Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1930. március (77. évfolyam, 50-73. szám)

1930-03-01 / 50. szám

Nikolaus v. Horthy. Zur zehnten Jahreswende der ReichsverweserwahL Budapest, 28. Februar. Eine Schicksalswende für Ungarn war der Tag der Reichsverweserwahl, und die gehobene Stimmung, in der ganz Ungarn die zehnte Jahres­wende dieses Tages zu feiern sich anschickt, be­weist, daß die Nation sich der historischen Bedeu­tung dieses Ereignisses vollauf bewußt ist. Als die erste Nationalversammlung sich vor die Aufgabe gestellt sah, dem aus hundert Wunden blutenden, von inneren Wirren zerrissenen, durch äußere Gewalt verstümmelten Lande ein interimi­stisches Staatsoberhaupt zu geben, war der Wahl­akt eigentlich eine bloße Formalität. Denn Nikolaus v. Horthy war vom Schicksal derart klar dazu vor­bestimmt, daß jede andere Lösung vorweg aus­geschlossen war. Gab es in jener düsteren Zeit in Ungarn eine andere organisierte Macht, als die zitl er­mäßig geringe, aber innerlich starke nationale Armee? War nicht Nikolaus v. Horthy durch seine zähe Willenskraft der Schöpfer dieser Wehrmacht, die damals allein berufen und fähig schien, dem nach den Verwüstungen zweier Revolutionen auch noch von der rumänischen Invasion heimgesuchten Lande die Möglichkeit eines dereinstigen Wieder­aufstieges aus dem augenblicklichen Jammer zu erschließen? Und ruhte nicht der Oberbefehl über iese Wehrmacht, den einzigen festen Punkt in­mitten eines in voller Auflösung begriffenen Staats­wesens, in der Hand dieses Mannes, der, Staats­mann und Soldat in einer Person, geradezu prädesti­niert erschien zu der Rolle, den verheerenden Irrungen und blutigen Wirrungen Einhalt zu ge­bieten? Auf keinen anderen konnte die Wahl der Nationalversammlung fallen. Damals hat man dies bloß intuitiv geahnt; seither hat sich in der ganzen Nation die Erkenntnis durchgesetzt, daß einzig die Übertragung der höchsten Staatsgewalt an Nikolaus v. Horthy das Vaterland vor dem endgültigen und unwiderruflichen Ruin zu retten vermochte. * Mit dem Tage der Erhebung Nikolaus v. Hor- Ithys in die Würde des Staatsoberhauptes nahm der Läuterungsprozeß seinen Anfang, der es bewirkte, daß dieses von so grausamem Ungemach verfolgte Volk wieder zu sich selbst zurückfinden konnte. Als Nikolaus v. Horthy sein hohes Amt antrat, waren die bösen Folgen der nationalen Katastrophe noch nicht gebannt. Die Proletarierherrschaft war zwar zusammengebrochen, aber noch nicht restlos ent­wurzelt; und die Gegenrevolution, getrieben durch erbitterte Vergeltungsgier und Verzweiflung, lebte sich noch in beklagenswerten Ausschreitungen aus. Mit Schaudern war die Welt, mit schmerzlichem Entsetzen das ungarische Volk Zeuge des Schau­spiels, wie das Schicksalspendel, nachdem es untéi idem Bolschewismus nach links ausgeschlagen, nun nach der entgegengesetzten Seite hin ausschwang, und wie die an seinem Ende befestigte scharfe Sen­senklinge nicht aufhören wollte, Menschen um Men­schen hinzumähen. Eines einzigen Mannes Wort hatte die Macht, inmitten dieses schauerlichen Chaos die allmähliche Rückkehr zur Ordnung zu bewirken, und mit dem Tage, an dem Nikolaus v. Horthy, dem einhelligen Rufe der Nation folgend, an die Spitze der staatlichen Zentralgewalt trat, be­gann das Riesenpendel des Schicksals nach der