Pester Lloyd - esti kiadás, 1938. május (85. évfolyam, 97-121. szám)

1938-05-02 / 97. szám

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Blau, Boros, Braun, Josef ariids, Harsányl, Haasenstaln 4 Vogler, Oornel Leopold, Julius Leopold, Magyar Hlr- detdiroda, Rudolf Bossa A.-8., Julius Tänzer. TTneerlanfft» Manuekript» uirdn weder aufbewahrt,noek surüekgeetellt Brief» ohne Bückporto nicht beantwortet. Offerten sind Dokumente nur in Ab* schritt beizulegen. Für Beilagen lehnt dia Administration jede Verantwortung ab. Redaktion, Administration und Druckerei VI, Eötvüs-uccali Telephon: 112—350. 85« Jahrgangs Budapest« Montag, 2» Mal 1938« Nr. 97 Henlein: Unsere Forderungen haben keinen Maximalcharakter. Zusammenstöße in Troppau. — Times über die Rolle Ungarns und Polens. Die tschechische Frage in der europäischen Presse. Die Sudetendeutschen demonstrieren für ihre Gleichberechtigung. Prag, 1. Mai. (DNB)' Die Sudctend eu tsdien begingen den 1. Mai als machtvolle Kundgebung ihres Einheitswillens. Durch die festlich geschmückten Straßen der smfetendeutschen Dörfer und Städte marschierten mehr als eine Million unter den Fahnen der Sudetendeutschen Partei. Haupt­ort der Kundgebungen war Gablonz, wo 40.000 Menschen Konrad Henlein mit lautem Jubel begrüßten, , Henlein erklärt die Karlsbader Forde­rungen für ein Minimum. In einer Ansprache erklärte Henlein, er sei trotz der ablehnenden Haltung der tschechischen Presse überzeugt, daß deren Einstellung dem wirklichen Fühlen und Wol­len des eigentlichen tschechischen Volkes nicht ent­spreche. Man möge doch einmal in einer offenen und unbeeinflußten Volksabstimmung das tschechische Volk befragen, ob es mit dem Deutschen in dauerndem Streit und Haß, oder in Frieden und Gerechtigkeit leben wolle, Henlein fuhr dann fort: —- Die Forderungen, die Ich in Karlsbad gestellt Habe, sind keine maximalen Forderungen, sondern solche, 'die ich als einzig mögliche und als die gerade noch zu­längliche Grundlage betrachte, auf der das nationale Problem einer Lösung zugeführt werden könnte. Hinter diesen Forderungen steht der entschlossene Wille des gesamten geeinten Sudetendeutschtiuns. Niemand hat das Recht, meine Karlsbader Vorschläge als Kriegsansage gufzufassen, es sei denn, daß nicht der Friede, sondern dpr Krieg gewünscht wird, Unser Ziel ist die volle Gleichberechtigung im Staate- Eine solche Neuordnung 1st aber nicht für uns, sondern für ganz Europa lebens­wichtig ist. Von dieser Wahrheit mögen endlich auch jene Mächte Kenntnis nehmen, die glauben, daß eine Unterstützung der tschechischen Vorherrschaftsansprüche dem Frieden Europas dient- Es kann nicht die Aufgabe Europas sein, das Prinzip des tschechischem Herrschafts­und Machtanspruches gegen das Prinzip der Gleich­berechtigung aller Völker und Volksgruppen in der Tsohecho-Slowakei mit allen Mitteln zu stützen. Im Gegenteil: Aufgabe Europas wäre es, diese innere Be­friedung zu beschleunigen. — Ich erkläre noch einmal: Wir werden uns nie­mals mit der Stellung einer Minderheit im Staate einver­standen erklären, und niemals den Tschechen Vorrechte in Form von übergeordneten Herrschaftsansprüchen über uns zugestehen. — (Wir erachten den heutigen Rechtszustamd des Staates als mit den Versprechungen und Zusagen der tschechischen Friedens!^legation, mit dem Staatsvertirag von St.-Gemain und den Grundrechten der Staatsverfas- sumg in Widerspruch stehend und können ihn deshalb auah nicht als Basis für eine dauernde Neuordnung der staatlichen Verhältnisse anerkennen. Wir sind wohl be­reit, die Staatsverfassung als Ausgangsstellung für die Inangriffnahme der Problemlösung anzusehen, betonen jedoch gleichzeitig, daß die Verfassung bei voller Aus­schaltung des Sudetendeutschtums zustande gekommen ist und dem Kernproblem des Staates, dem nationalen Problem, nicht hinreichend gerecht wird. —- Ich erkläre vor aller Welt: Wir wollen keine Vor­rechte gegenüber einem anderen Volk in der Tschecho­slowakei, aber wir wollen auch 'nicht minderberechtigt sein. Wir wollen kein tschechisches Siedlungsgebiet er­obern, aber auch unser eigenes nicht verlieren. Wer die Integrität des Sudetendeutschtums und seines Siedlungs­raumes verletzt — und sie wird seit zwanzig Jahren ver­letzt —, dler macht sich zu