Pester Lloyd - esti kiadás, 1931. március (78. évfolyam, 49-73. szám)

1931-03-02 / 49. szám

Elnielnummer an Wochentagen 16, an Sonntagen 32 Heiler. Abonnement: Für Budapest: mit täglich zweimaliger Zustellung und für das Inland Morgen- und Abendblatt: Vierteljährlich 18 P, monatlich 6.40 P. für das Morgenblatt allein vierteljährlich II P, monatlich 4P. Auch auf das Abend­blatt allein kann unter den gleichen Bezugs­bedingungen abonniert werden. Für die sepa­rate Zusendung des Abendblattes nach der Provinz sind vierteljährlich 1 Pengő zu entrichten. Für Wien auch durch Herrn. Goldschmidt. Für das Ausland mit direkter Kreuzband­sendung vierteljährlich: Für Oesterreich und Polen 20 Pengő, für alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch bei sämtlichen ausländischen Post­ämtern entgegengenoinmen. Manuskripte werden nicht zurückgestellL Telephon der Redaktion: 848-20. ABENDBLATT i iiseratenantnahme: in Budapest, in der Administration det Pester Lloyd und in den Annoncen- iltireaus: Balogh Sándor, J. Blookner, i. Blau, Boros. Braun, .Globus1, Győri ÄMagy, Haasenstein & Vogler, Ludwig Hegyi, Simon Klein, Cornel Leopold, Julius Leopold, Hagy. hirdető-iroda, Rudolf Moose A.-Q., Josef Sohwarz, Julius Tenzer. Generalvertretung des Pester Lloyd tür Oesterreich: M.Dukes Naohf. A.-G., Wien, Wollzeile 16. Einzelnummer für Budapest und füfc die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 32 Heller. Abendblatt 16 Heller. — Für Oesterretolü Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., as Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr, Redaktion u. Adm.: V., Mária Valéria-uoca lk, Telephon der Administration: 849-00 78. Jahrgang1. Budapest, Montag, 2. März 1931. Mr. 49 Auslandschau. — 2. März. — Der französisch-italienische Flottenfrieden. Die englischen Minister Henderson und Alexan­der, diese Commis Voyageurs der europäischen Flot- tenverständigung, haben den gestrigen Tag in Paris verbracht, um sich mit der französischen Regierung über die in Rom getroffenen Vereinbarungen auszu- sprechen. Das Ergebnis dieser Besprechungen ist, wie nicht anders zu erwarten war, günstig ausgefal­len. Frankreich ist den römischen Abmachungen beigetreten, und damit ist das mit englischer Ver­mittlung zustandegekommene Verständigungswerk in der Frage des französisch-italienischen Flotten­gegensatzes als perfekt zu betrachten. Über die Tragweite dieses Ereignisses äußert eich die europäische Presse im wesentlichen genau im Geiste jener Auffassung, der wir in unserem Sonntagsartikel Ausdruck gegeben haben. Allgemein wird von dem nunmehr vollbrachten Einigungswerk eine Entspannung der Beziehungen zwischen Frank­reich und Italien auch in den zwischen diesen beiden Mächten noch schwebenden übrigen Fragen erwar­tet, und ebenso übereinstimmend vertritt die euro­päische Presse auch die Meinung, daß man nunmehr auch der allgemeinen Abrüstungskonferenz mit mehr Zuversicht entgegenblicken könne. Als bemerkenswertes Zeichen der bereits begin­nenden Besserung der Beziehungen zwischen Paris und Rom darf der Umstand be­trachtet werden, daß Briand und Hen­derson gestern nachmittag nach Beendigung ihrer Beratungen ein Gtlückwunschtelegramm an Musso­lini absandten, worin sie den italienischen Minister­präsidenten zu dem neuen Abkommen beglückwün­schen und erklären, ihm mit Freuden mitteilen zu können, daß die in Rom getroffenen Vereinbarungen von der französischen Regierung vollauf gebilligt wurden. Die beiden Minister erklären ferner, daß sie sich glücklich fühlen, dieses Abkommen sowohl den eigenen Regierungen, wie auch den Regierungen der anderen interessierten Staaten zur Annahme empfehlen zu können, und daß sie überzeugt sind, dieses Abkommen