Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1937. január (84. évfolyam, 1-25. szám)

1937-01-01 / 1. szám

84. Jahrgang. Budapest, Freitag, 1. Januar 1937. Nr. 1 Ungarns Beitrag zur Politik des Friedens. Eine Neujahrsbetrachtung. Budapest, 31. Deaörßber. (—) An der Schwelle eines neuen Jahres, das für die Entwicklung der europäischen Friedens­bestrehungen entscheidend zu werden verspricht, . müßten sich alle Staatsmänner, die die Geschicke von Nationen lenken, die Frage vorlegen, was ihre Länder für die Erhaltung und Festigung des Frie­dens getan haben. Eine solche Gewissensprufung würde in einigen Ländern Gedanken aufwerfen, die man in ihrer ungeschminkten Aufrichtigkeit vor der großen Öffentlichkeit nicht gern erörtert sehen möchte; aber glücklicherweise sind solche ver­borgene und lichtscheue Absichten nur bei wenigen Staatslenkern vorhanden, die überwiegende Mehr­heit der Länder aber befolgt eine aufrichtige Frie­denspolitik, wie denn alle Völker — vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen — mit ihrem ganzen Herzen einen friedlicheren Zustand Europas herbei- sebnen und das kommende Jahr als ein Jahr der positiven Aufbauarbeit und des wahren Friedens begrüßen möchten. Was insbesondere Ungarns Anteil an der Politik des Friedens anbelangt, so können wenig Länder darauf hinweisen, daß sie unter so schwierigen Ver­hältnissen, mit so viel Selbstverleugnung und unter so viel Opfern so wesentlich wie dieses Land zur Erhaltung und Festigung des Friedens beigetragen haben. Nicht erst in der letzten Phase der euro­päischen Politik, sondern seit dem Beginn seiner selbständigen außenpolitischen Aktivität hat. sich Ungarn stets für die Interessen des wahren Friedens eingesetzt. Der Leitgedanke der irischen Außen­politik war in den schweren Jal > der N«ehkregr periods die f (len ’j ' .„.eichenden kei! j osm, --gemäß die ungarische Politik in m Fortschritt und immer u. friedlichen Mitteln die Lage dieses Lanuw ssern trachtete. Seit der Liquidierung der Wirren der Nach­kriegszeit, -die eine selbständige außenpolitische Tätigkeit Ungarns unmöglich gemacht haben, also seit jener Konsolidierung, die unter der Minister- Präsidentschaft des Grafen Stefan Bethlen um etwa 1925 beendet wurde, schritt die ungarische Außen­politik konsequent auf dem Wege dieser aktiven •Friedensarbeit weiter. Ungarn war immer bestrebt, mit den Nachbarländern zu einem ehrenvollen Modus vivendi zu gelangen. Schon im Jahre 1926 hat Ungarns Reichsverweser unserem südlichen Nachbar pin Angebot zum Ausbau freundschaftlicherer Be­ziehungen gemacht, und wenn ähnliche Initiativen der ungarischen Politik von der Gegenseite unbe­antwortet blieben. so liegt das nicht an der mangeln­den Bereitschaft Ungarns, sondern am fehlenden Verständnis der Gegenseite. Nach dem ersten Versuch Ungarns, nach außen hin gute Beziehungen auszubauen, kamen dann die entscheidenden Schritte der aktiven ungarischen Außenpolitik, die bis heute die Grundtendenz der Einschaltung Ungarns in die internationale Frie­densarbeit bestimmen. Im Jahre 1927 schloß Graf Stefan Bethlen mit dem Italien Mussolinis den Freundschaftsvertrag, der sieb als ein entwicklungs­fähiges Instrument aufrichtiger Zusammenarbeit er­weisen sollte. Als die Probleme des mitteleuro­päischen Wiederaufbaus Sich unabweisbar zum Wort gemeldet haben, ohne daß sich von den vielen doktrinären Lösungsprojckten, die von verschiedenen Seiten vorgebracht wurden, eines als praktisch durchführbar erwiesen hätte, schritten Italien, Un­garn und Österreich zur Tat, indem sie in 1934 die römischen Protokolle unterzeichnet haben, das ein­zige Friedehsinstrument, das bis jetzt zum wirt­schaftlichen Wiederaufbau und zur politischen Kon­solidierung Mitteleuropas einen positiven Beitrag ge­leistet hat. Im März dieses Jahres wurden die rörni- s’chen Protokolle noch weiter ausgebaut; ihr offener Charakter, der die wirtschaftliche Zusammenarbeit einzelner Signatarstaaten mit außenstehenden Mäch­ten nicht ausschließt, hat . ihre Bedeutung für die wirtschafliehe Reorganisierung Mitteleuropas wesent­lich erhöht und namentlich nach der deutsch-jtadre-, nischen und deutsch-österreichischen Einigung auch die Beteiligung Deutschlands, au der Wiederaufhau­arbeit im Donauraume ermöglicht. Die ungarische Politik hat sich immer strikt an den friedlichen und nichtexklusiven Geist der römischen Protokolle ge­Die WeltpolitiK im Jahre 1936 Von DR. GEORG KALDOR. Sinn des Unberechenbaren. Könnte man mit einem Zauberstab die Mäch­tigen der Welt zum unbedingten Bakennermut ] zwingen, "nur die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit zu sagen, so hätte sich eine Siivester- rumdifrage sicherlich gelohnt, etwa in der Form; „Was haben sie von den großen Ereignissen des Jahres vorausgesehen?