unserem Todfeind! — Was jedoch meine Karlsbader Worte zum Ver­hältnis der Tschechoslowakei, zu ihren Verbündeten und dem Deutschen 'Reich betrifft, so habe ich weder etwas zurückzunehmen noch hinzuzufügen. Die tschechische Polizei geht mit Knüp­peln gegen sudetendeutsche Gruppen vor. Prag, 1. Mai. (DNB) Die Polizei in Troppau hat heute gemeinsam mit Kommunisten Gruppen von Sudetendeutschen, die größte Disziplin bewahrten, niedergeknüppelt. Dabei Wirde der, sudetendeutsche Rechtsanwalt Dt, Hampel von sechs Polizeifunktionären halblot geschlagen, so daß er in lebensgefährlichem Zustand ins Krankenhaus ge­schafft werdfen mußte. Eine 56jährige Frau, Idle ange­sichts dieses Vorgehens die Polizisten um Einhalt bat, wurde gleichfalls geschlagen. In einer anderen Straße wurden sudetendeutsohe Jugendliche von 500 Tschechen', die in geschlossenem Zuge marschierten, bedrängt. Ordner der Sudetendeutschen Partei verhinderten durch ihr Da­zwischentreten ernstere Zusammenstöße, während die Tschechen von den Insassen eines militärischen Statioms- kommaai/dos zu weiteren Provokationen aufgefortefert wur­den, Ei n Sudeten deutscher Ordner wurde von den Tsche­chen blutig geschlagen. Der sudetendeutsche Abgeordnete Künzl hat darauf an Innenminister Cerny ein Telegramm gerichtet, in dem er gegen das ungesetzliche Vorgehen der Polizeiorgane protestiert und die Abberufung des Komm andantén (der Troppauer Polizei fordert.. Prag, I. Mai. (MTI)’ Das Tschecho-Slowakische Preßbureau stellt auf Grund offizieller Untersuchungen über die Demonstrationen am Samstag in Troppau folgende Details fest: In Troppau, wo auf Anordnung der Lokalbehörden alle Versammlungen und Aufmärsche für den I. Mai verboten worden waren, versammelte sich Samstag abend auf dem Oberring eine größere Menge, die sich größtenteils aus deutschen jungen Männern zusammensetzte Vier von ihnen wurden von der Polizei angehalten und, nachdem sie sielt legitimiert hatten, entlassen. Hierauf kam wieder eine 400köpfige Menge zusammen und rief im Takte „Sieg, Heil!“ Dann veranstaltete eine hundertköpfige tschechische Gruppe einen ebenfalls nicht gestatteten Aufmarsch ab. Als die beiden Truppen einander be­gegneten, kam es zu Zusammenstößen. Die Polizei intervenierte, jagte die Demonstranten auseinander und säuberte die Straße. Im Verlaufe der polizei­lichen Intervention wurden drei Personen, zwei Deutsche und ein Tscheche, verwundet, so daß sie ins Spital gebracht werden mußten. In dieser Angelegenheit wurde die Untersuchung eingeleitet, die von einem höheren Beamten des Innenministeriums geleitet wird. Sollte die Unter­suchung eine Schuld der Polizei- oder anderer Ver­waltungsorgane feststellen, so werden sie unerbitt­lich bestraft werden. Die Verletzung eines der Deutschen wird von Spitalsärzten als ernst bezeichnet. Gemeinsame Feiern der tschechischen Regierungs­parteien in Prag. Prag, T. Mal. In der Hauptstadt und in zahlreichen Provinzstädten fanden am 1. Mai gemeinsame Feiern der tschechischen Regierungsparteien statt. Die Maifeiern, die vom tschecho­slowakischen Nationalrat veranstaltet wurden, standen unter der Parole „Für die Freiheit der Nation, die Sicher­heit der Republik, die Demokratie und den Frieden An der in Prag veranstalteten Feier beteiligten sich auch die Anhänger der Kommunistischen Partei. Die tschechische Bevölkerung vei sammelte sich auf 17 Sam­melplätzen und marschierte unter Vorantragung von Staatsflaggen auf den Wenzelsplatz, wo die Kundgebung um 10.30 Uhr mit einem Troinpeter,signal eröffnet und unter den Klängen der iSaatshymnen die Staatsflagge auf­gezogen wurde. Auf der vor dem Wenzelde-nikmal errich­tete Tribüne hatten zahlreiche führende tschechische Po­litiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Platz genommen. Die Anhänger der verschiedenen tschechischen Parteien hatten für die Dauer der Kundgebung ihre Parteiabzeichen abgelegt, um so für die Einheit des tschechischen Volkes zu demonstrieren. Der Primator von Prag Dr. Zenkl verlas ein Manifest des Natiolnarates zum Staatsfeiertag. In diesem wird ein- leitend des zwanzigsten Jahrestages der Republik gedacht. Ferner wird darin betont, daß die Tschechen, die ihre nationale Freiheit und staatliche Selbständigkeit im Welt­krieg mit dem