Pester Lloyd - esti kiadás, 1934. szeptember (81. évfolyam, 198-221. szám)

1934-09-01 / 198. szám

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Blau, Boros, Braun, Josef Erdős, Győri & Nagy, Harsányi, Haasensteln & Vogler, Cornel Leopold, Julius Leopold, Magy. hirdető. Iroda, Mosse Rudolf A.-Q., Julius Tenzer, Uray. Generalvertretung des Pester Lloyd für Oesterreich: HI. Dukes Naohf. A.-6, Wien, Wollzeile 16. Einzelnummer für Budapest tutd für die Provinz: Morgenblatt an Wochentagen 16 Heller, an Sonntagen 33 Heller, Abendblatt 10 Heller. — Für Oesterreioh: Morgenblatt an Wochentagen 30 Gr, an Sonntagen 40 Gr. und Abendblatt 30 Gr Redaktion u. Adm.: V, MáriaValérla-uooa ÍJÍ- Telephone: Redaktion: 848—20. Nach Mltternaohto 848—28. Administration: 849—09. 81. Jahrgang. Budapest, Samstag, 1. September 1934. Nr. 198 Auslandschau­— 1. September. — Italienisch-französische Besprechungen. Starke Aufmerksamkeit wendet sich in der euro­päischen, in erster Reihe in der französischen Presse der Unterredung zu, die gestern in Rom zwischen Mussolini und dem französischen Botschafter Chambrun stattgefunden hat. Der Botschafter hatte vor kurzem Gelegenheit, sich in Paris mit dem Außenminister Barthou über die Beziehungen zu Ita­lien auszusprechen, und es heißt, daß Mussolini seinen Urlaub eigens zu dem Zwecke abgebrochen habe, um sich über den gleichen Gegenstand mit dein Botschafter Frankreichs zu unterhalten. Nach einer Meldung des Matin sollen sich diese Besprechungen vor allem auf die österreichische Frage und auf die Beziehungen der beiden lateinischen Großmächte zu Deutschland bezogen haben, und auch eine aber­malige Prüfung der zwischen Frankreich und Italien schwebenden übrigen politischen Fragen soll dabei in Aussicht genommen worden sein. Dem verantwort­lichen Leiter der französischen Politik kann die Hal­tung Jugoslawiens in der Frage der staatlichen Selb­ständigkeit Österreichs nicht entgangen sein. Belgrad hat sich in der Tat eine kühne Extratour gestattet, indem es, als Italien seine Wacht am Brenner bezog, auch seinerseits Truppen an der Kärntner Grenze zusammenzog und erklärte, daß einem italienischen Einmarsch in österreichisches Gebiet das Eindringen jugoslawischer Truppen ebendahin als Gegenaktion auf dem Fuße folgen würde. Der Umstand, daß Ita­lien mit Zustimmung Frankreichs seinen Entschluß ankündigte, den Anschluß Österreichs an Deutsch­land nötigenfalls auch mit Waffengewalt zu verhin­dern, hat Jugoslawien nicht verhindert, seine Hilfs­bereitschaft zugunsten des Anschlusses, unbeküm­mert um den französischen Bundesgenossen, demon­strativ zu bekunden. Und hiezu tritt nun auch die ge­wiß bemerkenswerte Tatsache, daß in der deutschen und der jugoslawischen Presse neuestens konzentri­sche Angriffe gegen Italien gerichtet werden. Das muß in Paris zu denken geben, und wenn man auch am Quai d’Orsay noch immer an der These festhält, daß Frankreich seinen Alliierten unter allen Um­ständen und bis aufs äußerste die Treue halten müsse, so wird sich doch die französische Politik auch Gedanken darüber machen müssen, bis zu welcher Grenze es die jugoslawische Unbotmäßigkeit dulden könne, in einer Frage, die für die Lebcns- interessen Frankreichs so wichtig ist, wie die An­schlußfrage. Es klingt daher durchaus glaubwürdig, wenn sich an die gestrige Unterredung zwischen Mussolini und Chambrun die Annahme knüpft, sie habe in erster Reihe der Frage gegolten, wie Italien und Frankreich den Widerstand gegen den Anschluß, wenn es sein muß, auch gegen