Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1938. december (85. évfolyam, 273-297. szám)

1938-12-01 / 273. szám

Die Lehren des 30. November für Frankreich Graf Ciano über die Vorgeschichte und die Folgen der Münchner Konferenz Italien und Deutschland haben dem Frieden einen entscheidenden Dienst erwiesen Den tschecho-siowakisch-ungarischen Streit konnten nur die beiden Achsenmächte durch einen gerechten Schiedsspruch beenden — Die Achse Berlin Rom ist ein gewaltiges instrument, das in der Gestaltung der historischen Entwicklung ent­scheidend in die Waagschale fällt Richtigstellung falscher Kombinationen - Warme Sympathie­kundgebungen für Ungarn Budapest, 30. Novemlber Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, stehen die ausführlichen und umfassenden Berichte über den Verlauf des 30. November in Frankreich noch aus. So viel scheint immerhin festzustehen, daß es dem Allgemeinen Gewerkschaftsibund nicht gelungen ist, durch die Verkündung der General­streikparole zum Protest gegen die Notverordnungen der Regierung das Wirtschaftsleben Frankreichs auch nur für einen einzigen Tag lahmzulegen. Es konnte der französischen Arbeiterschaft, der streik- gewohntesten und der Gewerkschaftsdisziplin am meisten gehorchenden unter allen organisierten Massen der Welt, nicht klar gemacht werden, daß sie sich einer zeitlich begrenzten — von vier Uhr morgens bis sieben Uhr abends dauernden — Ar­beitsniederlegung zuliebe, die lediglich allge­mein-politische Zwecke verfolgt und nur wenig mit den besonderen und ausschließlichen Interessen der Arbeiterklasse zu tun hat, den schweren Folgen und Rückwirkungen aussetzen soll, die solche Aktionen notwendig mit sich bringen. , Und so traten etwa 60 Prozent der Arbeitenden in den Morgenstunden an ihre Arbeitsplätze, weitere 15 bis 20 Prozent folgten zwangsweise den militäri­schen Stellungs- und Ordnungsbefehlen, und die Arbeit der restlichen 20 bis 30 Prozent, vielleicht auch weniger, konnte durch das von der Regierung mit einem Riesenaufwand im voraus organisierte Notstandspersunal einigermaßen zufriedenstellend verrichtet werden. In diesem Sinne kann gesagt werden, daß die Generalstreikparole fehlgeschlagen und die staatliche Ordnung gesiegt hat. Mit dieser Feststellung ist jedoch das Problem des 30. November kaum berührt, geschweige denn gelöst. Es kommt nämlich nicht darauf ah, ob die Gewerkschaften mit der Generalstreikparole einen adäquaten Ausdruck für die oppositionelle Stim­mung gefunden haben; auch ist es auf längere Sicht ziemlich gleichgültig, ob es mit der Aufbietung der ganzen Exekutivgewalt gelingt, einen Generalstreik zu vereiteln — die Kräfte, die zu dieser Auseinander­setzung geführt haben, wirken fort, und auf diese kommt es einzig an. Politisch gesehen, war diese Streikbewegung nicht allein,Sache der extremen Linken. Es haben am Generalstreik in nicht unwesentlichem Maße kleinbürgerliche Schichten, wie etwa Kleinrentner und Pensionsbezieher mitgewirkt, und viele patrioti­sche Vereinigungen, wie z. B. fast alle Verbände der Frontkämpfer, standen ihm sympathisch gegenüber. Die politischen Voraussetzungen reichen weit und umfassen die gaaize Kräfteverteilung der gegen­wärtigen französischen Politik. * * * Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Krise, die Frankreich erschüttert und sich in solchen Aus­brüchen wie dem vom 