Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1938. február (85. évfolyam, 25-47. szám)

1938-02-01 / 25. szám

PREIS 16 FILLÉR j-j | •J'i *-v Bezugspreise. Inland: Morgen- und Abendblatt Vierteljlbrllch 18 P, monatlich 6.40 P. Nur Morgen­blatt : Vierteljährlich 11P, monatlich 4 P. Nur Abendblatt. Vierteljährlich 8 P. monatlich 8 P. — Für die separate Zu­sendung des Abendblattes nach der Pro­vinz ist vierteljährlich 1 P zu entrichten. Ausland: Jn Österreich» bei direkter Kreuzband­zusendun^ vierteljährlich 30 ö. Sch., in allen übrigen Staaten 30 P Das Blatt kann durch sämtliche ausländischen Postämter bezogen werden; in Wien auch durch Mo raw a & Co. L Wolizeile 1L Einzelnummer' In Budapest und m der Krovinz: Morgen­blatt an Wochentagen 16 fillér, an Sonn­tagen 32 fillér; Abendblatt 10 !illé& ln Osterreio^ * Morgenblatt an Wochen­tagen 30 <jr„ an Sonntagen 40 öl i.oendblttt 20 Gr. MORGENBLATT B Anzeigenamiatune. Ju Budapest In der Administration de, Pester Lloyd und in den Anzeigevermitö. lungen Als A.-Q., Alexander Balogh, J, Blookner, J. Blau, Boro», Braus, Josef Er* dói, Harsányt, Hasienstein 4 Vogler, Cornel Leooold, Juliut Leopold, Msgyir Hin* detälroda, Rudolf Mosoo A.-Q., Julius Tenzer. Unverlangt« lUanutkrip te werden weder aufbewahrt, nochturüekgeeteW Briefe ohne Rückporto- nicht beantwortet, Offerten sind Dokumente nur in Ah. schritt beizuiegen. Für Beilagen lehnt di« Administration Jede Verantwortung all, Redaktion, Administration und Druckerei VL. Eötvfls-ucca 12. Telephon > 112— 850. 85. Jahrgang. Budapest, Dienstag, 1. Februar 1938. Nr. 25 Van Zeeland zwischen den Achsen. Budapest, 31. Januar. Es wäre ganz verfehlt, im Bericht des ehe­maligen helgischen Ministerpräsidenten Van Zeeland, der vor kurzem in den europäischen Hauptstädten veröffentlicht wurde, ein hundertstes rein wirtschaft­liches Entwirrungsprojekt als Zusatz zu den neun­undneunzig schon vorhandenen ökonomischen Ret­tungsplänen zu erblicken. Van Zeeland ist ein viel zu kluger und erfahrener Wirtschaftsfachmann und ein viel zu gewiegter politischer Taktiker, als daß er zu dem Rezept der ökonomischen Quacksalber zurückkehren würde, die da im luftleeren Räume irgendein wunderbares Wirtseihaftsrezept ausklügeln und dann der Welt empfehlen, sie brauche nichts anderes tun, als die Währungswirren einzudäm­men, Zölle abzuhauen, die Kapitalien und die Roh­stoffe gerechter zu verteilen —, dann werde schon alles von selbst in Ordnung kommen. Nein, der Sinn seines Auftrags war gerade der, nicht mehr in den naiven Irrtum etwa der Leute von der Sorte zu ver­fallen, die einst glaubten, es genüge, eine Weltwirt­schaftskonferenz aus dem Boden zu stampfen, damit sich politische Mächte- und Wirtschaftsstrukturen wie auf ein Zauberwort ins Nichts verflüchtigen. l>ie harten Tatsachen des vergangenen Jahres, in erster Linie die immer drohendere Kriegsgefahr, haben die Welt übereil! gelehrt, daß die Methoden des Gesund- betens nichts niitzen, auch dann nicht, wenn eine ganze Weltkonferenz von Gesundbetern sich um das Bett dos Todkranken versammelt. Man hat daher diesmal die Methode geändert, den grundlegenden Zusammenhang von Weltpolitik und Weltwirtschaft anerkannt und einen sehr klugen und sehr erfahrenen Staatsmann von hoher Autorität damit betraut, in allen wesentlichen Hauptstädten erst Sondierungsverhandlungen zu führen, dann seine Erfahrungen zusammenzufassen und erst auf Grund dieses seines Berichts darüber zu entscheiden, ob die Zeit für Konferenzen oder ähnliche kollektive Schritte auf weltwirtschaftlichem