Pester Lloyd - esti kiadás, 1938. március (85. évfolyam, 48-72. szám)

1938-03-01 / 48. szám

Miron Christea reist nach Polen. Bukarest, 1. März. Die Gerüchte, wonach Ministerpräsident Miron Christea nach erfolgter Inkraftsetzung der neuen Ver­fassung zurücktreten werde, mit der Begründung, daß er seine Mission erfüllt habe, scheinen sich nicht zu bestätigen. Eine heute veröffentlichte amtliche Mitteilung besagt, daß der Patriarch Ende März eine offizielle Reise nach Polen unternehmen werde, und zwar nicht nur in seiner Eigenschaft als Patriarch der rumänischen orthodoxen Kirche, um den jüng­sten Besuch des polnischen Patriarchen in Rumänien zu erwidern, sondern auch in seiner Eigenschaft als Regierungschef. Die polnischen Behörden treffen be­reits entsprechende Vorbereitungen zum Empfang des rumänischen Ministerpräsidenten, Entspannung im Konflikt um den französischen Arbeitskodex. Paris, 1. März. (MTI) Die Kammer hat gestern bei der Debatte über den neuen Arbeitskodex dem Senat gewisse Konzessionen gemacht, doch ist es im Laufe des gestrigen Tages noch immer nicht gelungen, die Ge­gensätze zwischen den beiden Häusern der Gesetz­gebung auszumerzen. Die Diskussion über das Arbeitsstatut geht heute weiter. Heute Mitternacht war die Geltung des bis­herigen Gesetzes über das Schlichtungsverfahren ab­gelaufen, zugleich haben auch etwa 7000 kollektive Arbeitsverträge ihre Gültigkeit verloren. Über die Erneuerung dieser Arbeitsverträge wird man erst nachVerabschiedung des neuen Arbeitsstatuts sprechen können. Die Nachtsitzung der Kammer gilt nur als suspendiert, so daß die heutige Sitzung als Fort­setzung der für den 28. Februar einberufenen Sitzung im Sinne des Gesetzes zu gelten hat. Durch diese Auffassung ist der Regierung die gesetzliche Möglichkeit geboten, im Amtsblatt das Gesetz über den neuen Arbeitskodex mit dem Datum vom 1. März auch zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen. Die Gegensätze zwischen den beiden Häusern des Parlaments haben sich besonders darin zuge­spitzt, daß die Kammer den Gesetzentwurf unbedingt auch auf die landwirtschaftlichen Arbeitnehmer er­strecken wollte, während der Senat sich diesem An­sinnen verschloß. Es ist wahrscheinlich, daß der Gesetzentwurf noch mehrere Male zwischen dem Senat und der Kammer kursieren wird, doch hält sich in politischen Kreisen das Vertrauen, es werde gelingen, die Gegensätze ohne eine Regierungskrise zu bereinigen. _________ D ie Arbeiterschaft und Schuschnigg. Erklärungen des Bundesministers Hans Bott. Paris, 1. März. (MTI) Der Wiener Korrespondent des Petit Párisién hat mit dem neuernannten Bundesminister für soziale Verwaltung, Hans Rott, eine Unterredung gehabt, in der der Minister feststellte, die österrei­chische Arbeiterschaft besitze eine entsprechende politische Schulung und die Befähigung, die Dinge richtig aufzufassen. Deshalb habe sie auch verstanden, daß vom Gesichtspunkte des internatio­nalen Friedens und des wirtschaftlichen Wieder­aufbaues der Bestand des unabhängigen und freien Österreich von großer Bedeutung sei. Die Arbeiter­schaft, erklärte der Minister, stehe einmütig hinter dem Bundeskanzler Schuschnigg und sei bereit, ihrer Unterstützung eine den Umständen ange­messene Form zu geben. Es wäre ein schwerer Irr­tum, anzunehmen, als ob Bauern und industrielle Arbeiter sich in allen Fragen, die mit dem Bestand Österreichs Zusammenhängen, nicht restlos ver­ständigen könnten. In bezug auf die Zukunft erklärte Minister Rott: Österreich habe bisher aus mehr als einer schweren Krise herausgefunden. Wir Österreicher schätzen den Frieden hoch und haben im Interesse er Aufrechterhaltung des Friedens bereits große Jpfer gebracht. Wir sind entschlossen, den Frieden vorsichtig, aber mit voller Energie zu verteidigen. Man darf nicht dem Fehler verfallen, den Lebens­willen des österreichischen Volkes zu unterschätzen. Ein neues Mitglied des österreichischen Staatsrats. eie phonbericht unseres Korrespondenten. Die heutige Wiener Zeitung gibt bekannt, daß Bundespi-asident Miklas Dr. med. Hugo Jury in ic'PlI in 3 s M!tslied in den staatsrat berufen hat M íe bekannt, ist Dr. Jury der Stellvertreter des Bundesiciters des volkspolitischen Referats dei Vaterländischen Front. Beginn des Unterrichts in Steiermark neuerdings verschoben. (MTI) In den steirischen Mittelschulen sollte der Lnterricht auf behördliche Verfügung heute wieder begonnen werden. Es erwies sich aber, daß die Schulbehörden und Lehrkörperschaften über das Zeigen des Hakepkreuzabzeichens und den soge­nannten „deutschen Grwß“ zu keiner einheitlichen Auffassung gelegen,-kannten. Im Hinblick darauf wurdé"die. Jiröffj|uug\(fcf .Schulen neuerdings ver­schoben, . .... " ' ’ I PREIS 10 FILLÉR Bezugspreise« Anzeigenannahme. Inlandi / t ] . H Budaptst ln der Administration des Morgen- tmd Abendblatt: Vierteljährlich # \ I Pester Lloyd und in den Anzeigevermitt­18 P, monatlich 6.40 P. Nur Morgen- V* Iungen Ala A.