30. November manifestiert, nicht durch- die vorübergehenden Symptome der jetzigen Lage zu begründen sucht, sondern durch die politische und wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre. Es ist bekannt, daß bis zur Periode der ersten Blum-Regierung Frankreich das in sozialpolitischer und soziallegislativer Hinsicht zurückgebliebenste Land des Westens war. Dieser Stand entsprach weder den wirklichen Machtverhältnissen zwischen der Arbeiterschaft und den materiell besser gestell­ten Schichten der Gesellschaft, noch den herrschen­den bedeutenden bürgerlichen Freiheiten. Immerhin bedurfte es einer so großen Umschichtung, wie sie die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der dreißiger Jahre verursachte, um im politisch ganz eigenartig maßgebenden und zum größeren Teil provinziellen Kleinbürgertum das Bewußtsein der Notwendigkeit durchgreifender Reformen zu erwecken, als dessen Resultat dann die Volksfront zustande kam, die das erste Kabinett Blum mit seinem sozialpolitischen und soziallegislativen Hochbetrieb stützte und schützte. Nun fiel dies aber bereits in eine Zéit, da die Kurve der Weltkonjunktur in einigen Ländern im steilen Aufstieg begriffen war, da die Schäden der großen Krise im Wirtschaftsbetrieb des ganzen Lan­des nur durch ein ,£nrichissez-vous!“ hätte über­Die große Rede, die der italienische Außen­minister Graf Gíleázzo Ciano heute in der faschisti­schen Kammer hielt, kann mit Recht den Anspruch auf den Rang eines historischen Dokumentes er­heben. Zum ersten Male haben wir hier von einem der hauptsächlichsten Mitbeteiligten die wahre, um­fassende und objektive Geschichte der Abmachungen von München gehört. Dem jungen, energischen Außenminister der italienischen Großmacht war es in dieser Rede auch darum zu tun, gewissen in einem Teile der Weltpresse Bürgerrecht genießenden Kom­binationen den Boden zu entziehen. Er wies mit un­widerlegbaren Zahlen und Angaben nach, daß bei der Lösung der Septemberkrise Italien in keinerlei Hinsicht, also auch militärisch, nicht beiseite stand, sondern durch umfassende und energische Maß­nahmen, an denen dös ganze italienische Volk mit bewunderungswürdiger innerer Disziplin teilnahm, sich in den Zustand höchster Durchschlagskraft -ver­setzte. Die ganze Vorgeschichte der Münchner Kon­ferenz, wie Graf Ciano sie jetzt mit vorbehaltloser Offenheit lüftete, zeigt die haargenaue, zielbewußte und an keinem Punkte versagende Zusammenarbeit der Mächte der Achse Rom—Berlin, aber auch das entscheidende Gewicht, mit dem Italien in die Ge­staltung der Ereignisse eingreifen konnte. Die vom Außenminister Ciano gebotene Schil­derung dieses abgeschlossenen Kapitels der Welt­geschichte gipfelte in der Feststellung, daß die Zu­sammenarbeit des faschistischen Italien und des nationalsozialistischen Deutschland heute eine be­stimmende Kraft der europäischen Geschichte ist. Die bewegende Kraft dieser Zusammenarbeit ist der Wille zu einem gerechten Frieden, wie er im ungarisch-tschecho-slowakischen Streitfälle durch wunden werden können. Es war ein fiir die soziale Neugestaltung denkbar ungünstiger Zeitpunkt — und als man dies begriffen hatte, waren zwei Deval­vationen wirkungslos verpufft und die große kon­junkturelle Chance verpaßt. Unter solchen Umstän­den ist es nur allzu verständlich, daß das Kapital, mißtrauisch und ängstlich gestimmt, mit allen