Jugoslawien durch­zusetzen haben würden. Daß dabei auch darüber gesprochen wurde, wie der Faden der bisherigen Verständigungs­versuche in den zwischen Frankreich und Italien schwebenden politischen Fragen auf genommen wer­den könnte, kann nirgend Überraschung hervor- rufen. In allen diesen Belangen — beiderseitige Flottenstärkc, Ergänzung des italienischen Kolonial­besitzes in Afrika und staatliche Zugehörigkeit der in Tunis ansässigen Italiener — ist bereits früher schon manches Stück Vorarbeit geleistet worder; doch gelang es bisher nicht, die bestehenden Hin­dernisse aus dem Wege zu räumen. Nun soll der Fa­den wieder aufgenommen werden. Nach einer De­pesche aus Rom wird Chambrun nächste Woche mit dem gegenwärtig noch auf Urlaub befindlichen Unterstaatssekretär Suvich Zusammentreffen und b?! dieser Gelegenheit die Vorbereitung einer allge- n < inen Bereinigung der gegenseitigen Beziehungen in die Wege leiten. Nach einer Meldung des Petit Journal rechnet man in militärischen Kreisen Italiens mit der Eröffnung französisch-italienischer Ver­handlungen zum Abschluß eines Flottenabkommens, das die für das nächste Jahr anberaumte internatio­nale Flottenkonferenz vorbereiten solle. Wenn diese Meldung sich als stichhaltig erweist, würde sie be­deuten, daß die Annäherungspolitik zunächst aa einem ihrer empfindlichsten Punkte in Angriff ge­nommen werden soll; denn das Problem der beider­seitigen Flottenstärken hat bisher stets als der am schwersten überbriiekbare Gegensatz gegolten, da Italien mit Hinweis auf seine ausgedehnten Küsten die Flottenparität verlangte, Frankreich aber sich diesem Ansinnen hartnäckig widersetzte. Gelänge es. dm Bereiche der Seerüstungen einen Ausgleich zwi­schen Italien und Frankreich zu erzielen, so wäre damit ein bedeutender Schritt zur Erreichung eines dauernden Einvernehmens zwischen den beiden lateinischen Großmächten getan. Hier sei noch ein Gerücht verzeichnet, das in der Pariser Presse mehrfach Aufnahme gefunden hat und das besagt, daft da Mussolini verhindert sei, die zahlreichen Besuche, die ihm von ausländischen Staatsmännern abgestattet worden seien oder noch in der nächsten Zukunft ahgestattet werden, zu er­widern, König Victor Emanuel seine seit langen Jah­ren unterbrochene Gewohnheit, • Auslandreisen zu machen, wieder aufnehmen werde. In amtlichen ita­lienischen Kreisen spricht man bereits von einem Besuchsaustausch zwischen dem König und dem Präsidenten der französischen Republik, sowie von Reisen des Königs nach London, Brüssel und viel­leicht auch nach Wien. Schließlich wäre zu erwähnen, daß nach einer Meldung des Matin die Reise des französischen Außenministers Barthou nach Rom in der zweiten Hälfte des November erfolgen werde. Selbstverständ­lich hängt jedoch das Zustandekommen dieses Be­suches von dem Ertrage der Verhandlungen ab, die die Bereinigung der schwebenden politischen Pro­bleme zwischen Italien und Frankreich zum Gegen­stände haben werden. Allerdings ist schwer anzu­nehmen, daß die Verhandlungen in diesen äußerst verwickelten Fragen schon in den nächsten Wochen zu einem erfolgreichen Abschluß gelangen könnten; doch wird Herr Barthou seine Romfahrt wohl auch dann verwirklichen, wenn diese Verhandlungen wenigstens einen günstigen Fortgang nehmen. Ande­renfalls wird die Romfahrt des französischen Außen­ministers wohl auch diesmal bis auf weiteres unter­bleiben. Politische Erklärungen des türkischen Ministerpräsidenten. Wie aus Ankara gemeldet wird, hat Minister­präsident Ismét Pascha in Izmir wichtige