Mitte hin zurückzuschweben und gewann nach eini­gen letzten Zuckungen der Anarchie der Geist der Rechtsordnung, der Gesetzesachtung und der Manns­zucht allmählich wieder die Oberhand. • Damit war das Fundament geschaffen, auf dem das von der Lohe des Weltkrieges und von den Flammen zweier Revolutionen verwüstete Land aus seinen noch rauchenden, blutigen Trümmern wieder­aufgebaut werden konnte. Dem Werke dieser Wiederaufrichtung stand aber noch ein letztes, ge­waltiges Hindernis im Wege: die rumänische Be­setzung. Wie Nikolaus v. Horthy auch in diesem P*' te seinen Mann stellte, mag aus einer Re- n nz, um die nur wenige wissen, hervorgehen. Vc iner Wahl zum Reichsverweser suchte er, als Ob> nefehlshaber der nationalen Armee, den ru­mänischen General auf, der aus seinem Budapester Hauptquartier das Oberkommando über die Be­setzungstruppen führte. Diesem General eröffnete er kurz und bündig, daß wenn die rumänischen Trup­pen, die bereits in das transdanubische Gebiet einge­drungen waren, über die Linie hinaus, die sie damals innehatten, vorzustoßen versuchten, ihnen der ent­schlossenste Widerstand der ungarischen Wehrmacht sich entgegenstellen würde. Der rumänische General ließ diese Ermahnung unbeachtet, und an zwei Punkten unternahmen seine Truppen in Trans­danubien den Versuch eines weiteren Vormarsches. Sie stießen dabei ungarischerseits auf die uner­schrockenste und erfolgreichste Abwehr, und das Abenteuer wurde nicht weiter forciert, weil die Ru­mänen sich aus diesen beiden Kämpfen die blutige Lehre geholt hatten, daß sie auf Granit beißen wür­den. So wurde der Gedanke, die Invasion auf das ganze Gebiet Ungarns zu erstrecken, von den Ru­mänen aufgegeben, und das hatte das Land dem zum Äußersten entschlossenen, von unbezähmbarer Energie beseelten Eintreten Nikolaus v. Horthys zu danken. * Wie die Wiederaufbauarbeit nach demAbrücken der rumänischen Truppen vor sich ging, lebt noch frisch genug in der Erinnerung der dankbaren Na­tion. Die Nachbeben der Gegenrevolution flauten all­mählich ab, und nach einigen kurzlebigen und schwachen Kabinetten, die die da und dort wieder­aufflackernde Anarchie nicht zu meistern vermochten, berief der Reichsverweser den Grafen Stefan Bethlen an die Spitze der Regierung. In dieser Auswahl offen­barte sich am fruchtbarsten seine staatsmännische Intuition. Das providentielle Staatsoberhaupt hatte sich den providentiellen Ministerpräsidenten erkoren, und die Stunde dieser Ernennung war zugleich die Geburtsstunde der nun anhebenden staatlichen und gesellschaftlichen Konsolidierung. Blickt man auf das Jahrzehnt seit der Reichsverweserwahl zurück, vergleicht man die Zustände im Zeitpunkte des Amtsantrittes des Kabinetts Bethlen mit den gegen­wärtigen Verhältnissen, so muß auch der ver­bissenste Skeptiker unter denen, die diese Jahre mit­erlebt haben, sich in staunender Ehrerbietung nei­gen vor der Riesenarbeit, die hier geleistet wurde. Der zerrüttete Geldwert wurde stabilisiert; das Gleichgewicht im Staatshaushalte ist erreicht und gesichert; die internationale Isolierung des Landes hat aufgehört; Ungarn hat in der Welt mächtige Freunde gewonnen; die Rechtssicherheit im Innern ist lückenlos wiederhergestellt; der Ausbau der ver­fassungsmäßigen Einrichtungen ist durch die Wie­derherstellung des