Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1939. február (86. évfolyam, 27-48. szám)

1939-02-02 / 27. szám

Die Hoffnung auf langen Frieden Budapest, 1'. Februar ( in den vier Monaten, die sek dem Münchner Abkommen vergangen sind, hat sich die internatio­nale Lage so weit geklärt, daß man heute nieder auf längere Frist vorausdenken kann und wenn sich auch niemand wagen würde, auf Prophetien einzu­gehen, so kann man doch angesichts der allgemeinen Beruhigung vom Frieden auch anders als in den bloßen Worten der Hoffnung sprechen. Diese Entwicklung ist in erster Linie zweifellos der sogenannten „appeasement policy“ zu verdanken, •der zwar Chamberlain den Namen gegeben hat, die jedoch in ihrer Ausgestaltung ein gemeinsames Gut der vier- Staatsmänner von München ist. Die euro­päische Dauerkrise wurde im Verfolg dieser Politik als eine Vertrauenskrise erkannt, deren Überwindung also durch die Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens auf Grund oflenmütiger Aussprache und abseitiger Konzessionsbereitschaft möglich ist. Während des nunmehr sehr weit fortgeschritte­nen Klärungsprozesses hat es sich nun heraus­gestellt, daß die Großmächtestruktur Europas — die Achse Rom—Berlin mit ihrer Interessensphäre in Ost- und Südeuropa, nie die Entente London—Paris, deren, wesentlichste Interessen außerhalb des Kon­tinents liegen — absolut fest gefügt ist und eine Politik, die sich zum Ziel setzte, Spannungen und Probleme durch Zerstörung dieser Stiuktur zu lösen, notwendig fehlgehen, mehr noch, die größten Ge­fahren heraufbeschwören muß J'ede Politik, die damit rechnete, Italien könnte von der Seite Deutsch­lands oder Frankreich von der Seite Englands ab ge­bracht oder gar weggelockt werden, greift ins Leere. Die Realität und Solidität der Achse und der Entente ist nrht wegzudenken und jede sinngemäße poli­tische Überlegung muß auf absehbare Zeit im Rahmen dieser Grundsituation gehalten werden. Die erste Konsequenz hievon ist, daß ein Aus­gleich von widerstreitenden Interessen und Forde­rungen nur auf der Viermächtebasis zu erreichen ist. Dies bedeutet freilich nicht, daß irgendeine Kollek­tivpolitik gepflogen werden müßte; im Gegenteil: die zweiseitigen Querverbindungen haben sich als außer­ordentlich nützlich erwiesen, wie dies gerade in den letzten Reden Hitlers und Chamberlains bestätigt wurde: wenn zwischen England und Deutschland zurzeit keine politis"hen Besprechungen in Aussicht genommen sind, so kommt eben dem reger werden­den französisch-deutschen Verkehr, insbesondere dem soeben (von italienischer Seite!) angekündigten Be­such Bonnets in Berlin erhöhte Bedeutung zu, und wenn Chamberlain auch in Rom keinen Versuch unternommen hat, zwischen Frankreich und Italien zu vermitteln, so bieten die guten Beziehungen zwi­schen London und Rom eben doch eine Gewähr dafür, daß es zu keiner äußersten Zuspitzung der Mittelmeerfrage kommt. Die friedliche Aussicht, die sich hier eröffnet, soll freilich niemand über die Schwierigkeit der schwebenden Fragen der Großmächtepolitik hinweg­täuschen. Als erstes muß man bedenken, daß zurzeit ein-Rüstungswettlauf im Gange ist, wie ilin die Welt noch nicht gesehen hat. Und wenn auch allseits die Verteidigung als Motiv angeführt wird, so heißt dies doch nur, daß man als Eventualität einen Angriff noch immer in Rechnung zieht. Und wenn es dann wieder heißt, daß nur mit einer entsprechenden Waffenmacht als Rückhalt Ausgleichsverhandlungen erfolgreich geführt werden können, so bedeutet das eine Verpflanzung des Mißtrauens in die Zukunft Als Tatsache wird die Entspannung erst realisiert sein, wenn ein Weg zur wirksamen Rüstungs­beschränkung gefunden wird — ein erfreuliches Zeichen, daß in der Weltpresse seit einigen Tagen auch hierüber Kombinationen aufgestellt werden. Eine kaum minder große Sorge als die Rüstungs­frage ergibt sich aus der kolonialen Problematik. Es liegen zwar sowohl von deutscher als auch von ita­lienischer Seite zweifellos aufrichtige Zusicherungen vor, daß eine kriegerische Lösung nicht in Frage