Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1939. június (86. évfolyam, 123-145. szám)

1939-06-01 / 123. szám

Ungarisches Buch ­ungarische Kultur Außenminister Graf Csáky gegen die nationale und konfessionelle Unduldsamkeit Große Rede anläßlich der Übernahme des Soproner Mandates Budapest, 31. Mai In schweren, von schicksalhaften Entschei­dungen trächtigen Zeiten feiert Ungarn trotz der Bangigkeit der Herzen und der Angst der Seelen die Tage des Buches. Die wohlbekannten schmucken Zelte der verschiedenen literarischen Gruppen, Ver­leger und Buchhändler erscheinen wieder einmal auf den Straßen; die Dichter, gewöhnt, in die- Welt nur ihre Werke hmauszuischidken, treten in eigener Person an ihre Leser heran. Es muß sich nun ein jeder, wenn auch nur für einige Minuten, dem un­garischen Buch zuwenden, sich seiner Sache an­nehmen, seinen Suggestionen Seele und Herz freudig zugänglich machen. Die folgenden Tage werden- den Problemen des ungarischen Buches gehören — es gibt ja seiner brennenden Sorgen genug für viel mehr als drei kurze Tage —, den ersten Tag wollen wir aber der Grundlage widmen: was ist der Sinn und die Aufgabe der Literatur in unserem ungarischen Leben. Es gibt eine Auffassung, nach der die Einheit und Kontinuität der ungarischen Kultur vor allem durch die heldenhafte Anstrengung ihrer großen Geister aufrechterhalten wird. In dieser Form ent­hält diese 'Feststellung nicht die volle Wahrheit, unbestreitbar ist es indessen, daß die Seher und Künder der Schicksalslage des Volkes, die Offen­barer seiner tiefsten Sehnsüchte, die Gestalter seiner Persönlichkeit, die Wahrer Und Künder seiner Sendung die ihm treuen großen Dichter Waren, Sie sind aber auch Dichter im edelsten Sinne des Wortes, nicht nur Hände, die eine gewandte Feder zu führen verstanden, nicht nur Meister in der Wissenschaft des schönen Redens und Schreibens, sondern edle, volle Persönlichkeiten, für die das Schaffen den Einsatz des ganzen Menschen be­deutete, den Dienst an etwas Höherem, kein bloßes Spiel mit Worten, Farben, Gestalten, sondern tiefste Humanität in entsprechendste Form geprägt. Deshalb erscheinen sie uns als die Verkörperungen des Edelsten davon, was wir ungarisch nennen. Wie Berge ragen sie aus den Tiefen empor und verleihen auch den Tälern ihren Sinn. Sie sind einsame Gipfel; im weiten Raum der Jahrhunderte grüßen sie einander und weisen den Weg des Volkes. Die ungarische Literatur bedeutet die Anstren­gung eines kleinen Volkes, um sein Menschentum, seine Seele zu verewigen, um das Bewußtsein über sein Wesen und seine Sendung wach zu halten. Das Nationale gehört daher zu den reichsten Quellen ihrer Inspirationen. Der ungarische Schriftsteller ist viel mehr in die Welt seines Volkes einge­schlossen, als der westeuropäische; bei den größten scheint uns die Verquickung persönlichster Offen­barungen mit den Schicksalsfragen des Volkes voll­ständig zu sein. Ungartum bedeutet in erster Linie keine blutmäßige Determination, sondern eine geistige Entscheidung; etwas Seelisches; Sitte und Lebensform. Die Hüter des Geistigen sind aber vor allem Dichter und Denker. Wenn das ungarische Volk durch politische Leidenschaften auf Irrwege verleitet oder durch gewaltige historische Strömun­gen in seinem Bestand bedroht wurde, so waren es immer seine Dichter und Denker, die aus den Er­fahrungen die Lehre zogen und der in ihrem Leben bedrohten Gemeinschaft die Kraftquellen der geistigen Heimat zugänglich machten. Muß darauf besonders hingewiesen werden, daß diese Verquickung des Persönlichen und Nationalen keine Abkehr vom Allgemein-Menschlichen, keinen Verzicht auf das Christlich-Europäische bedeutet? Es ist nicht zu leugnen, daß wir eine der wichtigsten Triebfedern der ungarischen kulturellen Entwick­lung in der Auseinandersetzung mit dem mitteleuro­päischen und dem westlichen Geist erblicken müssen. Als Spälgekommener mußte sich das Ungartum einer bereits gefestigten geistigen Welt einfügen. Obschones auch viele, vor allem dem romanischen Westen ver­wandte