Pester Lloyd - esti kiadás, 1938. szeptember (85. évfolyam, 197-220. szám)

1938-09-02 / 197. szám

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Julius Tenzer Unverlangte Manuskripte werden weder aufbewahrt, noch zurückgestellt Briefe ohne Rückporto nicht beantwortet Otferten sind Dokumente nyr in Ab­schrift btizulegen. Für Beilagen lehnt die Administration jede Verantwortung ab. Redaktion, Administration und Druckerei Budapest, VI, Eötvös-ucca 12. Telephon: 1142-350. 85. Jahrgang Budapest, Freitag, 2. September 1938 Nr. 197 AUSLANDSCHAU 2. SEPTEMBER Das italienische Gesetz gegen die ausländischen Juden Die erste praktische Maßnahme, in der das pen erstarkte Interesse der italienischen Politik für die Rassenfrage widerspiegelte, war die vor kurzem vor­genommene Zählung der jüdischen Bevölkerung Italiens; auf diese erste Maßnahme folgte das neue Gesetz über die Ausweisung aller aus dem Auslande seit 1919 eingewanderten Juden. Diese Maßnahme zeigt, in welcher Richtung sich die italienische Ras­senpolitik hinsichtkh der Juden bewegen will: praktische Maßnahmen werden nicht gegen das alt­eingesessene italienische Judentum ergriffen, son­dern gegen die seit dem Kriege eingewanderten Ju­den, die sich, um die Stampa ZU zitieren, „keinerlei Verdienste um das Land erworben haben und sich auch nicht mit der italienischen Nation verschmel­zen ließen“. Zweifellos wird die globale Ausweisung einer in die Tausende zählenden jüdischen Schicht, von deren Angehörigen manche die italienische Staatsbürgerschaft erworben und in Italien eine Familie gegründet haben, dje ohnehin drückende Lage der aus anderen Gründen heimatlos geworde­nen jüdischen Gruppen weiter verschlimmern und das Flüchtlingsproblem, das bereits eine internatio­nale Frage von nicht geringer Schwere bildet, noch sorgenvoller gestalten. Trotzdem kann man bei der Beurteilung der ganzen Frage ihre statistische Größenordnung nicht außer Acht lassen: in ganz Italien leben ungefähr 47 000 Juden, so daß die Be­hauptung gewisser Blätter, daß es „verhältnismäßig zu viel Juden in Italien gebe“, geradezu als eine Herabsetzung der Größe der italienischen Nahon anmutet. _ .. . _ Wenn man die eigentlichen Beweggründe 1er neuen italienischen Judenpolitik erklären will ¥> erkennt man lejoht, daß es sich dabei m ^rs ei ei um eine politische Frage handelt. Lm Rassenproblem im deutschen Sinne des Wortes läßt sich für Italien schwer konstruieren: Mussolini selbst stellte ja m seinen vor sechs Jahren erschienenen Gesprächen mit Emil Ludwig fest, die Rasse sei „nur Gefühl und keine Realität, zu 95 Prozent nur.Gefühl“. „Ich werde nie glauben“ — sagte Mussolini —, „daß es mt biologischer Grundlage bewiesen werden könne, ob eine Rasse mehr oder weniger rein sei.' Wejter er­klärte Mussolini: „In Italien gibt es auch^ keinen Antisemitismus. Pie Italiener jüdischen Glaubens haben sich als Bürger stets ausgezeichnet und als Soldaten tapfer geschlagen-“ Das zentrale Argument, dem man bei der Begründung der italienischen Rassenpolitik immer wieder begegnet, ist dementspre­chend nicht rassenbiologiscber, sondern politischer Natur. Die führenden Persönlichkeiten Italiens, die zum Judenproblem in letzter Zeit, das W ort. ergriffen haben, betonten dabei vor allem, daß eine Zuriick- drängung der Juden im öffentlichen und wirtschaft­lichen Leben Italiens deshalb begründet erscheine, weil die Juden in den übrigen Ländern im allge­meinen antifaschistisch eingestellt seien und die Leitung der antifaschistischen Bewegungen ein star­kes jüdisches Kontingent aufweise. Da nun eine Ver­bindung der italienischen Juden mit den antifascist* stischen Kreisen des Auslandes undenkbar ist, im Gegenteil, die italienischen Juden haben seit der Machtergreifung des Faschismus für däs neue Re- gime Partei ergriffen upd sieh immer staatstreu ver. halten setzte die neue italienische Judenpolitik an dem Punkte ein, wo ein Kontakt von in Italien lebenden Juden mit antifaschistischen Kreisen des Auslandes