Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1937. december (84. évfolyam, 273-297. szám)

1937-12-01 / 273. szám

PREIS 16 FILLÉR B ezugspreise. Inland: Morgen- und Abendblatt Vierteljährlich 18 P, monatlich e.40 H. Nur Morgen­blatt : Vierteljährlich 11P, monatlich 4 P, Nur Abendblatt: Vierteljährlich b H monatlich 8 H. — Für die separate Zu­sendung des Abendblattes nach der Pro­vinz ist vierteljährlich 1 P zu entrichten. Ausland: ln Osterreioti Dei direktei Kreuzband- zusendunp vierteljährlich 30 ö. Sch., in allen übrigen Staaten 30 P Das Blatt kann durch sämtliche ausländischen Postämter bezogen werden; in Wien auch durch Morawa & Co. 1. WoltzeilelL Eintelnummer: In Budapest und in der Provins: Morgen­blatt an Wochentagen 16 fillér, an Sonn­tagen 32 fillér; Abendblatt IO fillér, ln Osterreioti i Morgenblatt an Wochen­tagen 30 ür., an Sonntagen 40 Ur, Abendblatt 20 Gr. PESTER LLOYD MORGrENBLATT Anzeigenannahme. in Bulanest in der Administration des Pester Lloyd und in den Anzeigevermitt­lungen Ala A.-3., Alexander Balogh, J, B'ooxner, J. Blau, Boros, Braun, Josef Ir. J03, Harsány!, Haasensteln ér Vogler, farul Laapatd, lullus Leopold, Magyar Hlr- tjirjf l, tjtalf (Kassa A.-B.. Julius lenzer Unverlangte Manuskripte werden weder altbewährt, noch zurückgestellt, Briefs ohne Rückporto nicht beantwortet litferten sind Dokumente nur m Ab­schrift beizulegen. Für Beilagen lehnt dia Administration jede Verantwortung ab. Redaktion, Administration und Druckerei VL, Eötvös-ucca 12. Telephons 112—250, 84. Jahrgang. Budapest, Mittwoch, 1. Dezember 1937. Nr. 273 Gedanken vor einem Spielzeuggeschäft. Budapest, 30. November. Der sclhöne, lange Herbst ist endgültig vorbei, •die Landschaft hat bereits ihre goldene Hülle abge­streift und harrt nun nackt und kahl dem weißen Pelz des Winters. Die Stadt wird um diese Zeit mit jener erregten Erwartung erfüllt, die den Wechsel der Jahreszeiten begleitet. Der Herbst ist vorbei, es kommt das große heroische Abenteuer der gemäßig­ten Zone: der Winter, sein Vorbote, der Nordwind, bringt schon seinen herben Geruch, in dem sch Düfte faulen Laubs und nasser Erde mischen. Um diese Zeit tut es so wohl, in der Inneren Stadt herumzuschlendem und sich in Gedanken schon auf die fröhlichen Feste des Winters, auf Nikolo und Weihnachten vorzuberei'ten. Man hält vor den Aus­lagen der Spielzeuggeschäfte: sie füllen sich um diese Zeit mit den neuesten Typen der Waffentecihnik, die stets mit der Entwicklung der Kriegstechnik der Er­wachsenen Schritt halten. Man sinnt lange vor Bücherläden nach: sie sind treue Sp:egel der hasti­gen Überproduktion unseres Kulturapparats. Den armen Eltern brummt der Kopf, sie meditieren über die Kunst des Schenkens, aber sie können aus dieser Fülle, Überfülle, aus diesen Bazaren für Körper und Seele so schwer die Auswahl treffen. Und um di ese Zeit beginnen sie wieder von „Problemen“ geplagt zu werden: „Soll ich mich als Weihnachtsmann verklei­den, wie’s mein Vater getan, soll ich den Krampus aus dem Kinderzimmer verjagen?“ Als Vater, in dem das Kind nie ganz erloschen, möchte er ja so gern die Gelegenheit ergreifen, um etwas Mummenschanz treiben zu können, aber da kommen die strengen und „aufgeklärten“ Geister und erklären stirnrunzelnd: „Wie? Du erziehst dein Kind zum Aberglauben? Impfst ihm in frühestem Kindesalter Angstneurosen ein? Weißt du es nicht, daß die ersten Eindrücke des Kindes d'e entscheidendsten sind? Also Schluß mit dem mythologischen Tand der Vergangenheit! Des­infektion, strengst-rationelle Hygiene, nicht nur des Körpers, auch der Seele des Kindes!