“ Und hätten di? Mächtigen die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit sagen müssen, so hätte sioh wohJ herausgestellt, daß sie von dem konkreten Verlauf der Weltgeschichte dieses blutigen und stürmischen Jahres, dieses .,annus terribilis“, nichts, gar nichts vorausgeahnt haben. Die großen Tendenzen der Weltpolitik sind fast völlig unbe- rechenbar geworden. Weltgeschichtliche Aktionen, die leicht den europäischen Krieg hätten entzünden kön­nen, wurden im Handumdrehen beschlossen, Könige haben auf ihren Thron verzichtet und Diktatoren sich in die Gefangenschaft begeben, Kirchenbrände und Straßenunruihen halién eine Halbinsel in Brand gesteckt, „die Gruft Gottes zitterte im Heiligen Lande“. Wer hinter all diesem furchtbaren Treiben die große historische Leidenschaft einer Napoleonischen Epoche vermutet, läßt bei tieferer Analyse enttäuscht die Feder sinken. Parallelen ließen sich eher in der Renaissance, als in der Neuzeit finden. Unberechen­bar, aufbrausend, impressionistisch, von dunklen Trieben und .Ahnungen gedrängt, auf großartige Bilder vergangener Größe zurückgreifend, aber die Zukunft n in Trsrhwommenen Visionen er- schau ml, ^ehen„ *iscVu ]>itiavn mv,g lírámilturasfiCÄITc-if \:.,, -. ,-i t » -Y h diese Lpochf : AnfY. Wv iYJ '»Ív in Mwt iinsv hu-di^ \ i Blutes durch. Wohin? vyer könnte äugen, Ich verborgenen Zielen entgegen? Aus dem Durcheinander der täglichem welt­geschichtlichen Überraschungen und Handstreiche entfaltet sich nur eines mit immer größerer Sicher­heit: selbst im Unsinn des Unberechenbaren, der impressionistischen Schachzüge und Gegenzüge steckt noch eine immanente Logik. Immer mehr Wird die Gegenwartsgeschichte, vielleicht aus purer Welt­angst der Völker, vielleicht nur durch den Alpdruck vor Kriegen und Koalitionen in zwei große Lager der einander feindlich gegenüberstehenden Diktaturen ge­trieben. Noch stehen die demokratischen Mächte bei­seite, noch ist es Zeit zur Umkehr, noch ist die Welt, nicht in zwei Hälften gespalten. Aber der Weltgeist deutet klar auf die zwölfte Stunde: wir leben im klaren Bewußtsein einer Vorkriegszeit. Das war am Vorabend des Weltkrieges nacht der Fall. Sorglos und optimistisch, im Can-Can einer goldenen, langen Frjedensepoche tänzelte damals die Welt in den Krieg hinein, nur die Diplomatie ahnte, was hinter den Kulissen vorging. Heute vollzieht sich alles Zug um Zug: unbe­rechenbar, aber gerade deshalb so furchtbar und be­drückend. Alles ist in dieser Atmosphäre der Gewalt möglich geworden, wenn man nur Mut und Macht genug hat, das Äußerste zu wagen. Alles kann ge­wonnen, aber auch verloren werden. Wird der letzte große Coup, der direkte Angriff einer Großmacht auf die andere gewagt? Wir wisseu es nicht, aber wir wagen es nicht mehr zu verneinen. Wer hätte den Ausgang des abessinisch n Krieg -. in drei 'fo­natén vorausgesagt? Die englisU' Militär' • ver­ständigen rechr L ayl •P* ten? Und die Befreiung Wit .iu.cn 'Bedrohung des Bruderj kampies werde sieb mit klingender Militärmusiki Vor dem Kölner Dom vollziehen? Wer hätte geahnt] daß die Verständigung über Österreich zwischen Deutschland und Italien den Weg zur englisch-italie­halteir und auch dadurch der Sache der friedlichen Entwicklung in diesem Teile Europas einen wich­tigen Dienst geleistet. Dem Geiste der römischen Protokolle entspre­chend, hat es Ungarn stets als Grundsatz seiner Poli­tik betrachtet, keinem militärischen Bündnissystem beizutreten, sondern das Prinzip des friedlichen Interessenausgleichs v or Augen zu halten. Diese Hal­tung Ungarns muß als um so wichtigerer Faktor der friedlichen Gestaltung der europäischen Politik be­trachtet werden, als es bekanntlich manche Staaten gibt, die der äußeren Form nach mehr oder minder verhüllte militärische Bündnisse abgeschlossen haben, deren Bestand den europäischen Frieden ernstlich gefährdet. Während