-B., Alexander Balogh, J. bl att: Vierteljährlich UP, monatlich 4P. _____ _____ - .. ___ ___ ' ----------------------------- Blookner, 1. Blau, Boros, Braun, loset N ur Abendblatt: Vierteljährlich 8 P. F SSSäfi ABSNS, HBBBHI IMWMH ffifiSMh. Ml HHHI HHN RHs» HSA Erdos, HarsSnyl. Haasenstcin & Vogler, monatlich 3 P. — l ür die separate Zu- gioHu raflB yH mw ^^H^ ^RM^ MM VA wHL JU |S®a lA Cornel Leopold. Julius Loopold, Magyar Hlr­Sendung des Abendblattes nach der Pro- SM iw HH W ML m H W H fSM H H HB ^H ^H ^H ^M ^H detolroda. Rudolf rosso A -Q„ Julius Tenzer. vinz ist vierteljährlich 1P zu entrichten. fflj» ° M ” M- MM I I ■ SB W il V-sHm*. 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Die gestrige Abstimmung im englischen Unter- liause — 226 Stimmen für, 99 gegen die Regierung — zeigt deutlich, daß Ministerpräsident Chamberlain aus dem Kampfe, der um die Neubesetzung des Außenministerpostens entbrannt ist, einstweilen siegreich hervorging — der Kampf ist zwar noch •'nicht beendet, aber die erste Schlacht ist gewonnen. 1 Die Verhandlungen mit Italien können unter den Voraussetzungen freimütigen Vertrauens fortgesetzt werden, die Chamberlain zu verwirklichen suchte, als er im Gegensatz zum früheren Außenminister Eden von Italien kein Schuldbekenntnis und keine „Wiedergutmachung“ irgendwelcher Art forderte, bévör er sich an den Verhandlungstisch setzte. Die Fragen der Opposition, mit denen der Mini­sterpräsident gestern bestürmt wurde, erschöpften sich großenteils in Rekriminationen wegen der Ver­handlungstaktik, über die es zum Bruch zwischen Chamberlain und Eden gekommen war. Einige In­terpellanten suchten zu unterstellen, Chamberlain habe über Edens Kopf hinweg vertrauliche Be­ziehungen mit italienischen Regierungsstellen an­geknüpft, was natürlich in dieser Form der Wirk­lichkeit nicht entsprechen kann. Der Ministerpräsi­dent zeigte im Kreuzfeuer dieser teils scharfen, teils sogar böswilligen Anfragen wieder die große Figur, die im Laufe der ganzen Eden-Krise auf den Plan •getreten war: er war eisig und schneidend, sogar etwas hochmütig und verschlossen, was natürlich die Wut der Labour-Opposition noch mehr erhitzte. Die letzte taktische Operation der Labour-Gruppe bestand darin, die Ernennung Lord Halifax’ zu einer verfassungsrechtlichen Streitfrage, zu einer „issue“, zu machen und die Forderung, der Außenminister müsse dem Unterhause angehören, zu einer Grund­frage des demokratisch-parlamentarischen Prinzips auszuweiten. Dieses Manöver mißlang nicht zuletzt wegen der überraschenden Intervention Winston Churchills, der, nachdem er einige Tage lang die Edensche Politik in allen Tonarten gepriesen hatte, jetzt Lord Halifax sein volles Vertrauen aussprach. Damit wurde die Labour-Oppositon isoliert, und die nach Edens Rücktritt gerade wegen Churchills Haltüng bedrohlich in Erscheinung tretenden Spal­tungssymptome in der konservativen Partei sind wieder verschwunden. Auch der oppositionell-libe­rale Redner Sir Archibald Sinclair trat bei aller kri­tischen Einstellung zur Regierungspolitik schließlich doch für Lord Halifax ein. Das Abstimmungsergeb­nis zeugt deutlich das Abflauen der schon bedrohlich zugespitzten Kampfstimmung. Die Labourpartei blieb in ihrem Kampfe gegen die Chamberlainsche Außenpolitik isoliert und sie versucht jetzt, den Kampf in die öffentliche Meinung hinauszutragen. Als bezeichnend aber für die Be­urteilung der Lage in ihren eigenen Reihen ist der Austritt Lord Arnolds, eines der intimen Freunde des verstorbenen Ramsay Macdonald, zu werten. Die gestrige Protestversammlung der Labourpartei in der Kingsway-Hall brachte indessen keine Über­raschung. In ihrem Mittelpunkte stand die Rede des Fraktions Vorsitzen den der Arbeiterpartei Attlee. Der Abgeordnete behauptete, die derzeitige Re­gierung habe nicht nur :hre Anhänger, sondern