“ Und die gleichen Probleme steigern in den Eltern vor dem Bücherladen auf. „Wie herrlich diese Mär­chenbücher sind: darf ich sie auch weiter meinen Kindern schenken? Werde ich nicht als unmodern, rückschri ttlich gelten? Sie sind ja voller Engel und Teufel, verzauberter Prinzen und Pr.nzessinnen, voller Wunder und Abenteuer, blutiger und grusliger Heldentaten . .. Soll ich als aufgeklärter und fort­schrittlicher Vater meinen Kindern nicht folgerichtig ausschließlich die schönen technischen Werke der Kinder- und Jugendliteratur schenken, die die Ge­heimnisse und Wunder der Welt und Natur enträt­seln und die Geschlossenheit des kindlichen Welt­bildes wahren?“ So monologisieren moderne. Eltern vor den Spiel­zeug- und Bücherläden und man muß gestehen, daß ihre Probleme gewürdigt zu werden verdienen. Es ist wahrlich nicht leicht, in einer Welt Erzieher zu sein, in der es nicht nur kein einheitliches Weltbild gibt, sondern im Gegenteil, in der vermeintlich ein­heitliche und geschlossene, aber völlig entgegen­gesetzte Weltdeutungen einander mit wutentbrann­tem Fanatismus bekämpfen. Wie sollte auch der Er­zieher sich in der Anarchie und der Mannigfaltigkeit der modernen Welt zurechtfinden, wenn ihm selbst der sichere Leitstern fehlt, der am dunklen Himmel seiner Ratlosigkeit leuchten würde? Wer soll die Erzieher erziehen? — fragt der Philosoph und er trifft wahrlich in den Kern des Problems. Die Antwort auf die bangen Fragen der Eltern vor den Bücher- und Spielzeuggeschäften, wie auch auf die tiefere Rückfrage des Philosophen ist kei­neswegs einfach. Denn so richtig es auch an sich ist, daß man im Kinde keine unnötigen Angstkomplexe erzeugen, also es nicht mit Schrecken, Drohungen, mit dem ganzen furchtbaren seelischen Gewaltappa­rat mancher primitiv-sadistisch gesinnter Erwachse­ner erziehen soll, so einfältig ist es auch zu glauben, daß man die seelische Welt des Kindes mit pein­licher Spitalssauberkeit, mit den Desinfektion,smetho- den der Hygiene rein za halten vermag, oder über­haupt reinhalten. Solange in der Welt der Erwachse­nen sich die Kräfte des Guten und des Bösen, der Tugend und der Sünde bekämpfen — und sie be­kämpfen einander heute in der Wirklichkeit mit einer noch ersrhreckenderen Dämonie, ;als in den grusligsten Märchen eines Hauff —, solange unsere Innerlichkeit und Moral auf unausgesetzten Akten des Werfens, Wählens, Richtens beruhen wird, kann und sojl man auch die mythischen Gewalten nicht aus dem Kinderzimmer bannen. Die aufgeklärten Eltern mögen uns glauben: es kommt nicht auf den Teufel und den Weihnachtsmann, sondern auf die Gestalt und auf den seelischen Prozeß an, wie sie dem Kinde erscheinen. Der spaßige, gerissene Teu­fel der heiteren Székler-Phantasie etwa kann dem Kinde weniger Furcht einflößen., als ein Flugzeug­motor, der dröhnend und surrend in seinen Angst­träumen erscheint. Gestehen wir endlich, daß wir von den verwickelten Prozessen der Kinderseele noch sehr wenig Eindeutiges, Endgültiges wissen, daß die moderne Traumatheorie noch in den Kinder­schuhen steckt, daß wir sehr vieles von den Theo­rien über die Sexualität des Kindes, mit denen so viel Aufhebens gemacht wurde, als unbrauchbar zum alten Eisen werfen müssen, denn es ist ihnen nicht besser gelungen, das Geheimnis der Kinderseele zu enträtseln, wie den viel einfacheren