vorausgesetzt werden konnte, also bei den vor kurzem eingewanderten Juden. Da es unter die­sen auch zahlreiche Flüchtlinge gibt, die aus politj* Sehen Gründen ihre frühere Heimat verlassen haben, wird für diese die Frage nach einem neuen Asyl zu einem besonders schweren Sehicksalsproblem werden­Jedenfalls haben die italienischen Kommentars zur neuen Rassengeselzgebung betont, daß es sich in Italien nicht um eine Anpassung an die deutsch« Rassenpolitik, sondern um rein italienische Lösun* gen von selbständig erkannten Fragen handle. Im Mittelpunkte scheint ein politisches Motiv, der Kampf gegen den internationalen Antifaschismus zu stehen. Vielleicht berechtigt diese Tatsache zur Er. Wartung, daß die geplanten Maßnahmen über die Grenzen dieser Zielsetzung nicht hinausgehen werden, Europa erwartet günstige Resultate der Aussprache zwischen Hitler und Henlein »Die Entscheidung über die weitere Entwicklung der tschechoslowakischen Frage in Hitlers Hand« — London und Parii gemäßigt optimistisch Engere Zusammenarbeit zwischen England und Polen Telepbonbericht unseres R.-Korrespondenten Lo/iden, ?. 3ep*rmh«r Der heutige Tag wird als besonders schwerwie­gend für die Lösung der tschechoslowakischen Frage angesehen- Die aus Prag eingetroffeuen Mel­dungen lassen teilweise auf eine günstige Wendung sehließen. Bin Teil der Morgenpresse begrüßt die Nachricht über die Heise Henleins nach Befehles- gaden mit überschwenglichen Hoffnungen auf eine friedliche Lösung, während die britischen Regie- rungshreisc die jüngste Entwicklung mit einem ge­mäßigten Optimismus verfolgen. Immer mehr kri­stallisiert sieh hier die. Ansicht heraus, daß die Ent­scheidung Über den weiteren Verlauf der tschecho­slowakischen Frage augenblicklich einzig allein in Hitlers Händen liege. Doch sind bis zur Stunde noch keine Meldungen eingetroffen, die über den Ausgang der Beratung in Berchtesgaden einen An. haltspunkt geben könnten. Pie offizielle Verlautbarung, daß Henleins Reise auf Veranlassung > >6n L.ord Riinciman stattfand, zeugt für eine gewisse Bereitschaft des sudeten- deutseheu Führers, den Kantonalplan der tschechi­schen Regierung, der von Lord Runciman und der englischen Regierung gebilligt wird, als Verhand­lungsbasis dem Führer vorzulegen. Er soll auch eine Botschaft Lord Runcimans an Hitler übermitteln, in der die Hoffnung ausgesprochen wird, daß Hitler die Fortsetzung der Verhandlung billigt. Offizielle Krejse heben es als ein persönliches Verdienst Lord Rune ima ns hervor, daß es ihm nicht nur gelang, die tschechoslowakische Regierung zu weit über den Rahmen der ursprünglichen Intentio­nen hinausgehenden Konzessionen zu bewegen, son­dern auch die SdP dazu zu veranlassen, diese Vor­schläge als Basis weiterer Verhandlungen in Erwä­gung zu ziehen. f)ie aus Prag eingetroffenen Mel- düngen lassen darauf schließen, daß Henlein augen­blicklich dem verhandlungsbereiten Flügel der SdP nahestehl, doch weist man in offiziellen Kreisen im­mer wieder darauf hin, daß die letzte Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Verhandlungen von Hitler getroffen werden muß. Die fieberhafte diplomatische Aktivität der letz­ten Tage brachte heute weitere interessante Wen­dungen. Die von uns bereits gestern gemeldete eng­lische Fühlungnahme in Warschau zeitigt positive Resultate. Es ist für die Zukunft eine engere Zusam­menarbeit zwischen England und Polen geplantt eieren Einzelheiten demnächst in Genf zwischen lord Halifax und Oberst Beck festgelegt werden sollen. Als erstes Zeichen dieser Annäherung soll Polen von dem geplanten Verzicht auf die Mitglied­schaft im Völkerbundrat absehen. Man sieht in ■die­ser Wendung eine weitere Etappe der planmäßigen Ausdehnung des englischen Interesses wirtschaftli­cher und politischer Natur in Mittel- und Osteuropa, deren erste Anzeichen die Abkommen mit der Türkei und ‘ Rumänier darstellfeu. Paris vertraut auf ein maßvolles deutsches Verhalten Paris, -2. September (MTD Die Aufmerksamkeit der französischen