ganz England betrogen. Die Arbeiterpartei habe auch dem früheren Außenminister immer kritisch gegenüber­gestanden, weil sie :n ihm den Gefangenen der re­aktionären Kräfte innerhalb der Regierung gesehen habe. Heute sei England in die Zeiten der internatio­nalen Anarchie verfallen. Zur Erklärung Chamberlahs, er halbe die Atmosphäre für den Beginn eines englisch-italieni­schen Meinungsaustausches für günstig gehalten, sagte Attlee, dies sei nicht die Auffassung der Arbe:- terpartei. Weitere Angriffe gegen die von Chamberlain eingeleitete Neuregelung der Beziehungen zwischen England und Italien unternahm am Montag abend der Präsident der englischen Völkerbundgesellschaft Professor Gilbert Murray. Dieser sprach sich gleich­falls für die Polit'k Edens aus, lobte den Völkerbund und erhob die schwersten Beschuldigungen gegen Italien. Ob Chamberlains Sieg endgültig ist, hängt natürlich vom .Verlauf der yon ihm angeknüpften, Verhandlungen mit ItaFen ab. Es gibt ernste An­zeichen dafür — auch der diplomatische Korrespon­dent des Daily Telegraph berichtet in diesem Sinne —, daß parallel mit den cnglisch-itakenischen Besprechungen auch Verhandlungen zwischen Eng­land und Deutschland angeknüpft werden sollen. Das Blatt meint, der Beginn solcher Verhandlungen könne jetzt so gut als sicher angenommen werden, doch macht es die Klärung der Atmosphäre von dem Erfolg des Besuches Ribbentrops in London ab­hängig. Abschfcßend stellt der Korrespondent des Blattes noch einmal fest, daß Frankreich über jeden Schritt unterrichtet werde. Hlinkas Absage an die Prager Koalition. Bekanntlich sind seit einiger Zeit Verhandlun­gen über die Erweiterung der tschechischen Regie­rungskoalition im Gange, die mit der Absicht des Ministerpräsidenten Hodzsa Zusammenhängen, den Schwerpunkt seines Systems weiter nach rechts zu verlagern und die Regierung von ausgesprochenen Linkseinflüssen unabhängig zu gestalten. Diese Ten­denz ist von der 0rößten Partei der Regierungs­koalition, der Agrarpartei, der auch Ministerpräsi­dent Hodzsa angehört, ausgegangen; der Führer des Rechtsflügels dieser Partei Beran möchte bekannt­lich sogar so weit gehen, den außenpolitischen Kurs der Republik abzuändern und statt der Bindung an Sowjetrußland an das Deutsche Reich Anlehnung zu suchen, womit parallel auch eine innenpolitische Annäherung an die Henleinsche Sudetendeutsche Partei vollzogen werden könnte. Dieser letzte Punkt ist es, der die größten Schwierigkeiten der geplanten Umorientierung in sich birgt, denn die meisten tschechischen Parteien sträuben sich doch gegen ein politisches Bündnis mit einer ausgesprochen autoritären Partei. Wie aber die Entscheidung über diese Frage ausfalle, wird in Prager Regierungskreisen die Er­weiterung der Grundlagen der heutigen Koalition als dringendes Bedürfnis empfunden. Ministerpräsident Hodzsa, der die antirussischen Tendenzen eines maßgebenden Teils seiner Partei zu teilen scheint, knüpfte deshalb Verhandlungen mit der scharf anti­russischen Slowakischen Volkspartei des Paters Hlinka an. über diese Verhandlungen legte Hlinka in seiner gestrigen Pozsonyer Rede Rechenschaft ab, und seine Rede klang wie eine entschiedene Absage an die Prager Annäherungsversuche. Pater Hlinka hielt in seiner Rede den Anspruch der Slowaken auf eine ungeschmälerte territoriale und politische Auto­nomie in vollem Maße aufrecht. Er berief sich auf die unerfüllt gebliebenen Punkte des Pittsburger Abkommens und stellte fest, daß das Slowakentum sich mit nichts Geringerem als seiner vollen politi­schen Selbstbestimmung zufriedenneben werde. Der Führer der Slowakischen Volkspartei verwahrte sich energisch gegen den Begriff eines „tschecho-slowa- kischen“ Volkes und erklärte, er werde sich niemals auf eine Bank setzen mit denjenigen, die die Selbständigkeit des slowakischen Volkstums nicht anerkennen. Nach dieser Rede erscheinen die Koalitions­verhandlungen mit Hlinka erfolglos abgeschlossen. Es ist ungewiß, nach welcher Seite hin nunmehr Hodzsa seine Bemühungen fortsetzen wird; soviel steht aber fest, daß die Autonomieforderung der Slowaken eine der großen organischen Schwierig­keiten der tschecho-slowakischen Republik bleiben wird, solange dieses Problem nicht im Sinne der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung aller Völ­ker der Slowakei seine Lösung findet.

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