Der Spiegel, 1842. július-december (15. évfolyam, 55-105. szám)

1842-07-09 / 55. szám

Der Spiegel f ü r ilnnft, Eleganz und Mode.------«w»------­« Fünfzehnter Jahrgang. Redakteur: Sam. Rofenthal. Verleger: Fr. Wiesen's Wittwe und S. Rosenthal. 55. Pesch und Ofen, Sonnabend, 9. Juli. 1842. M a s K e. (Erzählung. — Aus dem Morgenbl atte.) er Salon der Gräfin Kettenborn in W— war nie so wohl garnirt gewe­sen wie heute. Keine gesellschaftliche Größe fehlte, und die Gräfin sah sich mit stolzem Lächeln um und freute sich des Glanzes ihres Cirkels und bil­dete sich ein, ihr zu Gefallen seien Alle diese Menschen da, was vielleicht nicht bei einem Einzigen der Fall war. Sie war eine unbedeutende Frau int vollen Sinn des Worts, ohne eine einzige hervorstechende Eigenschaft gut oder bös. Sie war nicht schön, nicht häßlich, nicht jung, nicht alt, nicht gescheidt, nicht dumm, nicht tugendhaft nicht leichtsinnig; nur Eines war sie, das konnte man aber keine Eigen­schaft nennen: sie war von altem Adel, und dem verdankte sie die Fülle ihres Salons. Gerade in W— legt man den meisten Werth auf Familie; die Männer, die Kavaliers sind darin sehr tolerant und gehen hin, wo sie sich amusiren, aber die Damen sezen ihren altadeligen Fuß nur auf eine altadelige Schwelle, und zu der Gräfin kamen einige der liebenswürdigsten Damen, und natürlich folgten die Matadors unter den Männern diesen nach. Ihr HauS war ein Sammelplaz der eleganten Gesellschaft. In einem großen Fauteuil saß oder lag vielmehr eine zarte Frau mit blassen, in­teressanten Gesichtszügen. Ihre schmale Hand sah lächerlich klein aus einer Menge von reichen Armbändern hervor. Sie trug ihr Haar glatt gescheitelt, und ein weißes Spizen- kleid umfloß ihre schlanke Gestalt, eine eben solche Mantilie war graziös um die weißen Schultern geschlungen. Sie hielt oft eine Lorgnette vor ihre Augen, die halb geschlossen waren, und schien gar nicht die Worte eines jungen Mannes zu vernehmen, welcher hin­ter ihrem Sessel stand und angelegentlich mit leiser Stimme zu ihr redete. Sie antwor­tete ihm nur durch ein Zuken der Schultern, eine Bewegung der Hand; sie schien ihn gar nicht zu beachten, und dennoch vernahm sie jede Sylbe. Aber sie war übelgelaunt heute Abend und überließ sich ganz ihrer verwöhnten aristokratischen, rüksichtslosen Natur. Den jungen Mann verdroß es endlich, ihr durchaus kein Wort abnöthigen zu können;

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