Mit­teln des Protestes und der Verteidigung reagierte: Kapitalflucht und Währungssturz waren die erste Folge, Erschütterung des wirtschaftlichen Ver­trauens und somit der Volksfrontsolidarität zwischen Arbeitern und Kleinbürgern (unter französischen Verhältnissen weitgehend identisch mit Kleinrent­nern) die zweite. Der akute Tiefpunkt einer Kon­junkturwelle wurde durch diese unglückliche Ver­kettung für das Produktions- und Erwerbsniveau einer chronischen Krise bestimmend. Die politischen Konsequenzen zeigten sich bald in der Form einer Neuordnung der Fronten. Die Arbeiterschaft verteidigte verbissen und verblendet die sozialen Errungenschaften, die allmählich zum unberührbaren Fetisch erklärt worden sind und selbst im Dienste höchster Interessen des Gesamt­wohls — wie etwa der Landesverteidigung und des unmittelbaren Schutzes der nationalen Produktion, deren schicksalsschwere Bedeutung auch der Arbei­terschaft einleuchten mußte — nicht angetastet wer­den durften. Die Ablehnung und Bekämpfung des sehr vernünftigen, nicht zuletzt auch der Arbeiter­schaft nützlichen und die sozialpolitischen Errun­genschaften kaum tangierenden Revnaud-Plans be­ruht auf dieser „Mam’selle Nitouche“-Ideologie. Die von dieser fanatischen 40-Stunden-Mystik unberührten Schichten sehen natürlich die Aufga­ben der Stunde in einem ganz anderen Lichte. Sie wollen vor allem die Produktion erhöhen, das Ge­Italieu und Deutschland verwirklicht wurde, und der, wie Graf Ciano mit Recht hervorhob, nur durch diese beiden Mächte verwirklicht werden konnte, die, untereinander in jeder Hinsicht einig und vom gleichen Ansehen bei den beteiligten Völkern um­geben, in dieser Frage die Rolle des Schiedsrichters auf sich nehmen konnten. Uns Ungarn gereichen die wannen und von hohem Gerechtigkeitswillen, zeugenden Worte, die der italienische Außenminister in diesem Teile seiner Rede über unsere nationale Sache sprach, zur tiefsten Genugtuung, und mit großer Dankbarkeit verzeichnen wir die überaus warmen Sympathiekundgebungen, die. die italieni­sche Kammer bei diesen Ausführungen Ciános der ungarischen Nation bereitete. Die Rede des Grafen Ciano bezog sich aber nicht bloß auf die Vergangenheit, sondern blickte auch kühn in die Zukunft. Graf Ciano riß eine gewaltige Vision von der künftigen Mission Italiens auf, wie sie nur durch die entscheidendén ’Tateh des fäschi- ' stischen Regimes möglich wurde: 1 eitle Vision des ; neuen Reiches, der neuen Realitäten int ’Mittelmeer und in Afrika, von denen auch solche Schritte der italienischen Politik wie die Vereinbarung mit Eng­land erst ihren wahren Sinn erhalten. Italien »st sich heute dieser römischen und imperialen Sendung voll­kommen bewußt und vertraut sich der Führung an, die sich die Verwirklichung dieser Sendung zum un­verrückbaren Ziele setzte. Die Vision von jenem Rom, das den Völkern die gerechten Grenzen weist und- den Weg des Wiederaufbaus zeigt, diese Vision, in der die große Rede des Grafen Ciano ausklang, kann in wenig Ländern so tiefes Verständnis finden wie in Ungarn, das am eigenen Geschick den hohen Wert der Frieden stiftenden und Unrecht tilgenden italienischen Politik erleben konnte. triebe der Wirtschaft wieder in Gang bringen. Und in Verfolgung des Zieles sind sie zu jedem Einsatz bereit. Die letzten Jahre waren für sie und für ganz Frankreich Jahre des Zeitverlusts und dieser