Textil, 1924 (4. évfolyam, 1-24. szám)

1924-01-01 / 1. szám

ORGAN FÜR TEXTILINDUSTRIE UND TEXTILHANDEL DER DONAUSTAATEN a dunai Államok textiliparának és textilkereskedelmének szaklapja SEMI-MONTHLY TRADE-PAPER OF THE WHOLE TEXTILTRADE IN THE DANUBIAN STATES ORGAN BI-MENSUEL POUR TOUTES LES BRANCHES TEXTILIAIRES DES ÉTATS DU DANUBE Redaktion und Administration : Szerkesztőség és kiadóhivatal: Budapest, IV., Semmelweis-u. 27. Előfizetés egész évre K 24.000, félévre K 12,000 Telefon: 147—11. Erscheint am 1. und 15. des Monats Chefredakteur — Főszerkesztő : OTTÓ ACZÉL Redakteur—Szerkesztő: ELEKÉR PAJZS Jahreiabonnement: jamcwuoiinemeni : Ungarn ------------------------------------K 24,000.— Deutsch-Österreich—--------------- — ö. K. 80,000.— Tschecho-Slovakei----------------------tsch K. 80.— Jugoslavien -------------------------------Dinar 200.— Rumänien----------—--------------------Lei 400.— Bulgarien--------------------------­---------Leva 200.— Deutschland und übriges Ausland Schw. Fr, 12 — Was können Ungarns Handel und Industrie vom neuen Jahr erwarten Von Dr. Gustav Gratz, kgl. ung. Minister a. D. Ungarns Volkswirtschaft hat ein Jahr hinter sich, das mit schweren Sorgen ausgefüllt war. Immer von Neuem tauchten . für den Einzelnen, der im Erwerbsleben steht, Schwierigkeiten . atjf, deren .Überwindung manche Mühe und Arbeit, uns manche schlaflose Nacht kostete. Im Allgemeinen kann man doch sa- , gen, dass die ungarische Volkswirtschaft dieses Jahr heil über­standen hat. Die Unternehmungen haben meist mit eine'n entsprechenden Gewinn gearbeitet und jede Arbeit hat den Nutzen gebracht, der erwartet werden konnte. Die Beantwortung der Frage, wie sich nunmehr das Jahr 1924 für die ungarische Volkswirtschaft gestalten wird, hängt wesentlich davon ab, ob die Bemühungen Ungarns, mit Vermitt­lung des Völkerbundes eine Anleihe zu erhalten, von Erfolg begleitet sein werden oder nicht. Ganz anders wird sich die wirtschaftliche Entwicklung Ungarns gestalten, wenn wir die Anleihe erhalten und ganz anders, wenn wir auf sie verzichten müssen. ' ' Kommt die Anleihe zustande, dann können wir mit einer Stabilisierung der ungarischen Währung sicher rechnen. Das , Wirtschaftsleben Ungarns wird damit auf eine stabile Grund- lage gestellt sein. An Stelle der Spekulation, die heute im Wirtschaftsleben dominiert, und zu welcher jeder Geschäftsmann ■ wohl oder übel gezwungen ist, da allen seinen Entschliessungen, auch wenn er das nicht beabsichtigt, infolge des Zwanges dei Verhältnisse ein spekulatives Moment anhaftet, wird dann wie­der die ernste und nüchterne Arbeit treten, welche grosse Konjunkturgwinne ousschliesst. Die Möglichkeit, gewisse fal­sche Kosten, mit welchen unsere Industrie und unser Handel in den letzten Jahren gearbeitet hat, auf das Sinken der Krone und dessen Begleiterscheinungen abzuwälzen,----eine Praxis, in welcher es so mancher zu einer gewissen Vollkommenheit ge­bracht hat, — wird dann aufhören müssen. Andererseits wird sich auch die ausländische Konkurrenz schärfer fühlbar machen, denn das Absperrungssystem, in welchem wir derzeit leben, wird in Zusammenhang mit der Anleihe wesentlich gemildert werden müssen. Die Krise, welche die Stabilisierung des Gel­des in Österreich zur Folge hatte und welche, wenn sich auch seit einem halben Jahre Symptome der Besserung konstatieren lassen, noch immer nicht überwunden ist, wird auch der unga­rischen Industrie und dem ungarischen Handel nicht erspart bleiben. Die Schmerzen, die mit der Gesundung verbunden sind, lassen sich jedoch leichter ertragen. Im Allgemeinen kann 'man wohl annehmen, dass jede ernste Arbeit in der Industrie und im Handel im Fall