Blute ihrer besten Söhne erkämpft hoben, diese Freiheit zu schützen wüßten. Die Feier verlief ohne Zwischenfall und wurde mit Hochrufen auf die tschechoslowakische Republik und ihre Armee geschlossen, Hausdurchsuchung im Klub ungarischer Hochschfiler in Prag. Prag, 2. Mal. '(Mül) Im Verlaufe der auf dem Wenzelsplatz veran­stalteten Maifeier drangen Polizisten in das Lokal dei Klubs ungarischer Hochschüler, der sich auf dem Wen* zeisplatz befindet, ein und hielten die dort weilenden un* garischen Studenten an. Die Lokalitäten des Klubs wur­den geschlossen. Erst bei der Polizei stellte es sich her* aus, daß die angehaltenen Studenten bezichtigt wurden, während des Absingens der tschechischen Hymne am Fenster gestanden, „gelacht und gelärmt“ zu haben. An­gebliche Augenzeugen wollen auch gesehen, haben, daß die ungarischen Studenten eine „lange Nase“ gezeigt hätten. Die Polizei leitete gegen die ungarischen Studenten das Verfahren ein und im Lokale des Klubs der ungarischen Studenten wurde eine Hausdurchsuchung ungeordnet. Ein englischer Schritt in Berlin, Warschau und Budapest? London, Í. Mai. Das vom tschecho-slowak ischen Staatspräsiden­ten Dr. Benes anläßlich des Staatsfeiertages Deutschland dem Führer und Reichskanzler ü* sandte Glückwunschtelegramm wird von ein großen Teil der Presse als Beweis für ein Emlenkc der Prager Regierung und darüber hinaus für die Wirksamkeit eines „Einwirkens von London und Paris“ gewertet. Weiter nimmt man das Telegramm zum Anlaß neuer Vermutungen über das Schicksal der Tschechoslowakei und will dabei nach wie vor von englischen und französischen Vorschlägen in Prag wissen. «Auch ein englischer Schritt in Berlin und U' Umständen auch in Warschau un ' ~ ' wird wieder angekündigt. Allerdings erwähn . pifist mehr das Datum eines solchen Schrittes. Er soll vor­aussichtlich nach Ablauf der nächsten zehn Tage er­folgen. Erst wolle man die Rückkehr Hitlers aus Italien und das Ergebnis seiner römischen Be­sprechungen abwarten, heißt es. Alles in allem hat man jedoch den Eindruck, daß London und Paris als Ergebnis der englisch­französischen Ministerbespreohungen Prag ermahnt haben, den Bogen nicht zu überspanhen. Der meist gutunterrichtete diplomatische Kor­respondent der Sunday Times will in diesem Zusam­menhang wissen, daß die englisch-französischen Rat­schläge auf die Gewährung der lokalen Selbstver­waltung der Sudetendeutschen hinauslaufen. Die Leitung der Außenpolitik, des Verteidigungswesens und Zoll- und Währungsfragen würden jedoch nach wie vor in den Händen der Prager Regierung bleiben, - . London, 2. Ma!. (MTI) Die öffentliche Meinung in England er­wartet mit gespanntem Interesse das Ergebnis der Demarche, die England und Frankreich in Berlin und Prag unternehmen werden, um einerseits zur Mäßigung zu mahnen, andererseits aber aüch Prag nachgiebiger zu stimmen. Die Times glauben, daß die englische und die französische Regierung im Interesse der Befriedung in der Tschecho-Slowakei sich auch der Unter­stützung Polens und Ungarns versichern wollen. Die englische Regierung werde wahrscheinlich in Prag den Rat geben — vielleicht habe sie ihn auch schon gegeben, — alle acht Punkte des Karlsbader Programms Henleins sich zu eigen zu machen, da die Erfüllung dieser Forderungen nach englischer Ansicht mit der Würde eines souveränen und demo­kratisch regierten Staates nicht unvereinbar sei. Voraussichtlich werde diese englische Auffassung auch in dem beabsichtigten Minderheitenstatut zur Geltung kommen. Man hofft, die deutsche Regierung werden dieses Statut in versöhnlichem Geiste beurtei­len und nicht aus dem Auge verlieren daß sie sich in allen ihren Bestrebungen im Interesse einer fried­lichen Regelung auf die englische Unterstützung verlassen könne. Daily Express hat vom Gesichtspunkte der von ihm vertretenen Isolierungspolitik nichts dagegen, das Großbritannien sich auf diplomatischem Gebiete engagiere, doch widerspricht das Blatt allen Absich­ten zur wirtschaftlichen Unterstützung der Tsohe­cho-Slowakei und der übrigen mitteleuropäischen Staaten.- Financial News halten es für unerläßlich, dag die Tschechen bereits in der nächsten Zukunft den * s f m m w­FESTER LLOYD % ABENDBLATT

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