Eigenschaften besaß, so muß es doch auch Selbstverleugnung üben, um wirklich volleuropäisch zu werden. Seine Zucht, seine Einsicht, seine Bil­dung sind westeuropäischen Charakters, seine Erin­nerungen und Sehnsüchte suchen indessen oft un-ter- oder außerhalb der europäischen Kultur nach Ver­bündeten. Der Streit des treuen Bewußtseins und des. häretischen Instinkts ist manchmal blutig und Sopron, 31. Mai (MTI) Dem Außenminister Grafen Stefan Csáky wurde heute unter feierlichen Äußerlichkeiten und unter außerordentlich begeisterten Ovationen das Mandat der Stadl Sopron, sowie der Komitats- und Stadtliste über­reicht. Der Minister erschien in Begleitung seines Sekretärs Dr. Elemér v. l’jpétery im Automobil im Sopron und wurde vor dem „Hotel Lövér“, wo er für zwei Tage Quartier nahm, vom Obergespan Paul Högtjészi, Bürger­meister Michael Sopronyi-Thurner und Vizegespan Josef Czillinger empfangen. Graf Csáky nahm nachmittag am Tee der Soproner Lokalgruppe des Nationalverbandes Ungarischer Frauen im Mädchenerziehungsinstitut „Ilona Zrinyi“ teil und besichtigte sodann die Turnprüfung der staatlichen Mädchenbürgerschule im Stadttheater. Das volle Haus bereitete dem Minister, den im Namen der Eltern Direktor Ludwig Csuppay herzlich willkommen hieß, begeisterte Kundgeb'.mcen. • a -jj ‘ Die Überreichung dfes Mandats Um 7 Uhr abends erfolgte im Beratungssaale des Stadthauses die Überreichung des Mandats. Unter den Notabilitäten sah man Obergespan Högtjészy, Bürger­meister Sopronyi-Thurner, Vizegespan Czillinger, Ober- liausmitglied Pap, den evangelischen Senior Ziermann, sowie zahlreiche Honoratioren von Stadt und Komitat. Als Außenminister Graf Csáky den Saal betrat, er­hob sich das Publikum und empfing ihn mit minutenlang währendem Applaus und Eljenrufen. Okonomierat Michael Dömötör, der Wahlpräsident des Einzelwabl- bezirks Sopron, verkündete offiziell das Wahlergebnis und erklärte den Außenminister Grafen Stefan Csáky als gewählten Abgeordneten, wobei er betonte, daß die Be­völkerung der Stadt Sopron und Umgebung ihrer Liebe, Anhänglichkeit und Hochschätzung Ausdruck verlieh, in­dem sie ihn mit gewaltiger Stimmenmehrheit in das Haus des Reichstages entsandte. Als der Wahlpräsident dem Minister die Mandatsurkunde überreichte, erhob sich das Publikum abermals und feierte minutenlang in herzlich­ster Weise den Außenminister. Sodann überreichte Komitatsoberfiskal Dr. Andreas Takäcsy-Nagy das Mandat des Listenwahlbezirks von Stadt und Komitat Sopron und sagte in seiner Be­grüßungsansprache im Namen der Wählerschaft dem Minister für die Tätigkeit, die er auch bisher für die un­garische Sache verrichtete, Dank. Städtischer Oberarchi­var vitéz Eugen Házy, Präsident der Lokalorganisation der Regierungspartei, dankte seinerseits im Namen der Wähler dem Grafen Csáky: — In den letzten Wochen, sagte er u. a., haben un­verantwortliche Elemente alarmierende Gerüchte verbrei­tet und damit Unruhe erweckt. Nach einem durch und durch mit reinen und ehrlichen Waffen durchfochtenem Wahlkampf können wir jetzt mit stolzem Selbstbewußt­sein vor Ew. Exzellenz treten und melden, daß die nüch­terne Bürgerschaft Soprons sich selbst gefunden hat. qualvoll. Aber die beispielhaften Ungarn schauten immer auch auf die größere Heimat: sie wollten ihr Volk für die Menschheit erhalten. Der tragischeste Zug der ungarischen Literatur liegt sicherlich in ihrem monologischen Charakter, ip ihrer Einsamkeit und Isolierung. Ihr Tiefstes bedeutet aber das un­entwegte Ringen um die Güter einer ewigen, welt­umspannenden Humanität, um den „Einklang des Vaterländischen und des Menschheitlichen“. Sinn und Sendung dér ungarischen Literatur sind auch heute die gleichen. „Die Alten sagten fast alle dasselbe, was wir sagen“, schrieb unlängst einer der bedeutendsten jungen ungarischen Dichter. Die Geschichte denkt ja nicht in Jahren und die ent- scheidensten Seinsfragen eines Volkes bleiben sich jahrhundertelang gleich. Was erwartet man also von Neuerdings erhob sich das Publikum von dsn