werde eine allgemeine Beruhigung zur Folge haben und dem Weltfrieden große Dienste leisten. Wie man uns aus London telegraphiert, begrüßt die englische Presse ohne Parteiunterschied mit an­erkennungsvollen Artikeln das durch die zähen Be­mühungen Hendersons zustande gebrachte Flotten­abkommen zwischen England, Frankreich und Ita­lien. Nach Morning Post habe Henderson jetzt den größten Triumph seines Lebens gefeiert; seine im geeigneten Augenblick entfalteten Anstrengungen haben dem Londoner Flottenabkommen zur vollen Verwirklichung verholten. Nach dem römischen Berichterstatter der Times erwarten die italienischen Kreise, daß nach Aus­schaltung der Flottendifferenzen die Zeit auch für die Erledigung der übrigen schwebenden Fragen zwischen Italien und Frankreich bald gekommen sein .verde. Sie hoffen, daß das Abkommen von gün­stiger Wirkung auf die Wirtschaftslage Italiens so­wohl, wie der ganzen Welt sein werde, und daß sich auch die Aussichten der allgemeinen A'brüstungs- konferenz nunmehr günstiger gestalten werden. Daily Herald, Organ der Arbeiterpartei, gedenkt in lobenden Worten der Nachgiebigkeit der französi­schen und der italienischen Regierung, eine Nach­giebigkeit, die nichts anderes sei, als die Weisheit der wirklichen „starken Hand1. Einzig der Marine-Mitarbeiter des Daily Tele­graph knüpft an den erzielten Flottenfrieden einen Vorbehalt, indem er sagt, das deutsche „Taschen­schlachtschiffdessen Stapellauf am 31.- Mai statt­finden soll, werde Frankreich bezüglich der Sicher­heit seiner Verbindungswege beunruhigen, und das werde zur Folge haben, daß die Frage der See­rüstungen im Endergebnis nicht bloß zwischen Rom and Paris werde geregelt werden müssen. Nach, einem Pariser Telegramm stellen die fran­zösischen Blätter fest, daß die Verständigung den Anschluß Frankreichs und Italiens an das Londoner Abkommen ermögliche. Ln allgemeinen schreiben sie dem getroffenen Abmachungen außerordentlich hohe Bedeutung zu, weil von ihnen sowohl hinsichtlich der Abrüstung, wie auch in anderen Relationen der internationalen Politik eine weitgehende und günstige Wirkung erwartet werden dürfte. Mehrere Blätter würdigen überaus anerkennend die Rolle der engli­schen und der französischen Regierungsmänner um Jdas Zustandebringen der Verständigung. ] Nach Matin liegt die Hauptbedeutung der Sache vom politischen Standpunkte darin, daß die bisheri­gen Gegensätze zwischen Frankreich und Italien ausgeschaltet sind, und die Bahn freigemacht ist für die Bereinigung der noch vorhandenen Mißverständ­nisse. Auf anderer Seite können durch den Beitritt Frankreichs und Italiens zu dem Londoner Abkom­men die Besorgnisse Englands als zerstreut betrach­tet werden, und schließlich ist nunmehr die Mög­lichkeit dafür geschaffen, daß die fünf größten See­mächte in der Frage der Seerüstungen sich zu einer Einheitsfront auf der allgemeinen Abrüstungskon­ferenz zusammenschließen. Echo de Paris und Petit Párisién heben gleich­falls hervor, daß nunmehr der Weg für weitere Ver­handlungen zwischen Frankreich und Italien offen­steht und die gegenwärtig erzielte Verständigung die Zusammenarbeit im Interesse des Friedens günstig beeinflussen wird. Wie aus Washington telegraphiert wird, wurde in amerikanischen amtlichen Kreisen die Nachricht über den Abschluß des englisch-französisch-italie­nischen Zusatzabkommens zu dem Londoner Flot­tenpakt mit großer Genugtuung begrüßt. Man weist in diesen Kreisen darauf hin, daß eine Niederlage der Bemühungen Hendersons England, aber auch die Vereinigten Staaten zu einer Revision ihres Bauprogramms und zur Kiellegung neuer großer Einheiten gezwungen hätte, doch sei diese Gefahr nunmehr abgewehrt. Über die technischen Einzelheiten des