Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1933. november (80. évfolyam, 249-272. szám)

1933-11-03 / 249. szám

Einseinumtner an Wochentagen lg, an Sonntagen SKSB Heller. Abonnement s FOr Budapest: mit . täglich zweimaliger Zustellung und für das inland Morgen- und Abendblatt: Vierteljährlich 13 P, monatlich 6.40 P. Für das Norgenblatt allein vierteljährlich li P, monatlich 4 P. Für das Abendblatt allein vierteljährlich 8 P, monatlich 3 P Für die separate Zusendung des Abend­blattes nach der Provinz ist viertel­jährlich 1 Pengő zu entrichten. Für Wien auch durch Herrn. Qoldsohmid Für das Ausland mit direkter Kreuzband­sendung vierteljährlich: Für Oesterreioti und. Polen 20 Pengő, für alle übrigen Staaten 30 Pengő. Abonnements werden auch bei sämtliohen ausländischen Post­ämtern entgegengenommen. Manuskripte werden nicht zurückgestellt Telephon der Redaktion: 848-20. PESTER LLOYD MOBGENBLATT B Inseraten aui nähme: in Budapest, in der Administration de. Pester Lloyd und in den Annoncen- Bureaus: Balogh Sándor, LBIookner, J.BIau, Boros, Braun, Josef Erdős, Győri & Nagy, Harsány!, Haasenstein A Vogler, Cornsl Leopold, Julius Leopold, Magy. hirdető- iroda, doste Rudolf A.-8., Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: d. Dukes Naohf. A.-G., Wien, Wollzeile 1& Einzelnummer für Budapest und tür die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heiler, an Sonntagen 32 Heller, Abendblatt 10 Heller. — Für Oesterreloh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr., an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 20 Gr. Redaktion s.Adm.: V., MáriaValőria-uooal2, Telephon der Administration: 849-09. 80. Jahrgang. Budapest, Freitag, 3. November 1933. Nr. 249 Die Dollarbaisse und Ungarn. Budapest, 2. November. (m. m.) Das währungspolitisöhe Schauspiel, das mit den Goldankäufen der amerikanischen Regie­rung jetzt beginnt, wird auf einer fernen Bühne ge­spielt. Der ungarischer Zuschauer scheint unter dem Schutze einer stabilen Währung von ihm nicht ge­troffen zu sein. In Wirklichkeit ist aber der Einsatz, um den es geht, zu groß, als daß irgendein Land Gleichgültigkeit zeigen könnte, mag es noch so fern vom Schauplatz liegen, und noch so fest und einig in seinem Entschlüsse sein, sich durch die Ent­schlüsse der anderen nicht beeinflussen zu lassen. Es geht zunächst um den Kurs der wichtigsten Währungen der Welt, was an sich schon beunruhi­gend genug ist, aber cs geht auch um die Möglich­keit eines Währungskrieges, um Tod und Leben der letzten Pfeiler der. Goldwährung, um die Drohung einer weiteren Desorganisation der Weltwirtschaft. Schon die geringste unter diesen Gefahren, die Aus­sicht auf eine einschneidende Änderung der wich­tigsten Devisenkurse, muß tiefe Wirkungen auch auf die ungarische Wirtschaft auslösen. Jedes Land, das in die Weltwirtschaft eingegliedert ist, erhält für seine Exporte Bezahlung in fremder Valuta, und muß ebenfalls in fremder Valuta seine Verpflichtun­gen an das Ausland abtragen. Aber nicht nur der Wert der Ausfuhr und Einfuhr ist von dem Preise des fremden Geldes abhängig, sondern auch eine große Reihe inländischer Forderungen und Schulden lauten auf Dollar und Pfund. Und schließlich kann -es niemand gleichgültig sein, wenn die schwachen -.Ansätze einer weltwirtschaftlichen Konsolidierung ■in einer Währungspanik erstickt werden. In London und Paris wird in diesen Tagen auch über uns ent- -schieden.