muß wieder wettgemacht werden. Die bürgerlichen Parteien betrachten ihrerseits den Faktor der Zeit, die Dringlichkeit des „redres- sements“, der Wiederaufrichtung der Wirtschaft, als entscheidend und sind ebenso kompromißlos auf die Verwirklichung des „Sofortprogramms“ der Produk­tionserhöhung bedacht, wie die Arbeiterschaft auf die intakte Wahrung der Sozialgesetze. * * * Wie diese Gegensätze zur Austragung gelangten, dabei war ein politischer Faktor ausschlaggebend: das veränderte politische Bewußtsein der Franzosen. Der tiefste Grund der Wirrsale in Frankreich liegt in der Krise, die das Sicherheitsgefühl des Volkes durchzumachen halte Es waren gerade die Volksfrontregierungen, die notgedrungen in der Außenpolitik gx-ößte Zurück­haltung üben mußten. Die Blumsche Nichtinterven- fionspolitik im spanischen Bürgerkrieg hat zwar d3s übergreifen des spanischen Konflikts auf Europa verhindert, doch mußte sie auf die innenpolitische Position der Volksfront um so nachteiliger einwir­ken, je mehr, das Ringen in Spanien eine ideologische Färbung annahm: die Neutralität: in .diesem Konflikt ebenso wie später in der tschechischen Frage hat Frankreich den Frieden erhalten, und das Volk rea­gierte darauf mit einem Taumel der Erleichterung — als aber die Welle der unmittelbaren Gefahr: ab­gezogen war, standen die ideologischen Grundlagen der Volksfront ausgéhöhlt da. Sie gingen zugleich mit dem osteuropäischen Bündnissystem Frank' Kin! OsfejSss. X / '"V" U' < \ ^) Aá*?WŰTT w x ■ PREIS 16 FILLER & ff l ' Bezugspreis« Anzeigenannahme inland- Bpii. 8M1BBI MR591BÄ3MB3S UJJKl HM MM grfri IHTft MTI HffllHfc ‘n Budapt4> Moreen- und Abendblatt: Viertellährllcb % V SyTjjfj^í WMI ''M OHE "'WB Bi® te der Admimstration de* Pester Uopl IS P, monatlich 6.40 P. Nur Morgen- W n 86 ff BL W S Eg aß Kg ff §SÉ §§& fü H MM 1Ü 'S & sK !B und <n den Anzeigevermittlungen Ais A -U. hiatt: Vierteljährlich IIP, monatlich 4P. Kt Kg E® Kn ” 9 §82 SB IBM gg! B9 IMS W§ vkM Hg §9 Alexander Balogh, J. Blooxner.i. Blau Boroa, Nur Abendblatt: Vierteljährlich 8 P. IW MP KL» Kal JßSL™ IPS BK RpS igl §&« ®fg Braun. Joief Erde», Haroonjl, Haasenateln monatlich 3 P. — Für die separate Zu- gSEM KB Sjni BR tej US BM HB f|8 * Vogler. Cornel Leopold, Julius Loopold, Sendung des Abendblattes nach der Pro- figKjj mm In KJ, ÜSN SreP sEjl Em gjss Magyar H Ir tető Iroda, Rudolf Bosse A.-Q, «inz ist vierteljährlich 1P zu entrichten. iS j|8s K W T» Sn ■ Sgä ES Ejg jfl |§1 B ág« ÍS9 «5« Baj EH Julius Tenzer. „ JL JLi M. JLiJLli A MJM “tseslKíTSSsí-* Is Oeutaehland bet direkter Kreuzband- HBHK HH H8NBH K»K er KH^KH KSKI »usendung vierteljährlich 18 RM, in Brie,e ohne Rückporto nicht beantwortet allen übrigen Staaten 30 P. Das Blatt Offerten sind Dokumente nur in Ab­kann durch sämtliche ausländischen • schritt beizulegen.Für Beilagen lehnt di« Postämter bezogen werden; m Wie» _______ ___ __ ___ ___ _______________ Administration jede Verantwortung ab. a uch durch Morawa & Co. L. Wollzeile U. IVfORriPlVRTATT - ? Redaktion, Einzelnummer : a BR Administration und DruckerK Ir Budapett und in der Provinz: Morget* Budapest VL, EOtvüs-ucca 12, blatt an Wochentagen 16 filier, an Sonn- no->sr n tagen 3* fillér; Abendblatt 10 fillér. • Telephon« 112-350. 85. Jahrgang Budapest, Donnerstag, 1. Dezember 1938 Nr. 273

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