Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1937. november (84. évfolyam, 249-272. szám)

1937-11-03 / 249. szám

SFEiEIES SS FSk_!LEí2 Bezugspreise. inlanu: Moreen- und Abendblatt: Vierteljährlich 18 ;r, monatlich tí.40 P. Nur Morgen- blalt: Vierteljährlich 11 P, monatlich 4 P, ^ur Abendblatt: Vierteljährlich * r modnatlich :> p. — Für die separate Zu­sendung des Abendblattes nach der Pro- vine ist vierteljährlich 1 P zu entrichten. Ausland: In Österreich bei direkter Kreuzband- zusendunp vierteljährlich SO ö. Sch., in allem übrigen Staaten 30 P Das B’art kann durch sämtliche ausländischen Postämter bezogen werden: in Wien auch durch MorawaáCo. 1. Woilzeile 11. Einzelnummer: In Budapest und in der Provinz: Morgen- blaptt an Wochentagen 16 fillér, an Sonn­tagen 32 tillér; Abendblatt 10 fillér. In Österreich : Morgenblatt an Wochen­tagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. Abendblatt 20 Gr. MOS«ENBTITT A nzeigenannah me. 'n Butaiest in der Administration des Pester Lloyd und in den Anzeigevermitt" Hingen Ala A.-J., Alexander Balogh, i« B ookner, J. Blau, Boros, Bra^n, Josef Er­dős, .Harsán*/!, Haasenstein & Vogler, ornal Le noid, Julius Leopold, Magyar Hlr- . toiroda, Hudolf rfl js38 A.-Q., Julius Tenzefc nverlangte Manuskripte werden weder auibswahrt, noch zurückgestellt, Briefe ohne Rückporto nicht beantwortet Offerten -ind Dokumente nur in Ab­schriftbeizulegen. Für Beilagen lehnt die Adm.nistration jede Verantwortung ab. Redaktion, Administration und Druckerei VI., Eötvös-ucca 12. Telephons 112—250, 84. Jahrgang. Budapest, IVIUiwoch, 3. November 1937. Nr. 249 Ministerpräsident Darányi an Jóséi Vészi. Ministerpräsident Dr. Koloman v. Darányi hat an den scheidenden Chefredakteur des Pester Lloyd Josef Vészi den folgenden Brief gerichtet: Budapest, den 29. Oktober 1937. Verehrter Freund! Wie ich erfahre, hast Du beschlossen, von dem Chefredakteurposten des Pester Lloyd, dieses Blattes vosn großer Vergangenheit, an dessen Spitze Du seit einem Vierteljahrhundert standest, zurückzutreten. Durch dcsen Deinen Entschluß wird nicht nur das Blatt empfindlich getroffen, das durch seine Publi­zität stets die ungarische Sache auch nach dem Aus- lahde hin zu vertreten bemüht war, sondern zweifel­los auch die vaterländische Presse. Dein publizistisches Wirken, die Leitung Deines Blattes hat stets ein hohes Niveau bekundet und Deine Überzeugungen widergespiegelt, was ich meinerseits und im Namen der königlich ungari­schen Regierung mit Hochschätzung und Anerken­nung feststelle und wobei ich Dir den Dank für Deine wertvolle Mitwirkung offenbare. Möge Dein Rückzug in den wohlverdienten Ruhestand seinen wmrdigen Lohn darin finden, daß es Dir gegönnt sei, in guter Gesundheit und Rüstig­keit noch lange das Blatt sich weiterentwiokeln und auf blühen zu sehen ám Dienste der ungarischen nationalen Interessen. Mit herzlichem Gruß Dein aufrichtig getreuer Dr. Koloman v. Darünyi m. p. Feuilleton» Julian Weisz. Von KARL SEBESTYÉN. Abschednehmen ist eine doppelt böse Angele­genheit, denn es hat ein Doppelantlitz. Das eine ist das feierliche, das andere das schmerzliche. Gegen das erste möchte Julian Weisz am heftigsten prote­stieren; gegen das zweite wir, seine Kollegen, Freunde und Schüler. Denn nichts liegt ferner der schlichten, klugen, etwas skeptischen Wesensart Meister Julians, als Pose, Phrase und