- Die Ursachen der neuen Sorgen für die Wirt­schaft aller Länder ist der Entschluß der amerikani­schen Regierung, in Europa und in Südafrika Gold zu kaufen. ' Das Ziel dieser Maßnahme hat' mit ihrem unmittelbaren Inhalt gar nichts zu tun. Die Vereinigten Staaten haben viel mehr Gold als sie brauchen, seit Jahren ist nicht der Mangel an Gold, sondern der Überfluß an Gold in Amerika eine wirt­schaftliche Gefahr. Wenn sich die Washingtoner Regierung trotzdem dazu entschließt, staatliches Geld für eine Ware auszugeben, für die sie keine Verwen­dung hat, so strebt sie nur die indirekten Wirkun­gen ihrer Maßnahme an. Sic will den Kurs des Dol­lars im Auslande drücken, und das kann sie nur tun, wenn sie Dollar verkauft. Wofür sie verkauft wer­den, ob gegen englische Pfund oder französische Francs, oder. gegen Gold, ist im Grunde genommen gleichgültig; die Wahl dürfte aus formalen Gründen auf Gold gefallen sein. Aber auch der Kurs des Dol­lars ist für die amerikanische Regierung nur ein Mittel zu ihrem eigentlichen Zweck. Was hier auf doppelten Unwegen angestrebt wird, ist die Hebung des Preisniveaus in den Vereinigten Staaten, die Er­füllung jenes Programms der Hebung der Waren­preise, dem Roosevelt seit seinem Amtsantritt folgt und das heute, unter dem Druck einer immer schärfere Formen annehmenden Unzufriedenheit der Farmer, eines von Tag zu Tag deutlicher werdenden Rückschlags in der Industrie, einer wachsenden Enttäuschung in der ganzen Bevölkerung an Aktua­lität und Dringlichkeit gewinnt. Es lohnt siich nicht in der kritischen Spannung dieser Tage, die Diskussion darüber aüfzunehmen, ob die Idee der Hebung des Preisniveaus als solche richtig ist. Der Streit darum geht in allen wirtschaft­lich interessierten Kreisen aller Länder, so daß hier die Feststellung genügt, daß auch diese Voraus­setzung aller weiteren Verwicklungen höchst proble­matisch ist. Das wäre noch nicht so schlimm, denn in politischen, namentlicli aber in wirtschaftspoliti­schen Fragen ist Einmü igkeit selten. Besorgnis­erregend ist jedoch, daß lie Regierung der größten Wirtschaftsmacht einem weifelhaften Ziel mit un­tauglichen — und gef ähr Rehen — Mitteln nachjagt, obwohl sie sich erst vor-einigen Monaten in recht schmerzlicher Weise von, deren Wirkungslosigkeit überzeugen mußte. Denn Präsident Roosevelt hat auf die Hoffnung durch dpie Entwertung des Dollar- kurses eine Preissteigerung in Amerika zu erzielen in den ersten, glücklicheren Monaten seiner Amts­zeit viel gesetzt, uih buiuL emsében zu müssen, daß diese Hoffnung trügerisch war. Er schien sie auf- gegeben zu haben, als der Mißerfolg selbst für den naiven Enthusiasmus der neuen Washingtoner Po­litik offenbar wurde, und er greift jetzt wieder zu ihr, nachdem der leichtfertige Optimismus seiner Regierung inzwischen auf einem anderen Wege Schliifbruoh erlitten hat. Im Frühjahr dieses Jahres hat die Welt Rooesvelt vorgeworfen, daß er im Banne einer falschen Theorie den Sturz des Dol­lars nicht aufhält, und die Verantwortung für eine schwere Beunruhigung der internationalen Wirt­schaftsbeziehungen auf sich nimmt. Jetzt steht sie vor der Tatsache, daß Roosevelt einen Fehler, den er damals nur duldete, willkürlich und systematisch wiederholt. Leider ’wird es immer weniger zweifelhaft, daß der Dilettantismus, die Leichtfertigkeit und die Plan­losigkeit der Washingtoner Regiierungskreisc zu einer ständigen Gefahr für die Weltwirtschaft werden. Diese traurige Gewißheit verbindet sich mit der dringlichen Frage, welche Folgen die heute begin­nende Politik der Dollarbaisse für Europa hat. Sie schließt zwei Gefahren in sich. Der fortgesetzte An­kauf von Gold kann einmal die Reserven der drei