Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1938. október (85. évfolyam, 221-246. szám)

1938-10-01 / 221. szám

PREIS 16 FILLÉR ff /4 fi. I t/| \ Bezugspreis« _______ _______________ . a^ Anzeigenannahme É SH® IJl. ^ i l.11 I I Ilii II SSSS^ S»S I is il I T« Vt 1 a I si 1 I 11 ^»S"art* Amiatti r _Hfl_ IMI Sfi A jfijÉj |ɧJ ffca, Jfl ffití Éi VH Bf BS fitf flf Unverlangt« Manuskripte werden weder bi Deutschland direkter Kreuzband* HHi HHBH HBflfi liBl ■Bv aufbewahrt, noch SlSnnütef«n'Staat«"») pfÄatt . ohn<: R“cí,P°rto nif‘ b*antw04rt*‘ Kann durch sämtliche ausländischen f*0“ ^0ÍH.m5PÍ? nur, *? ^ Postämter bezogen werden: in Wie« Schrift b£zulegen. Für Beilagen lehnt di* such durch Morawadi Co. L WoUzeile 11. 1iT/\¥J /~1 T-t Tyr-rj T irfTI Administration jede Verantwortung ab, Eintelnummer e iTlUIlbl/n OLA 1 1 T» Admtototr^üoS^d^DruckersI fra ^ BM«• Eöly6i-ucca R tagen 83 fillér; Abendblatt XO fillér. nA ’*7 '[ ~ 1 Tel sphcm 112-350. 85. Jahrgang Budapest, Samstag, 1. Oktober 1938 Nr. 221 ■ Was nadi München zu tun bleibt Budapest, 30. September * Die ganze Wett steht noch unter dem Eindruck <Ies bedeutenden Werkes von München, das man als einen ungeheuren Erfolg Hitlers betrachten muß, der seine Forderungen sozusagen integral verwirklicht hat, gleicherweise aber auch Mussolinis, der hiezu als Freund und Partner das Maximum beigetragen und dabei dem Frieden einen überwältigenden Dienst geleistet hat. Lorbeer gebührt aber dem greisen englischen Staatsmann, der wahrhaftig der Sprecher seines großen Volkes und des gesamten britischen Imperiums war, als er alles aufbot, um von Europa die Gefahr eines Völkergemetzels abzuwenden. Schließlich sind aber auch die Verdienste Daladiers nicht gering/uschätzen, von dem Hermann Göring richtig bemerkt haben dürfte, daß man mit ihm Po­litik machen könne. Nach der Annahme des Münchner Paktes durch die Prager Regierung kann man nun das Kapitel „Sudetendeutsches Problem der Tschechoslowakei“ als politisch diplomatisch abge­schlossen betrachten: es handelt sich nur noch darum, die praktische Durchführung in tadelloser Weise sicherzustellen. Man darf annehmen, daß es den durch zwanzigjährige Erfahrungen gewitzigten Diplomaten gelingen wird, den sicherlich zu gewär tigenden Kniffen von Prag — Herr Benes sitzt noch unentwegt auf dem Hradschin und beobachtet ge­mächlich die Auflösung des von ihm mit selten un­moralischen Mitteln zusammengebrachten Staates — erfolgreich entgegenzuarbeiten und das einmal Ver­einbarte nicht bei der Durchführung gefährden zu lassen. Dies giNin noch erhöhtem Maße für die in der Durchführung noch ofTengebliebenen Probleme der Moldaurepublik, nämlich für die Ungarn und Polen betreffenden Abkommen der Viermächtekonferenz. Man gab ums und unseren polnischen Freunden auf die tschechoslowakische Konkursmasse einen drei­monatigen Wechsel mit sofortigem Intabulierungs- recht. Der Wechsel ist am 29. Dezember fällig und wenn er nicht eingelöst wird — und zwar unter den identischen Bedingungen, wie die Konikursmassen­forderung des Deutschen Reichs, oder der deutschen Volksgruppe der Tschechoslowakei —, damn kommt der Schuldner vor den höchsten Gerichtshof und die Exekution wird über ihn verfügt- Die Vier- mäclvteerklärung über die Rechte der polnischen und der ungarischen Nationalität in der Tschecho­slowakei kann nicht anders gedeutet werden. Wir möchten aber mit allem Respekt, der den großen Staatsmännern, die Europa gerettet haben, gebührt, darauf hinweisen, daß wir die Anerken­nung der Forderungen Polens und Ungarns, die eine althergebrachte treue Freundschaft verbindet und die weitgehend gleicher