Pester Lloyd - esti kiadás, 1930. január (77. évfolyam, 1-25. szám)

1930-01-02 / 1. szám

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Blau, Győri 4 Nagy, Haasenstain 4 Vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein, Cornel Leopold, Julius Loopold, Magyar hirdető-iroda, Rudolf Moste A.-Q., Jos. 8ohwarz, Slkray, Julius Tenzer. Gmrraltrriretung des Pester Lloyd für Oesterreich : M. Dukes Naohf. A.-&, Wien, WoUzeüe 18. Einzelnummer für Budapest und ffls die Provinz: Morgenblatt an Woebentagen 16 Heller, an Sonntagen 88 Heller, Abendblatt 16 Heller. — Für Oesterreich t Morgen blatt an Wochentagen 30 örM an Sonntagen 40 Gr. and Abendblatt 30 Gr. —' FBr Jugoslawien: Morgenblatl »n Wochentagen 8 Dinar, an Sonntagen 4 Dinar and Abendblatt 8 Dinar 50, Redaktion u. Adm.: V.. Mária Valéria-uooa 18« Tilsphoo der Administration; 840-00. 77, Jahrgang» Budapest, Donnerstag, 2. Januar 1930, Nr. i Politische Neujahrsempiänge. Budapest, 2. Januar. In den verschiedenen europäischen Haupt­städten sind die üblichen Neujahrsempfänge bei den Staatsoberhäuptern in herkömmlicher, man darf füglich sagen: schablonenhafter Weise verlaufen. Als interessant wäre höchstens hervorzuheben, daß in Berlin das diplomatische Korps dem Reichspräsi­denten Hindenburg unter Führung des französischen Botschafters de Margerie seine Aufwartung gemacht hat, der als rangältester unter den bei der Reichs­regierung akkreditierten Botschaftern als Doyen fungierte, und daß der französische Diplomat in sei ner Rede dem Andenken Dr. Stresemanns warm emp­fundene Worte des schmerzlichen Gedenkens gewid­met hat. Ein weiteres bezeichnenswertes Moment ist von negativer Natur: in Spanien ist der gewohnte Neujahrsempfang unterblieben, weil das Regime Primo de Rivera sich im Zustand der Demission be­findet. Nach allen Anzeichen scheint die Lage der Diktatur nunmehr endgültig unhaltbar geworden zu sein und im Hinblick auf die Symptome des Wäh­rungsverfalls die Rückkehr zum parlamentarischen Regierungssystem sich nicht weiter hinausschieben zu lassen. Für Ungarn die wichtigste und auch sonst eine der bemerkenswertesten Neujahrskundgebungen war die Rede, mit der die Begrüßungsansprache des päpstlichen Nunzius Orsenigo als Doyens des hier beglaubigten diplomatischen Korps vom Reichsver­weser * Nikolaus v. Horthy beantwortet worden ist. Die Worte unsere* Staatsoberhauptes waren von dem Wunsche nach friedlichem Zusammenschluß der europäischen Staaten und von der Erkenntnis ein­gegeben, daß alle Völker auf gegenseitigen Beistand angewiesen sind, weil die allgemeire schwere Wirt­schaftskrise ohne solche planmäßige Zusammenarbeit nicht überwunden werden könne, die zunehmende Verarmung der Völker aber Gefahren für den so­zialen Frieden heraufzubeschwören drohe. Als Hin weis auf die bevorstehende Haager Konferenz ist es wohl zu deuten, daß der Leichsverweser am Schlüsse seiner Rede „den Geist der abendländischen Zivili­sation“ anrief, der den künftig zu beschreitenden richtigen Weg weisen und die Gestaltung des Welt bildes glücklich beeinflussen werde. In den knappen Sätzen der Kundgebung des Reichsverwesers waren dei Arsich'en und Erwartun­gen der öffentlichen Meinung unseres Landes mit geradezu klassischer Deutlichkeit wiedergegeben, und man darf der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß sie überall in der Welt zur Klärung der Auffassungen über Wesen und Ziele der ungarischen Politik bei­tragen werden. Nachstehend berichten wir über die diesjährigen Neujahrsempfänge. In Ungarn. Reichsverweser Nikolaus v. Horthy empfing ge­stern mittags 12 Uhr die Mitglieder des diplomati­schen Korps, die dem Staatsoberhaupt aus Anlaß des neuen