Goldwährungen erschöpfen, die sich im Sturme der Krise bisher noch halten konnten, und die Senkung des Dollarkurses kann weiter, infolge der Schwierig­keiten, die sic dem Export der übrigen Länder be­reitet, zu einer Wertminderung anderer Valuten führen) und damit den seit einem halben Jahr auf der Welt lastenden Angsttraum vom Währungskrieg zur Wirklichkeit machen. Der Versuch, die realen Möglichkeiten abzu­schätzen,, die in der heutigen Situation liegen, führt über den Weg der amerikanischen Operationen auf den Goidmärkten. Die einfachste und die nächst- liegende Methode für Amerika wäre der Ankauf von Gold in Paris, dem Sitze der einzigen großen Zentral­bank, die Gold gegen Geld noch zu einem gesetzlich festgelegten Verhältnis tauscht. Das hieße Dollar gegen Franc tauschen, und dann an den Kassen der Banque de France Francs gegen Gold. Welche Ge­fahr daraus für die französische Währung entsteht, hängt offenbar von der Goldmenge ab, dtie der ame­rikanische Käufer aus ihren Reserven entziehen könnte. Die französischen Goldverluste wiederum sind — die Aufwendungen der amerikanischen Re­gierung in Dollar einmal als gegeben vorausgesetzt — von dem Kurs des Dollars abhängig. Seine Gestal­tung ist der Schlüssel zu dem ganzen Problem. Es ist nicht unmöglich, daß das Dollarangebot der Amerikaner überhaupt keine Nachfrage finden wird. Der Markt für Dollar ist heute sehr eng, und das Erscheinen des staatlichen Angebots mit dem Ziel der Kurssenkung wird sicherlich dem Dollar keine neuen Freunde gewinnen, wahrscheinlich aber viele .Dollarbesitzer veranlassen, ihr Geld in wert­beständigeren Einheiten zu halten. Es ist also keines­I . -T——j--TTiürzxrr- ...... - ■ =^-~­F euilleton« Kleine Geschichten aus der Neuen Welt. Von RUDOLF LÖWIT. Mr. Brown sonnt sich. I. Mr. Brown-schritt würdig und abgemessen die ncunhundertsiebenundsechzigste Avenue hinauf, an deren Ausgang der Goodyear-Park lag. Seit Mr. Brown die Führung seiner Schuhfabrik seinen Söhnen überlassen und . sich mehr auf die bi­lanzmäßigen Erträgnisse zurückgezogen hatte, war es sein liebstes Vergnügen, an jedem halbwegs schö­nen Vormittag zum GOodycar-Park hinauszupilgern. Inmitten der göttlichen Natur, umgehen von Blü­ten und Vogelgezwitscher, saß er dort, um sorglos­angeregt einen der Wallace-Romane zu. lesen und da­bei, was die Hauptsache war, sein rechtes Bein lang auf der Bank auszustrecken. Dieses Bein war nämlich von der Podagra heim­gesucht und die Sonne tat ihm wohl. In heiterster Stimmung bog Mr. Brown in den Goodyear-Park ein. Der Himmel war heute beson­ders blau, kein Lüftchen regte sich und die Sonne stand groß und strahlend am Firmament. Das sollte einmal ein besonders köstlicher Vormittag werden ... Schnurrend ging er die paar Schritte zur Son­nenuhr mit ihrer stimmungsvoll abgeschiedenen Ni­sche hinauf. Seine eben noch leuchtenden Blicke verfinster­ten sich. Auf seiner Bank, auf der einzigen Bank im Ni­schengrund, saß bereits einer da. Eibitterung, Groll überkam Mr. Brown. Sicher, richtig. Mr. Brown hätte sich ebensogut auf einer der vielen anderen Bänke im.Park nieder­lassen können, aber gerade diese Bank stand so richtig sonnenseitig und war für ein Beinausstrecken so fabelhaft günstig und ungestört. Und dann war sie ihm schon durch die Gewohnheit besonders lieb. Mr. Brown hätte den Kerl auf der Bank am liebsten beim Kragen gepackt, , Aber er hielt an sich. Der Kerl auf der Bank sah nämlich ausge­sprochen rabiat und verkommen aus. Sein Gesicht war mit wüsten Bartstoppeln durchsetzt, der Rock­kragen hochgeschlagen, die