und natürlich daher auch auf weltpolitischem Gebiet schon reif ist. Der Bericht liegt nun vor, und seine Bedeutung besteht in erster Linie darin, daß er mit der falschen-Annahme, als könnte man die Weltwirtschaft mit abstrakten, rein ökonomischen Mitteln kurieren, ein für allemal aufräumt. Wäre unsere Epoche nicht die einer völligen Verflechtung von Weltpolitik und Weltwirtschaft, könnte man die beiden Sphären sauber auseinanderhalten, dann wäre es vielleicht nicht unmöglich, der wirtschaftlichen Schwierigkei­ten der Welt Herr zu werden. Wenn wir etwa die Generalversammlungsreden eines McKenna oder Beckett lesen, dann strahlt aus ihnen der robuste Optimismus des Engländers, der mit Recht auf die massiven Tatsachen der englischen Konjunktur hin­weist und sich auch durch manche Wolken vom amerikanischen Konjunkturwetterwinkel hér nicht in seinem Glauben stören läßt. Blickt aber unser englischer Bankenführer in die weite Welt, so findet er deren Zustände sofort „beklagenswert“, und wenn auch die inneren Grundlagen des englischen Auf­schwunges immer entschiedener betont werden, ist der Engländer noch immer nicht so weit, sich am Schicksal der übrigen Welt desinteressieren zu kön­nen, vor allem aus ■ wolilaufgefaßtem Eigeninteressc. Immer klarer sehen Engländer wie Franzosen, und vielleicht bereits auch die Amerikaner, daß die poli­tische Unruhe der Welt aus zahlreichen Kanälen ■immer neuen wirtschaftlichen Giftstoff erhält und daß ihr eigener wirtschaftlicher Aufschwung so lange keine feste Vertrauensbasis erhalten kann, als diese politischen Unruhen der Umwelt mit der heuti­gen Intensität andauern. Wie kann der wirtschaftliche Aufschwung der kapitalslarken Mächte derart konsolidiert werden1, daß dadurch auch die Scheinkonjunktur der kapital­armen Länder in eine echte übergeleitet werde, und wie kaim gleichzeitig die drohende und wachsende | politische Spannung zwischen den verschiedenen Achsenmächten entgiftet, wenn nicht ganz eliminiert werden — das war die stillschweigende Problem­stellung Van Zeclands; und sein Bericht enthält auf diese Frage eine konkrete, wenn auch keine über­raschende Antwort. Der Bericht Van Zeelands enthält einen wirt­schaftlichen und finanziellen und einen politischen Hauptteil. Im wirtschaftlichen Teil tritt er für ehe Art ZollwafTenstillstand, ferner für positiven Abbau der überdurchschnittlichen Zölle ein. Er möchte auch 1 die künftige Händelspoltik der Welt auf die Meist- • begiinstigungsklausel aufbauen, von der er jedoch Ausnahmen zulassen würde: zu Lasten ausgespro­chener ökonomischer Friedensstörer und zugunsten von Mächtegruppen, die Regionalpakte mit dem offenbaren Ziele der Zollsenkung abschließen. Van Zeeland plädiert auch für die unbedingte Aufhebung des hdirekten Protektionismus, der Kontingente und der Clearingabkommen, namentlich der indu­striellen Kontingente, während er bei den agrari­schen vorsichtige übergangsmaßnahmen vorschlägt. Auf währungspolitschem Gebiet beruhen seine Vor­schläge auf drei Grundgedanken. Für den durch-, führbarsten währungspolitischen Übergangszustand \ bis zur Erreichung einer internationalen Koopera- / tion und eines Wirtschaftsgleichgewichts, in dem / man zur Goldwährung zurückkehren könnte, hält/ er d e Erweiterung des dreieckigen Währungsabkom-L mens zwischen Washington, London und Paris zu einem allgemeinen Währungspakt zur gegenseitigen Verteidigung der de facto-Paritäten und der Ein­schränkung ihrer Schwankungen zwischen engen Grenzen. Andererse'ts schlägt er vor, einen Strich unter die