psychologischen Deutungen des Kindesalters. Man möge daher mehr Demut* vor der Auto­nomie des Kindes haben, man wolle ihr nicht die Freiheit der Phantasie, nicht die Farbigkeit seiner Träume nehmen — dies würde ja ohnehin éin müßi­ges Unterfangen bleiben. Wir leben in einer Welt lanatisch-simplifizierender Dogmenkriege — man lasse zumindest das Kinderzimmer aus dem Spiel der extremen theoretischen Versuche. Man lerne end­lich verstehen, daß die Erziehung kein System und' kein Dogma, sondern eine Kunst ist, die vom Erzie­her äußerste Aufmerksamkeit, Geduld und Findig­keit verlangt. Der Schlüssel zu all dem ist aber menschliche Einfachheit, Liebe und Güte, weshalb der wichtigste Ort der Erziehung für immer die Fa­milie bleiben muß. Und d:e Eltern, die sinnend und in Gedanken versunken vor den Spielzeug- und Bücheriäden stehen, möchten wir beruhigen: sie mögen unbesorgt auch weiterhin die schönsten Volksmärchen, sie mögen auch Andersen und Grimm, Macikó bácsi und Dörmögő Dömötör ihren Kindern schenken, denn deren Seele dürstet nach dieser wunderbaren farbi­gen Phantasiewelt, die oft einen klareren und ein­deutigeren Begriff von der Wirklichkeit gibt, als die superklügste Aufklärung. Man vergesse aber auch nicht, daß gute technische und naturwissenschaft- 1 che Bücher die Phantasie ebenso anregen, wie die schönsten Märchen, denn sie helfen die „ewigen, ehernen, großen Gesetze“ der Natur zu enträtseln, die sich gerade nach den Forschungen der modern­sten Naturwissenschaften wie ein Wimacrvollei* Mythos entpuppen.Wi chtig ist nur, daß man demKinde keine vorgefaßten Meinungen aufzwt'ngt, wichtig ist nur, daß eine sorgfältige Auswahl nach Qualität ge­troffen werde, denn in der Jugendliteratur ebenso wie in der Erziehung der Massen durch populäre Schrif-i ten sollte das Beste gerade gut genug sein. Und zur , Stunde, da die Kleinen schon in tiefem Schlaf ver­sunken in ihren Betten ruhen, schleiche man auf i Zehen zum Bücherschrank des Kinderzimmers und überwinde die falsche Scham: man lese wieder, was sie lesen und was wir alle mit solch süßer Selbstver- gessenheit als Kinder gelesen haben. Durch di ese Rückkehr zu den vergessenen Bildern und Gestalten der eigenen Kindheit, durch Erwecken des ewigen Kindes, das in uns allen schlummert, werden viel­leicht die Erzieher besser erzogen, als durch alle systematischen Theorien, die sich leider so grau erwiesen haben. Feuilleton­Der Wechselbalg. Von GEORG MAJTHÉNYI. Zanka war die Tochter des Weichenwächters. Sie mochte zwölf Jahre alt sein. Sie wohnte unter der Burg, im Wächterhause, an dem die Züge pfei­fend vorbeirollten, während ihr Vater oder ihre Mutter mit einer roten Fahne dem vorüberstürmen­dem Gebraus die Ehrenbezeugung leisteten. Unser Garten reichte bis an den Fluß, und unter den Nuß­bäumen hatte man einen freien Blick auf das Wäch- terhaus und die Z.iige mit ihren massigen Lokomoti­ven; man sah, wie diese funkensprühend in die Berge sausten. In meiner Vorstellung reiste auch ich häufig mit diesen Zügen in ferne unbekannte Ge­genden. aber nur in meiner Vorstellung, denn ich war nach einer langen Krankheit noch rekonvales­zent. Nahezu anderthalb Jahre hütete ich das Bett, man hob mich im Leintuch auf die Bettstatt meiner Mutter, so lange man meine Liegestatt aufräumte. Ich war vom Schmerz unfähig, mich zu rühren. Hatte ich leichtere Tage, so träumte, zeichnete oder las ich. Es bildete sich eine wunderbare Welt um mich herum, und von dem kleinen Schimmel, der