Schirmmütze tief in die Stirn gedrückt und auch sonst war er keinesfalls jener Typ, dem man gern auf einsamer Landstraße begegnen möchte. Empörend, unerhört. Dabei saß der Mensch genau in der Mitte der Bank. Von einem Beinausstrecken konnte also keine Rede sein. Mr. Brown räusperte sich also indigniert. Wortlos und ohne den lästigen Patron eines weiteren Blickes zu würdigen, ließ er sich in der äußersten Bankecke nieder. Er nahm seinen Wallace-Roman zur Hand und zog umständlich seine Brille und dann sein Taschen­tuch. hervor. Dabei streute er eine funkelnagelneue Fünfzig-Dollar-.Note aus der Tasche heraus. Zwei­mal zusammengefaltet, wie sie .war, lag sie, braun­bläulich faszinierend da auf dem Kies. Mr. Brown aber bemerkte es nicht. Er putzte sorgfältig die Brille und sattelte sie auf. Dann versorgte er sein Taschentuch und drehte dem Mann auf der Bank ostentativ den Rücken, um sich endgültig in sein Buch zu versenk“«. In den stieren Augen des Nachbars auf der Bankmitte spielte plötzlich eigenartiges Glitzern. Er saß zwar weiter apathisch und unbeweglich da. Aber eines seiner Bfeine fing an, sich langsam und unmerklich sowie immer mehr nach seitwärts abzuzweigen, solange, bis es die Dollarnote erreicht hatte, die es mit der Fußspitze behutsam und lautlos an sich heranschleifte. Der Mann bückte sich jetzt und zog seinen Schuhriemen fester. Dabei ließ er den Geldschein verseil winden. Dann erhob er sich, schob die Hände in die Hosen­taschen und schleuderte pfeifend den Kiesweg hinunter. Mr. Brown atmete tief und erleichtert auf. Seine Blicke folgten dem unangenehmen Gesellen, bis er hinter der Wegbiegung verschwunden war. Mit einer weitausholenden Bewegung bettete Mr. Brown sein Prodagrabein lang und breit auf die nunmehr frei- gewordene Bank. Darin lehnte er sich in seine Ecke zurück und vertiefte sich schmunzelnd in die web teren Wallace-Begebnisse. II. Der Mann hinter der Wegbiegung strebte hastig zum Park hinaus und eilte ein paar Kreuz- und Quergassen hinunter. Erst nach einer .Weile blieb er halten. Sorgfältig entfaltete er den Fünfzig-Dollar- schcin, den er freudig musterte und. drehte. Sein Blick wurde plötzlich starr und weit. Auf der Rückseite der Geldnote, in schönen, roten Lettern gedruckt, war zu lesen; Mit diesen fünfzig Dollar werden Sje nicht weit kommen. Hingegen mit Mr. Browns ga­rantiert erstklassigen Lederstrapazschuhen kön­nen' Sie bis ans Ende der Welt schreiten. Der Fünfzig-Dollarschein war nämlich ein ge­wöhnlicher Reklamezettel. Mr. Fox kauft eia Grundstück, I. Mr. Fox, der Chef und Alleininhaber der „Po­mona, Dürrobst-, Jam- und Marmeladenproduktions- verwertungs-Korporation“, Mr. Fox also, die un­vermeidliche Havanna zwischen den Lippen, saß am imposanten Schreibtisch seines noch imposanteren Arbeitszimmer und blätterte in der fünften Morgen­ausgabe des täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage siebzehrtmal erscheinenden „First-General­anzeigers“. Sein Blick blieb an einer Einschaltung haften, die zweispaltig sowie im Fettdruck lautete; Grundstück, über mehrere Morgen groß, besonders für alte ' Arten von Agrikultur hervorragend geeignet, um jeden halbwegs annehmbaren Preis, da Rer.t- ]>estand, käuflich zu erwerben von der „Cis- und T r a nsni iss i s s i pp i le r r a i nk oimn i s s ion s Ltd.“ Mr. Fox läutete' seinem Sekretär. „Lesen Sie diese Anzeige. Ich glaulb’, das war7 etwas für uns. Denn die „Pomona“ sieht sich dank der Führung und Umsicht ihrer obersten Leitung immer dringen-

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