Pester Lloyd - reggeli kiadás, 1937. június (84. évfolyam, 121-145. szám)

1937-06-01 / 121. szám

Zwischen dem Teufel und der tiefen See. Budapest, 31. Mai. (—ss)' Vor zehn Jahren veröffentlichten die New York Times ein Interview ihres mitteleuropäi­schen Korrespondenten mit dem damaligen Mi­nisterpräsidenten Ungarns Grafen Stefan Bethlen, der zu jener Zeit auf dem Höhepunkte seiner Macht stand. Die europäische Politik, deren Probleme in diesem Interview behandelt wurden, ließ noch keineswegs die Stürme ahnen, die die Ruhe und das Nachkriegsgleichgewicht Europas in späteren Jahren von Grund aus erschütterten, in alten Ländern trug die Hochkonjunktur ihre reichen Früchte, und die kapitalistische Welt glaubte einer langen und ungestörten Entwicklung entgegensehen zu dürfen. In Deutschland begannen sich noch nicht die Elemente zu sammeln, die das Weimarer Regime dem Sturze entgegentrieben , und Sowjet­rußland, wenn auch formell zur europäischen Völ­kergemeinschaft zugelassen, spielte in der euro­päischen Politik noch keine nennenswerte Rolle. Graf Stefan Bethlen ließ sich durch diese Schein­ruhe nicht irrefübren und erklärte damals schon dem amerikanischen Journalisten, daß die kleinen europäischen Staaten, die, auf der breiten Zone zwischen dem Baltischen und dem Schwarzen .Meere gelegen, dem doppelten Druck des russischen und des deutschen Volkskörpers ausgesetzt sind, ihre ‘ Unabhängigkeit und ihr nationaleg Eigen­dasein nur retten können, wenn sie die nationa­listischen Rivalitäten ausschalten und sich zu einer friedlichen Kooperation zusammenfinden. Dieser prophetische Satz kehrt seit zehn Jahren in den Reden und Artikeln des Grafen Stefan Bethlen immer wieder zurück, dieser Gedanke bedingt seine Politik, sei es die des verantwortlichen Regierungs­chefs, sei es die des alleinstehenden, von jeder Parteibindung losgelösten Patrioten. Die Rede, die Graf Stefan Bethlen Sonntag vor seinen Wählern in Nagykanizsa hielt und die nicht bloß die Tagespolitik beherrscht, sondern auch die künftige politische Entwicklung Ungarns ent­scheidend beeinflussen dürfte, beruht letzten Endes auf diesem mächtigen Gedankenpfedter. Dieser Ge­danke fand im packenden Vergleiche von den roten und braunen Wellen seinen stärksten Ausdruck, ■die nach den Worten des Redners die ungarische Landzunge an ihren beiden Küsten bedrohen. Die Politik Ungarns wurzelt tief in der tausendjährigen Geschichte dieses Landes, das in jedem Jahrhundert in blutigen Kämpfen seine staatliche Unabhängig­keit gegen den Ansturm übermächtiger Kräfte bald des Ostens, bald des Westens zu verteidigen hatte. Die äußere 'Form dieser Kräfte wechselte oft, im wesentlichen blieben sie immer gleich, denn es ging immer wieder darum, entweder den westlichen, deutschen, oder den östlichen, asiatischen oder eurasiatischen Imperialismus in seinem Vorstoß aufzuhalten. Die Lage, in der sich Ungarn heute befindet, ist die nämliche, wie sie die Führer dieses Landes in ihrer Politik stest determiniert hatte, und diese Lage bestimmt die Haltung der ungarischen Regierung sowohl in der inneren wie in der aus­wärtigen Politik. Diese Politik fand nun in der Sonntagsrede des .Grafen Bethlen eine strenge und klare Formulie­rung. Um die inneren Kräfte des Landes zur Gegen­wehr .sammeln zu können, müssen alle Elemente in einem Lager vereinigt werden, die zur verfassungs­mäßigen und demokratischen Entwicklung stehen, die jeden Gedanken an die der ungarischen Gesin­nung