Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1939. augusztus (86. évfolyam, 173-186. szám)

1939-08-01 / 173. szám

PREIS 16 FILLER Bezugspreise Anzeigenannahme inland.» .Morgen- und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich 6.40 P. Nur Morgen- 'blatt: Vierteljährlich 11 P, monatlich 4 P. Nur Abendblatt: Vierteljährlich 8 P. monatlich 3P. - Für die separate Zu­sendung des Abendblattes nach der Pro­vinz ist vierteljährlich 1 P zu entrichten. Ausland $ ln Deutschland bei direkter Kreuzband­Zusendung vierteljährlich 18 RM, in alien übrigen Staaten 30 P. Das Blatt kann durch sämtliche ausländischen Postämter bezogen werden; in Wien auch durch Morawa & Co. I. Wollzeile 11. Einzelnummer: ln Budapest und in der Provinz: Morgen­blatt an Wochentagen 16 fillér, an Sonn­tagen 32 fillér; Abendblatt 10 fillér. PESTER LLOYD MORCÉIN BLATT R in Budapest In der Administration des Pester Lloyd und in den Anzeigevermittlungen Ala A.-tL Alexander Balogh. i. Blookner, i. Blau, Boros, Braun, Josef Erdős, Harsányt, Haasenstein 4 Vogler, Cornel Leopold, Julius Leopold, Magyar Hirdetöiroda, Rudolf Időssé A.-G., Julius Tenzer Unverlangte Manuskripte werden weder » aufbewahrt, noch zurückgestellt Briefe ohne Rückporto nicht beantwortet Offerten sind Dokumente nur in Ab­schrift beizulegen. Für Beilagen lehnt die Administration iede Verantwortung ab Redaktion, Administration und Druckerei Budapest VIn Eötvtts-ucca 12. Telephont 112-350. 86. Jahrgang Budapest, Dienstag, 1. August 1939 Nr. 173-■ ................^ F räsen der Außenpolitik vor dem englischen ' Unterhaus ^ " Chamberlain kündigt die britische Militärmission (ür Moskau an, referiert mit einer gewissen Zuversicht über die Dreieipakiverhandlungen und setgt sich für eine feste Haltung im Fernen Osten ein — Unsichere Beurteilung der Aussichten der inter­nationalen Lage Politik und Philosophie Budapest, 31. Juli Die große Forderung Platós, daß der Staat von (Philosophen geleitet werde, hat in der Geschichte wenig Gehör gefunden. Die Staatsmänner werden zu Philosophen meistens erst, nachdem sie sich von den Geschäften zurückgezogen haben. Die politische Memoirenliteratur ist in der Tat reich an Werken des esprit de l’escalier, an Zeugnissen der wohlüber­legten Reue. Die großen Staatsphilosophen hatten aber andererseits, von wenigen Ausnahmen abge­sehen, kaum mit der praktischen Staatsführung zu tun; und traten sie zum öffentlichen Dienst in Be­ziehung, so wurde das nicht-selten zu ihrem eigenen und zu des Landes Unglück. Das mißlungene Ex­periment Aristoteles’ mit Dionys von Sizilien, das Schicksal der Philosophen der französischen Revo­lution und der Ausgang der Hegelschen Prophezei­ungen sind zur ewigen Warnung da. Andererseits ist es aber auch unzweifelhaft, daß eine gewisse bewußte, klar durchdachte mora­lische und logische Fundierung für die erfolgreiche Durchführung des politischen Werkes unentbehrlich äst, daß der Staatsmann der Weisheit Schlüsse zie­hen und auf die Relativität des eigenen Standpunk­tes stets reflektieren muß: er bedarf der Bussole un­erschütterlicher, stets nach unverrückbaren Richt­punkten weisender Überzeugungen. Er bedarf zwar nicht der Ratschläge der Philosophen vom Fach, stets aber derer des Philosophen in sich selber. Diese Gesinnung mag wohl auch für den Außenminister Ungarns maßgebend gewesen sein, als er Sonnlag das Katheder der Sommeruniversität von Sopron betrat, um dort über „Politik als Kunst und Wissenschaft“ einen Vortrag zu halten. Schon die Tatsache, daß Graf Stefan Csáky, ein unsagbar fleißiger und harter Arbeiter, heute dér Außenminister eines mitteleuropäischen Landes, sich Zeit und Muße nimmt, um der Jugend einen Begriff vom Wesen der Politik zu vermitteln, schon diese Tatsache allein wirkt als ein Zeugnis für die menschliche Überlegenheit und die staatsmännische Haltung, die für ihn — weit über die Augenblicke der Tagespolitik hinaus — maßgebend ist. Darüber hinaus belegt sie aber auch klar den schönen Pas­sus in seinen Ausführungen, in dem er über Ungarn als eine „ruhige, friedliche Oase“ sprach, die in die­sem ihrem Charakter behütet werden muß. Dies ist es, was die Fremden an Ungarn am meisten be­wundern — es ist dies auch heutzutage, leider, eine europäische Sehenswürdigkeit. „Und wenn die Fremden in ihre Heimat zurückkehren, mögen sie in die nervösen Erdteile oder in die nervösen Landesgebiete jene Ruhe tragen, die eine starke Regierung mit einem entschlossenen Volk im Rücken für die Nation schuf und auch zu behalten wünscht in allen Fährnissen und Zeiten.