Auffassung sind, nur im Sinne der vollen Gleichberechtigung aller gegen ihren Willen in den „Mosaikstaat Numero zwei“ einge­zwängten und dann unterdrückten Nationalitäten zu deuten vermögen. Das heißt, einfach und ohne Um­schweife: wir und wohl auch Polen fordern, außer der nunmehr zur Selbstverständlichkeit gewordenen Angliederung der eigenen Volksgruppen an die Mutter­länder, die Anerkennung des Selbsthestimmungs- rechtes der Slowaken urnd der Russinen der Tsche­choslowakei und die unverzügliche praktische Ver­wirklichung dieser Anerkennung in dem Maße, wie dies ihnen nach Recht urnd Gewissen, aber auch auf Grund einerseits des Pittsburger Vertrages und andererseits der vertraglich verbrieften Autonomie Karpathorußlrnds zugestanden wurde. Es kann von den Staatsmännern in München — wenngleich sie wenig Zeit zur Behandlung aller Detailprobleme hatten — nicht vorausgesetzt werden, daß sie, noch immer auf Grund der Ideologie und des Vorgehens von 1919, diesen Volksgruppen das Recht auf eine unparteilich kontrollierte Äußerung ihres Willens absprechen wollten, nur weil diese letzteren kein zu militärischer Aktion bereites Mutterland im engeren Sinne hinter sich haben. In der Annahme aber, daß sich selbst die Pra­ger Machthaber in ihrer jedenfalls nicht beneidens­werten, aber sicherlich verdienten Lage dessen be­wußt geworden sind, daß sie kein Recht mehr haben, fremde Nationalitäten unter ihrem Joch zu behalten, bestärken uns die heute nachmittag gehaltenen Re­den des Ministerpräsidenten Generals Syrovy und des Oberkonimandierenden der tschechischen Armee Generals Krejci. Besonders der Ministerpräsident be­Die Welt atmet auf Ungeheuere Begeisterung für das Friedenswerk von München und seine vier Urheber Überall Hoffnung auf Erweiterung zu einer gesamteuropäischen Lösung Gemeinsame Friedenserklärung Chamberlains und Hitlers - Beginn des deutschen Einmarsches ins Sudetengebiet am Samstag Viel Verständnis für das gleiche Recht aller Nationalitäten Prag resigniert Große polnisch-tschechische Spannung Unser Mitternachts-Telephonbericht aus London: England feiert den Frieden Sehr herzliche Unterhaltung Chamberlains mit dem ungarischen Gesandten auf dem Flugplatz von Heston - Großes Wohlwollen für Ungarn - Chamberlain erstrebt eine Mittelmeer-Regelung Telephonbericht unseres R—i.-Korrespondenten London, 30. September Von spontaner Begeisterung durchdrungen be­gab sich heute nachmittag eine unzählige Menschen­menge nach Heston, um dem zum dritten Mal aus Deutschland heimkehrenden Ministerpräsidenten ihren Dank entgegenzubringen. Es war kein organi­sierter Empfang; jedermann folgte seinem eigenen Drang, ohne jeden Zwang kam die stürmische Freude der Bevölkerung Londons in eindrucksvoller Weise zum Ausdruck. Schon im weitesten Umkreis des Flugplatzes befanden sich berittene Polizei abteilungen, um den Ansturm der Menge im Zaume zu halten. Fünf Polizeikordons hielten mich auf, ois ich endlich den Flugplatz betreten durfte Trot/ des starken Unwetters ließ sich die begeisterte Menge nicht abschrecken. Tapfer verharrte sie auf beiden Seiten der Zufahrtstraße im strömenden Regen viele Stunden, um, wenn auch nur für einen Augenblick, dem Ministerpräsidenten zujubeln zu dürfen. Auf dem Flugplatz selbst befanden sich die Vertreter der englischen Regierung, der britischen Dominien, des diplomatischen Korps und der Presse. tonte nämlich in seiner Rede, daß wenn die Tsche­chen es aufgegeben haben, für die alten Grenzen der Tschechoslowakei zu kämpfen, sie nun wenig­stens allein in der neuen Heimat wären, die sie zu retten vermochten. Darum forderten sie ihre tsche­chischen Landsleute