Abkom­mens liegen noch immer keine genauen Daten vor. Der französische Marineminister Dumont hat gestern den Pressevertretern erklärt, die Verein­barung über die Tonnenzahl werde erst binnen zwei bis drei Tagen veröffentlicht werden können, weil die Engländer den Wortlaut des Abkommens vor­erst den Unterzeichnern des Londoner Flotten­paktes zur Kenntnis zu bringen wünschen. Ein Nachspiel zu den deutschen Septemberwahlen. In der Stadt Braunschweig fanden gestern die Stadtverordnetenwahlen statt. Das Ergebnis muß diejenigen enttäuschen, die der Meinung waren, daß unter dem Eindruck des einlenkenden und konso­lidierenden Regimes Brüning sich in den Wähler­massen bereits eine Abkehr von den extremen Rich­tungen zu vollziehen beginnt. Braunschweig hat sich mit fast 40 Prozent der abgegebenen Wahl­stimmen für die beiden extremen Parteien der Rech­ten und der Linken: für Nationalsozialisten und Kommunisten entschieden. Besonders kraß wirkt dieser Wahlausgang, wenn man ihn mit dem Ergeb­nis der letzten Stadtverordnetenwahlen von 1928 vergleicht. Allerdings sind die Sozialdemokraten immer noch be iw ei ten i die stärkste Partei, aber die für sie abgegebenen Stimmen sind immerhin gegen­über zuletzt von 44.803 auf 37.672 zurückgegangen. Demgegenüber haben die Nationalsozialisten ein | Vorrücken von 3814 auf 27.040 Stimmen, also auf das inelir als Siebenfache ihres früheren Stärke­verhältnisses, zu verzeichnen, für die Kommunisten aber haben gegenüber 4324 Wählern von 1928 dies­mal 12.236 Wahlberechtigte gestimmt. Ist der Wahlausfall in Braunschweig für die derzeitige Mentalität der großen Volksanassen in Deutschland von symptomatischer Bedeutung? Die Stellungnahme der Wähler in einer führenden In­dustriestadt des westlichen Deutschland mit einer halben Million Einwohner ist gewiß nicht zu unter­schätzen. Es muß überdies auch noch beachtet wer­den, daß die Wahlbeteiligung in Braunschweig ziem­lich stark war, da 84 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen schritten. Andererseits muß aber doch auch berücksichtigt werden, daß Braunschweig zu den ausgesprochenen Extrembezirken gehört. An der Spitze des Staates Braunschweig befindet sich bereits seit geraumer Zeit eine rechtsradikale Re­gierung, der leitende Minister Franzen steht im Rufe eines enragierten Hitleristen, gegen dessen reaktio­näre Schulpolitik in der liberalen deutschen Presse schon wiederholt Sturm geblasen wurde, und nichts ist selbstverständlicher, als daß das rechtsradikale Diktat auch den entgegengesetzten Extremflügel in die Schranken rufen muß. Des weiteren soll man freilich aus dem Ergebnis der Braunschweiger Mu­nizipalwahlen auch die Ermahnung schöpfen, sich nicht durch allzu sanguinische Hoffnungen in bezug auf einen raschen Stimmungswechsel im deutschen Volke verleiten zu lassen. Es braucht eine gute Weile, bis die beschwichtigenden Maßnahmen des Kabinetts Brüning auf wirtschaftlichem und admi­nistrativem Gebiete auch auf das Bewußtsein breiter Volksschichten abfärben. Entscheidend werden sicK die Erfolge des gegenwärtigen Regierungskurses erst auswirken kőimen, wenn sich auch außenpolitische Erfolge, namentlich in der Reparationsfrage, hin­zugesellen. Mittlerweile können weitere Fehlgriffe! in der parlamentarischen Taktik der Extrempar­teien, gleich dean des jüngsten Auszuges der Rechts­parteien aus dem Reichstag, immerhin zu einer be­schleunigten Sanierung der Gemüter beitragen. Der Mahatma und der Vizekönig. Es handelt sich jetzt in Indien darum, die theoretischen Pläne der Londoner Indienkonferenz in die Tat umzusetzen. Es bedarf hiezu in erster Reihe der Zustimmung der Kreise, die der Konferenz ferngeblieben waren, zugleich aber eine reelle Macht in Indien