Vergangenheit der internationalen Ver­schuldung zu setzen, die Schulden älteren Datums zu konsolidieren und für den Übergangszustand bei der BIZ ein multilaterales Kompensationssystem mit gegenseitiger Krediteröffnung der Notenbanken und der Ausgleichung der Spitzen durch Bildung eines Kredilfonds für Finanzierung des internationalen Handels zu errichten. Dies würde wahrscheinlich auf eine übergangsweise Kreditgewährung• der kapital­starken an die kapitalschwachen Mächte hinaus­laufen, und zwar nicht mit polit'schen Kautelén, | sondern eingebaut in den internationalen handels­politischen Mechanismus der BIZ. Der politische Tel des Van Zeeland-Beric.hts wird den totalitären Staaten gleichfalls gerecht, in­dem er betont, daß einerseits alle maßgebenden Mächte, wenn auch aus verschiedenen Motiven, Maß­nahmen der gebundenen Wirtschaft zum Schutze ihres Lebensstandards e'ngeführt haben, anderer­seits aber alle sich auch weiterhin den Gesetzen des internationalen Verkehrs unterworfen haben. So vermied Van Zeeland. Wölfe und Schafe der Welt- 1 politik zu unterscheiden, was zweifelsohne e'nen bar, dann wieder überaus liebenswürdig und —t maßlos eitel! Auffallen, auffallen wollte er um jeden Preis: daher die vielen oft unsympathischen „Posen“, das Herumerzählen von Dingen, über die er viel besser geschwiegen hätte ... Und die Frauen? Sie interessierten diesen haupt­sächlich mit sich selbst beschäftigten Träumer wohl überhaupt nicht in höherem Maße als andere junge Leute senes Alters — ja, sie langweilten ihn sogar ein wenig. Er kam gar nicht dazu, teuflische Verfüh­rungskiinste spielen zu lassen, denn die Frauen war­fen sich ihm ja geradezu an den Hals, verfolgten ihn. ließen nicht locker, brachten ihn — wohl tun die eigene Schwäche zu bemänteln — in den Ruf eines ruchlosen Wüstlings, der die Tugend mit Fü­ßen trat. Allerdings gefiel sich Byron in dieser Rolle und fand ein perverses Vergnügen daran, seine Ver­fehlungen auf diesem Gebiet bre'tzutreten, auszu­schmücken, durch mehr oder minder durchsichtige Anspielungen die Aufmerksamkeit der Leute auf sie zu lenken. Daß er sich aber — anfangs vielleicht bloß lim Unterbewußtsein *— eigentlich nach Rein­heit, nach einem friedlichen Familienleben gesehnt, beweist schon seine Heirat. Warum denn sonst hätte er gerade die puritanisch strenge, hochreligiöse, in jeder Beziehung tadellose Miß Milbanke sich zum Weib erkoren? Dann, in den letzten Jahren seines Lebens, wurde diese Sehnsucht zur fixen Idee. Das reine eng- Dsche Heim; die kühle, etwas spießbürgerliche Gat­tin; sein Kind, das er kaum gesehen: von ihnen träumte er, wenn er in der Casa Saluzzo zu Genua stundenlang vor dem Miniaturbildnis der kleinen Ada in Gedanken versunken saß ... Sein ganzés Streben und Trachten war darauf gerichtet, irgend­was zu unternehmen, das ihm die Heimkehr —' selbstverständlich eine ehrenvolle Heimkehr!----er­m öglichen sollte! Er war seines Wanderlebens Un­sagbar müde... Alles hatte er im Laufe seines Exils versucht: Monaté"'dér tollsten Ausschweifungen in Venedig, stille Zurückgezogenheit in irgend einem Palast oder Kloster, politische Tätigkeit in Ra­venna — all dies hatte ihn nicht befriedigen, können! Feuilleton. Das griechische Abenteuer. Von S. v. JÁNOKY. Dieser Tage waren es hundertfünfzig Jahre, daß eine von Mann und Sippe verlassene, verbitterte, mit Geldsorgen ringende junge Frau edlen Geschlechtes in einer gewöhnlichen Mietwohnung in London einem Knaben das Leben schenkte, der dann, einige zwanzig Jahre später, England, ja die ganze Welt