Feierlichkeit. Und von einem schmerzli'’hen Abscb ednehmen wollen wieder wir nichts hören, seine Verehrer in der Redaktion und im bevölkerten Lager seiner treuen Leser, weil wir sicher hoffen, daß wir seinen Aufsätzen, Kritiken, Betrachtungen auf diesen Spal­ten noch oft begegnen werden. Wir gründen dieses Hoffen auf die genaue Kenntnis seiner Psyche: Jufian Weisz muß s ch mitteilen; einem unwiderstehlichen Drange folgend wird er auch fürderhin seinen Gedan­ken jene anheimelnde, anziehende, geistvolle Form verleihen, die das Publikum seit Jahrzehnten als seine ureigenste Oifenharungsart kennt und liebt. In der schriftstellerischen Persönlichkeit Julian Weisz’ ist eben dieser Trieb zum Mitteilen der vor­herrschende Zug. Seit seiner frühesten Jugend ist er ein eifriger Leser. Eifrig? Damit haben wir zu wenig gesagt, dünkt mich. Ein besessener Genießer der Schöpfungen auserwählter Geister; ein Literat, dem die Literatur zur leidenschaftlichen Liebe wurde; ein „honimé de lettres“, der in allen Sätteln gerecht ist, dem die Schätze der Antike, des Mittelalters, der Re­naissance ebenso vertraut sind wie die Bücher des Tages. Man ist erstaunt über dieses Übermaß der Belesenheit; noch mehr über die Vertiefung und Einfühlung, über das Verständnis und die Urteils- Vräft, die rr dem riesigen Material entg^gérbringt. Loch ist Belesenheit eigentlich eine rezeptive, eine passive .Tugend, die nur den gebildeten Laien und Wslipoliiik im Hintergrund der Neumnädifekonferenz. Budapest, 2. November. Allzuviel Aberglauben kann in der Politik nur schaden; ganz achtlos darf man aber an den Zeichen nicht Vorbeigehen, in denen morgen in Brüssel die j sogenannte Neunmächtekonferenz Zusammentritt. Ihr Präsident, der belgische Außenminister Spaak, ist das Mitglied einer demissionierten Regie­rung; einer ihrer Initiatoren, der frühere belgische Ministerpräsident Van Zeeland, dessen Washingto­ner Besprechungen gewiß dazu beigeiragen haben, daß sich die Vereinigten Staaten wieder in die inter­nationalen Angelegenheiten einzuschalten versuchen, hat gerade heute Brüssel verlassen, damit während seines Erholungsurlaubs die Gemüter seiner Lands­leute sich etwas beruhigen; und schließlich gelang es auch nur mit Mühe und Not, die mystische Zahl 9, die doch für eine Neunmächtekonferenz fundie­rend ist, zu erhalten, indem nämlich ein Unterzeich­ner des Neunmächteverlrqgfes (Japan) die Einladung zur Konferenz abgelehnt, ; ein Nichtunterzeichner (Rußland) aber die Einladung angenommen hat. Und so treten denn mdjrgcn tatsächlich die Ver­treter von neun Mächten,' die diplomatischen Re­präsentanten der Vereinigten Staaten, Englands, Frankreichs, Italiens, Rußlands, Chinas, Belgiens, Portugals und Hollands zusammen, um darüber zu beraten, wie angesichts der Ereignisse im Fernen Osten die Politik der offenen Tür in China und die territoriale und administrative Souveränität des Himmlischen Reiches — vom Washingtoner Neun- i mächtevertrag 1922 garantiert — auch weiterhin aufrechterhalten werden könnte. Wer die Liste der Teilnehmenden liest, wird seine Verwunderung über sie nicht unterdrücken können. Neben den Großmächten, die am Welt­geschehen, gleich, wo es sich abspielt, ein Interesse haben, sicht man Staaten, die im Fernen Osten nichts zu tun haben, so in erster Linie gleich das Gastgeberland Belgien. Wie kam es überhaupt dazu, im Fernen Osten irgendwelche Garantien