zuwiderlaiufenden diktatorischen Methoden ab­lehnen, auch müssen alle Elemente von dieser großen bürgerlichen und bäuerlichen Koalition geschieden werden, die brutale Mittel und terroristische Aktio­nen zur Verwirklichung ihrer landfremden politi­schem Ideologie zu verwenden trachten. Um diese große Zusammenfassung der freiheitsliebenden bür­gerlichen Elemente zu ermöglichen, forderte Graf Stefan Bethlen die restlose Liquidierung der Jüngst­vergangenheit, die gespensterhaft in der Politik des Landes noch immer spukt. Die logische Folgerung dieser Postulate zu ziehen, hat isioh Graf Bethlen r.iicht geischeut und1 «in Realprogramm der dringend­sten Wirtschafts- und sozialpolitischen Reformen aufgestellt, das verwirklicht werden muß, um die immerhin möglichen Rückschläge nach Einführung der geheimen Abstimmai^' abzuwehren, denn nur cm durch keine soziale Spaltungen zerrissener Volks­körper venmag die Kraft aufzübringen, um dem Sturme übermächtiger imperialistischer Strömungen einheitlich, im Bewußtsein seiner historischen Mis­sion entgegentreten zu können. Die außenpolitischen Ausführungen des ehe­maligen Ministerpräsidenten, wie knapp und bündig sie auch gewesen '.sind, standen in organischem und logischem Zusammenhang mit seinem großen politi­schen Leitmotiv. Die These, daß die Donaustaaten ohne Überwindung der kleinlichen Rivalitäten ihre nationalen Ziele nicht verwirklichen können und zu Dienern der Großmächte herabsinken, ist von selte­nem politischen Mute eingegeben und wird hoffent­aber Ihr Dienern gelingt noch immer ein bißchen zu steif. Sie sollten jedesmal, auch wenn Sie nur einen komischen Gelehrten oder einen dicken Viehhändler vor sich haben, an eine schöne junge Prinzessin denken!“ „Bravo, Wellman«! Auftreten und Servieren: zweimal — 1; Dienern: einmal — 2; das ergibt den Durchschnitt von 1.3. Eine ganz passable Note. Ich werde, wenn der bunte Kram da versteigert sein wird, als Kellner keine schlechte Figur machen. Die paar Heller, die sich nach dem Abzug der Schulde i erübrigen dürften, werden mir als Erinnerungsstücke einer ungewöhnlichen Vergangenheit den Nacken für die gewöhnliche Arbeit straffen; und das Denken an die zarte Person wird mir den straffen Nacken beugen. Ich glaube, ich werde meinem Lehrer keine Schande machen. Übrigens; ist mein Paß in Ord­nung?“ „Auch die übrigen Papiere sind es. Der Paß lautet — wie Sie es befohlen haben — auf einen fremden Namen.“ „Wellmann, du warst mir ein 'braver Diener und guter Freund. Ich danke dir dafür. Du weißt es auch, daß den Niedergang meines Hauses im gröbsten nicht ich verschuldete. Mein bißchen Leichtsinn zählt ja im Vergleich mit dem Unfug der Vorfahren kaum. Du wirst sehen, ich werde mich auch in der Notlage behaupten. Und sollte es anfangs nicht gleich gehen ...“ ,,... da nehme ich Sie zu mir. In der kleinen Gastwirtschaft, die ich mir einrichte, werde ich ja selber mit dem Bedienen fertig werden; aber, wenn es sein muß, können wir beide eine Beschäftigung finden. Verzeihung, daß ich Sie unterbrochen habe!“ „Tut nichts, Wellmann.