“ Das sind tiefe, selbstbewußte Worte, die nun wirklich schon das Gepräge eines philosophischen Friedenswillens an sich tragen. Sie geben auch den deutlichen Hintergrund für die Erörterungen, die der Außenminister der ungarischen Politik widmete und in denen er ihre Grundprinzipien von einer anderen \Varte aus, als sonst vor dem Parlament, doch mit derselben Sicherheit und Klarheit auseinander­setzte Will man in einem einzigen Begriff die Kate­gorie festlegen, in der diese ungarische Politik ge­dacht ist, so kann man nur das Wort „Natürlich­keit“ gebrauchen. Logisch natürlich, weil sie „von der geographischen Lage, der geschichtlichen Ver­gangenheit und der gegenseitigen wirtschaftlichen Aufeinandergewiesenheit im Nebeneinanderleben bestimmt ist. Moralisch natürlich, weil sie „in der Hoffnung auf die Zukunft und in dem Gefühl der in der Vergangenheit erlittenen Ungerechtigkeit“ wur­zelt. Psychologisch natürlich, weil sie instinktgemäß ist und „mit dem Volk sem pfänden als mit einer po­sitiven Gegebenheit rechnet“, wie dies der Außen­minister mit besonderem Hinweis auf das Verhältnis zu Deutschland und Italien klarlegte, das freilich auch noch durch die historische Natür­lichkeit des völligen Fehlens von widersprechenden Interessen gestützt wird. An dieser Stelle, da Graf Stefan Csáky vom Katheder über die Beziehungen Ungarns zur Achse sprach, konnte sich freilich der praktische Staats­mann — dessen Element die politische Rede und nicht der philosophische Vortrag ist — keineswegs verleugnen. [Wie schon so oft, Umriß er. .wieder die Telegramm des Pestei Llot/d London, 31. Juli In der Montagsitzung des Unterhauses gab Mi­nisterpräsident Chamberlain in Beantwortung von Anfragen der Abgeordneten Dalton, Adams, Rath­borne und Thurtle folgendes bekannt: Die Militärmission für Moskau und ihre Aulgabe — Die sowjetrussische Regierung hat uns nahe­gelegt, daß es im gegenwärtigen Stadiu— der Ver­handlungen vorteilhaft wäre, unverzüglich militä­rische Besprechungen einzuleiten. Die britische und die französische Regierung haben dem zugestimmt. Infolgedessen sind Maßnahmen getroffen worden, daß englische und französische Militärvertreter so schnell wie nur irgend möglich nach Moskau entsandt wer­den. Es ist unsere Absicht, parallel mit den militäri­schen Besprechungen die politischen Unterredungen weiterzuführen, um zu einer endgültigen Vereinba­rung über die Bedingungen der politischen Ab­machung zu kommen. Notwendigkeit der „aufrichtigen und innigen Be­ziehungen zwischen Ungarn. Deutschland und .Ita lien“ und unterstrich gleichzeitig, wie ursprünglich und tätig die Überzeugung Ungarns ist, „daß diese junge, unbeugsame, dynamische, politische Kraft­formel auch die Zukunft stark beeinflussen wird“. Es ist dies eine Selbstverständlichkeit für den ver­antwortungsvollen Künder der ungarischen Politik, es ist dies eine Selbstverständlichkeit für den poli­tisch denkenden Ungarn und somit ein integrieren­der Bestandteil jeder Reflexion auf die politische Lage Ungarns. Die freie, ungezwungene Natürlichkeit, von der der Außenminister sprach, kommt auch im ungari­schen Friedenswillen zum Ausdruck, der freilich gerade nur in seinem Bestehen auf dem vollen Recht des Ungartums zur Geltung kommen kann. Hierin tritt auch die ganze Dialektik der Unabhängigkeit in der Welt der Wechselwirkungen zutage: Ungarn kann als immer ernsterer militärischer, politischer und wirtschaftlicher Kraftfaktor im Rahmen seiner „selbstbewußten, ruhigen, geduldigen, jedoch ener­gischen Außenpolitik zuweilen bis zu den Grenzen der Nachgiebigkeit gehen, weil es sich das, im Be­wußtsein der Kraft eines erstarkenden Landes, er­lauben kann“, doch „nur zum Tode verurteilte^ Na­tionen schließen mit sich selber Kompromisse!