komme, doch sieht man andererseits in England und Frankreich wenig Neigung, über Gebietsabtre­tungen in Übersee zu verhandeln; daß aber, durch allfällige wirtschaftliche Konzessionen Ansprüche dieser Art nicht erledigt werden können, ist eine These, die Hitler und Mussolini oft genug vor der Öffentlichkeit vertreten haben. Das scharfe Dementi verschiedener .Anleihegerüchte gehört zu den stän­Der deutsche Kolonialanspruch Die Auffassung des halbamtlichen Organs des deutschen Außenamtes Englische Politiker für die Rückgabe — Warme italienische Unterstützung Besuch Bonnets in Berlin Berlin, 1. Februar (DNB) Der diplomatische Mitarbeiter der Ber­liner Börsenzeitung Karl Megerle beschäftigt sich mit den Ausführungen Adolf Hitlers über die deutsche Kolonialfrage und schreibt dazu: — Das deutsche Volk stellt den Kolonial- anspruch nicht nur mit den Argumenten des ver­letzten Rechtes, der moralischen und politischen Gleichberechtigung und der Ehre, sondern es ge­horcht dabei dem Befehl der Not, dem Recht auf Ar­beit, Brot und Freiheit. Es wäre eine Heuchelei, Deutschland Kolonien mit der Behauptung zu ver­weigern, es könnte seinerseits strategische Absichten im Schilde führen. Man schließt dabei von sich auf andere. Die klassische Stützpunktpolitik aller Zeiten und Nationen ist bekanntlich von England entwik- kelt worden. Sie hat dabei niemals auf die Gefühle und Sicherheiten anderer Volker Rücksicht genom­men. Heute dem mächtigen Deutschland, das durch den Flotten ver trag freiwillig die Lebensinteressen des Empires anerkannt hat, verweigern zu wollen, was man dem schwachen Deutschland der Nachkriegs- jahre vorenthalten konnte, wäre eine Kurzsichtigkeit, die sich nicht einmal wirtschaftlich rentieren würde. Der Preis ist der Friede unter Zufriedenen. Daraus ergeben sich dann von sélbst all die wohltätigen Rückwirkungen, auf die alle Völker warten. Englische Politiker für die Rückgabe der deutschen Kolonien Berlin, 1. Februar (DNB) Unter dem Eindruck der Rede des Füh­rers vor dem großdeutschen Reichstag stellten Diens­tag abend drei bekannte englische Politiker dem 12-Uhr-Blatt Beiträge zur Verfügung. Das" Oberhausmitglied Lord Rcdcsdale of Rcdes- dale schreibt, es sei absurd gewesen, Deutschland seinerzeit die Kolonien wegzunehmen, und betont, Deutschlands Wupsch sei gerecht, er müsse befrie­digt werden. Lord Redesdale betont ferner, daß Hitler dafür, daß er Deutschland davor bewahrte, bolschewistisch zu werden, den innigen Dank nicht nur Europas, sondern der ganzen zivilisierten Welt verdiene. Der bekannte Historiker William Harbutt Daw­son weist darauf hin, daß die früheren Feinde Deutschlands allein den Schlüssel zur internationa­len Befriedung in ihren Händen halten. digen Aufgaben der deutschen und italienischen Ausland-Presisepoliiik. Nun ist es leider 60, daß Stö­rungen in der europäischen Atmosphäre sich unge­heuer schnell verbreiten und daher würde eine Ver­schärfung der Kolonialdiskussion vieles, was mit Mühe aufgebaut wurde, dem Blitz und dem Gewitter ausisetzen, — der .Münchner Apparat dürfte aber schließlich doch dafür sorgen, daß eine entspre­chende Ableitang gefunden wird. Eine weitaus geringere Bedeutung kommt heute schon — gottlob — der Spanienfrage zu. Sie ist heute mehr der Barometer der europäischen Lage als ihr „Wettergott“. Der Intervention isrnus liegt end­gültig danieder; nach der letzten Diskussion in der französisenen Kammer und nach den letzten Erklä­rungen Chamberlains im Unterhaus dürfte er auch als eine von gewissen Kreisen erwogene Möglichkeit ausf allen. Ebenso unwahrscheinlich ist es, daß von der englischen oder französischen Innenpolitik her schädliche Einflüsse auf die Außenpolitik ausgehen könnten. Der Stand der Regierungen Chamberlains und Daladiers ist fester denn je. Vertrauenskund­gebungen, wie die gestrige Rede Lord Baldwins, ver­fehlen ihre Wirkung nicht und dürften gerade in jenen Kreisen der Konservativen Partei einen star­ken Eindruck machen, wo sich zeitweilig ein ge­wisses Dissidententum bemerkbar machte, das