“ „Und noch eins, Herr Baron. Ja, wie soll ich Ihnen denn nur gleich sagen, was ich Ihnen jetzt sagen will? ... Sehen Sie, Herr Baron Herbert, als Ihr gottseliger Herr Vater noch lebte, ist einmal die Altertümerhandlung aufs Schloß gekommen. Sie lieh einen bejahenden Widerhall jenseits unserer Grenzen finden. Dieser Satz knüpft an die jüngste Parlamentsrede des ungarischen Außenministers an und betont nochmals, in einer vielleicht noch plastischeren Form, den Willen Ungarns, seine Hand den Nachbarstaaten zu einer ehrlichen Zusammen­arbeit zu reichen, insoferne die gerechten und be­scheidenen Wünsche der ungarischen Nation be­friedigt wenden. Diese drei großen Gedanken: endgültige Liqui­dierung der Erbschaft des von diktatorischen Ideen beschatteten Gömbös-Regimes, die Zusammenfassung der bürgerlich und freiheitlich gesinnten Elemente des Landes zu einer rechtschaffenen und nüchternen Refomitätigkeit und der Anruf an die Nachbarstaa­ten, den Weg zu Ungarn zu suchen, bilden die drei ideellen • Grundpfeiler, auf denen diese bedeutsame Rede beruht.-Diese drei Gedanken bilden das Rück­grat dieser aufrechten und männlichen Stellung­nahme, die nicht bloß der parlamentarischen Politik Ungarns, sondern auch der gesamten wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung des Landes neue Wege ge­wiesen hat. Noch niehr! Diese Rede beweist, daß Graf Bethlen in der politischen Vereinsamung, die seiner gegenwärtigen sich immer mächtiger gestalten­den politischen Aktivität voranging, nicht bloß zu vergessen, sondern a.ueh zu lernen, verstand. Seine Programmrede bei den allgemeinen Wahlen war noch von Enttäuschung und Ressentiment durch­drungen. Das war noch der alte Bethlen, der all^ Haudegen, der mit seiner Klinge schmerzhafte Wun­den auszuteilfen wußte. Seine Rede im Abgeordneten­haus. die er in der Debatte über die Antrittserklärung der Regierung Darányi hielt, war schon auf eine ver­änderte, wenn auch noch immer harte Tonart ge­stimmt. Statt des Säbels schwang er damals die Peitsche über den Köpfen der sich duckenden Gegner. Seine diesjährige Budgetrede, die der Kanizsaer Rede unmittelbar voranging, war indes schon in allen Stücken auf positive Zusammenarbeit mit der Regierung eingestellt, aus ihr klang die Stimme des Staatsmannes, der in mühevoller nächt­licher Gedankenarbeit den Weg gesucht und gefun­den hat, den Weg, der berufen ist, Ungarn ohne katastrophale Erschütterung seines sozialen und wirt­schaftlichen Gefüges einer besseren und ruhigeren Zukunft entgegenzuführen. In Kanizsa zog Graf Bethlen schon die letzten Folgerungen seiner eigenen, inneren politischen Umschichtung, er bekannte sich offen und vorbehaltlos zu den Reformgedanken, deren Verwirklichung der vorsichtigen und erfah­renen Hand des bewährten Staatsmannes bedarf. hätte eine große Seltenheit- Eine ganz große. Und nur für den Schloßherrn von Wert. Glück oder Un­glück könnte die bringen, je nachdem. Aber nur, wenn sie der Herr selber besitzt.. „Was war das, Wellmann?“ „Dasselbe ftágte auch der gottselige Herr Baron.“ „Und der Händler, was antwortete der?“ „ ,Ieh biete Ihnen das Alraunenmännlein Ihrer Familie an, Herr Baron“, sagte er, zog eine kleine Büchse aus der Tasche und wollte sie öffnen. Aber unser gnädiger Herr wehrte ab. ,-Sie, Jünger,“ sagte er, ,was sind das für Albernheiten: Alraunenmänn- lei'n meiner Familie?“ — ,Das sind keine Albern­heiten, Herr Baron. Fragen Sie bloß Ihre Frau Schwester, die Baronin Amalie! Sie hat das Paar dazu: das Alraunenfräulein Ihrer Familie-“ — ,Da­von habe ich noch nie gehört. Überhaupt: warum bietet Er denn nicht auch das Männlein meiner Schwester an. Jünger?“ — ,Aus Sympathie für den Herrn Baron“. — .Sehr schmeichelhaft. Was soll denn die Phiole kosten?