Jahres ihre Glückwünsche zum Ausdruck brachten. Der Empfang vollzog sich unter den üblichen Äußerlichkeiten und im gewohnten Rahmen. Im Hofe der königlichen Burg war eine Ehrenkompagnie aufgestellt. Die Mitglieder des diplomatischen Korps schritten inmitten eines Spaliers der in ihrer Gala­tracht auf gestellten Leibgarde die Treppen hinan und versammelten sich im Ecksalon des reichsverweser- lichen Appartements, wo sie, im Halbkreise aufge­stellt, die Ankunft des Staatsoberhauptes erwarteten. Der Reichsverweser erschien in Begleitung des Außenministers Ludwig Walko, des Chefs der Ka­binettskanzlei Alexander v. Vértessy, des Chefs der Militärkanzlei Generals Josef v. Somkuthy und des ersten Flügeladjutanten Oberstleutnants Nikolaus v. Koós und wurde vom päpstlichen Nunzius Cesare Orsenigo im Namen des diplomatischen Korps mit der folgenden Rede in französischer Sprache begrüßt: — Ew. Durchlaucht! Mit Freuden erfüllt mich die Ehrung, im Aufträge der anwesenden Mitglieder des diplo­matischen Korps Eurer Durchlaucht unsere wärmsten Glückwünsche zum neuen Jahr zum Ausdruck bringen zu dürfen. — Im Vértant der verflossenen Jahre war das dauernde Streben der Landsleute Eurer Durchlaucht darauf gerichtet, Ungarn immer mehr bekannt zu ma­chen, es vor der Isolierung zu bewahren und die Verbin­dungen des Landes mit den übrigen Staaten enger zu knüpfen. Dank der Weisheit Eurer Durchlaucht und der kön. ung. Regierung haben diese edlen Bestrebungen auch bisher schon zu bedeutenden Ergebnissen geführt; indem es der Nation, wie sie hoffte, gelungen ist, neue wertvolle freundschaftlichere Verbindungen anzuknüpfen. — Im Wege der von ihm Unterzeichneten Abkommen hat Ungarn an der Arbeit teilgenommen, deren Ziel die friedliche Lösung der Reibungen ist, und es hat Zeugen­schaft davon abgelegt, welche Bedeutung es der Idee der Verständigung und der Schiedsgerichtsbarkeit beimißt. — Eure Durchlaucht! Von dem Bewußtsein durch­drungen, daß alles, was die Staaten eint und verbindet, zugleich ihr Wohlergehen fördert und ihrer Zukunft zum | Vorteil gereicht, wünsche ich vom Herzen, daß das gegen­seitige Verständnis und die guten Beziehungen zwischen dem geliebten Vaterlande Eurer Durchlaucht und den übrigen Nationen im neuen Jahre sich noch kräftigen mögen. — Ich bitte Eure Durchlaucht, ans Anlaß des neuen Jahres die aufrichtigsten Glückwünsche unserer Staats­oberhäupter und unser selbst genehmigen zu wollen. Der Reichsverweser beantwortete diesen Neu­jahrsgruß mit der folgenden Rede: — Herr apostolischer Nunzius! Mit aufrichtigem Danke nehme ich die guten Wünsche entgegen, die Eure Exzellenz am ersten Tage des neuen Jahres im Namen der Mitglieder des diplomatischen Korps zum Ausdruck zu bringen die Güte hatten. — Zu besonderer Befriedigung gereicht es mir, daß Eure Exzelli ' z in Worten der Sympathie für mein Va­terland der Anstrengungen* gedacht haben, die das unga­rische Volk seit Jahren aufbietet, um seine Beziehungen zu den übrigen Staaten zu verbessern. — Das soeben abgeschlossene Jahr bedeutet eine neue Epoche der mühseligen Arbeit. Der Wiederaufbau des Landes hat der Nation infolge der Verhältnisse ungeheuere Opfer abgefordert, die unsere materiellen Kraftquellen 1 in vollstem Maße erschöpfen. , — Wir werden die entschlossene Friedensarbeit fort­I setzen, um uns eine erträgliche Zukunft sichern zu kön ; nen. Das ungarische Volk hofft, daß sein hierauf gerich­tetes Streben dadurch erleichtert werden wird, daß die Nationen in zunehmendem Maße die Notwendigkeit der gerechten und billigen Angleichung ihrer wechselseitigen Interessen erkennen. — Die in den europäischen Staaten besonders auf wirtschaftlichem Gebiete