zu geben oder zu empfangen? Nun, so zufällig die Zusammen­setzung der jetzigen Brüsseler Konferenz ist, so wenig begründet war auch die Konstellation der den kunstsinnigen Dilettanten ziert. Julian Weisz hat sich mit der Passivität des Empfangenden nie begnügt. Es drängte ihn, die von den schöpferischen Geistern angeregten Gedanken weiter zu spinnen; die Eindrücke zu sichten und zu sondern; über seine Lektüre die eigene Meinung zu bilden und zu for­men. Und seine Werturteile vermochte er so klar zu fassen, so logisch zu begründen, in so vornehme Form zu fassen, daß er auf diesem Gebiete zu einer allerseits anerkannten Autorität wurde. Noch mehr als das: führende Gestalten der gegenwärtigen Welt­literatur haben ihn für seine ausgezeichneten Kriti­ken ihrer Verehrung versichert, ihrer Freundschaft gewürdigt. In seiner reichhaltigen Korrespondenz be­finden sich Briefe von den größten Dichtern, Briefe, die den Kritiker kritisieren; Briefe, die ihm umseine geistvollen ästhetischen Würdigungen und Wertun­gen einen gleichen Rang mit den also gewürdigten Meistern einräumen; nicht selten seine kritischen Studien einer ernsten, eingehenden Kritik unter­ziehen. Und in dieser Korrespondenz nehmen auch die Kundgebungen der Leser aus der ganzen weiten Welt einen beträchtlichen Raum ein, der Leser, die für Belehrung, Aufklärung und Erhebung danken; die bald einen glücklichen Verweis, bald eine origi­nelle Feststellung, hier ein glänzend geprägtes Wort, da ein Erhellung und Erleuchtung spendendes Zitat bestätigen. Ein solcher Art angehäuftes Wissensmaterial, das durch die Neugierde, den Wissensdurst, das stets regsame Interesse unseres Meisters noch heute Tag für Tag vermehrt wird, könnte leicht gefährlich, durch Vielheit und Vielfältigkeitl der Daten lästig werden und entmutigen, wenn Julian Weisz nicht eine andere, vielleicht noch wertvollere Gabe besäße; einen urfrischen, nie versiegenden und versagenden Humor, der ihn weder bei der Behandlung der ernstesten, schwierigsten Stoffe, noch in den Tagen des Mißmuts, der körperlichen Leiden und der Heimsuchungen des Schicksals im Stiche läßt. Es ist ián goldiger, alles vergoldender Humor, der sich aus I zwei Quellen speist: aus einer abgeklärten, alles ver- j sichenden und alles vergebenden Weisheit; und aus i Mächte vor fünfzehn Jahren in Washington. Vom pqlilisihen Neunmächtevertrag abgesehen, Unter­zeichnete mán dort nämlich auch einen techriiisch- administrativen Sechsmächtevertrag, der den Nach­kriegsbestand an pazifischen K:\bellirien regeln sollte. Da aber eine belgische Kabelge'ellschaft in Schanghai ihren Sitz hatte, machte Belgien beim j Sechsmächtevertrag mit und wenn es schon dabei war, unterschrieb es auch gleich den großen Neun- mächte-Rahmenvertrag. Lucus a non lucendo hat es nun die ernte Konferenz zu beherbergen, in der der Neunmächtevertrag zur Anwendung kommen soll, der zwar etliche Male gebrochen wurde — so unter anderem durch die japanische Invasion in Man- rlsdhukuo —, der aber jetzt einen willkommenen Anlaß bietet, damit ein Versuch zur Klarlegung der Stellungnahme der Großmächte zum fernöstlichen Problem gewagt werde. Der Großmächte? Nun, Rußland, das als N’cht- unterzeiehner gleichzeitig mit Deutschland eine Ein­ladung erhalten hat, um wirklich alle fernöstlich Interessierten am Konferenztisch zu vereingen, hat freilich die Offerte sofort angenommen, da