politische Erklärungen abgegeben. Er betonte, daß die Türkei in ihren Beziehungen zu den auswärtigen Mächten und in ihrem Verhalten auf internationalem Gebiete den Geist des Friedens und der Zusammenarbeit zur Geltung zu bringen trachte. Von der internationalen Lage sprechend, verwies er darauf, daß in der Frie- densDolitik einzelner Staaten zwei verschiedene und einander zuwiderlaufende Strömungen zutage treten. Einerseits beteuert jeder Staat, daß er den Frieden wünsche; andererseits fürchtet jeder Staat, daß der Frieden verletzt wird. Daraus ergibt sich die Not- wencF ei! für die Nationen, die die Erhaltung des Friedens aufrichtig wünschen, stark und mär dig bleiben zu wollen, sowohl im eigenen, wie im allge­meinen Interesse. Der Ministerpräsident sprach die Hoffnung aus, daß die auf die Festigung des Friedens abzielenden internationalen Verhandlungen schließ- lich doch zum Abschluß eines allgemeinen Abxom- mens führen werden. Aber auch bis dahin erscheine es vorteilhaft, regionale Vereinbarungen zu treffen, ' die ausschließlich defensiven Zielen dienen. Von diesem Standpunkte bezeichnete der türkische Mini­sterpräsident das Vorgehen der Balkanstaaten als bcfolgenswertes Beispiel, die, geleitet vom gegenseiti­gen guten Willen, die bestehenden Schwierigkeiten ausgeschaltet und einen gemeinsamen Pakt abge­schlossen haben. Jeder Freund der Türkei und des Friedens kann die Erklärung des türkischen Ministerpräsi­denten nur mit Beruhigung und mit Genugtuung aufnehmen, — wenn es auch fraglich bleibt, ob der Balkanpakt die an ihn geknüpften Erwartungen auch wirklich erfüllen werde. Vor dem größten Streik ln der Geschichte der Vereinigten Staaten. Wie aus Washington gemeldet wird, haben 200.000 Arbeiter der Wollindustrie von ihren Gewerk­schaften die Anweisung erhalten, sich dem heute be­ginnenden Streik der Baunrwollindustrie anzu­schließen. Damit steigt die Zahl der Streikenden auf über 600.000 an. Voraussichtlich werden auch noch 150.000 Arbeiter der Seiden- und Kunstseidenindustrie bis zum Abend den Streikbefehl erhalten, so daß rund 800.000 Arbeiter in den Ausstand treten werden. Die Streikleitung verfügt nur über einen Streikfonds von einer Million Dollar, eine Summe, die knapp eine Woche ausreichen dürfte. Man rechnet jedoch auf die Unterstützung der Streikenden durch die anderen Ge­werkschaften und die Auszahlung der Arbeitslosen­unterstützung von seiten der Behörden. Der Leiter der Arbeitslosenunterstützung Hopkins erklärte jedoch, er werde den Streikenden nur dann Arbeitslosen­unterstützung zahlen, wenn der Schlichtungsaus­schuß und das Arbeitsministerium den Streik für gesetzmäßig erklären. Die wirtschaftliche und politische Bedeutung, die diesem Streik, wenn er wirklich ausbricht, zukommen würde, ist ungeheuer. Schon die unmittelbare Wir­kung auf. das Wirtschaftsleben der Vereinigten Staa­ten wäre groß genug, um dem Unternehmen der Ge­werkschaften die Größe eines historischen Ereignisses zu geben. Wenn es auch ganz unwahrscheinlich ist, daß alle 800.000 Arbeiter, die zu den bestreikten In­dustrien gehören, die Arbeit wirklich niederlegen wer­den, so kann bei einem Gelingen der Organisations­parole leicht eine halbe Million Menschen in den Aus­stand treten. Dadurch wird aber zweifellos die Arbeit vieler anderer Hunderttausenden lahmgelegt. Aber über die mehr oder minder direkte Wirkung hinaus muß dieser Streik eine ungeheure indirekte psycho­logische Wirkung haben. Die Politik der Konjunktur­ankurbelung des Präsidenten befindet sich gerade