Zweikammersystems und die Mu­nizipalreform zur Vollendung gediehen; die Autorität des Gesetzes hat sich auf allen Linien durchgesetzt; die konfessionellen und Klassengehässigkeiten haben abgerüstet, und die Erkenntnis, daß ersprießliche Arbeit für die Zukunft der Nation einzig durch das einträchtige Zusammenwirken aller aufbauenden Kräfte geleistet werden kann, ringt sich zu erfreulich zunehmender Geltung durch. * Das ist das Bild des heutigen Ungarn. Den An­teil des Reichsverwesers an dieser Entwicklung aber braucht man nicht erst im einzelnen nachzuweisen. Das ganze Land hat das Gefühl, daß die glühende Vaterlandsliebe, die stählerne Willenskraft des Reichsverwesers und sein stets reger Sinn für die politischen Gebote der Stunde der entscheidende Faktor in dieser Konsolidierungsarbeit waren. Er­staunlich ist in der Tat das Einfühlungsvermögen, womit dieser Mann, seit frühester Kindheit durch und durch Soldat, sich in den Beruf des Staats­oberhauptes eingelebt hat. Jeder Unbefangene muß feststellen: Nikolaus v. Horthy hat dieses schwere Metier mit verblüffender Raschheit erlernt. Die Be­gabung eines Staatsoberhauptes in der heutigen Zeit hat sich an zwei Linien zu bewähren. Peinlich ge­wissenhafte Verfassungsmäßigkeit ist die eine Linie; unsichtbare, aber innerhalb des konstitutionellen Rahmens bestimmende Einflußnahme auf die poli­tischen Geschicke des Landes ist die andere, ln den Urteilen, die in der Auslandpresse aus Anlaß des Jubiläums über unseren Reichsverweser laut werden, wird mit Recht einmütig die Gewissenhaftigkeit ge­priesen, mit der er, als verfassungsmäßiges Staats­oberhaupt, seines Amtes waltet. Das Regierungs­geschäft überläßt er seinen verantwortlichen Rat­gebern, ohne seinen eigenen Willen, der letzten Endes als höchste Instanz innerhalb der Vollzugs­gewalt gelten muß, aus den für das nationale Schick­sal lebenswichtigen Entscheidungen ausschalten zu lassen. Mit gewissenhafter Sorgfalt wacht er darüber, daß die Rechte der Gesetzgebung unangetastet bleiben. Ebenso eifersüchtig und energisch wahrt er aber die konstitutionellen Rechte, die Ungarns interimistische Verfassung dem Reichsverweser zu­erkennt. Ein französischer Biograph Benjamin Disraelis schildert die feine und taktvolle Art, wie die Königin Viktoria von England in diesem klassi­schen Lande des parlamentarischen Regimes in kleinen sowohl wie in großen Dingen die politischen Entscheidungen ihrer Minister durch ihre eigene Willensmeinung zu beeinflussen wußte, ohne daß die Öffentlichkeit etwas davon erfuhr. In der Tat gleicht heutzutage in dieser Hinsicht das Walten eines Staatsoberhauptes der Arbeit des leitenden Technikers, der iin Maschinensaal eines elektrischen Wasserwerkes an der Schalttafel sitzt. Er allein be­findet sich in diesem Raume; draußen brausen die Turbinen, drehen sich die Schwungräder, erzeugen die Maschinenkolosse die elektrische Kraft und wird die letztere durch die Fernleitungen in entlegene Fabriken, Paläste und Bauernhöfe übertragen. Die Welt sieht nichts, von der stillen Arbeit des an der Schalttafel Sitzenden, und er hat seine Aufgabe gut gelöst, wenn alles ohne Störungen glatt vor sich gehL Daß er überhaupt da ist, merkt man erst, wenn durch einen Fehlgriff an der Schalttafel die Fern­leitung versagt, die Maschinen allenthalben