es als seine dringendste Sorge betrachtet, aus dem euro­päischen Konzert nicht ausgeschaltet zu werden; das Reich hat dagegen die Teilnahme nach enigem Nachdenken abgelehmt, erstens weil die Aufforde­rung zu den Besprechungen vcm Völkerbund ausge­gangen ist, zweitens mit Rücksicht auf die Aussichts­losigkeit e nes konkreten Resultats, drittens weil es als Kontrahent des Antikomintempaktes in eine un­angenehme Lage kommen könnte, falls in Brüssel eine generelle Verurteilung Japans ausgesprochen würde. Italien hat aus denselben Gründen — es kann kein Zufall sein, daß gerade jetzt wieder das Gerücht von dem Betritt Italiens zum Antikoaniin- ternpakt auftaucht — lange mit der Annahme der Einladung gezögert; und wenn es auch schließlich zugesagt hat, so liegt doch eine deutliche Reserve darin, daß an einer Konferenz, wo sich u. a. auch England und Frankreich durch ihre Außenminister vertreten lassen, Italien bloß mit einem- Berufsdiplo­maten teilnimmt. Hiedurch werden auch die Hoffnun­gen zunichte, es könnte neben dem fernöstlichen Pro­blem auch die andere zentrale Frage der Weltpolitik, nämlich die spanische, zum Gegenstand des politi­schen Handels gemacht werden. einer tiefgründigen Güte, die nimmer müde wird, zu helfen und zu trösten, zu opfern und zu lindern, wo Not, Entbehrung, seelische Zerrüttung, Verzweif­lung an der Zukunft die Tat und den Rat des Rettenden anrufen. Julian Weisz ist der lächelnde Philosoph, nicht der Allerweltweise, der Redselige des K. J. Weber, sondern jener ursprüngliche, von Lebenslust und Lebensbejahung sprudelnde Demo­krit, das ewige Gegenbild des „dunklen“ Heraklit; erhaben über die Kleinlichkeiten, Eitelkeiten, Zwi­stigkeiten dieses Jammertales und das Gesicht den ewigen Werten zuwendend, Julian Weisz der Mensch ist uns lieb und teuer, weil er ein gütiger, aufrechter, aufrichtiger Charakter ist. Und Julian Weisz der Schriftsteller ist uns wert und lieb, weil er den Men­schen Julian Weisz restlos widerspiegelt. Eigentlich müßten wir in diesem Augenblick des Ahse hi ednehm en s, da Julian Weisz seine bisherige Arbeitsstätte verläßt, um die beschauliche Ruhe der Weisen zu genießein, seine gesamte literarische Tätig­keit von seinem Erstlingwerk „Halbseide“ an, das vor 56 Jahren erschienen ist, und von den sehr viel- gelesenan, berühmt gewordenen „Memoiren eines Wickelkindes“ an eingehend würdigen, einer philo­logisch-literarhistorischen Prüfung unterziehen. Das gehörte so recht zu dem feierlichen Antlitz des Abschiednehmem. Und eben deshalb wollen wir es lieber unterlassen. Mit dem Lebenden soll sich das warm mitfühlende Herz befassen, nicht die kalt anatomisierende Vernunft. Wir begnügen uns mit dem Erwähnen einiger Tatsachen. Julian Weisz war Jahrzehnte hindurch als erstklassiger Journalist in Budapest, Wien, Paris tätig. Er gründete das Buda­pesten Tagblatt und leitete die Zeitung im Sinne der oppositionellen Politik des Grafen Albert Apponyi, zu dessen intimsten Freunden und Beratern er bis zum Tode des großen Staatsmannes gehörte. Vor achtzehn Jahren trat er in den Verband unserer Re­daktion als Vertreter des Chefredakteurs Josef Vészi und als Redakteur der Literaturrubrik und des Feuilletons. Obwohl er durch diese schweren und verantwortungsvollen Agenden zu sehr in Ar ozuch genommen wurde, fand er; Zeit, auch die ange­B

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