jetzt in einer kritischen Phase. Seit Monaten hat sie keine wirklichen Erfolge erzielt; man beginnt auch in Kreisen, di» dem New Deal gegenüber freundlich eingestellt sind, skeptisch zu werden. Ein Riesenstreik auf dem Gebiet der ganzen Vereinigten Staaten in einem solchen Augenblick muß die kritischen Stim­men verstärken und das Gefühl der Ernüchterung steigern. Politisch bringt er die Regierung in eine arge Verlegenheit, weil sie sich diesmal klar entscheiden muß, für welche Seite sie Partei nimmt. Das beweisen schon die Forderungen der Streikenden, die "anz im Sinne des offiziellen Programms der N. R. A. ge­halten sind. Sie verlangen: Einführung der 34-Stun- den-Woche ohne Lohnkürzungen. Wiedereinstellung aller Arbeiter, die wegen ihrer Mitgliedschaft bei Gewerkschaften entlassen worden sind, und zwar unter Verletzung der NRA.- Bestimmung 7 a (daß die Arbeiter das freie KoalL tionsrecht haben). Anerkennung der „Textil Workers Union“ als offizielle Organisation der Arbeiter und Angestellten der Textilindustrie. Einsetzung eines Schiedsgerichtshofes zur Lö­sung des Konflikts, den einzusetzen die beiden Par­teien bei den letzten Verhandlungen nicht ver­mochten. Die Unternehmer haben alle Punkte glatt abge- lehnt, vorausgesetzt, daß die Regierung keine starke Zollerhöhung auf die Produkte der Textilindustrie verfügt. Keine der beiden Seiten, weder die mit dem Streik Sympathisierenden, noch seine Gegner, haben in der Öffentlichkeit ein Übergewicht. In einer solchen Situation politisch nicht zu versagen, wird die ganze politische Meisterschaft Roosevelts erfor­dern, namentlich da die Wahlen vor der Tür stehen. Deutsch-italienische Auseinander­setzung um Österreich. Kaum waren die letzten Nachwirkungen der blutigen Juliereignisse in Österreich überwunden, hat Mussolini verfügt, daß die italienischen Truppen, die in den österreichischen Putschtagen an der Brenner­grenze konzentriert waren, zurückgezogen wurden. Damit hat der Duce von seiner Friedensbereitschaft und seiner politischen Weisheit ein Zeugnis abgelegt, das keineswegs als Schwäche ausgelegt werden durfte. Aus diesem Grunde ist der Ton der italienischen Presse in der österreichischen Frage in der letzten Woche womöglich noch schärfer geworden. Mit un­wandelbarer Festigkeit und Entschlossenheit wendet sich die italienische Presse nach wie vor gegen Deutschland und Jugoslawien und präzisiert unmiß­verständlich den italienischen Standpunkt, die Unab­hängigkeit Österreichs imter allen Umständen ver­teidigen zu wollen. Daß hei dieser Gelegenheit auch über die innerdeutschen Zustände manche herbe Worte fallen, mit denen bisher zurückgehalten wurde, ist nur zu begreiflich. So legt die italienische Presse jetzt schon mit ihren Ansichten über die neudeutsche „Kultur“ auf rassischer Grundlage los und macht sich über die Rassegedanken des Dritten Reichs, über die in Italien auch bisher geschmunzelt wurde, ganz offen lustig. In der deutschen Presse herrscht darob helle Empörung. Unter dem Titel „Neuer Haß­ausbruch der italienischen Presse“ protestiert die Deutsche Allgemeine Zeitung gegen diese „neue di­rekte antideutsche Propaganda“. „Die letzten Monate haben gezeigt“ — schreibt das Blatt —, „daß die Unterschiede zwischen der deutschen und der italieni­schen Revolution wichtiger sind, als ihre Ähnlich­keiten. Gegensätze der Doktrin haben sich aufgetan und sie haben die außenpolitische Orientierung be­einflußt.“ „Wer mit einem Auto nach Italien fährt

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