“ Die Elastizität der ungarischen Politik, die Graf Stefan Csáky durch diese dialektische Erörterung herausstellen wollte — wobei man aber bei dem Elastischen nicht an den Kautschuk, sondern an den Stahl denke! — gibt der ungarischen Politik ihren friedlichen Charakter auch in der Beziehung zu den Nachbarn. Da es sich bei der Politik — wie sie der Vortragende definierte — um „das Zusammenleben der menschlichen Gemeinschaften“ handelt, solche sind dann die nebeneinander lebenden Staaten, ver­steht sich der Wille zum Ausgleich von selbst. Von selbst versteht sich jedoch auch, daß eine Nation politische und historische Wahrheiten hat, die wie feste Pfähle in den Boden des Landes gerammt sind und unverrückbar dastehen. An ihnen darf niemand zu rütteln wagen, am wenigsten, wenn sich um sie ein starkes Volk schart. Würde man hier, an diesen Positionen, Kompromisse versuchen, so müßte dies eben jenem Todesurteil gleichkommen. Und hier gleitet man von der theoretischen Ebene ab, wie denn überhaupt die Überzeugung maßgebend sein muß — und allseitig recht erwünscht wäre —, daß heute prinzipielle Erörterungen für einen Außenminister auf dem Universitätskatheder wichtig sein mögen, im Amte aber auch ihn die Zeit drängt. Besonders gilt dies bei jener Art von Ausgleich, auf den .wir vorhin Die Leiter der englischen Abordnung werden Ad­miral Sir Reginald Plunkett-Ernle-Erla-Drax, sowie Generalleutnant der Flieger Sir Charles Burnett und Generalmajor John Heywood sein. Rathborne: Kann der Herr Ministerpräsident an­nähernd mitteilen, wann diese Verhandlungen einge­leitet werden, die wie er sagt, so schnell beginnen werden, wie nur irgend möglich? Chamberlain: Das ist noch schwer zu sagen. (Nach einer anderen Quelle halle der Ministerpräsi­dent erklärt, es bestehe die Möglichkeit, daß die engli­sche Mission bereits diese Woche nach Moskau abreisen werde. Die Red.) Adams: Aus der Zusammensetzung der Abord­nung können wir wohl die Annahme ableiten, daß sich die Besprechungen auch auf Marine- und Luft­fahrtangelegenheiten erstrecken werden. Chamberlain: Das ist klar. (Admiral Sir Reginald Ptuhkctl-Ernle-Erle-Drax, der Führer der nach Moskau zu entsendenden englischen Mililärabordnung ist ersler Flügeladjulant des Königs. Er dient in der Kriegsmarine seit 42 Jahren und hat auch den Weltkrieg mitgemacht. Er war Kommandant des Schlachtkreuzers „Lion“, des Flaggschiffes des verwiesen haben: die Politik ist sicherlich alles an­dere, als ein Wortgefecht —, in ihr sprechen nur die Taten und diese müssen von einem Geiste sein, der den Ausgleich ermöglicht. Jede Politik, auch die elastischeste und reali­stischeste, kann sich zum Wohl und Gedeihen der Nation nur auswirken, wenn die Hand, die den Stoff gestaltet, ihrerHandlungen absolut bewußt und sicher ist. Hierin setzt sich eben die Kunst und die Wissen­schaft des Staatsmannes durch, hier-müssen Phan­tasie, Formgefühl und Inluition am Werke sein, jene.- dre Faktoren, die für den Gestalter der Politik, wie der Außenminister so überzeugend und gleichsam mit dem ganzen Kredit seiner Persönlichkeit darlegte, unentbehrlich sind. Wirklich, in diesem allgemeinsten und theoreti-’ schesten Teile seines Vortrages wurde er am persön­lichsten. Hier sprach nicht einfach der Dienende am Staat, nicht einfach der hochgestellte und verant­wortliche Mann — hier setzte sozusagen ein existen­zielles Credo ein. Kunst und Wissenschaft, Intuition und Logik sind auch im Staatsmann Kräfte der Kultur, einer menschlichen Kultur, die weit über das Erlernbare hinausgeht. Nur ein so geschulter Kopf wie Graf Stefan Csáky kann sich freilich die unscholastische Freimütigkeit erlauben, nicht nur zuzugeben, daß das Erlernbare an sich ungenügend ist, sondern daß es auch — zumindest im Sinne des Scholasten — nicht das letzthin Entscheidende ist. Er belegt seine Sätze darüber mit der Herausstellung der geschichtlichen Rolle der Selbsterfahrung, der Autodidaxie: „Viel­leicht nur der Umstand, daß die Intuition das höchste schöpferische Prinzip einer großartigen Politik ist, macht es begreiflich, daß wir so viele Staatsmänner und Politiker, die Geschichte machen, unter den Autodidakten finden.“ Die politische Handlung vollzieht sich im Rah­me des Zusammenlebens der menschlichen Gemein­schaften, sie ist also — da Mensch als zoon poli- tikon in der Gemeinschaft lebt und auch nur in ihr denkbar ist — eine menschliche Handlung schlecht­hin. Die praktische Vernunft, die in der Ethik dieser Handlungen wirkt, ist eben die politische Vernunft. Einen vollendeten Ausdruck — einen seltenen, einen nur zu begrüßenden — fand aber diese im Vortrag, den die Studenten der Soproner Sommeruniversität zu Gehör bekamen. Vollendet in Form und Gehalt, in jenen beiden Prinzipien, in deren Zeichen die Po­litik als Kunst und Wissenschaft steht, ein Fach, aus dessen meisterhafter, vertiefter Kenntnis der Profes­sor auf dem Katheder seinen eigenen tractatus philo- sophicopoliticus dozieren konnte, t B

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