bestehende schwierige Lage ge­stattet den Staaten nicht, einander schädigen zu wollen. j Es würde dies allenthalben zu steigender Verarmung vielfach zur allgemeinen Verelendung führen, das Elend aber ist das Warmbeet der sozialen Übelstände. — Da wir die Tendenz der Konzentration überall in der Welt zur Geltung gelangen sehen, müssen auch die europäischen Staaten erkennen, daß wir alle auf den ge­genseitigen Beistand angewiesen sind, und darum müssen wir uns im Interesse unserer Existenz in erster Reihe mit dem Problem der Zusammenarbeit befassen. Ich habe das . Vertrauen, daß der Geist der abendländischen Zivilisation i die Kraft besitzen wird, den zu beschreitenden richtigen Weg zu finden und solcherart die künftige Gestaltung des Weltbildes glücklich zu beeinflussen. — Nochmals danke ich Eurer Exzellenz wärmstens für die guten Wünsche, die Sie zu verdolmetschen die Güte hatten, und auch meinerseits ergreife ich mit Freu­den den Anlaß, um Ihnen, meine Herren, meine Glück­; wünsche auszusprechen mit der Bitte, sie auch Ihren Herrschern und Staatsoberhäuptern übermitteln zu wollen. Neujahrsempfang beim Reichs­präsidenten Hindenburg. Berlin, 1. Januar. (Wolff.) Aus Anlaß des Neujahrstages fanden auch in diesem Jahre bei dem Reichspräsidenten die üblichen Empfänge statt. Um 12 Uhr mittags empfing der Reichs­präsident die Chefs der fremden diplomatischen Vertre- lungen. Der französische Botschafter de Margerie brachte als ' rangsältester Botschafter dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des diplomatischen Korps zum Ausdruck. Als Zeugen des geradezu heroischen Eifers, mit dem der hervorragende Vertreter Deutschlands im Rate der Völker sich trotz drückender Krankheit so lebhaft dauerndem I Suchen nach friedlichen Vereinbarungen und Lösungen gewidmet hat, wünscht das diplomatische Korps, die Ge­fühle der Trauer um Dr. Strcsemann heute erneut zum Ausdruck zu bringen. Heute, wo an der Schwelle des neuen Jahres die Lösung so vieler Fragen gesucht würde, die für den Wiederaufbau der Welt und ihre glückliche Weiterentwicklung auf den Bahnen der Eintracht, Ge rechtigkeit und allgemeinen Wohlfahrt von hoher Be­deutung sei, vereinige das diplomatische Korps vor der ehrwürdigen Person des Reichspräsidenten in berechtig­ten, durch keine Schwierigkeiten zu erschütternden Hoff­nungen. Der Reichspräsident dankte dem Botschafter unter anderem für die Glückwünsche und für das Gedenken an Dr. Stresemann. Das deutsche Volk hege die Zuversicht, daß die Arbeit des letzten Jahres mit Erfolg im neuen Jahre fortgesetzt werden wird. Deutschland kann — so führt der Reichspräsident aus — seine' Aufgaben im Kreise der Nationen nur dann erfüllen, wenn es politische Freiheit, wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten hat. Die Ruhe und Sicherheit der Welt, die wir alle wünschen, hat politische Gleichberechtigung und wirtschaftliche Ge­sundheit aller Staaten zur Voraussetzung. In der Hoff­nung, daß dieses Ziel erreicht werden wird, spreche ich Ihnen im Namen des deutschen Reiches und im eigenen Namen meine aufrichtigsten und herzlichsten Neujahrs­wünsche aus. Im Anschluß daran empfing der Reichspräsident den Reichskanzler, die Reichsminister und die Staatssekretäre der Regierung. Der Reichskanzler entbot dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der Reichsregierung. Mit dem deutscher Volke, so führte er aus, hofft die Reichsregierung, daß auch im neuen Jahre Ihnen Gesundheit und Wohlergehen beschieden sein mögen. Im Mittelpunkt unserer politi­schen Arbeit stand im vergangenen Jahre das Ringen um die endgültige Gestaltung der von Deutschland durch dei verlorenen Krieg zu tragenden Lasten. In