in der bordeauroten und grünen Heide des Wandtep­pichs neben meinem Bett galoppierte, wußte ich, daß ec ein Feuerroß war, hatte ich ia doch schon weite Strecken auf ihm •’urückgelegt. Ich besaß’ eine Lampe Aladins, einen Zauberstab, einen Wunsch­ring, ich hatte es erlauscht, wann sich die Löwen von ihrem Platze bewegten und wann die Wände durchsichtig wurden. Ich mochte acht Jahre zählen. Uber Zanka berichtete mir zuerst unsere Magd. Zuzka sagte, die Kleine sei ein Wechselbalg, Hexen haben sie in der Wiege ausgetauscht, deshalb ver­stehe sie sich auf allerlei Hexereien. Sie winkte z. B. einer Goldamsel, die auf dem Baum saß. Darauf hüpfte die Amsel im Geäst des Baumes immer tie­fer herab und duldete es schließlich, daß sie Zanka einfange. Es gab Leute, die es gehört hatten, daß ein derart gefangener Vogel mit Zanka wie ein Mensch redete. Ungesehen gewann ich darauf Zanka lieb, ob­wohl man sich auch erzählte, daß sie häßlich und j unordentlich sei, sich nicht wasche, dagegen in den Gärten das Obst stehle. Ich hat meine Angehörigen, man solle sie herbringen, damit ich mit ihr spre­chen, mit ihr spielen könne; aber man erfüllte mir diesen Wunsch nicht. Als ich bereits im Garten saß, versuchte ich es auch selbst, die Vöcel zu bezaubern, doch ich kannte das entsprechende Zauberwort nicht, so daß mir die Vögel nicht gehorchten. So streckte ich nur meine blutleere Handfläche in die Sonne und staunte durch das Blattwerk der Nußbäume in den unendlichen blauen Himmel, in die vorübersrhwimmenden Läm­merwolken. Oder ich betrachtete meine schöne sil­berne Uhr — sie war ein Geschenk meines Firm­paten —, um festzustellen, wann ich die Arznei ein­nehmen müsse. Das war eine wunderschöne Zeit, beinahe die Zeit d°r vollkommenen Glückseligkeit. Ein Blatt, das vom Baum auf mein Tischchen fiel, eine Ameise, ein Käfer, weckten in mir ein liefes i Sinnen. Ich war lauter Güte, fühlte den Blick I | des Allmächtigen auf mir ruhen und wenn ich mich, ; auf dem Rücken liegend, in das wunderbare Ge- | wölbe des Himmels vertiefte, schien es mir wieder- | holt, als ob ich ein wimmelndes Heer von Engeln I sähe. An einem Vormittag, als ich auch so ins Träu­men versunken war, raschelten die Johannisbeer­sträuche hinter mir. Ich wandte mich um. Es klet- ! terte eben ein Mädchen über den Zaun. Vermutlich hatte sie schon früher durch den Zaun geguckt, denn sie war nicht überrascht, mich dort anzutreffén. Ohne jede sichtbare Aufregung kam sie auf mich zu. — Was machst du da, Kleiner? fragte sie. Aus der Beschribung Zuzkas erkannte ich Zanka. Ihr Haar war zerzaust, sie war schmutzig und unordentlich, aber ihre Augen glänzten wie ein Karfunkelstein. Sie hatte beide Hände auf den Riik- ken gelegt. So stand sie in meiner Nähe. — Bist du die Zanka? fragte ich aufgeregt. Und kannst du die Vögel bezaubern? Sie nickte mit dem Kopfe ein Ja. — Tu das hier, vor mir! bat ich sie. — Das geht nicht nur so einfach. Das kann man nicht wann immer tun, antwortete sie über­legen. Hier gibt es ja überhaupt gar keinen Vogel. Sie sprach nicht die Wahrheit, denn auf der Planke saßen Spatzen und plusterten sich: auf einem Mandelbaum aber hockte eine Meise. Ich wies auf sie hin. — Das sind nicht die richtigen, sagte sie, bevor ich noch etwas hervorbringen konnte. Und jetzt habe ich auch keine Lust. Diese Antwort verstimmte mich sehr. Während meiner Krankheit stellte ich soviele Zauberkünste B

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