des Eintretens der Stabilisierungskrise auch ihren Nutzen tragen wird, ja die ernste und produktive Arbeit dann erst recht. Wer in der Industrie rationell arbeitet, seine Kosten zu vermindern imstande ist und auch bisher nicht von der Erwartung ausgegangen ist, dass die chinesischen Mauern, mit denen sich heute Ungarn umgibt, von ewiger Dauer sein werden, dessen Existenz ist auch durch die Stabilisierungskrise, wenn sie einmal eintreten wird, nicht bedroht. Wer im Handel die wechselnden Konjukturen, welche nie so zahlreich und so wandelbar waren, als in unserer jetzigen Nachkriegszeit richtig zu erfassen weiss, der wird in dem etwas freieren Vf irtschaftssysteta, zu dem wir in Zusammenhang mit der An­leihe gelangen müssen, auch weiterhin mit einem ansehnlichen legitimen Gewinn arbeiten können. Es muss aber berücksich­tigt werden, dass gewisse Factoren, welche beispielweise Öster­reich geholfen haben, diese Stabilisierungskrise heil zu über­stehen, bei ur.s sich wahrscheinlich nicht in demselben Maasse fühlbar machen werden, In Österreich war es insbesondere die geradezu beispiellose Aufwärtsbewegung der Börsenwerte, welche die Folgen der Krise erträglich machte. Bei uns ist die Umwertung der Effecten, zum Teil wohl auch infolge der Vor­gänge auf der Wiener Börse, von der der Budapester Markt immer abhängig war, weitergediehen, als dies zur Zeit der Sta­bilisierung des österreichischen Geldwertes der Fall gewesen ist. Auch bei uns ist die Umwertung nicht ganz abgeschlos­sen, oder zum Mindesten nicht allgemein abgeschlossen, aber der weiteren Aufwärtsbewegung der Kurse dürfte sich doch kaum mehr ein so weiter Spielraum bieten, wie das in Öster­reich - der Fall war. Dazu kommt, dass in Ungarn mit einem Zustand der Geldknappheit stärker, zu rechnen ist, als man da­mit in Österreich rechnen musste, weil unsere Finanzverwaltung in der letzten Zeit eine andere Politik befolgte und weil auch die innere Anleihe, mit welchen unsere Völkerbundanleihe in den Londoner Beschlüssen verquickt wurde, delm Markt Geld- nfittel entziehen wird. Kommt die Anleihe nicht zustande, dann ist auf eine Sta­bilisierung des Geldwertes in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Wahrscheinlich würden wir wohl auch in diesem Falle gezwun­gen sein, irgendwelche Sanierungspläne auszuarbeiten, aber es hat deren in den Ländern mit schwacher Valuta in den letzten Jahre viele gegeben und ihre allgemeine Erfolglosigkeit berech­tigt auch ähnlichen künftigen Plänen gegenüber zu jeder Skep­sis. Im Allgemeinen haben sie das Sinken des Geldwertes überall und immer höchstens verlangsamen, nicht , aber hindern können. Der Zustand, der in diesem Falle eintritt, ermöglicht grosse Gewinne, denen irgendwo grosse Verluste gegenüberstehen müssen, denn er ist ein Zustand schwankender Konjunkturen, in welchen es leicht ist, im Trüben zu fischen. Grosse. Ver­mögensverschiebungen sind in solchen Zeiten auf der Tagesord­nung. Wir werden dann mit allen jenen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, welche uns im abgelaufenen Jahre Sorgen bereiteten, nur muss bedacht werden, dass die Schwierigkeiten die Tendenz haben, über einen gewissen Zeitpunkt hinaus nicht in arithmetischer, sondern in geometrischer Progression zu wachsen. Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung im jetzt ab­laufenden Jahre bietet dafür ein abschreckendes Beispiel. An­dererseits wird in diesem Falle damit zu rechnen sein, dass die Regierung, um die Folgen dieses Zustandes zu Imildern, auch weiterhin bemüht sein wird, wenigstens den inneren Markt der heimischen Produktion zu sichern, 'AU

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