auf, ihren neuerstandenen Na­tionalstaat mit allen Kräften zu stützen, und vermut­lich darum wies Herr Syrovy darauf hin, daß wenn die Tschechen nun zwischen engeren Grenzen zu leben gezwungen sind, sich wenigstens auch ihr Verhältnis zu den Nachbarn ändern würde. Wenn wir richtig zu lesen verstehen, dann kann das nicht anders gedeutet werden, als daß die Tschechen sich nun vernünftigerweise entschlossen haben, sich auf den tschechischen Nationalboden zurückzuziehen. Es wird ja sowohl in Berlin wie in London als auch in Paris, Rom, Warschau und Budapest einleuchtend sein, daß wenn die Tschechen in ihrem Nationalstaat allein sein und ihr Verhältnis zu ihren Nachbarn aufrichtig ändern wollen, sie nicht gleichzeitig eine Symbiose mit oder eine Unterdrückung von zwei­einhalb Millionen Slowaken, einer Million Magyaren, fiinfmalhundertfünfzigtausend Russinen und zwei­hunderttausend Polen gemeint haben konnten. Jedenfalls möchten wir diese sehr vernünftige Lesart der resignierten Manifeste der beiden tschechischen Militärs den Regierungen der Vierermächte zur Er­wägung empfehlen. Dabei möchten wir es aber auch nicht unter­lassen, kraft unserer zwanzigjährigen — wenn nicht gleich siebenhundertjährigen — Erfahrung, auch auf die Möglichkeit hinzudeuten, daß dies alles nicht so ganz aufrichtig gemeint ist und daß der Hradschin wieder die Absicht zeigt, die beliebtenUnterhandlungs- tricks nach allen Richtungen hin spielen zu lassen. Nach dem Westen hin tiefe Verbeugung und heroi­sche Unterordnung mit der Begründung, die Stärke und die Größe einer Armee bestehe darin, daß sie, wenn der Gegner stärker ist, sich siegreich und kampflos zurückzieht. Das überrascht uns nicht, denn es bestätigt gewisse Erfahrungen, die wir in frühe­ren Zeiten gemacht haben. Dann mag jedoch dieser Prager Vorgang auch heißen: wenn sie sieh schon dem übermächtigen westlichen Nachbarn gegenüber nachgiebig erwiesen haben, dann wollen sie von ihren Exverbündeten wenigstens eine Unterstützung in der Hinsicht herausschlagen, daß man ihnen die Vergewaltigung des in einer Richtung angewendeten Grundsatzes wenigstens nach den anderen Richtun­gen hin gestatte. Die große Parlamentsrede Neville Chamberlains — besonders der wunderschöne und erhabene Auf­takt zu dieser Rede —, die von ihm und Adolf Hitler Unterzeichnete, der ganzen Menschheit Frieden ver­heißende Botschaft von heute früh, und die Worte, die er in Heston bei seiner Ankunft an das britische Volk gerichtet hat, in denen er den Ausbau eines dauerhaften europäischen Friedens verspricht, be­stärken uns in unserer Zuversicht, daß sun in Europa — auch mit unserer werktätigen und Adligen Hilfe — tatsächlich Gerechtigkeit und Billigkeit wal­ten sollen. Denn nur auf historischer Grundlage, un­ter Berücksichtigung des Prinzips der nationalen Zusammengehörigkeit, der Erfüllung der Wünsche d.r betroffenen Bevölkerungen und der Anwendung gleicher Grundsätze für alle kann in Europa wirk­lich Friede geschaffen und eine neue Ordnung auf­gebaut werden. An dieser Arbeit teilzunehmen, um für die Zukunft der europäischen Zivilisation wirk­lich Großes leisten zu können, wird der ungari­schen Nation und ihren beglaubigten Vertretern eine große Ehre sein. Mit dem festen Entschluß — den die Regierung Béla v. Imrédys auch bisher unentwegt zum Ausdruck gebracht hat —, die Forderungen un­serer Volksgenossen niemals im Stiche zu lassen, sind wir bereit, allen Schwierigkeiten trotzend, den auf uns entfallenden Teil der Aufgabe zu leisten und erwarten dabei, daß uns gegenüber gerecht und loyal vorgegangen werde.

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