“ — ,Gott bewahre, Herr Baron! Die darf man nicht um Geld geben oder nehmen. Wollen Sie sie haben, Herr Baron, so neh­men Sie sie gütigst als ein Geschenk von mir an! Sie kann Ihnen Glück bringen. Da werden Sie sich erkenntlich zeigen und mir etwas besonderes ab­kaufen. Ich hätte eben einen wunderbaren venezia­nischen Spiegel, wie geschaffen für Ihren gelben Salon...“ — ,Sie kann aber auch Unglück bringen, Jünger- Was dann?“ —,Das Unglück geht vorüber, Herr Baron. Und ich kann warten. Also darf ich hoffen, daß ijh Sie nicht beleidige mit dem kleinen Geschenk?“ — .Nein, Mann. Behalt Er das .Ding nur und laß Er mich in Ruih!“ — ,Gut, Herr Baron. Aber. vielleicht überlegen es sich der Herr Baron noch. Da könnte ich ein anderesmal vorsprechen...“ — .Halt! Ein für allemal: halt! Ich bi nicht aber­gläubisch und mag mit solchen Saclln nichts zu tun halben. Behalt Er das Geschenk! mehalt Er es PREIS 16 FILLÉR Bezugspreise. AnzeIgexm.MM.lu»*. Inland.- In ButepMt in der Administration de*' Morgen- und Abendblatt: Vierteljährlich Pester Lloyd und in den Antógevermitt­-“-MT“*« iworimil ¥ T fivli a«3,;S Äg?Ä'iS,iC3hOSRÖDa^.i5 M lg m ü HTb MM Hll ll I I II iS Ä nicht^ beantwortet kann durch sämtliche ausländischen Jaj SB gggfl JB ra» Säg®. H§S| Jfl Jäl «ja £s|* K BW Offerten sind Dokumente nur in Ab* Postämter bezogen werden; m Wien _MK«L_ mlnffllLitlra uSPk&ib itf&V iinilMl >WL Schrift beizulegen. Für Beilagen lehnt dis auch durch MorawadrCo. L WoUzeile 11. |WH ■HH WK^K^F BHI HHOHn w HMHI Administration jede Verantwortung ab. Einzelnummer; Redaktion und Administration ^?nln^^in?rTS^ndbiatt’lO fillér. MORGENBLATT ^te3Ol0GÍMangS^n4«4O C^' Redaktion t 1-848-20, nach Mitternacht Abädblatt So_______________________________________________ _____________________________________________ 1-848-26. Administration: 1-849-09. 8 4. Jahrgang. Budapest, Dienstag, 1. Juni 1937. Nr. 121 ' Feuilleton« Mandragora. , Von MATHES NITSCH. Im kleinen Speisesaal des Schlosses Zeebenstein brannte der Kronleuchter. Sein Licht ergoß sich aul den blühweißen Tisch, das feine Tafelgerät und den Lakai, der in voller Livree auif dietn Platze des Haus­herrn saß und sich an der feinen Aibend'kost gütlich tat. Der Hausherr selbst, ein junger Mann zwischen zwanzig und dreißig Jahren, elegant, im schwarzen Frack mit weißer Weste und einer ebensolchen Kragenbinde, bediente stumm beflissen den Alten. Er legte ihm Schnitte vom kalten Fisch auf den Teller und löffelte die Mayonnaise zu. Er balancierte auf dem linken Arm die Braten herbei und gab den französischen Salat vor. Die Torte verdoppelte er auf einen leichten Wink des Altén, auch den Käse. Er goß Wein ein, zuerst goldperlenden Tokajer ins schlanke Glas, dann roten Burgunder in den bauchigen Römer. Noch ehe sich der Alte mit der Serviette den Mund abtupfte, brannte die Kerze und wurde mit der Havanna zum Anzündien gereicht. Das Leibblatt wanderte geräuschlos zum bequemen Ent­falten in die Nachbarschaft des Aschenbechers. Da flackerte aber auf der Anrichte längst die Flamme unter dem Glaskocber, daß der schwarze Kaffee rechtzeitig in die Schale fließen konnte. Naohher stand der Baron gedüldig hinter dem Stuhl und wartete. Endlich erhob sich der Alte. Als sie sich min Aiug in Auge einander gegen­über befanden, brach Baron Herbert Zeeben in ein schallendes Lachen aus und rief: „Na, Meister, welche Note verdient der Schüler?“ Der Gefragte lächelte. . „Die Note ist nicht einheitlich, Herr. Baron. Für ■Auftreten und Servieren bekommen Sie eine Eins;

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