für eine Spanne Zeit in Erstaunen und Auf­regung versetzen sollte, um schließlich sang- und klanglos, unter tragischen Umständen, in der Fremde von der großen Bühne des Lebens abzutreten. Dieser Neugeborene, dér unbe­achtet in seiner einsamen Wiege lag, über den sich keine glückwünschende Verwandtenschar lächelnd neigte, war George Gordon Byron, der künftige sechste Lord dieses Namens ... Seine freudlose, nahezu in Annut verlebte Kind­heit, die einsame Schulzeit, sowie die darauf fol­gende kurze Glanzperiode des jugendlichen Lords,, die gleich mit dean Höhepunkt eimsetzte, als 1812 die beiden ersten „cantos“ seines „Childe Harold“ veröffentlicht wurden, sind allgemein bekannt. Man weiß- wie dieser bishin ziemlich unbekannte Jüng­ling von ungewöhnlicher Schönheit sozusagen über Nacht zum Mittelpunkt der vornehmsten Gesell­schaft des Insellandes, zum Liebling der Damen wurde, bei dessen Erscheinen die Lippen der Män­ner — besonders der Ehemänner — ein spöttisches Lächeln schürzte, während die Augen der Frauen erglänzten ... Gibt es doch eine ganze Literatur über seine meist argen Anstoß erregenden Liebesabenteuer, seine Heirat mit der tugendhaften Miß Mitlbanke, die es sich zur Aufgabe gestellt, den verrufenen Weibeiheld in einen biederen Ehemann umzuwan­deln, über das Scheitern dieses löblichen Vorhabens und die allgemeine Empörung, die nun um den Un­verbesserlichen aufbrauste und ihn schließlich zwang, England 1816 zu verlassen, freiwillig in die Verbannung zu ziehen. Von diesem Augenblicke an flaute das Interesse merklich ab. Wohl erregten seine Werke — be­kanntlich war Byron ein äußerst fruchtbarer Poet — auch weiter großes Aufsehen, seine Persönlichkeit behielt ebenfalls ihre Zugkraft bis ans Ende, doch war er seinen Landsleuten zu weit aus den Augen gerückt, um fernerhin den täglichen Gesprächsstoff abzugeben. Das Fieber, das der geheimnisvolle, interessante, diabolische Lord Byron verursacht, sank zur Nonnaltemperatur, um dann noch einmal — diesmal in heller Begeisterung — in die Höhe zu schießen, als man 1823 die Kunde vernahm, er wolle sich nach dem von den Türken geknechteten Griechenland begeben, um für die Freiheit zu kämp­fen, vielleicht zu sterben! Aus Byron, dem ge­wissenlosen Bedroher weiblicher Tugend, war plötz­lich Byron, der Held, geworden ... Verfolgt man aber mit Aufmerksamkeit seine Laufbahn, die Aufzeichnungen seiner Zeitgenossen, dann verwischen sich die Umrisse dieses verrufenen „Don Juan“ sowie die des begeisterten Freiheitshel­den und immer deutlicher tritt das Bild eines zwar mit großen Gaben ausgestatteten, doch ganz und gar nicht heroischen, stets suchenden, irrenden, mit sich seihst zerfallenen, schwer neurotischen Menschen hervor, dér nur zu oft jähen Regungen unterlag und gar häufig eine ihm von der Außenwelt suggerierte Rolle spielte, die seinem innersten Wesen fremd war. Wie auf keinen, paßt auf ihn das Wort: Man glaubt zu schieben und man wird geschoben. Sein ganzes Leben war eine Verkettung unglück­licher Umstände. Er hatte Genie, doch wußte er es nicht immer richtig zu nützen — einen hohen Titel, doch keine entsprechende gesellschaftliche Stel­lung _ ein beträchtliches Vermögen, das zu spät kam, hingegen Weltruf, der viel zu früh über den unreifen Jüngling hereingebrochen war. Sein Ver­stand war der eines Mannes, während Sein Charak­ter der eher .Frau war: überempfänglich für Lob, krankhaft empfindlich gegenüber jeglichem Tadel, unverläßlich, wechselnden Gemüts, ungemein reiz-

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