Plätzen und applaudierte unter stürmischen Eijenrufen dem Minister. Sodann nahm Außenminister Graf Csáky zu folgenden Darlegungen das Wort: Die Rede des Außenministers Meine lieben Landsleute! Ich spreche allen Bewohnern der Stadt Sopron meinen aufrichtigen und warmen Dank dafür aus, daß sie mich mit ihrem Vertrauen beehrt haben, daß | sie darauf vertrauen, daß ich, von Glauben und ent­schlossenem Willen erfüllt, die Bevölkerung von Sopron auf dem schweren Weg des ungarischen Lebens geleiten werde. (Eljenrufe.) Ich bin aber auch für etwas anderes dankbar. Die vielen tausend Stimmen haben mir das Selbstvertrauen geschenkt, daß ich imstande sein werde, das große Werk zu vollenden. Wo/m besteht eigentlich die Arbeit des unga­rischen Lebens? Darin, unser Haus wiederaufzubauen, damit darin jedermann seinen Alltagsplatz und, wenn nur irgend möglich, auch den Festtagswinkel finde. Hinter der Regierung steht eine mächtige Partei, und die ungarische Nation hat uns demnach die politi­schen Mittel für den Wiederaufbau gewährt. Wir werden bestrebt sein, die wirtschaftlichen Mittel bis zur Grenze der Möglichkeit zu beschaffen, selbst in dem Fall, wenn dadurch eine neuerliche soziale Um­schichtung eintreten sollte. Die Vorbedingung des Erfolges liegt darin, daß wir uns mit gemeinsamer Kraft und in voller Eintracht an die Lösung der Aufgaben heranwagen. Wir können uns den Luxus der Zwietracht nicht gestatten, denn wir sind unser nicht genug und die Zeit drängt. Viele behaupten, daß es in Ungarn heute um einen Kampf der Prin­zipien geht. Das leugne ich. Ich muß voraussetzen, daß jedem nur ein einziges Grundprinzip vor­schwebt, nämlich, daß die Bewohner der ungari­schen Scholle ohne Erschütterungen, aber im be­schleunigten Tempo mit günstigeren Existenzmög­lichkeiten beschenkt werden müssen. (Lebhafter Beifall.) Ich bin aber nicht geneigt, die These anzu­nehmen, daß wir für eine gewisse Idee prinzipiell kämpfen müssen, sozusagen in einem luftleeren Raum, ohne daß die tatsächlichen Möglichkeiten und Gegebenheiten berücksichtigt werden. Ich erkenne nur ein einziges Prinzip an, das ohne Rücksicht auf Konfession und Nationalität unvoreingenommen in gleicher Weise allen Bewohnern des ungarischen Bodens den Weg erschließt (Stürmischer Beifall und Applaus), der zum Wohlergehen führt. Nur durch diese Auffassung wird es möglich, daß wir hier im Lande stark werden. Diese Kraft besitzt zwei grundlegende 'Faktoren: Anhänglichkeit an die tausendjährige ungarische Scholle, die jedes individuelle Leben umfaßt, und das Gefühl der Zu­den ungarischen Dichtern unserer Tage? Dasselbe, was man von ihren großen Vorfahren erwartet hatte: Treue zu den unvergänglichen Idealen der Nation, Offenheit und Aufrichtigkeit im Erfassen und Auf­zeigen der ungarischen Wirklichkeit; im Schaffen den Einsatz der vollen Persönlichkeit Aber auch der Dichter kann berechtigte Forderungen an das Publi­kum stellen und diese Forderungen muß man eben heute mit besonderem Nachdruck wiederholen. Auch der Dichter verlangt Treue, Hingebung, Aufmerksam­keit. Sein Wort kann seine Aufgabe nur dann erfüllen, wenn es die Seelen zu befruchten vermag. Ohne Widerhall ist sein Leben fruchtlos und leer. Es leben bedeutende Dichter und Denker unter uns und wir dürfen es nicht zulassen, daß ihre Worte wie in einer leeren Wüste verhallen, PREIS 16 FILLER B«*tig*preta* Anzeigenannahme äSTCSdldM'p MS 4^1 m V TB1 m der Adnttoirft^« Hester Uor4 UL VTL D I i ilv TI smsss» rani I r. K lil «817 11 Ausland: Sgji Aj ^ £3 ffijl jaH Jät Bffl 18 I Ba PsS Je «9 Jgw SSnS Hifl jzV Unverlangte Manuskripte werden weder ln Deutschland bei direkter Kreuzband- HÍ HHHSR WQmr IB9i ■■Mi Bfli W ■Hfl mHBH H ■■flHIHsdiy aufbewahrt, noch *}|senÍ5 Vierteljährlich 18 RM, in Briefe ohne Rückporto nicht beantwortet «ilen übrigen Staaten SO R Das Blatt . .. . . .. kann durch sämtliche ausländischen Postämter bezogen werden; in Wie« ¥äh£il.b.*.o eg^LFfli,Bell„EenJchnl di* »uch durch Morawa & Co. 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