Still­stehen, das Licht erlischt. Von dieser Art ist das Walten unseres Reichs- verwesers. Den Blicken der Außenwelt entzieht sich seine Arbeit, aber daß sie mit sicherer Hand und gründlichster Gewissenhaftigkeit verrichtet wird, ist durch das reibungslose Zusammenwirken der ver­fassungsmäßigen Faktoren, durch die im Lande herrschende Ordnung, durch das ungestörte Funk­tionieren des behördlichen Apparats und die zuneh­mende Besserung der internationalen Lage doku­mentiert. Geräuschlos, unsichtbar, fruchtbringend ist diese Arbeit Nikolaus v. Horthys. « Das weiß heule das ganze Land, weil es die se­gensreichen Folgewirkungen seines Schaffens ge­nießen darf. Und nicht nur weiß es das Land, auch zu unauslöslichem Danke fühlt es sich verpflichtet Keine Dissonanz mischt sich in die Feiertagsstnn- mung, in der die Nation die zehnte Jahreswende der Reichsverweserwahl begeht. Nikolaus v. Horthy erlebt am heutigen Gedenktage die Genugtuung, daß Ungarns Volk ohne Unterschied der Parteistellung, der Klassenzugehörigkeit und der Konfession in treuer Anhänglichkeit und inniger Dankbarkeit zu seiner ehrfurchtgebietenden Gestalt emporblickt. Sie erkennt in ihrn, in seinem mannhaften, schnurgera­den Wesen, in seiner aufopferungsvollen Hingabe an die schweren Pflichten seines hohen Amtes, in seiner fanatischen Vaterlandsliebe, seinem in der Stille wir­kenden, unverdrossenen und unermüdlichen Arbeits­drange die ideale Verkörperung des ungarischen Volkstums. Er ist uns allen ein Vorbild geworden, dem wir hachstrebcu müssen, denn nur wenn jeder Ungar seinem hehren Beispiel folgt, kann für dieses Einzelnummer an Wochentagen 16, an Sonntagen 3SB Heller. 1 .......................... .................... |,,| I BI1IIM i im— A bonnement: I nseratenaufnahme: FBr Budapest: mit tügUeh nweimsHgm in Budapest, in der Administration de. Zustellung und tur das Inland Morsen. _____ ,,,, __ __ — I’oster Lloyd und in den Annoncen­v^i^rurvri-ti,* 6.40 r. ig^fipf ffm fWl W W Af ^BcÄ,sä „t. Fiir das «orgenblatt allein »lerteljihri'eb jlgl I|| S§ HL || ® nff |§ gffj ü j|It Säl jSj jÜf K& M jlra vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein. Cornel II P, monatlich 4 P. Auch auf da« Abend- WS, $8» ffS MS HB «Hi MW MB MdI f9S §Bb SaSI Hü Leopold. Julius Leopold, Wagy. hlrdetö-iroda blatt allem kann un er den gleichen Betugs- f£§ iSfegB gg&dif äff ü M K Hl iff Rudolf Messe A.-Q.. jós. Sbhwarr, Síkra,’ Bedingungen abonniert werden Für die HP*'1' ü IP® ffPffh Hl HP I§1 Hf iff Julius Teurer. Gcn^alv^trelung des Pester separata Zusendung des Abendblattes nach £§g ägf fM _ Mm 15* m BE mW® I« WS fSH Lloyd Iflr Oesterreich ■. Dukes Sacht. der PruTtnt sind vierteljährlich 1 Pengd |gg |§s! ® B 11 S ÉÍ fl É1 11 i I 1 11 1 i §§? A.-G.. Wien. WollreUe 18. FU, Wien an,-hoorah Cm. Goldschmidt JL -BUB B-HL jjLij JL jj -MJ JjUi MJ® JL .JäLffl die”pro^“MownWnS"mw' iTUH’ 84 Pengd lür auf übrlco,-Staaten Morgenblatt an Wochentagen 80 Gr., :ío Pengd. Abonnemente werden auch HfADni?\rDT AfTT « an lir^FOr^ucnsInwien'1 bei simtllch^n ausiSndls^B^ Postämtern MOKlxLJNBLAll B - ÄiSn'T Manns,rtpte^rn-r^esteuv ÄÄÄ Telephon der Redaktion : 848-30. 9 Telephon der Administration: 849-00­77, Jahrgang. Budapest, Samstag, 1. März 1930, Nr, 50

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