke of Kent mit der ihm bekannten Dame einmal zu einer Phrenologin gegangen ist, daß diese ehrenwerte Schädelkundige leider im Zentrum des Londoner Zeitungsviertels wohnte, daß das -Warte­zimmer der Phrenologin seitdem zu einem Journa- listenihauptquartier wurde, daß die Mutter von Mrs. Allen unter der Wirkung der plötzlichen Berühmt- beit ihrer Tochter einen Nervenzusammenbruch er­litt und daß man ein ganzes Volk gezwungen hat, wirklich gezwungen hat, bei dem täglich zu lesenden Namen Alfen willenlos Assoziationen zu machen, die eine kollektive (und ungewollte) Beleidigung einiger .Menschen darstellen. Man sieht: die Namen wechseln, die Methode bleibt. Sie frißt sich tiefer, eine bestimmte Presse arbeitet in Konkurrenz an der Untergrabung dies guten Geschmacks. Nicht nur in .England. Wir kön­nen ums leider nicht damit begnügen, peinliche Vor­gänge in der Feme zu bedauern, wir kennen die Krankheit aus der Nähe. Auch hei uns wird aus der Sensation ein Erwerb gemacht, bei uns vielleicht noch mehr als anderswo leben Menschen und Unter­nehmungen von der öffentlichen Verkündigung pri­vater Geschehnisse, privater Konflikte und privaten Unglücks. Der Blick hinter die Gardine ist zu • einer marktgängigen Ware geworden, die um so teurer bezahlt wird, je peinlicher oder trauriger das Ge­sehene war. Und da man die Einbrecher in das fremde Seelenleben ohnehin nicht kontrollieren kann, lügen sie, um ihr Produkt gefälliger zu ma­chen — sie sind Diebe und Fälscher zugleich. Die Ware findet Absatz, obwohl ihre Herstel­lung und ihre Verbreitung gegen den Anstand ver­stößt. Wir kennen schon das Geheimnis dieses Ge­schäfts, es ist nur möglich, weil der lesende Mit­täter dabei passiv bleibt tmd sich nicht wehren kann. Jeder in den beteiligten Millionen der Leserschaft mag das Verfahren mißbilligen. Er würde selbst nicht klatschen, aber seine Charakterstärke ist nicht groß genug, um dier Spekulation auf seine Neugier zu widerstehen — er liest. Er liest von Selbstmorden, Ehescheidungen, Liebesaffären, Zusammenbrüchen, Erbschaftskonflikten, er liest von fremder Leute Dramen und Ekstasen, weil ihm sein eigenes Leben zu wohlbekannt, zu ereignislos, zu unbefriedigt, zu frei von Erregungen ist, er liest mit Schadenfreude, mit Wollust oder einfach mit dem angenehmen Gruseln des unbeteiligten Zuschauers bej der Kata­Bewegung paßten ihre Theorie an die Idee der Re­volution zur Errettung der Nation an. Ein Mietshaus in Passy. Sechstes Stockwerk, der schmale Balkon schaut auf den Hügelzug von Chaillot. Goldene Wolken ziehen ostwärts, der Pari­ser Himmel beginnt sein stets kurzweiliges Dämme- rungsspiel. — Ich wohne seit meiner Kindheit in Paris und habe eret jetzt seinen Himmel entdeckt Kennen Sic den Pariser Himmel? — Seit vielen Jahren. Jeder „meteque“, jeder Zugewanderte weiß, daß der Himmel das schönste französische Kunstdenkmal ist. — Überhaupt weiß der meteque viel, auch ahnt er wohl etwas zu viel von uns. Er kennt Frankreich, ohne die französische Urteilskraft zu haben. Es ist zum Beispiel überraschend, wie viel eingeweiihte Fremdlinge seit der Schießerei im Februar 1934 mit einem Bürgerkrieg rechnen. — Ich gestehe, auch ich rechne damit. Schließ­lich und endlich kann man doch nicht in alle Ewig­keit mit den huntgeflickten Übergangsdiktaturen der Demokratie sein Lehen fristen. Frankreich ist eine Republik, die dauernd mit zivilen. uniformslasen Diktaturen herumexperimentiert. Kaum bewölkt es sich, schon wird die Demokratie niedergetrampeit, allerdings nur so Weit, daß sie in Ohnmacht fällt. Ausgemerzt wird sie nicht, nur aufgehoben. Ich fürchte, daß auch jetzt die Zeit dafür kommt. Er zuckt mit den Achseln. — Das ist noch das kleinere Übel. Die verfas­sungsmäßigen Entgleisungen haben auch die Roya­listen entdeckt und sofort überschätzt. Unsere viel

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