der langwierigen Verhandlungen über das Abrüstungsproblem hat Ungarn, immer wieder für das Prinzip der allgemeinen und gleichmäßigen Abrüstung Stellung genommen. Als es infolge der Weigerung der Mächte, dieses Prinzip praktisch zu verwirklichen, zu einem Fehlschlag der Abrüstungs­konferenz kam, haben einzelne Mächte dem unhalt­baren Zustande der Rechtsungleichheit auf dem Ge­biete der Rüstungen durch die eigenmächtige Wie­derherstellung ihrer Rüstungsfreiheit ein Ende be­reitet. Ungarn, das für keinen Augenblick auf'gehörl hat, für sich die Rechtsgleichheit auf militärischem Gebiete zu fordern, hat es dennoch vermieden, diese Forderung durch einseitige Verletzung der Friedens­verträge zu verwirklichen, obwohl die übrigen Staa­ten ihrer vertragsmäßigen Verpflichtung der allge­meinen Abrüstung nicht nachgekommen sind. Auch heute hält Ungarn seinen gerechten Anspruch auf militärische Gleichberechtigung aufrecht, es verfolgt aber dieses Ziel nicht durch die Methode des fait accompli, so schwere Opfer ihm auch diese durchaus korrekte Haltung auferlegen möge. Auch hat Ungarn in einzelnen schweren Pe­rioden der Nachkriegsgeschichte eine Mäßigung und Zurückhaltung an den Tag gelegt, durch die die gefährliche Zuspitzung besonders heikler Situatio­nen vermieden werden konnte, ln erster Reihe gilt ,die^ für die kritische Zeit der Marseiller Königs­mordaffäre im Herbst 1934. In der Ungarn, zu Un­recht beschuldigt, eine so entgegenkommende und friedfertige Haftung bekundet hat. daß eine ver­hängnisvolle Ausartung des Konflikts vermieden werden konnte. Obwohl die Lage -Ungarns keines­wegs derartAbeschallen war, daß es zur Einigung um jeden Preis gezwungen gewesen wäre, hat seine friedliche und verständnisvolle Haltung die glatte Beilegung dieser Angelegenheit ermöglicht, die heute auf die gegenseitigen Beziehungen Ungarns und Jugoslawiens keinen Schatten mehr wirft. Auch in den Fragen der zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen hat Ungarn stets Entgegen­kommen und Kooperationsbereitschaft an den Tag gelegt. Es war zur Vertiefung seiner Handels­beziehungen mit anderen Staaten auf bilateraler Basis stets bereit, und die Nützlichkeit dieser Me­thode konnte durch nichts schlagkräftiger bewiesen werden, als durch den erfolgreichen Abschluß der neuen Handelsverträge Ungarns mit Jugoslawien und der Tscheche-Slowakei. Ungarn hat. auch durch diese Abmachungen seine Bereitschaft zur fried­lichen Zusammenarbeit unter Beweis gestellt. Ein Staat, der im Laufe der Jahre so viele Zeichen seines aufrichtigen Friedenswillens gegeben hat, kann kriegerischer Bestrebungen unmöglich beschuldigt werden. In der europäischen Öffent­lichkeit beginnt denn auch die Wahrheit die Stim­men einer böswilligen und verleumderischen Pro­paganda zu übertönen, und wir können festslhÜcn, daß der friedliche .Charakter der ungarischen Po­litik bereits von einer Seite anerkannt wird, die früher konsequent (las Gegenteil behauptet hat. Nach den wichtigen politischen Beratungen des Herbstes, an denen Ungarn aktiv beteiligt war, hat auch die grundsätzlich nicht ungarnfreundliche Presse gewisser Mächte die Korrektheit und Fried­fertigkeit des* ungarischen Standpunktes in vollem Maße anerkannt. .Am Jahresende kann Ungarn sich und der ganzen Welt mit reinem Gewissen über die inneren Beweggründe seiner Politik Rechenschaft ablegen. Dieses Gand, das durch die Friedensverträge zwei Dritte!! seiner Bevölkerung und drei Viertelseines Gebiets verlor, das also jeden Grund gehabt hätte, selbst im Bunde mit dem Teufel eine Politik der Verzweiflung und der Rache zu befolgen, hat sich nach dem Zeugnis der Tatsachen stets darum be­müht, den Frieden Europas zu festigen. Wenn alle Staaten .so schwere Opfer für die Sache des Frie­dens gebracht und solche Mäßigung , an den Tag gelegt hätten, wie Ungarn, so würde die Befriedung und der Wiederaufbau des Donautals heute sicher schon weiter gediehen sein. p* PREIS 24 HELLER »Dr Budapest: mit täglich zweimalig« Rstt5?*fjoyd**und in den Annoncen­£ustelluns und Mr^daa^ Inlaad Morgen- TBP^ÄkTM^^B OjJ'»«J M;<«, Bioekiwr^l.BI»^ ^fp*mo2^^P.*w" da»*fi>tan B &jf f$S *' Hftw** ® B ■ B ~ B JP IÜ BT « 9» Bw S BR r^»°lMosi«,1Rudolf,'^*fl.1*lVlius Tenrer e'lein vierteljährlich S P, monaüich 3 P. 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