öffentlichen Meinung richtet sich heute früh auf die Besprechung Hitlers mit Henlein in Berchtesgaden- Jn Paris hofft man allgemein, daß Adolf Hitler den sudetendeutschen Führer nicht zu einer starr ableh­nenden Haltung veranlassen werde. Épogue schreibt: „Reichskanzler Hitler steht heute auf dem Scheideweg und hält das Schicksal des Friedens in seiner Hand■ Wahrscheinlich wird man deutscherseits den Hodzsa-Plan nicht abwei­sen, sondern im Gegenteil versuchen, diesen zu mo­difizieren■“ • Die Bilanz des Regimes Roosevelt Es ist drei Jahre her, daß ein« der angehensten Zeitschriften der Vereinigten Staaten, das Forum, mit der Veröffentlichung seiner Vierteljaihrberichto (Quarterly Survey) begann, in denen es bestrebt war, von Zeit zu Zeit ein möglichst vollständiges Bild darüber zu bieten, welchen Standpunkt die verschiedensten Schichten der amerikanischen öf. .fentlichen Meinung gegenüber der Persönlichkeit und der Politik Roosevelts einnehmen. Der Kredit dieser Beridhte wurde besonders durch die Tat­sache befestigt, daß in ihnen v°r zwei Jahren mit einer fast unheimlichen Genauigkeit der beispiellos große Sieg der zweiten Wahl Roosevelts voraus, gesagt wurde. , In den Fragebogen des. neuesten Berichtes haben die Redakteure der Zeitschrift die Vertreter der verschiedensten Schichten der amerikanischen Gesellschaft über die Persönlichkeit, die Reformen und die wirtschaftlichen Pläne Roosevelts in zwölf Punkten um ejne Meinungsäußerung ersucht, über die Mittel, mit denen er feine Pläne verwirklichen will usw. Die eingelangten Antworten zeigen, daß das amerikanische Volk noch immer in seiner beden, tenden Mehrheit zu Roosevelt steht. 54.8 Prozent der Antworten äußerten sich im allgemeinen für Roose. veit, 33.9 Prozent gegen ihn; der verbleibende Rest von etwa U Prozent war imentschieden. Was dje Reformen betrifft, so steht der Süden einheitlich hinter dem Präsidenten, ebenso die fol. genden sechs Wirtsehaftsgruppen. bezw. Klassen; die landwirtschaftlichen, industriellen und ungelernten Arbeiter,,, die Neger, die der öffentlichen Unter. t Stützung bedürftigen Besitzlosen und die Arbeitslosen, J Der größten Volkstümlichkeit erfreut sieh, auch in den Kreisen der konservativsten und begütertsten Klassen, die Persönlichkeit, das Aufaistungs- programm und die Außenpolitik Roosevelts. Es kann demnach gesagt werden, daß 80 Pro­zent der Bevölkerung Sympathien für die Persön­lichkeit des Präsidenten hegen, während er fiir 12 Prozent entschieden antipathiseh ist. Aber se'ne Per­sönlichkeit jst im allgemeinen mehr sympathisch als seine wirtschaftlichen Pläne (48 Prozent dafür, 29 Prozent dagegen), als seine Einstellung zum Business (37 Prozent für, 34 Prozent wider) oder als seine Meinung über die Gewerkschaften (38 Prozent für, 30 Prozent wider). Entschieden unpopulär sind seine Methoden (35 Prozent für, 40 Prozent wider), sowie seine Mitarbeiter und Ratgeber (28 Prozent für, 32 Prozent wider). * Auffallend viele gibt es, die Unkenntnis der Re­formen des Präsidenten verraten. Die gestellten Fragen verlangten Meinungsäußerung fiber sieben Reformen von nationaler Wichtigkeit (Lohn- und Arbeitszeitgesetz. Tennessee Valley Aet, Reorganisa­tion Bill usw.) und unter den Antworten gab es in größerer Zahl solche, die unter Berufung auf Un- orientjertheit der Antwortgeber der Meinungsäuße­rung aus dem Wege gingen, als solche, die ihrer ent­schiedenen Mißbilligung Ausdruck gaben. Interessant sind jene Antworten, die sich über die in Händen des Präsidenten befindliche Macht äußern. Hier teilen sich die Meinungen in fast glei­chem Verhältnis: 45 Prozent meinen, daß Roosevelt eine vie) zu große Macht hat, 44 Prozent glauben das Gegenteil. Es scheint im allgemeinen, daß, so groß auch die persönliche Popularität Roosevelts ist, dia große Mehrheit des amerikanischen Volkes nieht wünscht, daß er diktatorisch« Macht erlange, bzw. überzeugt ist, daß er oneliLu schon genügend Macht­»•

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