diesen Erörte rungen sei die Räumung der zweiten Zone des besetzte! Gebietes vor dem vertragsmäßig festgesetzten Termi) erreicht worden. Die dritte Zone soll spätestens an 30. Juni 1930 von den Besatzungstruppen geräumt un damit Deutschland wieder frei werden. Im Zusammen hange mit den vorgesehenen Erleichterungen unsere Lasten hat die Reichsregierung eine Reihe finanzielle) Reformen in Angriff genommen und hiezu die Grundzüg' umfassender Programme vorgelegt. Die Erledigung diese. Aufgaben wird nach Abschluß der Haager Verhandlungei die vornehmlichste Sorge der Regierung sein. Der Reichspräsident dankte dem Reichskanzler fü die Glückwünsche und erwiderte sie mit den besten Wüc sehen für den Erfolg der Arbeit Wenn alle diese schw< ren Aufgaben so gelöst werden sollen — so führte d' Reichspräsident aus —, wie es das Wohl unseres Vatf landes und die Verantwortung für dessen Zukunft erfo dern, dann müssen Parteienzwist und Interessenpolit: hinter die großen vaterländischen Gesichtspunkte zurüc gestellt werden und die Lebensfragen unseres Volkes a Deutschen zu einer breiten einheitlichen Front zusa^i- menschließen. Ich spreche daher in dieser Stunde erneut die Mahnung aus, daß über den Parteien das Vaterland stehen muß. Wer entschlossen Hand mitanlegt und mit­arbeitet an den Aufgaben der Gegenwart und dem Auf­bau der Zukunft, der handelt wahrhaft national. Daß das neue Jahr diese Erkenntnis festigen möge, ist heute mein sehnlichster Wunsch. In Österreich Wien, 1. Januar. (Wiener Amtliche Nachrichtenstelle. Anläßlich des Neujahrsfestes fand heute ein Empfang des gesamten diplomatischen Korps beim Bundespräsidenten Miklas statt, bei dem auch Bundeskanzler Schober zugegen war. Die Missionschefs, die dem Bundespräsidenten ihre Neu­jahrswünsche aussprachen, waren vom diplomatischen Personal ihrer Missionen begleitet. Namens der ungari sehen Regierung war Gesandter Graf Ludwig Ambräzg er schienen. Wien, 1. Januar. (Wiener Amtliche Nachrichtenstelle.) Der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld sprach heute gelegentlich des Neujahrsempfanges der Vertreter der reichsdeutschen Ko­lonie unter anderem die Hoffnung aus, daß das kommende Jahr in den deutsch-österreichischen wirtschaftlichen Be­ziehungen das natürliche Ziel, eine innere wirtschaftliche Verbindung beider deutschen Bruderstaaten bringen möge. • In Frankreich. Paris, 1. Januar. (Havas.) Im Elysée-Palast fanden heute vormittag die traditionellen Neujahrsempfänge statt. Der Präsident der Republik empfing die Mitglieder der Regierung, die Präsidenten der Kammer und des Senats und schließlich die Mitglieder des diplomatischen Korps. Im Namen des letzteren wurde der Präsident durch den apostolischen Nunzius begrüßt und erwiderte sodann seine Begrüßung mit wenigen Worten. Beide Red­ner verliehen ihrer Freude über die Fortschritte des Friedensgedankens während des vergangenen Jahres Ausdruck. In England. London, 1. Januar. (U. T.-K.-B.) Der König wünschte in seiner Antwort auf die Gratulationsdepesche des Lord-Mayors von London zum Jahreswechsel allen Völkern des englischen Welt­reiches steigenden Wohlstand. Er hoffe vom Herzen, daß Gott alle Nationen der Welt mit Frieden und Wohlfahrt segnen werde. (Telegramm des Pester Lloyd.) London, 1. Jauuai Der frühere Ministerpräsident Baldwin hat anläßlich des Jahresschlusses als Großmeister der Prime Rosa-Liga an diese eine Botschaft gerichtet, die deshalb bemerkens­wert ist, weil Baldwin darin von der Möglichkeit von bal­digen \euwahlen spricht. Das Jahr 1930 — sagte Baldwin unter anderem — werde ein Jahre harter Arbeit für die Konservative Partei

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