ge­fährlicher gewesen wäre als irgendein Angriff der Linksopposition. Ähnlich hat sich auch Herriot in Sir Ernest Bennett schreibt, daß der Vertrag von Versailles ungerecht war. Es sei die moralische Pflicht Englands, die deutschen Kolonien Deutsch­land zurückzugeben. Agenzia Stefan!: Man kann keine Koope­ration mit Deutschland wünschen, wenn ihm gleichzeitig das Recht auf seine Kolonien verweigert wird Rom, 1. Februar (MTI) Der diplomatische Redakteur der Agenzia Stefani schreibt: — Der Führer und Reichskanzler Hitler hat in seiner Rede, der eine historische Bedeutung zu­kommt, die Zusammengehörigkeit des Germanen­tums mit dem Römertum bekräftigt. Zwei große Völker sind im Frieden und im Krieg, in der Gegen­wart und in der Zukunft beisammen. Die ölfentliehe Meinung Italiens hat mit größter Freude die Aner­kennung der historischen Bédeütung Roms, der Größe Mussolinis und der Militärmacht des faschisti­schen Italien vernommen. Über diese Schicksals- gemeins"haft hat Reichskanzler Hitler Worte ge­braucht, die in dér Seele der italienischen Nation tiefen Widerhall weckten. Die Feststellung der engen Zusammengehörigkeit der beiden Achsenmächte ist für die Gestaltung der Ereignisse in Europa von grundlegender Bedeutung. Die beiden Revolutionen haben sieb gegen den gemeinsamen Gegner vereinigt und schreiten Schulter an Schulter dem großen Ziel entgegen: auf den Ruinen des Friedens von Versailles <m neuen Eurooa den Frieden der Gerechtigkeit, zu schaffen. Der Führer hat das Kolonialproblem mit geradezu gewaltiger rhetorischer Kraft beleirhtct. Keine andere Nation als die italienische vermag das Recht Deutschlands besser zu verstehen, wieder in den Besitz seiner Kolonien zu gelangen; hat doch Mussolini in seiner denkwürdigen Rede in Rom dieses Recht auch mit voller Offenheit bekräftigt. Deutsch­land wünscht Gebiete nicht von anderen, es fordert: seine deutschen Kolonien zurück, die dureh deutsche Arbeit fruchtbar gemacht wurden, und deren die deutsche Expansion bedarf Man kann eine Zusam­menarbeit mit Deutschland nicht verlangen, wenn man ihm gleichzeitig die Ansprüche auf die Kolonien verweigert. Die Worte des Reichskanzlers Hitler letzter Zeit mehrfach mit Daladier solidarisch ge­zeigt. Im deutschen, englischen und französischen Parlament sind die entscheidenden Worte — Worte des Friedens! — bereits gefallen. Nun blickt alles nach Rom, wo Mussolini sprechen wird. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß auch seine Rede einen ebenso friedlichen Aspekt zeigen wird, wie die Hitlers, nur dürfte er die Forderungen Italiens her­vorkehren, die freilich in außenpolitischer Hinsicht akuter sind als die Deutschlands, dessen Kolonial­problematik von Hitler zunächst einmal wirtschaft­lich (und andererseits auch allgemein-moralisch) präzisiert wurde. Immerhin halten sich die Aspira­tionen Italiens fraglos im Rahmen der Gegebenhei­ten, unter denen an erster Stelle der Friede steht: na­türlich muß man die erweiterte Machtstellung des italienischen Imperiums auf allen Seiten als eine solche Gegebenheit anerkennen. An der Spitze der vier europäischen Großmächte stehen heute verantwortungsbewußte Männer, die. sich — wie gerade die Überwindung der letzten großen Krise beweist — auch unter den schwierig­sten Umständen verständigen können. Sie wissen auch, daß ihre Völker vom gleich heißen Wunsche nach dem 'Frieden durchdrungen sind; und sie haben erkannt, daß der Friede nur dann dauerhaft und aufrichtig sein .kann, wenn er sich auf die Lebens­rechte der Völker gründet. PREIS 24 FILLÉR Bezugspreis« Anzeigen an nahm« JKorgen- and Abendblatt: V)erte!|S?itfleh jWBPB Nl der Administration des J.i P, monatlich 6.40 P. Nui Morgen- BH B) HS ■ BL H ■ B B MB Hb |H B9 AB Ijß W Jf BgS »S& and m den Anzeigevermittlungcn Ala A-8. bldll: Vierteljährlich 11 P, monatlich 4 P. ffiSB ESI «äh. ” ® SB ■ fiX il® SSf S3* SS SS SB 'S&jff §E Im Aiezandar Balogh, j. Bloomier. J. Blau, Boros, Kur Abendolatt Vierteljährlich 8 P. ITj IW ESL» Bh. 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