darstellen: der Kreise nämlich, die im Nationalistischen Kongreß vereinigt sind, über di« Stellung des Kongresses zu den in London ausgear- beiteten Verfassungsplänen läßt sich wenig Positives sagen. Die nationalistische Bewegung mit all ihrem wild lärmenden Drum und Dran, der ungesetzlichen Salzgewinnung, der Beschädigung von Textillagern und mehr oder minder blutigen Scharmützeln mit der Polizei dauert an, als ob von dem, was in London geschehen ist. gar nichts zu erwarten wäre. Während aber erhitzte Massen stundenlang Ge­schäfte und Polizeitruppen mit Steinen bewerfen, fortwährend Gandhis Namen in alle Winde hinaus­rufend, sitzt ihr Idol, der Mann, dessen Name und Wesen die Hoffnungen des freien Indien verkörpert, im Arbeitszimmer des höchsten Beamten Seiner bri­tischen Majestät, des Vizekönigs Lord Irwin, und führt mit ihm Verhandlungen über die Einstellung der nationalistischen Widerstandsbewegung. Der Ton dieser Besprechungen ist äußerst herzlich, jede Formalität ist beseitigt, es herrscht offene Rede von Mann zu Mann, und zu jeder Zeit des Tages und der Nacht kann man den Mahatma im Vizekönigspalast ein- und ausgehen sehen. Parallel mit diesen Ver­handlungen laufen Besprechungen zwischen dem Vizekönig und verschiedenen Exponenten der öffent­lichen Meinung in Indien, auch zwischen Gandhi und den Vertretern der verschiedenen Nuancen der Kongreßpolitik. Die Ergebnisse der Beratungen in Neu-Delhi sind eine Resultante dieser vielseitigen Gespräche. Allerdings fällt dem Zuschauer die zentral« Rolle auf, die Gandhi bei diesen Besprechungen führt. Er, als alleiniger Exponent der Kongreß­richtung, vertritt vor der staatlichen Autorität die Wünsche und Bedingungen des indischen Natio­nalismus. Diese Stellung hat ihre besonderen Schwie­rigkeiten, die mit zur Verzögerung und zur unge­wissen Atmosphäre der Verhandlungen beitragen. Der Mahatma befindet sich in einer äußerst gefähr­lichen Lage. Er gibt vor, konkreten Vorschlägen gegenüber seiner inneren Stimme zu lauschen und sich die Antwort durch diese göttliche Stimme dik­tieren zu lassen. Indessen verfehlen es auch höchst irdische Stimmen nicht, die Haltung des großen Mannes zu bestimmen. Er wird von vielen Seiten bedrängt und steht auf äußerster Klippe. Es gehört die größte politische Weisheit dazu, da das Gleich­gewicht zu wahren. Wie gesagt, brandet und wogt eine exaltierte Menge in den Straßen der großen Städte Bcngalens und anderer Provinzen, mit dem Namen des Mahatma auf den Lippen, Steine werfend und Textilvorräte vernichtend. Wie könnte der Führer diesen Erregten befehlen, friedlich in ihre Häuser zurückzukehren? Andererseits greift aber in der indischen öffentlichen Meinung, und selbsv in Kongreßkreisen eine Stimmung um sich, die die Fortsetzung der Widerstandsbewegung als zweck­los, ja als schädlich empfindet. Gemäßigte Kongreß­führer, wie Malaviya, Frau Naidu und Dr. Ansari, suchen den Mahatma zu friedsamer Haltung zu be­wegen; sie machen ihn auf große Gefahren auf­merksam, die aus der Fortsetzung des gar nicht ge­waltlosen Widerstandes für die Sache Indiens er­wachsen könne. Große Beachtung verdient nament­lich die wachsende Erbitterung der Mohammeda­ner. Die Indienkonferenz legte in erster Reihe ihnen Opfer auf, sie mußten nachgeben, um Indiens Ein­heit zu wahren. Seither werden sie nicht nefragt: Gandhi geht bei dem Vizekönig geschäftig aus und ein, von seinem Worte hängt die Zukunft Indiens ab. Die Folge ist ein stetes Abrücken der Mohamme­daner von der indischen Unabhängigkeitsbewegung; Dr. Ansari machte Gandhi auf die drohende Mög­lichkeit aufmerksam, daß sich die mohammeda­nische Gruppe aus dem Kongreß ganz zurückzieht,

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